Nochmal Koch

Kleine Nachbemerkung noch, Herr Koch: In einem Interview am Wochenende haben Sie sich ja dagegen gewehrt, dass es generell etwas Schlechtes sei, wenn sich Politiker massiv in die Personalpolitik eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders einmischen, so wie Sie das im Falle des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender ja getan haben. Völlig verständlich merkten Sie an: „Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Verantwortung der Gesellschaft und der Politik und werden sich davon auch nicht völlig lösen können. Das ist ein Teil von Demokratie. Politiker sind nicht eine Gefahr für die Demokratie, sondern ihre Grundlage.” Politiker sind die Grundlage der Demokratie? Herr Koch, einer wie Sie ist doch sicherlich klassisch vorgebildet. Das Wort Demokratie besteht aus zwei Teilen: Demos = Volk und Kratia = Herrschaft. Von Politikern ist da zunächst nicht die Rede. Und nur zur Sicherheit: Dass im Grundgesetz steht, dass alle Staatsgewalt vom Volke „ausgeht”, bedeutet nicht, dass die Staatsgewalt durch die Kneipen zieht und sich von jedem x-beliebigen Politiker abschleppen lässt. Politiker sind nicht die Grundlage der Demokratie sondern eher so etwas wie das notwendige Übel der Demokratie. Und um es noch deutlicher zu sagen: Wenn Politiker die Grundlage unserer Demokratie geworden sind, dann wären wir keine Demokratie mehr.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

1 Kommentar | 27. Februar 2009 | 16:36 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Ich vermisse immer noch den öffentlichen Aufschrei, der Koch und Stoiber endlich in die Schranken weist. Dass Merkel sich nur weg duckt, sind wir ja gewohnt…. aber das, was gerade in Ihrem Hause passiert ist bemerkenswert. Umso erstaunlicher, nur in den online-Ausgaben der Magazine darüber zu lesen.
    Ich frage mich, wann Koch sich demnächst wohl mit Robert Mugabe zum demokratischen Erfahrungsaustausch treffen wird. Es wird Zeit, dass dieses Geschwür am Herzen der Demokratie sich endlich entfernt und selbst abtritt.

    Alexander Volz | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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