Mißfelder begründet

Philipp Mißfelder kann Kritik aushalten. Er steht dazu, dass 85-Jährige nicht unbedingt ein neues Hüftgelenk brauchen und das die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze lediglich ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie gewesen sei. Mißfelder ist nämlich der Ansicht, dass wir uns „nicht bei jeder Diskussion politische Tabus auferlegen” dürften. Das sagte er der bekanntermaßen tabufreien Bild-Zeitung. Das mit den Tabus ist in konservativen Kreisen ja soundso ein Trauma. Zwar wird selbst der größte Blödsinn, den sich Leute wie Mißfelder ausdenken, immer noch überall verbreitet, aber dennoch leben sie immer in Angst, von einer linken Medienelite mit Denk- bzw. Redeverboten belegt zu werden. Da muss ich den Herrn Mißfelder jetzt mal beruhigen: Herr Mißfelder, kein Mensch will Ihnen verbieten, darüber zu reden, dass wir unser Gesundheitssystem angesichts des demographischen Wandels umbauen müssen oder auch darüber, dass wir bei den Sozialleistungen vielleicht weg sollten von individuellen Transferleistungen, die von einigen Empfängern unter Umständen einfach verjubelt werden. Nein, das dürfen Sie alles diskutieren! Aber geht das nicht vielleicht auch ohne, dass sie Rentner und Arbeitslose pauschal beleidigen? Anders formuliert: Sie dürfen gerne Quatsch erzählen, aber benehmen Sie sich dabei wenigstens halbwegs zivilisiert, „Sie Flegel” (Herbert Wehner).

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 24. Februar 2009 | 17:26 Uhr | Twittern | Facebook

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