"Jetzt geht's lo-os, jetzt geht's lo-os" - noch zwei Wochen bis zur Wahl, der Endspurt im Wahlkampf. Wer startet mit Schwung in die letzte Kurve?
Glaubt man den Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen und damit den Zuschauern, dann hat Frank-Walter Steinmeier einiges an Boden gut machen können. Insofern kann man ihn wahrscheinlich als den Sieger des TV-Duells bezeichnen.
Doch einen klaren Sieger gab es offenbar nicht: Angela Merkel war eine souveräne Kanzlerin und konnte ebenfalls oft punkten.
Wer hat gepunktet? Die wichtigsten Höhepunkte des Abends kurz zusammengefasst:
Unter dem Titel "Steinmeier zum TV-Duell: "Merkel war besser" erzählen CDU-Mitglieder (mit interessanten Nachnamen!) warum sie Merkel für die bessere Akteurin am heutigen Abend halten.
Update:
Für die SPD hat nun Matthias Groote (MdEP) ein kurzes Video-Statement upgeloaded.
Nicht nur die Spitzenpolitiker von CDU und SPD bewerten den Auftritt ihrer Kandidaten, auch die Opposition und Journalisten reagieren auf das TV-Duell.
Das Duell ist vorbei, jetzt geht es aber erst richtig los! Jetzt ist die Zeit der Spin-Doktoren: Prominente Politiker der beiden Seiten geben der ganzen Auseinandersetzung ihren Dreh, ihren "Spin".
Ronald Pofalla, beispielsweise, der Generalsekretär der CDU, sieht Angela Merkel als klare Siegerin: "Sie hatte in dem Duell die Kompetenz, sie hat klar gemacht, dass sie die Kanzlerin ist." Dass laut Forschungsgruppe Wahlen rund 31 Prozent Steinmeier besser fanden und rund 28 Prozent Merkel, stört Pofalla nicht: "Diese Zwischenstände sagen nichts aus."
SPD-Chef Franz Müntefering sieht in dem TV-Duell einen Schwung für seinen Kandidaten Steinmeier. Die SPD-Sympathisantin Katharina "Super-Nanny" Saalfrank ist da entschieden anderer Meinung: "Steinmeier war sympathisch und inhaltlich stärker als die Kanzlerin."
Und wie sieht die Opposition das Duell? Die FDP ist vor allem sauer, dass das Duell nur zwischen zwei Leuten stattfand und die kleineren Parteien nicht gehört wurden: "Die Opposition gehört aber zur Demokratie," Steffi Lemke von den Grünen sieht große Defizite in der Diskussion: "Klimawandel kam nicht vor, Umwelt kam nicht vor - und das in so einem Duell!" Und Dietmar Bartsch von der LINKEN vermisste klarere Aussagen zu Afghanistan.
Es ist also wie beim Fußball: Man trägt den Schal der eigenen Mannschaft und jubelt bei jedem Angriff der eigenen Leute. Und die Angriffe der Gegner - oder gar Tore? Naja, Zufall.
Im TV-Duell gab es für eine Mehrheit von 40 Prozent
der Zuschauer zwischen den Kanzlerkandidaten keine großen Unterschiede, für
28 Prozent hat sich Angela Merkel (CDU) und für 31 Prozent Frank-Walter
Steinmeier (SPD) besser geschlagen. Unter Zuschauern, die noch nicht genau
wissen, wen sie wählen werden, heißt der Sieger für 18 Prozent Merkel und
für 34 Prozent Steinmeier, für 48 Prozent der Unentschlossenen lagen die
Duellanten auf einem Niveau.
Das ergab eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF.
Robin Meyer-Lucht ist Gründer des Autorenblogs Carta, das in diesem Jahr den Grimme-Online-Award gewonnen hat. Er hat sich die Performance der Moderatoren genauer angesehen:
"Der Einsatz von vier TV-Moderatoren hat sich nicht bewährt. Das sind zuviele, außerdem schienen die Rollen vorher nicht klar genug festgelegt. Die Fragen waren nicht immer glücklich gestellt - sie wirkten oft zu flapsig und respektlos, es gelang nicht, die Unterschiede herauszuarbeiten. Außerdem wurde zu häufig des "Horserace" angesprochen - zuviel politics, zuwenig policy, und zuviele Metaphern wie die "Tigerenten-Koalition".
Im Grunde war es Duell "Politiker gegen Moderatoren". Der ganze Rhythmus des Duells hat nicht funktioniert. Keine griffigen Fragen, keine kompakten Antworten. Insgesamt ist es nicht mehr zeitgemäß, dass die vier großen TV-Stationen das Bewegtbild für sich beanspruchen. Das ist zuviel TV-Journalismus beim Duell, der deutsche Journalismus kann mehr. Obwohl es bei Phoenix doch noch einen Stream gab, war die Veranstaltung insgesamt noch einmal eine Triumphinszenierung des alten TV-Journalismus."
CDU: "Souveräner Auftritt der Kanzlerin, klare Siegerin des #tvduell #cdu+ #ak" (http://twitter.com/teamdeutschland/status/3960988534)
SPD: "Die Stimmung bei der #spd+ : http://twitpic.com/hml7z Die Stimmung bei der #cdu- : http://twitpic.com/hml5w #tvduell" (http://twitter.com/spdde/status/3961028027)
Vor der Debatte haben wir einige Experten um kurze Statements zur Debatte gebeten, nach Eingang dieser Live-Kommentare platzieren wir sie im Blog. Claus Leggewie ist Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, zuletzt hat er gemeinsam mit Harald Welzer das Buch "Das Ende der Welt wie wir sie kennen" veröffentlicht:
"Als rigoroser „Ein-Thema-Wähler", der seine Wahlentscheidung ganz darauf konzentriert, was ihm die Kanzlerkandidaten zur Eindämmung gefährlichen Klimawandels und zum Einstieg in eine nachhaltige Gesellschaft in Aussicht stellen (vgl. hier) habe ich in dem Duell/Duett wenig abgewinnen können.
Der Begriff „nachhaltig" kam nach elf Minuten von der Kanzlerin mit Blick auf die Finanzkrise, ohne dass sie den Begriff ausführte, dann verteidigte das Duett über viele Minuten länger die absolut nicht nachhaltige „Opel-Rettung". Merkel stimmte das hohe Lied auf die „Erneuerbaren" an, musste da aber nicht konkret werden, weil das Moderatoren-Quartett die Kombattanten auf das Thema Managergehälter und Boni lenkte und eine absolut platte „Wachstum schafft Arbeit"-Suada auslöste. Da der weitere Verlauf des Duells das Klimathema nicht mehr aufbrachte, das Duett insgesamt aber ein Bewerbungsgespräch für die Fortsetzung der schwarz-roten Koalition war, weiß ich, was ich als Regierungsberater in Sachen Globale Umweltveränderungen die nächsten vier Jahren vor mir habe."
Vor der Debatte haben wir einige Experten um kurze Statements zur Debatte gebeten, nach Eingang dieser Live-Kommentare platzieren wir sie im Blog. Thomas Ramge ist Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor, er hat bei der Diskussion zur Lage der Wirtschaft genauer hingehört:
"Die ersten Runden zu Wirtschaftsthemen sind
Alle vier Journalisten sind offenkundig fest davon überzeugt, dass niemand länger als einen Halbsatz reden darf. Das nervt gehörig. Merkel hat keinen leichten Stand.
Dann schalte ich schnell zu den Simpsons. Nat Flanders ist deutlich schlagfertiger."







