Revisionismus revidieren

Es ist mittlerweile ja auch schon wieder zwei Tage her, dass die große Vorsitzende aller Vertriebenen und CDU-Abgeordnete, Erika Steinbach, für Aufsehen sorgte, indem sie via Twitter auf folgenden Sachverhalt hinwies: „Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI.“ Im Weiteren hat sie auch noch darauf hingewiesen, die Nachkriegs-SPD sei nicht frei von Nazis gewesen. Nun hatte ich mich eigentlich entschlossen, dass unkommentiert zu lassen, man muss ja nicht jede strunzdumme Äußerung kommentieren, zumal diese nicht einmal besonders originell ist. Schließlich hatte Edmund Stoiber in seinen schönsten Fallbeilzeiten Ende der 70er darauf hingewiesen, Nazis seien vor allem auch Sozialisten gewesen. Aber im Gespräch über Steinbach ist mir nun wieder eingefallen, wann ich vor dieser Twitter-Geschichte zuletzt von Frau Steinbach gehört hatte: Das war, als sie feststellte, die Polen hätten 1939 zuerst mobil gemacht. Damit hatte sie zwischen den Zeilen bekannt gegeben, dass eigentlich die Polen den Zweiten Weltkrieg begonnen haben und den Deutschen quasi nichts anderes übrig blieb, als in Polen einzumarschieren. Was ich jetzt gerne wüsste ist, ob sie dieses Urteil nicht revidieren möchte, nachdem sie herausgefunden hat, dass Deutschland damals von Linken regiert wurde. Denn wenn jetzt doch Deutschland den Krieg angefangen haben sollte, dann wäre ja quasi die Linke, also die Sozialdemokraten und Kommunisten, die damals in den Gefängnissen und Lagern saßen, die wären dann Schuld am Schicksal der deutschen Vertriebenen. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 04. Februar 2012 | 09:00 Uhr | Twittern | Facebook

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