Ausland im Fernsehen! Als VJ unterwegs – von Michael Wigge
Michael Wigge macht sich Gedanken zum Thema VJ-Dasein …
Hallo erst einmal,
das Fernsehen gibt es in Deutschland nun seit 75 Jahren und hat uns zweifellos die große weite Welt ins kleine Wohnzimmer gebracht. Drei Sendungen fallen mir dazu spontan aus meiner eigenen TV Gucker Erfahrung ein:
- Weltspiegel – Top journalistische Weltnews
- Traumschiff – Fiktion, alles ist gut!
- Vox Tours – Aha, das ist ja toll, in das Land will ich auch mal!
Drei Formate, die uns sowohl durch Journalismus als auch durch fiktionale Unterhaltung die Welt präsentiert haben. Klingt erst mal gut, hat mich aber auch öfters frustriert, da ich während meines Studiums in England eine weitere und für mich völlig neue Sparte im britischen TV gesehen habe, die ich in Deutschland bis heute vermisse:
Der Reise -Videojournalist (VJ), der eine persönliche, spannende und unterhaltsame Note in den Auslandsjournalismus bringt.
Im britischen Fernsehen bringen Reisereporter wie Bruce Parry, Louis Theroux oder Michael Palin schon lange ihre weltweiten Geschichten dem Publikum durch persönliches Auftreten vor der Kamera näher. Parry macht die harte Nummer und zeigt den Überlebenskampf im Dschungel, Louis Theroux entdeckt auf feinfühlige Art und Weise und Palin bringt Humor in den Reisejournalismus.
Auf meiner Suche nach deutschen TV Sendern, die einen teils humorvollen, teils journalistisch ernsthaften Reise-VJ in die Welt senden wollten, bin ich oftmals schon zu Beginn mit meinen Formatideen stecken geblieben, es hieß: “Entweder klassischer Journalismus ohne seine Nase dabei in die Kamera zu strecken, oder Sie treten als Comedian auf!” Dazwischen schien es wenig zu geben, was mich immer sehr wunderte und frustrierte.
Aber es geht hier nicht nur um einen Arbeitsplatz für mich, sondern in erster Linie darum den Zuschauer mit einem speziellen Genre anzusprechen, welches Informationen vermittelt und gleichzeitig unterhält. Es geht um Formate, die Nähe und Emotionalität genauso bdienen, wie die eher klassischen bildungsbürgerlichen Erwartungen. Klassische Tierfilme bringen uns die Flora und Fauna aus dem letzten Winkel der Erde nahe, zeigen uns das Leben anderer Kulturen und so weiter. Aber wer hat sich bei einer klassischen, journalistischen 60 Minuten Doku nicht auch schon mal dabei erwischt, trotz interessanter Info abzuschalten? Klar, viele junge Zuschauer sind unterhaltungsverwöhnt, was nicht zuletzt durch unsere Erfahrungen durch Jugendmedien wie MTV oder VIVA geprägt wurde. Schnelle Schnitte der Bilder und unterhaltungsorientierte Inhalte haben eine Generation geprägt.
Deshalb nun meine große Freude, dass sich am Horizont der TV Landschaft einiges tut: VJ Formate finden Anklang, ob im Reise-Genre oder auch bei vielen anderen Themen. Nicht umsonst treffe ich hier bei ZDFneo plötzlich fast alle meine ehemaligen Moderationskollegen der Musiksender wieder, die mit ihrer Persönlichkeit Informationen spannender, lustiger, unterhaltsamer und auch emotionaler machen.
Es gibt immer mehr großartige Kollegen, die alleine mit der Kamera in der Welt unterwegs sind. Ich hoffe, dass unkonventionelle Auslands-VJ Reportagen bald zum Standard der TV Landschaft gehören.
Euer Michael
1 Kommentar | 27. August 2011 | 17:00 Uhr |
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hallo michael,
ich habe eben aus zufall auf zdf neo den letzten teil deiner reise ohne geld gesehen. es war das beste was ich seit langem gesehen habe. ich habe großen respekt vor dem projekt und bin fasziniert und schier überwältigt von den eindrücken die du aufs tv-format gezaubert hast.
danke für die schönen bilder und informationen deiner reise.
mit freundlichen grüßen
stefan