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Welche Kassandra?
Wer eine gute und auch richtig schön klassische Bildung genossen hat, sollte keine Gelegenheit auslassen, selbige unter Beweis zu stellen. Gerade in der CSU weiß man dies spätestens seit Franz-Josef Strauss und seinen lateinischen Zitaten nur allzu genau. Man kommt einfach kompetenter rüber, wenn man ab und an ein Bonmot für die Bessergebildeten einstreut. So trat nun auch Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg von der – is klar – CSU vor die Presse und warnte vor allzu negativen Konjunkturprognosen: „Wer sich mit Kassandra ins Bett legt, der wird zumindest über den Mundgeruch am nächsten Tag erstaunt sein.” In der Tat, in der Tat! Besonders erstaunt waren wir über die baronesken Kenntnisse der griechischen Mythologie. Denn wenn ich mich recht entsinne war es doch das Schicksal der Kassandra, dass keiner auf sie hören wollte, obwohl sie mit dem, was sie vorhersah (das Trojanische Pferd ist voller Griechen, Agamemnon wird von seiner Frau und ihrem Geliebten erdolcht) immer richtig lag. Wollte uns der Minister also sagen, dass er nicht vorhat, auf korrekte Prognosen zu hören, weil sie ihm nicht gefallen? Und was genau meint er mit Mundgeruch? Das Kassandra sich nicht die Zähne geputzt oder sonstwie gestunken habe, ist zumindest durch Homer nicht überliefert. Vielleicht meinte der Minister in Wirklichkeit aber auch Frau Kassandra, die Lehrerin von Biene Maja. Mundgeruch hatte die allerdings auch nicht.
Kommentieren | 24. Juni 2009 | 13:35 Uhr |
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