Souveränere Reaktion

Gestern hatte ich mich ja mit der Reaktion, besser gesagt der Nichtreaktion der Bundeskanzlerin auf  die Kritik des Bundespräsidenten an der Arbeit der Koalition, sowie seinen Aussagen zum fehlenden Spielraum für Steuersenkungen beschäftigt. Ein bißchen peinlich ist das schon. Guido Westerwelle agiert da deutlich souveräner: „Wir begrüßen die Mahnungen des Bundespräsidenten zu mehr Reformmut und zur Entlastung der Mittelschicht. Wir nehmen diese Mahnungen für unsere Regierungsarbeit sehr ernst.” Zur Kritik des Präsidenten an den ersten 100 Tagen von Schwarz-Gelb schwieg der Vizekanzler. Großartig, oder? Stellen Sie sich mal vor, meine Chefin vom Dienst käme nach dem Lesen dieses Textes zu mir und sagte: „Das ist erstens nicht lustig, zweitens hundsmiserabel formuliert, drittens inhaltlich falsch und viertens glaube ich nicht, dass eine Deiner Ideen für die kommenden Tage ernsthaft Chancen hat, auf unserer Seite veröffentlicht zu werden”. Wissen Sie, was ich Ihr dann antworte? „Ich begrüße Deine Mahnungen zur Verbesserung des Stils in der Satire und zur Belustigung des Publikums. Ich nehme diese Mahnungen in meiner weiteren Witzearbeit sehr ernst.” Und wenn ich das sagen würde, ginge meine Chefin vom Dienst umgehend zu unser beider Oberchefs, um mich wegen Verhöhnung von Vorgesetzten entlassen zu lassen. Tja, Herr Köhler, denken Sie mal drüber nach.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 23. März 2010 | 17:30 Uhr | Twittern | Facebook

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