Geschenkter Gaul
Immer neue Details über Wulffs ehemaligen Sprecher und langjährigen engen Vertrauten Olaf Glaeseker und dessen Verbindung zum Eventmanager Manfred Schmidt werden bekannt. Einiges davon überrascht selbst Menschen die immer nur Schlimmste annehmen. So zum Beispiel, dass Glaeseker für die Wirtschaftsveranstaltung „Nord-Süd-Dialog“ nicht nur Sponsoren, sondern auch studentische Servicekräfte bei der Medizinischen Hochschule Hannover angefordert, die Rechnung der Universität dann aber nicht bezahlt haben soll. Noch überraschter als ich ist aber sicherlich der Bundespräsident, der ja immer nur das Beste im Menschen vermutet. Deshalb betont er jetzt auch erst einmal, dass auch für Herrn Glaeseker die Unschuldsvermutung gelte. Auch wenn das bedeutet, gleichzeitig anzunehmen, dass ein ganzes Heer von Zeugen aus Universität und Sponsoren lügt. Wulff selbst hat von der ganzen Sache natürlich nichts mitbekommen. Auch nicht davon, dass Glaeseker offenbar viel häufiger als bislang angenommen, in Schmidts Ferienhäusern in Südfrankreich und Spanien Urlaub gemacht hat. Sicher, Glaeseker war ein ganz enger Vertrauter, aber wer spricht schon mit seinen engsten Freunden darüber, wo er denn im Urlaub war? Oder mit seiner eigenen Staatskanzlei über die Herkunft all der Sponsoren bei einem Wirtschaftstreffen? Das wäre ja so, als wenn Sie mit Ihrem Verleger darüber sprächen, wer denn die Werbung für das Buch bezahlt. Oder mit Ihrem Ghostwriter über die Frage, wie dieser das Buchprojekt eigentlich finanziert? Oder als würden sie ihren Bankberater fragen, ob so ein rollierendes Geldmarktdarlehen wirklich jedem normalen Kunden angeboten würde? Oder die Fluggesellschaft, wer denn das Upgrade des Fluges bezahlt habe? Oder als müssten sie fragen, wer denn das Bier beim Oktoberfest ausgegeben habe? Nein, es wäre nun wirklich komplett weltfremd, zu erwarten, das jemand solche Fragen stellt. Oder, um es mit dem Bundespräsidenten zu formulieren: Ich möchte doch auch nicht in einem Land leben, in dem man einem geschenkten Gaul ins Maul schauen muss.
Kommentieren | 22. Januar 2012 | 17:09 Uhr |
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