Jugendoffensive

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will mal wieder für Jugendliche attraktiver werden. Selbstverständlich überlegt man in diesem Zusammenhang, wie man mit Hilfe von Blogs, Foren und dergleichen die Jugendlichen besser erreichen kann. Auch eine Öffnung für populäre Jugendkultur, in der Ästhetik und Inszenierung mehr Platz fänden, darf da nicht fehlen. Wer je mitbekommen hat, wie in Kirchen Gottes Botschaft extrem jugendlich gerappt wurde, möge sich seinen Teil denken. Wirklich interessant an der neuesten Jugendinitiative der EKD fand ich allerdings die Forderung der ehemaligen Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, besser auf den Wunsch vieler Jugendlicher nach alltäglicher Ästhetisierung zu reagieren: „Schlecht gepflegte Kirchen, unaufgeräumte Ecken, Häkeldeckchen in Gemeindesälen und zusammengesuchtes Geschirr strahlen eine Alltagsästhetik aus, die (nicht nur) auf Jugendliche wenig anziehend wirkt”. Sehr geehrte Frau Käßmann, wenn meine Tochter Ihnen irgendwann einmal weiszumachen versuchen sollte, sie bliebe der Kirche aufgrund der Unordnung im Gemeindesaal fern, dann erteile ich Ihnen hiermit schon mal die Erlaubnis ihr zur antworten: „Räum erst einmal Dein eigenes Zimmer auf”. Persönlich habe ich nämlich den Eindruck: je mehr unaufgeräumte Ecken, schmutzige Wäsche, alte Eisstiele und aus der gesamten Wohnung zusammengesuchtes Geschirr sich in diesem Zimmer befinden, desto lieber hält sie sich dort auf. Allerdings: Häkeldeckchen gibt es keine.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 28. Februar 2010 | 09:06 Uhr | Twittern | Facebook

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