Wissen Sie, was schrecklich ist? Wenn man einer Meinung mit Leuten ist, die man eigentlich noch nie leiden konnte. Oliver Kahn beispielsweise! Oder Klaus Meine! Oder eben auch Cornelia Pieper von der FDP. Die hat sich aber jetzt als Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen gerade über einige Unions-Abgeordnete des Europäischen Parlaments ereifert und ich muss leider zugeben: Ich bin absolut ihrer Meinung. Selbige Abgeordneten haben nämlich von Guido Westerwelle gefordert, er solle sich gefälligst nicht nur um die Vergangenheit von Erika Steinbach kümmern, sondern auch einmal nach der Vergangenheit der polnischen Stiftungsratsmitglieder fragen. Nun hat der Stiftungsrat gar keine polnischen Mitglieder, im wissenschaftlichen Beirat allerdings sitzt der polnische Historiker Tomasz Szarota und ob nun Beirat oder Stiftungsrat, ist ja egal. Zumal Szarota sich angesichts dieses Briefes nun auch schon wieder von dieser Aufgabe zurückgezogen hat. Wohl auch besser so, sonst hätte noch einer in seine Vergangenheit geschaut und festgestellt, dass Szarotas Vater höchstwahrscheinlich 1939 von den Nazis hingerichtet wurde. Der Mann ist doch ganz klar befangen. Im Gegensatz zu Erika Steinbach, deren Eltern ja erst als Besatzer nach Polen kamen und es dann wieder verließen, ohne langjährige Wurzeln zu verlieren. Die ist doch definitiv viel unabhängiger in ihrem Urteil und damit viel besser als dieser Geschichtsprofessor geeignet, sich um die Materie zu kümmern.
Eines muss man Obama und seiner Regierung ja lassen, sie hat originelle Ideen. Die umstrittene Gesundheitsreform wird ja von vielen Amerikanern auch deshalb abgelehnt, weil sie zunächst einmal eine nicht unerhebliche Startinvestition verlangt. Eine der Ideen, dieses Problem zu lösen, ist nun, eine Steuer auf Schönheits-Operationen zu erheben, deren Erlöse die Reform finanzieren könnten. Super-Idee! Und wenn er schon dabei ist, könnte Obama auch gleich noch für Nationalflaggen eine Steuer erheben und mit dem Geld dann den Heimtransport und die Begräbnisse der gefallenen Soldaten finanzieren.
Kurz vor Jahresende schnell noch ein kleiner Tipp an die Bundesregierung: Liebe Bundesregierung, Du hast doch immer Ärger wegen der Vorratsdatenspeicherung, weil die angeblich verfassungsrechtlich bedenklich ist und die Telefongesellschaften keine Lust haben, die Verbindungsdaten ihrer Kunden so lange Zeit zu speichern. Hier mein Ratschlag: Kauft die Daten doch einfach auf dem Schwarzmarkt, da werden mittlerweile so viele Daten gehandelt, dass das eigentlich nicht mehr die Welt kosten kann.
Der französisch-amerikanische Schriftsteller Jonathan Littell hat für seinen Roman „Die Wohlgesinnten" eine weitere literarische Auszeichnung gewonnen: Die fiktive Beichte eines SS-Manns erhielt 2009 den Preis für „den schlechtesten Sex in einer Erzählung" des Londoner Magazins „Literary Review". Zwar bescheinigten die Juroren des Literaturmagazins Littells Roman, in Teilen „das Werk eines Genies" zu sein. Doch seine Sex-Szenen, in denen Gefühle unter anderem mit dem Auslöffeln von Eis verglichen werden, bezeichneten sie als ziemlich misslungen. Ein Preis für den schlechtesten Sex in einer Erzählung? Was ist das denn für ein Preis? Zumal wenn man das Werk als solches gelungen findet. Vermutlich ist es ein Preis, der nur dazu dient, dass der Preisstifter in die Presse kommt, was ja auch funktioniert. Was kommt als nächstes? Ein Preis für die Hauptdarsteller eines Films, die am häßlichsten wären, wenn sie nackt wären, was sie aber nicht waren?
Nachdem das Fest nun rum ist, kann ich vielleicht noch kurz nachschieben, dass eine Umfrage des Krankenversicherungsvereins Deutscher Ring im Advent ergeben hat, dass viele Deutsche von Weihnachtstraditionen die Nase voll haben. 21 Prozent der Bundesbürger hätten beispielsweise den obligatorischen Festschmaus an den Weihnachtstagen im wahrsten Sinne des Wortes satt. Jeder Fünfte kann die immer gleichen Weihnachtslieder, die im Radio, in Kaufhäusern und auf Weihnachtsmärkten gespielt werden, nicht mehr hören. Auch die Tradition des Schenkens stört manche Bundesbürger: 17 Prozent würden gerne darauf verzichten. Als Gründe werden der vorweihnachtliche Shopping-Marathon und Unbehagen über den Konsum-Zwang genannt. Nun, liebe Deutsche, dann müsstet Ihr Euch eigentlich nur noch eines fragen: WARUM MACHT IHR DIESEN WAHNSINN DANN JEDES JAHR WIEDER MIT? Nicht dass Sie das jetzt falsch verstehen, ich liebe Weihnachten! Ich liebe Weihnachtsessen, ich höre gerne Weihnachtslieder, ich liebe es, viel zu schenken und viel geschenkt zu kriegen und ich kann meine Familie gut leiden. Was mir aber wahnsinnig auf die Nerven geht, sind diese Miesepeter, die sich an Weihnachten in ein volles Kaufhaus stellen und jammern, dass es so voll ist. Bleibt einfach weg, wenn Euch das alles so stört! Konsumverzicht ist eine durchaus noble Haltung, vor der ich jeden Respekt habe, aber Konsumieren und gleichzeitig darüber zu jammern, das ist, wie in der Happy Hour vier Biere zu kippen und über komasaufende Jugendliche zu lamentieren.
Zu Weihnachten kann man sich ja auch mal Gedanken um den Zustand unserer geistlichen Traditionen machen. Dass Ehemänner vor dem Altar plötzlich unterbrechen, hieß bislang meist nichts Gutes. In Maryland unterbrach ein Mann unmittelbar nach dem Ja-Wort seiner Braut die Trauung nun aber nur, um ein Handy aus der Tasche zu ziehen und der Welt zu twittern: „Stehe mit Tracy vor dem Altar, die vor einer Sekunde meine Frau wurde! Muss weg, meine Braut küssen." Er änderte dann auch schnell noch seinen Beziehungsstatus auf Facebook in „verheiratet" um. Und was macht der Pfarrer? Verweigert er vielleicht dem Flegel wegen mangelnder sittlicher Reife den Segen? Nein, er erklärt „sie hiermit zu Mann und Frau. Auf Facebook ist es offiziell und in meinem Buch ist es das auch. Sie dürfen die Braut nun küssen." Wie heißt es in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas so kurz und knapp: „Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, Herr, in der Stadt Davids". Nicht einmal diese kurze Botschaft wäre drin gewesen, wenn der Engel den Hirten auf dem Felde getwittert hätte, statt ihnen zu erscheinen. Für Twitter sind das nämlich schon einige Zeichen zu viel. Andererseits: Mit Navi hätten die Könige den Stall bestimmt schneller gefunden als mit diesem Stern.
Das ZDF hat in der Weihnachtszeit einen sehr schönen Trailer für die sehr weihnachtlichen Filme gemacht, die es im Laufe dieses Dezembers so auszustrahlen gedenkt. Man hört eingängige Musik, sieht Romantik verheißende Bilder und hört dann Sätze wie: „Ich bin auch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und ihn bittet, es zu lieben" (Julia Roberts, Hugh Grant, Notting Hill, hach... schön). Gegen Ende steht da ein bärtiger Mann, erhebt seinen Becher und sagt: „Trinken wir auf den Frieden." Auch das ist selbstverständlich sehr, sehr weihnachtlich: Frieden auf Erden. Wer den Film „Troja" allerdings kennt, weiß, dass diese Stelle aus den ersten Minuten des Films stammt und kurz danach beginnt ein gegenseitiges Abschlachten, welches die restlichen gut zwei Stunden des Films auch nicht mehr aufhört.
Zu Weihnachten geht es bekanntlich um ein Kind, das am heutigen Abend vor mehr oder weniger 2009 Jahren geboren wurde. Die Familienverhältnisse des in Windeln gewickelten und in einer Krippe liegenden Knirpses waren damals ja etwas unübersichtlich. Die Mutter Maria war klar erkennbar, der Vater war der Überlieferung gemäß aber nicht deren Ehemann Josef aus der Stadt Davids, sondern ein ominöses höheres Wesen, was im Regelfall als lahme Ausrede gelten würde, in diesem speziellen Fall aber zur Begründung einer neuen Weltreligion ausreichte. Doch wie sagte der Schriftsteller Martin Walser in diesem Jahr doch so richtig zum Thema Vaterschaft: „Ob es stimmt, wissen Männer nie." Er sagte dies übrigens als Antwort auf die Frage, ob er der Vater des Verlegers Jakob Augstein sei, der bislang als Sohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein galt. Offenbar ist er aber der leibliche Sohn Walsers! Aus Sicht des Kindes muss man sagen: Dann doch lieber in einem Stall zur Welt kommen.
Hätte Rilke sein Herbstgedicht als Wintergedicht angelegt, wäre dort vielleicht die Zeile vorgekommen: „Wer jetzt keinen Baum hat, kauft sich keinen mehr." Denn einen Tag vor dem Fest gibt es im Regelfall nur noch schief gewachsene Bäume oder Bäume zu Mondpreisen. Generell muss man sagen, dass die Krise in diesem Jahr nicht wirklich zu sinkenden Preisen auf dem Weihnachtsbaummarkt geführt hat. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie verteidigte diese Preise allerdings in einer Pressemitteilung: „Im Verhältnis zum Blumenstrauß ist der Tannenbaum aber recht preiswert. Er ist schließlich zwölf oder mehr Jahre lang gewachsen. Ein Blumenstrauß lässt sich bereits nach einem halben Jahr ernten." Deshalb sind Fünfzimmerwohnungen auch so viel teurer als Zweizimmerwohnungen, weil man daran ja länger baut. Die Familien müssen es aber eben am Ende doch bezahlen.
P.S.: Ich entschuldige mich schnell noch für diese Rilke-Sache am Anfang, so einen Quatsch hätte der große Rilke nie geschrieben.
Der Sportinformationsdienst meldete kürzlich, dass der Fußball-Nachwuchstorhüter Marco Knaller beim Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern einen Profivertrag bis Juni 2012 unterzeichnet. Der 22 Jahre alte Österreicher spielt seit dieser Saison für die U23 der Pfälzer in der Regionalliga West. Das ist an und für sich nicht interessant, aber zum Zwecke der Vorbeugung möchte ich die Kollegen von der Sportberichterstattung doch schon mal darauf hinweisen: „Was für ein Knaller", „Knaller im Knallerspiel", „Knaller pariert den Knaller" und ähnliche Schlagzeilen sind verboten! VERBOTENVERBOTENVERBOTEN! Und wenn es doch passiert: das Copyright liegt bei mir.
Entlassene Arbeitnehmer haben im Regelfall keine Veranlassung, besonders positiv über ihre bisherigen Chefs zu sprechen. Bei normalen Malochern ist das egal, weil denen ja keiner zuhört. Leitende Mitarbeiter bekommen hingegen sehr viel Geld für das Unterzeichnen einer Verpflichtung, die Klappe zu halten. Wenn ein Verteidigungsminister aber seinen Generalinspekteur feuert, kann er ihm ja schlecht ein paar Millionen Schweigegeld anbieten. Zumindest nicht in diesen Zeiten klammer Kassen. Folgerichtig hat der entlassene Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan in den vergangenen Tagen relativ scharf gegen Unions-Shootingstar zu Guttenberg geschossen. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz forderte daher jetzt den entlassenen Generalinspekteur auf, die Auseinandersetzung „nicht eskalieren zu lassen". Das sei auch im Interesse Schneiderhans selbst, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Das klingt jetzt weder nach der Malocher-Variante (ist doch egal, was die erzählen), noch nach der Führungskräfte-Variante (für die Kohle hältst Du aber auch die Schnauze). Nein, das klingt eher nach der „Familien"-Variante (wir machen Dir ein Angebot, das du nicht abschlagen kannst).
Soweit ich mich entsinnen kann, habe ich mich an dieser Stelle noch gar nicht zu dem gewaltigen Wettskandal geäußert, der aktuell die Fußballwelt beschäftigt. Weil Osteuropäer in China mit Wetten Geld verdienen wollen, bezahlen sie in Deutschland Zweitligaspieler dafür, Spiele zu verlieren - Globalisierung vom Allerfeinsten. Als Fan des ruhmreichen 1. FC Köln kann ich diese ganze Sache ehrlich gesagt gar nicht so schlimm finden. Dass die Spieler allesamt bestochen sind und den Auftrag haben, möglichst jedes Spiel 0:0 zu spielen, ist für uns geplagte Fans der einzige Trost. Alles andere würde ja bedeuten, dass sie es einfach nicht besser können. Und das ist nun wirklich sehr viel deprimierender als der Gedanke, dass irgendein Wettpate ein Vermögen mit der Wette verdient, dass man es schaffen kann, mit weniger als zehn erzielten Treffern nach der Hinrunde nicht auf einem Abstiegsplatz zu stehen.
Als die Bildzeitung das Video der amerikanischen Kampfjets veröffentlichte, auf dem erkennbar war, dass der deutsche Oberst Klein gewusst haben muss, dass viele Menschen in der Umgebung der beiden Laster waren, da war man doch noch ein bißchen überrascht. Seither ist viel geschehen und dass die Bildzeitung jetzt offenbar ein neues Video vom 4. September besitzt, welches am Boden aufgenommen wurde, überrascht schon weit weniger. Sicherlich, wenn man Aufklärungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Geschehens hatte, dann hätte man auch klären können, wieviele Zivilisten bei der Bombardierung sterben würden. Außerdem sollen dem Einsatzführungskommando in Potsdam bereits am frühen Morgen des 4. September Videobilder, die der amerikanische Kampfjet aufgenommen habe, vorgelegen haben. Auf den Bilden seien eindeutig sowohl Personen mit Waffen zu erkennen gewesen, aber auch Menschen ohne Waffen. Auch das überrascht nicht mehr, selbst wenn die offiziellen Stellen lange so taten, als hätten sie keine Ahnung davon, dass auch Zivilisten getötet wurden. Wenn jetzt morgen ein Gesprächsmitschnitt veröffentlicht würde, in dem ein Soldat seinem Oberst Klein meldet, dass er jede Menge Kinder bei den Lastern erkennen könne und der Oberst antwortet, er habe eben noch mit Berlin telefoniert und die hätten gesagt, die Laster sollten trotzdem in die Luft gejagt werden, selbst das würde mich mittlerweile kaum noch überraschen. Ein Ministeriumssprecher sagte übrigens zu den neuen Fakten, alle Einzelheiten, die den 4. September beträfen, würden im Untersuchungsausschuss des Bundestages aufgeklärt werden. Das allerdings, das würde mich wirklich überraschen.
Die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat für das so genannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung ist also schlussendlich doch zustande gekommen. Das ist nicht wirklich überraschend, auch wenn Schleswig-Holstein noch ganz lange so getan hat, als würde es vielleicht doch dagegen stimmen. Der Kieler Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sagte kurz vor der Abstimmung in Berlin: „Das Kämpfen und der Widerstand hat sich gelohnt." Der Bund sei den Ländern sehr entgegengekommen. „Deswegen werden wir auch zustimmen." Aus seiner Sicht stimmt das, für ihn hat sich dieser so genannte Widerstand gelohnt: die Bundesregierung macht vage Zusagen zu finanziellen Hilfestellungen, so dass Carstensen hoffen darf, seinen Landeshaushalt irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Und uns Steuerzahlern kann es ja egal sein, ob unser Bund oder unser Land die Schulden hat, bezahlen müssen wir es sowieso.
Vielfach wird der aktuell das Land verwaltenden schwarz-gelben Koalition vorgeworfen, jeden finanz- und haushaltspolitischen Sachverstand verloren zu haben, weil sie trotz der Haushaltslage die Steuern senken und noch mehr Geld als bislang ausgeben will. Dazu zwei Aussagen: Das Saarland, regiert vom Christdemokraten Peter Müller, will auch weiterhin im Bundesrat gegen das Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit seinen Steuererleichterungen für Hoteliers und Erben stimmen. Und Frank Schäffler, FDP-Finanzexperte im Bundestag, übt heftige Kritik an der Haushaltsplanung von Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Die geplante Ausgabensteigerung des Haushaltes 2010 von 7,3 Prozent ist nicht akzeptabel". Der Etat müsse eigentlich um mindestens 17,5 Milliarden Euro gekürzt werden, um den eigenen Koalitionsvertrag einzuhalten. Ich finde, diese beiden Aussagen zeigen ganz klar, dass es bei Union und FDP den angesprochenen Sachverstand durchaus noch gibt. Sie hören halt nur einfach nicht darauf!
Die erste lesbische Bürgermeisterin einer us-amerikanischen Großstadt regiert in (trommelwirbelwirbelwirbelwirbel): Houston! Texas! Ausgerechnet in Texas, dem Land der Cowboys und Ölbarone. In Dallas wäre das nicht passiert, da hätte J.R. schon für gesorgt. Aber in Houston ist Annise Parker tatsächlich gewählt worden. Und hier kommt der Kalauer: Zur Amtseinführung am 1. Januar 2010 werden die anderen texanischen Bürgermeister eine Delegation schicken, die im Namen des einfachen Texaners feststellen wird: „Houston, wir haben ein Problem."
Was denn? Ich hatte doch angekündigt, dass es ein Kalauer werden würde.
Bei den sich ständig ändernden Begründungen für den Angriff auf die Tanklaster (erst hatte man Angst vor rollenden Bomben, dann ging es darum Taliban „auszuschalten") wäre ich nicht überrascht, wenn demnächst noch ein neuer Grund auftauchen würde. Vielleicht hatten siebenhundert bösartige Taliban ein kleines unschuldiges Mädchen entführt, dessen Mutter bei der Geburt verstarb und dessen Vater als Kämpfer für Demokratie und Freiheit von den Taliban ermordet wurde. Das Kommando Spezialkräfte hat dieses Mädchen handstreichartig befreit und um den Rückzug zu decken, mussten die Tanklaster bombardiert werden. O.k., vielleicht ein bißchen weit hergeholt, aber hey, vielleicht ginge auch was mit Tieren, Meerschweinchen oder Babyrobben, die gerettet werden mussten. Weitermachen, Kameraden!
....wird es wohl nicht geben. Schließlich sind noch nie zwei Minister aufgrund von ein und derselben Affäre nacheinander aus dem Amt geflogen. Genau das aber wollen offensichtlich die Damen und Herren von der Opposition erreichen, die jetzt auf unseren Politsuperstar Karl-Theodor zu Guttenberg losgehen. Sie werfen Guttenberg vor, er habe bereits länger davon gewusst, dass die Bundeswehr bei Kundus einen gezielten Tötungsangriff befohlen habe und dies verheimlicht. Angeblich hätten die beiden mittlerweile entlassenen Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, Schneiderhan und Wichert, den Minister am 25. November darüber informiert, dass es neben dem NATO-Bericht noch weitere Berichte zu dem Bombardement gebe, darunter ein zweiseitiger Bericht von Oberst Klein und ein Feldjägerbericht. Aus selbigem Berichten geht eindeutig hervor, dass es bei dem Angriff mehr ums Töten als um die Ausschaltung zweier Tanklastzüge ging. Da muss ich nun wieder sagen, liebe Opposition, haltet mal die Tellerminen flach. Es heißt, die beiden hätten Guttenberg informiert, dass es weitere Berichte gibt. Aber nur weil es sich um das meistdiskutierte Thema dieser Tage handelte, heißt das doch nicht, dass der Guttenberg diese Berichte dann auch gelesen hat. Und wenn er diese Berichte zum wichtigsten Vorgang in seinem Verantwortungsbereich nicht gelesen hat, dann hat er ja auch nichts darüber gewusst und dann hat er der Öffentlichkeit auch nichts Falsches gesagt. Also: Weitermachen!
Bislang standen Bundeswehr und Verteidigungsministerium in der Affäre um die beiden bombardierten Tanklaster bei Kundus ja nicht allzu gut da. Weit über hundert Menschen „aus Versehen" zu töten, nur weil man zwei Tanklaster in die Luft jagen will, kommt in Deutschland eben nicht besonders gut an. Nun aber heißt es, es sei gar nicht um die Tanklaster gegangen, die bislang als quasi direkte Bedrohung der Soldaten vor Ort dargestellt wurden. Vielmehr habe sich bei den Tanklastern eine große Gruppe Taliban befunden, der der Angriff gegolten habe. Das steht zumindest im Bericht der ISAF. Bleibt allerdings die Frage, ob es die Sache besser macht, wenn die Bundeswehr nicht aus Versehen, sondern mit Absicht getötet hat. Nehmen wir mal an, der Golf-Profi und Weltklasse-Seitenspringer Tiger Woods hätte versucht, seine Affäre vor seiner Frau zu verheimlichen, was er ja getan hat. Nehmen wir weiterhin an, er hätte, als die Wahrheit allmählich durchsickerte versucht, seine Frau zu überzeugen, dass er da so reingerutscht sei, er sei eben irgendwie sexsüchtig und das täte ihm auch wahnsinnig leid, er habe sie aber immer geliebt. Und dann nehmen wir mal an, sämtliche Ex-Geliebte gehen mit einem Woods-Schreiben an die Öffentlichkeit, in dem steht: „Ich will Dich unbedingt haben, zahle jede Summe, Du siehst einfach viel viel besser aus als meine Olle". Tja, wie gesagt, das macht die Situation irgendwie nicht besser.
Auf den gestrigen Testflug des Militärtransporters A400M angesprochen, sagt unsere Bundeskanzlerin: „Wenn das Flugzeug schon mal abgehoben hat, dann ist das schon mal gut." So ist sie, unsere Bundeskanzlerin. Da geht das größte Rüstungsprojekt aller Zeiten mit mehrjähriger Verspätung in seine praktische Testphase, kein Mensch weiß derzeit wieviele Extramilliarden das den Steuerzahler kosten wird und ob der fertige Flieger hinterher auch nur die Hälfte von dem kann, was ursprünglich ausgemacht war, aber Merkel freut sich, dass der Vogel abheben kann. Wenn ich die Arbeit der Regierung so bewerten würde, wie Angela Merkel die der EADS-Ingenieure, dann würde ich sowas schreiben wie: „Wenn jeder seinen Platz am Kabinettstisch findet, dann ist das schon mal gut." Genau das findet Merkel vermutlich auch.
Die heutige Ausgabe der Bildzeitung ernennt den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher zum „Gewinner" des Tages. Grund: Der Erfolg von Schirrmachers neuem Buch, in welchem dieser sich darüber beklagt, dass das „Internet unser Hirn vermanscht." Die weder neue noch sonderlich originelle These, dass Internet, Emails und Handys die Menschen dümmer machten, reicht der Bildzeitung, um Schirrmacher zum klugen Kopf zu ernennen. Direkt neben diesem Lob für Schirrmachers Kopf, findet sich das Bild einer jungen Dame namens Alexandra, die von sich selbst sag, sie möge an sich selbst ihren Po und ihre Brüste. Selbige kann man auf dem Bild auch ganz gut sehen. Wobei sich der Leser nicht zwangsläufig mit diesem einen Bild begnügen muss. Alexandra ist nämlich, wie der Text verkündet, die „BILD-App-Stripperin". Man kann sich Alexandra also auf sein I-Phone laden und immer wenn einem danach ist, ihre Hüllen fallen sehen. In Kombination mit dem Schirrmacher Lob können wir also festhalten: Wenn schon dumm, dann doch wenigstens dumm und geil. Und das passt dann doch auch wieder gut zur Unternehmensphilosophie der Zeitung.
Twittern ist im Laufe dieses Jahres immer populärer geworden. Irgendwer hat mit Hilfe dieser maximal 140 Zeichen langen Nachrichten vorab Wahlprognosen veröffentlicht. Die CDU-Abgeordnete Klöckner hat via Twitter bei der Bundespräsidentenwahl den Kollegen schon vor der offiziellen Verkündung des Ergebnisses mitgeteilt, dass sie rechtzeitig zum Fußball kommen, da die Wahl im ersten Wahlgang geklappt hat. Prominente wie beispielsweise Sarah Brown, die Frau des britischen Premierministers, haben schon mal eine Million Nutzer, die ihre Nachrichten verfolgen. Und diese gute Million waren kürzlich etwas verwirrt, als die Premiersgattin twitterte: „Fvdfzsrsazxzzxcvbnmadgfhjjkqwrtyuuuiop". Was hatte das wohl zu bedeuten? Wurde die Seite gehackt? Handelt es sich um einen geheimen Code? Säuft Browns Gattin? Nein, aber sie lässt den Computer laufen, wenn sie den Raum verlässt. Der jüngste Sohn habe auf der Tastatur des Brownschen Privatcomputers herumgehackt, als seine Frau gerade auf Twitter eingeloggt, aber nicht im Zimmer war, erklärte das Paar. So schlimm ist das auch wieder nicht, denn es gab mit Sicherheit Milliarden Twitter-Nachrichten in diesem Jahr, die noch sehr viel sinnloser waren.
Nachdem jetzt bekannt wurde, dass die Bundesregierung überlegt, die Angehörigen der Opfer der Tanklasterbombardierung im September zu entschädigen, wurde zweierlei sofort diskutiert. Erstens, ob es nicht ein wenig geschmacklos sei, dieses Problem mit Geld aus der Welt schaffen zu wollen, weil das doch so ein bißchen was von Freikaufen habe. Zweitens musste sich die Bundesregierung fragen lassen, wieso dieser Schritt erst jetzt gegangen wird. Da kann man natürlich meckern und sagen, eine sofortige Entschädigung wäre glaubwürdiger gewesen. Andererseits: Die US-Regierung hat gerade verkündet, Indianerstämme mit insgesamt 2,3 Milliarden Euro entschädigen zu wollen. In dem Fall geht es um eine 1996 eingereichte Sammelklage, die der Regierung in Washington vorwirft, sie habe die Indianer um Milliarden-Dollar-Zahlungen aus Treuhänderfonds geprellt. Die Fonds, in die Erlöse aus der wirtschaftlichen Ausbeutung von Indianergebieten flossen, waren 1987 eingerichtet worden. Wenn wir so langsam wären, wären wir immer noch dabei die Elsässer und Lothringer für 1870/71 zu entschädigen.
Gestern wurden wegen des Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall gegen sieben amtierende und ehemalige Vorstände der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Bankzentrale sowie zehn Privatwohnungen durchsucht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Bankern vor, seit 2006 dreistellige Millionenbeträge in „hoch riskante" US-Hypothekenanleihen investiert und die Geschäfte trotz der später absehbaren Immobilienkrise nicht gestoppt zu haben. Gleichzeitig gab ein anderes Gericht gestern einem Arbeitnehmer Recht, der fast vierzig Jahren in seiner Firma gearbeitet hatte, ehe ihm gekündigt wurde. Das Problem des Mannes war, dass exakt mit dem Tag seiner Entlassung die Übergangsfrist für die Zahlung von 26 Monaten Arbeitslosengeld auslief, er also nur noch zwölf Monate Arbeitslosengeld und danach Hartz IV bekommen hätte. Also kündigte er selbst einen Tag vor dem Entlassungstermin und konnte somit bei der Arbeitsagentur das alte Arbeitslosengeld beantragen. Die wollte diesen Trick nicht akzeptieren, aber ein Gericht hat nun erklärt, das Vorgehen des Mannes sei gerechtfertigt. Banker angeklagt, kleine Angestellte freigesprochen, die deutsche Justiz ist auf einem gutem Weg.
Heute ist Montag und montags erscheinen immer die beiden großen und wichtigen Printmagazine (ja, lieber Stern, Du bist auch wichtig, aber Du erscheinst ja nicht montags). Jedenfalls erscheinen montags Spiegel und Focus und was sie auf ihren Titel schreiben, bestimmt zum Wochenstart die politische Debatte. Heute titelte der Spiegel: „Das verlorene Jahrzehnt". Der Focus hingegen: „Das nervöse Jahrzehnt". Tja, ich muss mich ja auch nicht an jeder Debatte beteiligen. Offenbar bricht da gerade schon die Weihnachtslangeweile aus.
Das Auktionshaus Christie's in New York hat gerade allerlei Dinge versteigert, die irgendwie mit Literatur oder zumindest Schriftstücken zu tun haben. So ging ein Brief von George Washington für um die 2,1 Millionen Euro an einen neuen Besitzer. Und die Schreibmaschine des Schriftstellers Cormac McCarthy, der unter anderem „No Country for Old Men" schrieb, brachte stolze 210.000 Dollar, obwohl das Auktionshaus nur mit 20.000 gerechnet hatte. Keinen Käufer fand das Original-Manuskript eines Romanfragments des russischen Autors Vladimir Nabokov. Die Gebote für das erst dieses Jahr veröffentlichte Werk „Das Modell für Laura" gingen nicht über 280.000 Dollar hinaus. Da das Auktionshaus einen Kaufpreis zwischen 400.000 und 600.000 Dollar für das Manuskript erwartet hatte, wurde die Versteigerung für ungültig erklärt. Man versteigert aber doch auch keine Manuskripte des Mannes, der „Lolita" geschrieben hat, solange Roman Polanski in der Schweiz fest sitzt und sich nicht ums Mitbieten kümmern kann.
Angesichts der Schwierigkeiten der Containerschifffahrt fordern nun auch die deutschen Reeder Hilfe von der Bundesregierung. Gut, für das Hauptproblem, dass die Reeder in besseren Zeiten wie die Irren neue Riesenschiffe bestellt haben, die nun entweder leer im Hafen dümpeln oder gar nicht erst bezahlt werden, können Regierung und Steuerzahler nur sehr bedingt etwas. Aber trotzdem, diese Regierung hat schließlich die Spendierhosen an. Mein Vorschlag: Abwrackprämie zwei. Jeder Bürger, der sich einen Flugzeugträger kauft, bekommt von der Regierung 1,5 Millionen Euro. Wäre doch gelacht, wenn das nicht hilft.
Vor dem Bundestag hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seine zu Amtsantritt abgesonderte Einschätzung der Bombardierung der beiden Tanklaster in Afghanistan korrigiert. Hatte er das Vorgehen der Armee damals noch als „militärisch angemessen" bezeichnet. Nun ist das Vorgehen laut Guttenberg plötzlich „militärisch nicht angemessen". Ich freue mich schon auf die nächste Pressekonferenz, wenn Guttenberg entsetzt sagt: "Patronen? Echte Patronen? Für Maschinengewehre? Sie wollen mir sagen, da unten wird scharf geschossen? Aber das ist doch gefährlich. Nein, nein, wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich doch nie Verteidigungsminister geworden."
Nachdem wir bis zum Herbst einen Verteidigungsminister hatten, der das Wort Krieg einfach nicht über die Lippen brachte und heute einen Verteidigungsminister haben, der von „kriegsähnlichen Zuständen" spricht, herrscht in Deutschland ja nun doch einige Verwirrung. Erst recht, seitdem Obama gestern von Krieg gesprochen und die Entsendung weiterer Soldaten angekündigt hat. Da ist es gut, dass wir so einen kompetenten Außenminister haben, der uns das erklären kann: „Es wird keine militärische Lösung geben, sondern was wir brauchen ist eine politische Lösung, die militärisch unterstützt wird." Super! Und der Angriff auf die Tanklaster war auch keine Militäraktion, sondern eine Treibstoffexplosion mit militärischer Unterstützung. So gesehen sollten wir vielleicht nicht den Guttenberg vor den Untersuchungsausschuss zitieren, sondern Verkehrsminister Ramsauer.
US-Präsident Obama hat derzeit eine ganze Menge zu tun. Zum Beispiel musste er gerade erst der amerikanischen Nation erklären, dass er jetzt noch einmal 30.000 amerikanische Soldaten nach Afghanistan schicken wird, um dann aber 2011 aber ganz bestimmt mit dem Rückzug zu beginnen. In ein paar Tagen muss er dann aber auch schon wieder nach Oslo, um den Friedensnobelpreis in Empfang zu nehmen. Und wieder ein paar Tage später muss er dann doch auch noch zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen. Vermutlich wird er vorher noch ankündigen, dass die amerikanischen Fabriken seine Erlaubnis haben, in den kommenden Jahren doppelt so viel CO2 auszustoßen wie bisher, wenn sie dabei umweltfreundliche und klimaschonende Produkte herstellen.
Es wird ja immer wieder beklagt, dass die Deutschen sich nicht genug für Europa interessieren. Gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Deutschen geht zur Europawahl und wenn ich Sie jetzt fragen würde, welches EU-Kommissariat der große Günther Oettinger gerade zugeteilt wurde, wüssten es vermutlich auch nur die wenigsten. Gut, EU-Kommissar für Energiefragen, das ist jetzt auch nicht der allerwichtigste Posten. Auch nicht der zweitwichtigste. Genau genommen ist Deutschland in der Hierarchie damit ziemlich weit nach unter gerutscht, aber darum geht es ja nicht. Es geht um die Frage, wie man Europa für die Deutschen attraktiver machen kann. Dazu hat der Günther Oettinger was gesagt: „Ich habe auch die Aufgabe, das Gesicht Europas in Deutschland zu werden." Tja dann, also wenn das Gesicht Europas künftig so aussieht wie der Oettinger, dann... also dann...
Wissen Sie was?
Ich bekomme so allmählich eine Ahnung, warum die Nina Ruge am Ende immer behauptet hat, alles werde gut. Damit kommt einfach aus jeder peinlichen Verlegenheit.
