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Würdiger Abgang
Man wusste es ja schon bevor er es aussprach: Christian Wulff ist nun also doch zurückgetreten. Spannend war nur die Frage, wie er diesen Schritt begründen würde. Gerechnet hatte ich damit, dass er es auf den „unerträglichen Druck“ schieben würde, dem er seine Familie nicht länger aussetzen könne. Doch dann kam etwas, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte: Christian Wulff kündigte an, er habe jetzt feststellen müssen, dass er nicht mehr das notwendige Vertrauen der Menschen genieße und deshalb nun „zügig den Weg frei machen“ wolle, für einen Neuanfang. Im Ernst, mit so einer Hammerpointe konnte man doch wirklich nicht rechnen. „Zügig“! „ZÜGIG“! Dieser Rücktritt war so zügig wie eine Wanderdüne, ein Gletscher – wobei selbst die teilweise schneller unterwegs sind. Eine würdige Verabschiedung war das. Also jetzt nicht „würdig“ im normalen Sinne, sondern eines Christian Wulff würdig.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 17. Februar 2012 | 10:04 Uhr |
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Einsame Vegetarier
Dem Internet entnehme ich, dass am heutigen 16. Februar im „veganen Restaurant Viasko“ ein weiteres Speed-Dating für Vegetarier und Veganer veranstaltet wird. Das so genannte „Veggie-Speed-Dating“ bewirbt die Seite wie folgt: „Liebe geht bekanntlich durch den Magen und wenn Einigkeit über das Essen herrscht, ist das ein nicht unwichtiger Harmonie-Faktor in zahlreichen Beziehungen. Deshalb wünschen sich viele Menschen einen Partner mit ähnlicher Ernährungsweise, da so der gemeinsame Alltag erleichtert, unangenehme Situationen vermieden und auf wiederkehrende Fragen wie “Ist das auch vegan oder vegetarisch?” verzichtet werden kann. (…) Die Kosten betragen 15 Euro inklusive Häppchen. Mitglieder des Vegetarierbunds Deutschland (VEBU) zahlen bei Vorlage der VEBU-Card zehn Euro.“ Tolle Sache! Allerdings sehe ich da dann doch ein Problem. Sicherlich wird es bei einer so groß angelegten Pflanzenesserverkupplung in einem Veganer-Restaurant nicht zu Unstimmigkeiten hinsichtlich der Ernährungsweise kommen, aber andererseits sind für eine erfolgreiche Partnerwahl die Freuden des Fleisches auch nicht unwichtig. Könnte also schwierig werden.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 16. Februar 2012 | 13:29 Uhr |
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Kindersteuer
Junge Unionspolitiker fordern jetzt eine Sondersteuer für Kinderlose über 25. Das Geld soll investiert werden, um die aufgrund des demographischen Wandels schmelzenden Beträge für Rente etc. aufzubringen. Wer dem Sozialversicherungssystem keine Kinder schenkt, soll also wenigstens dafür bezahlen. Nun ist es ja keine schlechte Idee, die zeugungsunwilligen Deutschen da zu packen, wo es weh tut, also beim Geld. Aber, auch wenn das jetzt vielleicht eine total verrückte Idee ist, man könnte auch einfach mal ernst machen mit dem Versuch, die Rahmenbedingungen für Familien so zu verändern, dass Kinder kein Armutsrisiko mehr darstellen und Familien und Beruf vereinbar sind. Ist jetzt auch kein sonderlich origineller Vorschlag. Wenn aber parallel zu diesem Vorschlag junger Unionspolitiker unsere ebenfalls junge Familienministerin und junge Mutter Kristina Schröder bekannt gibt, dass Ländern und Kommunen erst 1,38 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes von 2,15 Milliarden Euro zum Ausbau der Kindertagesstätten abgerufen hätten, dann kann man das doch noch mal anmerken.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 15. Februar 2012 | 10:46 Uhr |
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Europa · Eurokrise · Regierung · FDP
Unerwarteter Erfolg
Als der FDP-Europaabgeordnete und ehemalige Doktortitelträger Chatzimarkakis vor einigen Tagen den Vorschlag machte, Griechenland „in allen Sprachen konsequent Hellas“ zu nennen, weil der Name Griechenland „bei vielen in Europa für ein kaputtes politisches System, Vetternwirtschaft“ stehe und man mit einer Umbenennung dem Land ein neues Image verpassen könne, da dachte ich: Was für ein Quatsch! Aber was meldet heute früh die Nachrichtenagentur Reuters? „Lammert – Zeit für Ja des Bundestags zu Hellas-Hilfen ist knapp“. Dann wollen wir mal abwarten ob jetzt wirklich viele Menschen sagen: Na dann helft diesem Hellas mal schnell, Hauptsache ihr gebt das Geld nicht den Griechen. So oder so, schon mal ein schöner Erfolg für die FDP. Vielleicht könnte die sich auch einfach in Liberale Partei Deutschlands umbenennen, weil der Name „FDP“ bei ganz vielen Menschen für eine kaputte politische Partei, ergaunerte Doktortitel und Vetternwirtschaft mit Hotelbesitzern und Stromkonzernen steht.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 14. Februar 2012 | 18:12 Uhr |
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Nochmal Santorum
Das man Rick Santorum, den Kandidaten für das Amt des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, durchaus als religiösen Hardliner bezeichnen kann, ist bekannt. Doch auch auf anderen Politikfeldern ist der Mann relativ geradlinig. Nehmen wir nur mal seine Position in Sachen Sozialprogramme: „Ich will nicht das Leben von schwarzen Bürgern besser machen, indem ich ihnen das Geld anderer gebe. Ich will ihnen die Möglichkeit geben, rauszugehen und das Geld zu verdienen.“ Was ja im Prinzip ein schöner Ansatz ist. Allerdings möchte ich einschränkend hinzufügen: Man kann denen, die wenig haben, durchaus etwas vom Geld derjenigen geben, die viel davon haben. Denn die, die viel haben, haben deshalb viel, weil sie oder ihre Vorfahren es vorher jemand anderem auf die eine oder andere Art weggenommen haben. Das Ganze ist und bleibt eine Verteilungsfrage. Es sei denn natürlich, Santorum glaubt an eine finanzpolitische Speisung der 5000, wo sich das Geld auf wunderbare Weise vermehrt, so dass am Ende jeder Millionär sein kann.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 13. Februar 2012 | 09:01 Uhr |
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Andere Präsidenten
Vor lauter Freude über unseren Präsidenten wäre uns jetzt fast durchgerutscht, dass die Vorwahlen der Republikaner für die Präsidentschaftswahl der USA einen gewissen Rick Santorum wieder nach oben gespült haben. Überrascht fragen wir uns: Was ist denn das für einer? Nun, trägt man zusammen, was Agenturen und andere, die es wissen sollten, so schreiben, ergibt sich folgendes Bild: katholisch, kompromisslos rechts, unerschütterlich religiös. Santorum will die Homosexuellenehe per US-Verfassung verbieten lassen und stellt die Evolutionstheorie öffentlich infrage. Die Theorie der globalen Erwärmung nennt er absurd. Er würde gerne Abtreibungen auch bei Vergewaltigungen und Inzest verbieten. Da sage ich doch: Warum nicht? Mit George W. Bush hatten wir schließlich auch eine Menge Spaß und der sah viele Dinge so ähnlich.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 12. Februar 2012 | 10:34 Uhr |
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Liebesbotschaften
Vor dem Valentinstag haben dutzende Ökonomen Liebesgrüße an die US-Notenbank (Fed) geschickt. Der Ökonom Justin Wolfers sandte als erster eine Liebeserklärung zur Niedrig-Zins-Politik der Fed über Twitter. „Du bist mein Goldstandard“, zwitscherte er und brachte damit eine Welle von Botschaften in Schwung. „Ich würde Dich gern über Nacht ausleihen und dich bis zur Exspiration halten“, schrieb Alan Beattie von der „Financial Times“. “Lass mich Dein Liebhaber der letzten Instanz sein“, steuerten die Moderatoren einer Radioshow bei. Nach hunderten derartigen Grußbotschaften, antwortete die Fed-Abteilung in San Francisco: „Meine Liebe ist elastisch, mein Commitment zu groß zum Scheitern.“ Die Fed-Abteilung in Atlanta schrieb: „Bei Dir zu sein, lässt meinen Puls um mehrere Basispunkte ansteigen.“ Ist doch schön, dass man in der Wall Street und in der Fed so gute Laune hat. Aber wenn die Liebe vergeht, raten Sie mal, wer dann für die Alimente aufkommen muss.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 11. Februar 2012 | 15:01 Uhr |
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Nachvollzugsversuchverweigerung
Gestern habe ich ja noch versucht, die ganze Geschichte mit dem Urlaub auf Sylt und dem angeblich bar zurückgezahlten Geld für das Hotelzimmer nachzuvollziehen. Und schon ist wieder was Neues. Wobei jetzt nicht neu ist, dass David Groenewold, Filmförderer und jener Wulff-Freund, der die Syltrechnung zumindest vorgestreckt hatte, im Januar das Hotel auf Sylt angerufen und gebeten hat, keinerlei Informationen über diesen Urlaub an BILD, Spiegel oder sonstwen weiter zu geben. Auch war bereits bekannt, dass Groenewold dann höchstpersönlich nach Sylt gereist ist, um die entsprechenden Belege etc. einzusammeln. Was mir jetzt aber neu war, ist die Aussage von Groenewolds Anwalt, sein Mandant habe zu keinem Zeitpunkt darum gebeten, die Unterlagen zum Aufenthalt „zu vernichten, zu manipulieren oder ähnliches“. Es sei lediglich nach Sylt gefahren, „um sich Kopien aus den Rechnungsunterlagen anzufertigen“. Und wieder versuche ich das nachzuvollziehen. Für das ZDF war ich mal in Passau und habe dort in einem Hotel übernachtet. Leider war auf der Rechnung dann mein Name angegeben und nicht der des ZDF, weshalb die Verwaltung damit nichts anfangen konnte. Daraufhin bin ich allerdings nicht nochmal nach Passau gefahren, um persönlich eine korrigierte Fassung der Rechnung abzuholen, sondern habe einfach angerufen und zwei Tage später lag die richtige Rechnung im Briefkasten. Aber vielleicht hat dem Groenewold keiner gesagt, dass man Rechnungskopien auch zugeschickt bekommen kann. Vielleicht.. ach wissen Sie was, ich habe keine Lust mehr, diesen Quatsch nachzuvollziehen. Das mag ja alles genauso sein, wie die Anwälte sagen. Aber dann fordere ich, dass man Sprichwörter wie „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“ oder Redensarten wie „wenn etwas aussieht wie eine Kuh, klingt wie eine Kuh, riecht wie eine Kuh, dann ist es auch eine Kuh“ umgehend aus der deutschen Sprache zu verbannen, da sie klar widerlegt wurden.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 10. Februar 2012 | 14:51 Uhr |
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Nachvollzugsversuch
Habe ich das jetzt richtig verstanden: Der Filmförderunternehmer David Groenewold war 2007 mit Wulff und dessen Frau Bettina auf Sylt und hat die Übernachtung für das damalige Ministerpräsidentenpaar bezahlt? Wulff hat ihm aber, so zumindest die Anwälte, das Geld (um die 700 Euro) noch im Hotel in bar zurückgegeben. Genauso wie ein Jahr später, da soll Wulff Groenewold sogar anderthalbtausend Euro in bar zurückerstattet haben. In bar? Cash auf die Kralle? Stellen Sie sich das mal bildlich vor: Du, David, ich hab nur zwei Fünfhunderter, kannst Du rausgeben? Obwohl, da er das Geld ja erst besorgen musste, war Wulff ja wahrscheinlich am Geldautomaten. Da kriegt man doch meist nur Fünfziger. Das heißt, er hatte 2008 dann so einen Briefumschlag mit dreißig Fünfzigern, die er Freund Groenewold überreicht hat? Oder hat er schon zu Hause, bei der heimischen Bank, sich die entsprechende Summe besorgt und die ganze Zeit mit sich herumgetragen. Warum aber hat er dann erst nach drei Tagen beim Auschecken gezahlt? Und wieso konnte er das Geld nicht überweisen, wenn Groenewold schon das Ganze gebucht hat. So ein Ministerpräsident kriegt doch nicht überraschend morgens einen Anruf, ob er Lust habe für drei Tage mit nach Sylt zu kommen. Sowas muss doch in den Terminplan passen, also entsprechend länger eingeplant sein. Also hätte er doch schon vor der Reise entsprechend Zeit gehabt, gerade eine Überweisung zu tätigen. Und… nein, verehrte Anwälte von Christian Wulff, nicht klagen. Ich bezweifele doch gar nicht, dass es genau so war, wie Sie es behaupten, ich versuche wirklich nur, mir das vorzustellen. Und das ist nun mal wirklich nicht leicht.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 09. Februar 2012 | 16:14 Uhr |
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Ausland · Opposition · Regierung · Neues aus den Ländern · Saarland
Wahlkampf outsourcen
Gefragt nach der Wahlkampfhilfe von Angela Merkel für den französischen Präsidenten Sarkozy sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann: „Jetzt haben wir plötzlich drei Wahlen. Eine im Saarland, dann in Schleswig-Holstein und dann in Frankreich. Wir wollen alle drei Wahlen gewinnen.“ Was mich auf folgende Idee bringt: Parteien, vergesst einfach das Saarland und Schleswig-Holstein. Diese Zonenrandgebiete interessieren doch eh keinen. Die Vorstellung, dass unsere Politik sich künftig nur noch mit Wahlkämpfen im Ausland beschäftigt, finde ich persönlich wahnsinnig reizvoll. Was einem da an Plakaten, Spots und Kontaktaufnahmeversuchen in Fußgängerzonen erspart bliebe – unbezahlbar.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 08. Februar 2012 | 09:12 Uhr |
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