Nochmal Merkel

Und noch ein kleiner Nachsatz zu Angela Merkel bei Anne Will: Dass sie es sich trotz der christlichen Bedenkenträger in ihrer Partei erlaubt habe, den Papst zu kritisieren, begründete die Kanzlerin mit Zwängen, die sich aus ihrem Amt ergäben. Gleich zweimal wies sie darauf hin, dass sie „als deutsches Staatsoberhaupt” quasi verpflichtet sei, sich zu äußern, wenn katholische Bischöfe den Holocaust leugneten. Erst beim zweiten Mal fiel ihr auf, dass sie ja gar nicht unser Staatsoberhaupt ist, sondern nur die Nummer drei in der Rangfolge, nach Bundespräsident und Bundestagspräsident. De Facto hat sie selbstverständlich die Macht und eigentlich ist es ja erfrischend, dass sie indirekt zugibt, dass die beiden anderen Jungs im Prinzip nix zu sagen haben. Kleiner Hinweis von meiner Seite: Im achten Jahrhundert waren offiziell die Könige aus dem Geschlecht der  Merowinger Staatsoberhaupt der Franken, die Regierungsgeschäfte lagen aber seit geraumer Zeit bei den Hausmeiern, so einer Art Verwalter, aus dem Geschlecht der Karolinger. Pippin (der Karolinger, nicht der Hobbit) wurde dies eines Tages zu blöd und er ließ anfragen, ob es denn gut sei, wenn Könige de facto keine Macht hätten. Die Antwort lautete, dies sei nicht gut, man solle den König heißen, der auch die Macht habe. Also ließ Pippin dem letzten Merorwinger-König Childerich III. den Kopf scheren, steckte ihn ins Kloster und übernahm die Krone. Das könnte Frau Merkel auch machen, wenn es ihr auf die Nerven geht, nur dritte zu sein, aber die ganze Arbeit zu haben. Blöd ist nur, Pippin fragte damals den Papst. Und ob der Frau Merkel derzeit eine genauso freundliche Antwort geben wird, wie sein Vorgänger sie Pippin gab, darf getrost bezweifelt werden.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 24. März 2009 | 11:37 Uhr | Twittern | Facebook

Was sagen Sie dazu?