Allgemein
L’etat c’est…
Seit 1875 war es dem französischen Staatsoberhaupt verboten, vor den beiden Kammern des Parlaments zu sprechen, um eine zu große Einflussnahme des mächtigsten Mannes der Republik auf die Volksvertretung zu verhindern. Frankreich ist halt ein Land, mit ganz langer demokratischer Tradition. Und Staatsoberhaupt Nicolas Sarkozy weiß auch genau, wozu man diese Tradition braucht. Um sie zu brechen! Per Verfassungsänderung ließ er das Verbot vergangenes Jahr aufheben und erschien nun erstmals vor dem Parlament. Genau genommen erschien er nicht vor dem Parlament, sondern zitierte das gesamte in das schöne sonnenkönigliche Schloss Versailles. Wenn man schon etwas macht, was seit über einem Jahrhundert keiner mehr gewagt hat, dann sollte der Rahmen schließlich angemessen sein. Der Umzug des Parlament für diesen Tag kostete ja auch nur bescheidene 400.000 Euro. In Versailles trat er dann vors Parlament, erzählte ein bißchen was über seine großartige Politik und dann…. ging er wieder. Mit dem Pöbel… Entschuldigung, dem Parlament über seine großartige Politik zu reden, hat ein französisches Staatsoberhaupt nun wirklich nicht nötig. Versailles ist übrigens auch ein Ort mit langer demokratischer Tradition. Zumindest wenn man bedenkt, was die Demokraten mit dem letzten Bewohner von Versailles gemacht haben, der der Ansicht war, nur von seinem Schloß aus zur Bevölkerung sprechen zu müssen. Andererseits, der Nicolas ist ja schon so klein, den noch einen Kopf kürzer zu machen, wäre wirklich gemein.
Kommentieren | 29. Juni 2009 | 18:41 Uhr |
|
Letzte Kommentare