Ganz eigener Ansatz

Die Initiative Pro Reli ist in Berlin mit ihrem Volksentscheid gescheitert, mit welchem sie Religion zum Wahlpflichtfach in der rot-rot regierten Hauptstadt machen wollte. An den Ergebnissen dieses Volksentscheids war dreierlei bemerkenswert. Erstens: Es gingen nicht einmal 30 Prozent der Wahlerechtigten zum Volksentscheid. Zweitens: Die 346.119 Ja-Stimmen sind gerade mal etwas mehr als die Hälfte der 611.422 Stimmen, die Pro Reli gebraucht hätte. Drittens: Die Gegner des Volksentscheids hatten am Ende sogar mehr Stimmen, nämlich 365.609. Drei Tatsachen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Pro Reli hat eine Niederlage erlitten, die in etwa vergleichbar ist mit dem 0:4 der Bayern in Barcelona. Sie können sich daher vorstellen, wie groß meine Überraschung war, als ich heute früh auf dem Fahrrad im Vorbeifahren die BILD-Schlagzeile las: „Berliner stimmten für Pro Reli”. Im Sender angekommen stellte ich dann fest, dass ich einer optischen Täuschung zum Opfer gefallen war. Beim flüchtigen Blick liest man eben nur die weiße Schrift auf schwarzem Grund im Zentrum der Zeitungsseite. Dass über diesem Text noch die Zahl „346.119″ stand war mir entgangen, genau wie die kleine Textzeile unter der „Erfolgsmeldung”, laut der es „aber nicht gereicht” habe. Nun wäre jeder der drei oben genannten Fakten interessanter gewesen. So wurde irgendwie der Eindruck erweckt, dass es sich bei Pro Reli zumindest um den moralischen Sieger handelte. Aber wenn Berlin derzeit von der Union regiert würde, hätte das Springerblatt das im Falle eines anderen Volksentscheides bestimmt genauso gemacht.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 27. April 2009 | 12:32 Uhr | Twittern | Facebook

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