Neue mexikanische Schweinegrippe

Noch ist ja nicht endgültig geklärt, ob es sich bei der als „Schweinegrippe” berühmt gewordenen Viruserkrankung um eine gut beherrschbare Form der Grippe handelt oder ob wir bereits morgen alle an einer Pandemie zugrunde gehen werden. Klar ist aber, dass man sich bei der Benennung neuartiger Seuchen, unabhängig davon wie gefährlich sie wirklich sind, künftig mehr Mühe geben sollte. Die Betitelung mit „Schweinegrippe” jedenfalls wurde sowohl von Tierschützern als auch vom Bauernverband heftig kritisiert. Von Tierschützern, weil den Schweinen ohne jeden Beweis unterstellt werde, Verursacher der Grippewelle zu sein, von Landwirten, weil diese befürchten, dass keiner mehr Schweinefleisch essen werde. Umgehend wurden die Begriffe „Mexiko-Grippe” bzw. „Nordamerikanische Grippe” ins Spiel gebracht. Gegen ersteren wehren sich selbstverständlich die Mexikaner, die um die Einkünfte aus dem Tourismus fürchten, die Sache mit Nordamerika finden die USA und Kanada nicht gut, weil sie doch nur einige wenige und noch dazu ganz harmlose Fälle hätten und damit ganz klar nicht als Verursacher gelten könnten. Einige Behörden in Deutschland sprechen hingegen mittlerweile von der „Neuen Grippe”. Auch das europäische Seuchenkontrollzentrum ECDC in Stockholm zieht diesen Begriff vor. Ein Gedanke mit Potential, der auch für zukünftig noch auftretende gefährliche Viren eine Lösung darstellen könnte: „Ganz neue Grippe”, „Noch neuere Grippe”, „Allerallerneueste Grippe XXL” usw., Hauptsache, man hat eine garantiert diskriminierungsfreie Bezeichnung. Wobei es sein könnte, dass der Erfinderverband wegen Verunglimpfung alles Neuen einen Rückgang der Patentzulassungen befürchtet. Dann bliebe nur noch: Grippe, Grippe 1, Grippe 2 – aber das vermittelt als Schlagzeile jetzt leider nicht so richtig Horror.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

3 Kommentare | 30. April 2009 | 16:54 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Na ja, am Ende sind auch die Mathematiker verärgert, da die jungen Leute sowieso keine Lust auf Zahlen haben… Obwohl die Historiker dann kommen und meckern, dass die Aufzählung historisch nicht belegt sei… Medizin ist halt nicht einfach!

    Name | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  2. Es stimmt aber wirklich – nur weil es Schweinegrippe heißt, ist der Verzehr in Deutschland von Schweinefleisch massiv eingebrochen, in Ägypten wurden sogar alle Schweine abgeschlachtet hab ich gestern im Radio gehört.
    Das Verhalten von so manchen Mitmenschen treibt schon oft seltsame Blüten…
    Wer redet denn heut noch von SARS oder BSE. Beides gibt es immer noch, und es gibt auch sicherlich noch Todesfälle bei Menschen und Keulungen bei Tieren, aber wenns nicht in der Zeitung steht, wird es schon nicht so gefährlich sein! Vor soviel Medienverdummung zieh ich echt den Hut…

    Gerhard | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  3. So lange die Leute sich noch darüber Sorgen machen können, kann die Gefahr nicht all zu groß sein…

    kein Name | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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