Gottes letzter Ausweg

Wenn es mal gar nicht mehr weitergeht, wenn man aus einer Situation einfach nicht mehr rauskommt, dann bleibt nur eines: sich reumütig zeigen, Besserung geloben und Schuld eingestehen. Das gilt zumindest für uns Menschen. Für Gott gilt das selbstverständlich nicht, denn, da sind sich führende Weltreligionen einig, Gott darf eigentlich keine Fehler machen. Das würde das ganze Konzept in Frage stellen. Und deshalb hat sich Gott für solche Situationen, in denen er aus einer Sache einfach nicht mehr rauskommt, was ganz Besonderes ausgedacht. Nein, nicht die Sintflut, das war früher mal. Heute hat er was viel Eleganteres: Bischof Walter Mixa aus Augsburg. Zum offenbar hundertfachen Mißbrauch von Kindern an katholischen Schulen erklärte Mixa, dass „die sogenannte sexuelle Revolution sicher nicht unschuldig” daran sei. Auch die Sexualisierung des öffentlichen Lebens durch die Medien sei für derlei Dinge verantwortlich. Ist das nicht großartig? Was für eine (der Bischof möge mir das Lehnwort aus einem anderen religiösen Kulturkreis verzeihen) Chuzpe! Mit Mixa kommt man wirklich aus jeder Klemme. Gott sollte sich überlegen, die Finanzprobleme der Kirchen mit Falschgeld zu lösen. Wenn das auffliegt, kann der Mixa ja erklären, die sogenannte Erfindung des Buchdrucks durch einen gewissen Gutenberg sei daran mit Sicherheit nicht unschuldig.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 21. Februar 2010 | 10:00 Uhr | Twittern | Facebook

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