Wagner schützt das Eigentum

Lange Zeit habe ich mich nicht mehr um meinen Lieblingskolumnisten gekümmert, Franz Josef Wagner, der als Edelfeder der Bild-Zeitung jeden Wochentag auf Seite zwei irgendjemandem einen Brief schreiben darf. Heute hat er der Kassiererin geschrieben, die entlassen wurde, weil der Verdacht besteht, dass sie zwei Pfandbons mit der Gesamtsumme von 1,30 Euro unterschlagen haben soll. Nicht nur das Arbeitsgericht findet diese Entscheidung richtig, sondern auch Herr Wagner, denn: „Worum es geht, ist die Besitzbewahrung. Die Bons gehörten der Kassiererin nicht.” Erinnere ich mich richtig, Herr Wagner, dass ich mal eine Dokumentation gesehen habe, in der man Ihnen dabei zusehen konnte, wie sie freudig Ihren nach Hause gelieferten Dienstwagen (einen aus der teuren Abteilung) in Empfang nahmen? An Ihrer Stelle wäre die Kassiererin vielleicht auch für „Besitzbewahrung”. Sie ist aber nicht an Ihrer Stelle und vermutlich besitzt sie nicht so viel, dass sie sich um die Bewahrung dieses Besitzes allzu viele Sorgen machen muss. Das tun im Regelfall diejenigen, die viel besitzen. Wo geht’s hier zum Klassenkampf?

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 26. Februar 2009 | 09:33 Uhr | Twittern | Facebook

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