Wenn man für die Presseabteilung des saarländischen Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums arbeitet, dann hat man der erstaunten Öffentlichkeit selbstverständlich eine Sensation nach der anderen zu berichten. Es gibt allerdings Meldungen, die selbst aus dieser Masse noch herausstechen und da gibt sich die Presseabteilung dann auch besondere Mühe. Eine solch herausragende Sensation sind die Ergebnisse, die einige Messtechniker der Saar-Uni in Bezug auf die Schweißbildung ermittelt haben und die nun der Schuh- und Strumpfindustrie zugutekommen sollen. Für so eine Meldung muss sich die Presseabteilung des saarländischen Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums selbstverständlich eine ganz besondere Überschrift einfallen lassen. Ist gelungen! Wenn man der Nachrichtenagentur ap trauen will - und wer wollte das nicht - ist die Meldung überschrieben mit: „Nase vorn in der Schweißfuß-Forschung". Kompliment! Ein bißchen eklig, aber gut!
Kleine Nachbemerkung noch, Herr Koch: In einem Interview am Wochenende haben Sie sich ja dagegen gewehrt, dass es generell etwas Schlechtes sei, wenn sich Politiker massiv in die Personalpolitik eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders einmischen, so wie Sie das im Falle des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender ja getan haben. Völlig verständlich merkten Sie an: „Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Verantwortung der Gesellschaft und der Politik und werden sich davon auch nicht völlig lösen können. Das ist ein Teil von Demokratie. Politiker sind nicht eine Gefahr für die Demokratie, sondern ihre Grundlage." Politiker sind die Grundlage der Demokratie? Herr Koch, einer wie Sie ist doch sicherlich klassisch vorgebildet. Das Wort Demokratie besteht aus zwei Teilen: Demos = Volk und Kratia = Herrschaft. Von Politikern ist da zunächst nicht die Rede. Und nur zur Sicherheit: Dass im Grundgesetz steht, dass alle Staatsgewalt vom Volke „ausgeht", bedeutet nicht, dass die Staatsgewalt durch die Kneipen zieht und sich von jedem x-beliebigen Politiker abschleppen lässt. Politiker sind nicht die Grundlage der Demokratie sondern eher so etwas wie das notwendige Übel der Demokratie. Und um es noch deutlicher zu sagen: Wenn Politiker die Grundlage unserer Demokratie geworden sind, dann wären wir keine Demokratie mehr.
Roland Koch ist im ZDF augenblicklich nicht der beliebteste Mann. Das liegt daran, dass er unseren Chefredakteur nicht leiden kann und dessen Job daher nicht verlängern will. Dass finden hier beim ZDF selbstverständlich alle ganz unmöglich. Aber da wir hier ja unter uns sind, kann ich ja mal ganz offen zugeben, ich finde, der Koch hat Recht. Wenn heute oder heute-journal seit 2002 im zweistelligen Prozentbereich Zuschauer verloren haben, dann muss der Verantwortliche gehen. O.K., die Zahlen des Herrn Koch stimmen nicht so ganz, aber das Prinzip ist richtig. Wer mehr als zehn Prozent an Zustimmung einbüßt, muss gehen. Und deshalb finde ich, unser Chefredakteur sollte abtreten. Und zwar gleich nach diesem Politiker, der in noch kürzerer Zeit, nämlich seit 2003, sogar 12 Prozent verloren hat. Wie heißt der noch? Ach Mensch, Herr Koch, das waren ja Sie! Also denn: Machen Sie es doch mal vor. Treten Sie wegen der großen Verluste zurück. Das wäre doch mal konsequent!
Bundesbildungsministerin Annette Schavan will Manager und Ingenieure zu Aushilfslehrern machen und so den Schulunterricht bereichern. Sie machte diesen Vorstoß vor dem Hintergrund der Debatte über massiven Lehrermangel und Abwerbungsversuche einzelner Bundesländer. Die Manager sollen ihre Kenntnisse aus der Praxis verstärkt in den Unterricht einbringen. Vor allem Naturwissenschaften und Mathematik fällt viel zu häufig aus. Da machen sich Eltern und Schüler selbstverständlich Sorgen. Und so gesehen kommt der Vorschlag von Frau Schavan wirklich genau zur richtigen Zeit. Im Augenblick soll es ja einen gewissen Überschuss an Managern geben, die es auch geschafft haben, ohne jede Ahnung vom Rechnen in Bank- und Firmenvorstände zu kommen.
Philipp Mißfelder kann Kritik aushalten. Er steht dazu, dass 85-Jährige nicht unbedingt ein neues Hüftgelenk brauchen und das die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze lediglich ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie gewesen sei. Mißfelder ist nämlich der Ansicht, dass wir uns „nicht bei jeder Diskussion politische Tabus auferlegen" dürften. Das sagte er der bekanntermaßen tabufreien Bild-Zeitung. Das mit den Tabus ist in konservativen Kreisen ja soundso ein Trauma. Zwar wird selbst der größte Blödsinn, den sich Leute wie Mißfelder ausdenken, immer noch überall verbreitet, aber dennoch leben sie immer in Angst, von einer linken Medienelite mit Denk- bzw. Redeverboten belegt zu werden. Da muss ich den Herrn Mißfelder jetzt mal beruhigen: Herr Mißfelder, kein Mensch will Ihnen verbieten, darüber zu reden, dass wir unser Gesundheitssystem angesichts des demographischen Wandels umbauen müssen oder auch darüber, dass wir bei den Sozialleistungen vielleicht weg sollten von individuellen Transferleistungen, die von einigen Empfängern unter Umständen einfach verjubelt werden. Nein, das dürfen Sie alles diskutieren! Aber geht das nicht vielleicht auch ohne, dass sie Rentner und Arbeitslose pauschal beleidigen? Anders formuliert: Sie dürfen gerne Quatsch erzählen, aber benehmen Sie sich dabei wenigstens halbwegs zivilisiert, „Sie Flegel" (Herbert Wehner).
Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen Union, hat wieder zugeschlagen. Nach seinem Klassiker aus dem Jahr 2003, als er sich dagegen aussprach, dass 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke „auf Kosten der Solidargemeinschaft" bekämen, wies er nun auf einer Parteiveranstaltung darauf hin, dass die Erhöhung von Hartz IV „ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie" gewesen sei. Mut hat der Mann ja! Was da wohl als nächstes kommt? Verdoppelung der Krankenkassenbeiträge für AIDS-Kranke, weil die ja „selbst Schuld sind, wenn sie sich so ne Perversenseuche zulegen"? Abschaffung des BAFÖG, weil „diese Proletenkinder an der Uni sowieso nichts verloren haben"? Rückbau der Rollstuhlrampen an U-Bahnhöfen, „weil schon meine Mami (die mir immer diese hübschen Pullover kauft) gesagt hat: keine Arme, keine Kekse?" Wir sind da ganz hoffnungsfroh! Weitermachen, Mißfelder!
Hier mal wieder ein Text aus der Reihe: Kann ich nicht mehr zuspitzen, da ist die Realität komischer als alles, was man sich dazu einfallen lassen kann. Folgendes wurde aus Irland gemeldet:
Nachdem er schon mehr als 50 Strafzettel angehäuft und die Polizei mit ständig wechselnden Adressen reingelegt hatte, ist das Rätsel um Prawo Jazdy, den schlimmsten polnischen Verkehrssünder der je in Irland sein Unwesen trieb, gelüftet: "Prawo Jazdy heißt „Führerschein" auf polnisch und steht nicht für Vor- und Familiennamen eines Fahrers", heißt es in einem internen Polizeivermerk. Eine Überprüfung des Computerprogramms für Verkehrsvergehen habe ergeben, dass sprachunkundige Polizisten schon mehr als 50 Einträge unter dem vermeintlichen Namen gemacht hätten.
Eisschnelllläuferin Annie Friesinger fuhr kürzlich mit 172 Kilometern pro Stunde auf einer holländischen Autobahn. Das sahen die einheimischen Verkehrspolizisten gerne, denn auf dieser Autobahn beträgt die zulässisge Höchstgeschwindigkeit 120 und so konnten die Beamten ein saftiges Bußgeld kassieren. Gestoppt wurde sie mit ihrem Porsche nahe der Ortschaft Oldeholtwolde im Norden der Niederlande. Ist das nicht witzig? Die Holländer haben eine Ortschaft namens Oldeholtwolde! Nicht witzig? Dann sagen Sie das doch bitte drei mal laut hintereinander. Oldeholtwolde! Oldeholtwolde! Oldeholtwolde! Diese Holländer!
Erika Steinbach CDU-Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) will nicht auf ihren Sitz im Beirat der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verzichten, für den sie vom BdV nominiert wurde. Die Polen hatten sich doch sehr echauffiert, weil Frau Steinbach beispielsweise eine bekennende Gegnerin der Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze war. Die SPD stimmt den Polen sogar noch zu. Doch Frau Steinbach hat auch Anhänger. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrinth sagte: „Erika Steinbach hat die volle Rückendeckung der CSU für ihren Sitz im Beirat." Oh, Frau Steinbach, das tut uns jetzt wirklich leid für Sie! Die letzten Menschen, die die volle Rückendeckung der CSU hatten, waren erst Edmund Stoiber und dann die Herren Huber und Beckstein.
Argentinien will den britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson ausweisen. Die Regierung räumte dem katholischen Bischof eine Frist von zehn Tagen ein, um das Land zu verlassen. Sollte er nicht gehen, werde er ausgewiesen. Die Äußerungen Williamsons seien antisemitisch und verletzten die Gefühle der argentinischen Gesellschaft schwer, hieß es in einer Erklärung des Innenministeriums. Das muss man schon verstehen, die Argentinier können Lügner nicht leiden. Und dass der Mann lügt wissen sie ja aus erster Hand. Von den ganzen Einwanderern, die Mitte der 40er Jahre kamen und nicht ab- oder ausgewiesen wurden.
Die Republikanische Partei in den USA, also die Partei von George W., Ronnie Reagan und Richard Nixon, hat einen neuen Vorsitzenden: Michael Steele. Nun ist der Vorsitzende einer Partei in erster Linie zum Spendensammeln da und deshalb nicht ganz so wichtig wie ein Parteivorsitzender hierzulande. Die Wahl von Herrn Steele ist aber durchaus interessant, denn zum ersten Mal in der Geschichte hat die republikanische Partei einen schwarzen Vorsitzenden. Tja! Gut, dass sich die Republikaner gerade erst an das Gefühl gewöhnt haben, nur Zweiter zu sein.
Der CDU-Wirtschaftsrat hat die Bundesregierung vor einer möglichen Enteignung von Banken gewarnt. „Enteignung wäre Verrat am Profil der Union", teilte der Präsident der CDU-Unternehmervereinigung, Kurt Lauk, mit. Und dass die Pläne der Bundesregierung, den Weg für Enteignungen frei zu machen, „ein ordnungspolitischer Tabubruch" seien, erklärte der Bundesvorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU, Josef Schlarmann. „Wer das Vertrauen in unsere Wirtschaftsordnung nicht vollends verspielen will, darf auch und gerade in Krisenzeiten ordnungspolitische Grundprinzipien nicht über Bord werden." Und diese ordnungspolitischen Grundprinzipien, die dem Profil der Union entsprechen, lauten offenbar: Der Staat soll gefälligst für Pleitebanken löhnen, sich ansonsten aber raushalten. Das ist zwar Verrat am Steuerzahler, aber deshalb kann man doch keinen Tabubruch begehen.
Die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eingeräumt, dass sie vom Mauerfall vor 20 Jahren überrascht war. „Ich habe immer an die Einheit Deutschlands geglaubt, aber nicht unbedingt zu meinen Lebzeiten damit gerechnet", sagte Merkel. „Meine Lebensperspektive, da bin ich ganz ehrlich, hat das Anfang 1989 noch nicht so gesehen. Da habe ich mich eher wie so viele darauf gefreut, dass ich mit 60 als Rentnerin endlich frei reisen können würde." Und das ist dann doch endlich mal ein Traum, den ich mit Ihnen teilen kann, Frau Merkel. Dass Sie in Rente gehen und mal wegfahren.
Bankmanager lassen sich riesige Boni auszahlen, obwohl der Steuerzahler für ihre Banken zahlen muss. Und dass, obwohl sie es waren, nicht die Steuerzahler, die uns den ganzen Ärger eingebrockt haben. Da sind klare Worte gefragt, da muss man einfach mal festhalten: „Es ist unverständlich, dass Banken, denen der Staat unter die Arme greift, in vielen Fällen gleichzeitig riesige Bonussummen auszahlen." Tut das gut, dass unsere Bundeskanzlerin so deutlich wird. Genau wie der Obama. Der hatte vom „Gipfel der Verantwortungslosigkeit" und einem „beschämenden Verhalten" der Manager gesprochen. Das ist schon noch ein bisschen klarer, und er hat das auch bereits im Januar gesagt. Und dann hat Obamas Regierung der krisengeschüttelten Bank Citigroup auch noch mitgeteilt, dass sie die 45 Milliarden Unterstützung vergessen könne, wenn sie in dieser Situation wirklich einen neuen Firmenjet anschaffe. Dabei fällt mir ein, warum macht das die deutsche Politik eigentlich nicht: Bedingungen stellen und Gehälter kürzen? Wahrscheinlich, weil das Ganze so, wie hat Frau Merkel das genannt, ach ja, das Ganze so „unverständlich" ist.
Sie können das jetzt traurig finden, aber am gestrigen Freitag hatte ich abends tatsächlich nichts Besseres zu tun, als „Wer wird Millionär?" zu gucken. Sollten Sie vielleicht aber auch mal wieder tun, da kann man nämlich eine ganze Menge bei lernen. Zum Beispiel habe ich gestern gelernt, dass die aktuell studierende Generation Berufsziele verfolgt, die es zu meiner Zeit noch gar nicht gab. Da saß eine Kandidatin auf dem Stuhl und erzählte dem netten Herrn Jauch, dass sie in Bremen Kulturwissenschaften und Philosophie studiere. Die naheliegende Frage, was sie denn damit mal werden wolle, beantwortete sie mit jener unspezifischen Berusfswahlabsichtserklärung, die der Kabarettist Florian Schroeder zu Recht bereits nutzt, um eine Generation damit zu bezeichnen: Die Generation „Irgendwas mit Medien". Aber diese Bremer Kandidatin hatte doch tatsächlich noch etwas genauere Vorstellungen, als nur irgendwie was mit Moderation und Fernsehen zu machen. Sie könne sich auch vorstellen, vielleicht „im Navigationsbereich" zu arbeiten, erklärte sie. Diese verblüffende Aussage blieb zunächst unkommentiert. Doch während ich noch grübelte, ob die Dame Fluglotsin oder etwas vergleichbar Sinnvolles als Beruf in Erwägung ziehe, fragte auch der nette Herr Jauch noch einmal nach, was denn bitte im Navigationsbereich so für Betätigungsfelder existieren. Ihre Antwort: „Na, ich könnte mir vorstellen, die Texte für Navigationsgeräte zu sprechen." Nun will ich auf keinen Fall etwas gegen den sehr ehrenwerten Beruf des Sprechers sagen, aber Navigationsgerätesprecherin? Das ist, ... also, ... das ist... zumindest nicht übertrieben ehrgeizig. Anscheinend ist es nun wirklich endgültig soweit: Ich habe den Kontakt zur jungen Generation, zu ihren Träumen und Wünschen wirklich verloren. Aber vielleicht veranstaltet RTL demnächst ja ein Navi-Sprecher-Casting mit den Motto-Shows „Innerstädtischer Verkehr", „Berlin-München" und „Fernfahrten". Die Siegerin bekommt einen Vertrag für die Navi-Gerätebesprechung für die Karten des Großraums Wanne-Eickel und vielleicht ist diese Siegerin dann ja die nette junge Frau aus Bremen.
Ein britischer Doktorand ist vollkommen verzweifelt. In den vergangenen sieben Jahren hatte er in philippinischen Regenwäldern den Kot der seltenen Gray-Warane eingesammelt. 35 Kilogramm sind da zusammengekommen, und mit denen ist er dann in sein Labor in der Uni in Leeds gegangen, um alles über die Nahrungsgewohnheiten dieser Riesenechsen herauszufinden. Ab und zu musste er für die Doktorarbeit natürlich auch mal woanders hin als in sein Labor. Und als er gerade mal nicht da war, entsorgte die Universität den unbeschrifteten Beutel mit dem Echsenkot. Der arme Doktorand. Was soll man da sagen? Ich weiß es und entschuldige mich schon mal für den etwas platten Scherz: Shit happens!
„Der Nationalismus und Sozialismus sind gescheitert. Und was ist mit dem Kapitalismus? Leider ist auch diese Idee gescheitert. Der Markt allein richtet es nicht". Wer hat das gesagt? Richtig: Ole von Beust, Hamburger Bürgermeister und CDU-Präsidiumsmitglied! Hoffentlich hat er das in der Stadt der Kaufleute nicht so laut gesagt. Ich meine, die Wähler werden es ihm nicht übel nehmen und seit Angela Merkel auf dem Verstaatlichungstrip ist, ist Antikapitalismus auch in der Union durchaus en vogue. Aber ich fürchte, wenn der Koalitionspartner in Hamburg von diesen Äußerungen erfährt, ist Schluss. Der Koalitionspartner steht schließlich derart auf die Marktwirtschaft, dass er diese quasirevolutionären Ausfälle wohl nicht akzeptieren könnte. Bitte? Nein, nein, Beust hat nicht zur FDP gewechselt, der koaliert immer noch mit den Grünen.
FDP-Chef Guido Westerwelle ließ es sich nicht nehmen, bei der Berlinale-Premiere des Dramas „Milk" zu erscheinen. In diesem Film geht es um den ersten offen schwulen US-Politiker, Harvey Milk. Zum Thema befragt sagte unser Guido: „Glücklicherweise werden Politiker heute danach bewertet, was sie im Arbeitszimmer leisten - und nicht, wen sie im Schlafzimmer lieben." Herr Westerwelle, sollten Sie tatsächlich Außenminister werden und nach Frankreich kommen, sagen Sie das mit dem Schlafzimmer bloß nicht dem kleine Sarkozy. Was glauben Sie, warum der so kurz nach seiner Scheidung Carla Bruni geheiratet hat?
Manchmal muss man Politiker einfach übersetzen. Wenn der Horst Seehofer in Bezug auf Michael Glos beispielsweise sagt: „Ich habe keinen Groll, nicht den geringsten", dann heißt das: „Ich könnte dem Saftsack links und rechts ein paar langen." Oder Seehofer sagt: „Ich möchte in diesen mir verbleibenden Jahren alles tun, dass wir als Christlich-Soziale Union die modernste, die kompetenteste und die frischeste Kraft in Deutschland sind. Und da habe ich jetzt in gut drei Monaten mehr verändert und erneuert als in jeder Zeit vorher." Das heißt dann: Ich kann doch auch nix dafür, dass uns die Leute ausgehen und ich diese ganzen Jungspunde irgendwohin befördern muss.
Mitten in der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise muss die Große Koalition den Wirtschaftsminister auswechseln. Eigentlich wollten Merkel und Seehofer ja lieber mit einem Wirtschaftsminister weiterwursteln, der laut gesagt hat, dass er keinen Bock mehr hat. Das geht selbstverständlich nicht und deshalb muss man jetzt doch einen Nachfolger suchen. In Zeiten einer solch formidablen Wirtschafts- und Finanzkrise wie der augenblicklichen braucht so ein Mann vor allem eine Qualifikation. Wirtschaftskompetenz? Quatsch, Hauptsache er ist Franke, damit das „Gleichgewicht der Stämme" in der CSU gewahrt bleibt. Herr im Himmel!
Stellen Sie sich mal vor, Sie arbeiten in einer Firma auf einem wichtigen Posten. Den Posten können Sie aber gar nicht leiden, und besonders gut sind Sie auch nicht. Deshalb wollen Sie kündigen. Wem schicken Sie das Kündigungsschreiben? Der Chefin des Betriebes? Ja, hätte ich auch gedacht. Es beispielsweise dem Chef der Tochterfirma zu schicken, für die man früher mal gearbeitet hat, wäre ja Blödsinn. Und den Brief ans Schwarze Brett zu hängen, bevor der Chef der Tochterfirma ihn überhaupt hat, das wäre schon grob unhöflich. Aber erklären Sie das mal dem Michael Glos, der Horst Seehofer via Brief und Bild am Sonntag um Entbindung von seinen Pflichten als Wirtschaftsminister bat. Kein Wunder, dass der Seehofer das erst mal abgelehnt hat. Obwohl er dafür ja eigentlich auch nicht zuständig ist.
Auf einer Spielwarenmesse erinnerte Angela Merkel daran, dass in den West-Paketen der Verwandtschaft nicht nur Kaffee steckte. Zur Eröffnung der Messe sagte Merkel: „Ich hatte Steiff-Tiere - da war man im Osten froh, wenn man von der Westverwandtschaft welche bekam -, später dann Memory und auch Monopoly, was für uns in der DDR ein ganz tolles Spiel war." Tja, vielleicht hätten wir auch die Monopoly-Regeln mitschicken sollen, dann hättet Ihr vielleicht gewusst, was Euch im Westen erarbeitet. Das mit den Steiff-Tieren ist auch erstaunlich. Ich hätte gedacht, einen Knopf im Ohr zu haben, sei nur der Stasi erlaubt gewesen. Auch „Stabilbaukästen" - Bauteile aus Metall zum Zusammenschrauben und Basteln - sind laut der Kanzlerin sehr gefragt gewesen. Das glauben wir sofort, wie anders wären die Plattenbauten zu erklären.
Die unglaublich harte Kritik der Kanzlerin an Papst Benedikt - sie hatte ja gesagt, dass das mit dem Holocaust-Leugner Williamson als Bischof nun wirklich nicht ginge - hat Reaktionen provoziert. In Vatikankreisen wurde die Vermutung geäußert, Merkel habe auf Druck des Zentralrats der Juden in Deutschland und des US-amerikanischen Judentums den Papst kritisiert. Lustig an dieser Antwort finde ich, dass die angebliche Unterwerfung deutscher Politiker unter das Judentum, vor allem das amerikanische, wenn nicht gleich die jüdische Weltverschwörung, einer der allerältesten Vorwürfe der Antisemiten ist, die sich selbst verfolgt fühlen. Aber mit Antisemitismus hat der Vatikan ja nichts am Hut.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon wieder klare Worte gesprochen. In der Holocaust-Debatte hat sie offene Kritik an Benedikt XVI. geäußert. Das katholische Kirchenoberhaupt und sein Vatikan müssten eindeutig klarstellen, dass es im Zusammenhang mit dem Holocaust „keine Leugnung geben kann". Eine solche Klarstellung sei aus ihrer Sicht „noch nicht ausreichend erfolgt". Jetzt sind alle ganz aufgeregt, weil die deutsche Kanzlerin so harsche Worte äußert. Und das hat auch nur eine knappe Woche gedauert. Da muss sie ja wirklich sehr empört gewesen sein, wenn sie derart prompt reagiert.
Da haben wir uns jetzt seit Tagen gefragt, warum die Bahn AG 173.000 ihrer gut 240.000 Mitarbeiter ausspäht, um Korruptionsfälle aufzuspüren. Warum 173.000, so viele arbeiten doch wohl kaum in korruptionsrelevanten Bereichen. Seit gestern sind wir beruhigt. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass es gar nicht 173.000 waren, die bespitzelt wurde, sondern offensichtlich doch sämtliche 240.000 Mitarbeiter. Das ist zwar mit Blick auf die Korruptionsgeschichte auch nicht logischer, aber dafür wenigstens..., naja, irgendwie gerechter.
Nachdem alle Welt bereits überrascht war, dass sich Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee mal ausnahmsweise nicht kritiklos hinter Bahnchef Hartmut Mehdorn gestellt, sondern die Bahn in der Bespitzelungsaffäre ausdrücklich kritisiert hat, hat nun auch die Bundeskanzlerin klare Worte gefunden und die Kritik ihres Ministers unterstützt. Allerdings, so versicherte ihr Regierungssprecher umgehend der Presse, habe Angela Merkel stets betont, dass Mehdorn als „außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit" für den Konzern sehr viel erreicht habe. Eine „außergewöhnliche Unternehmenspersönlichkeit"! Wenn diese Sprachregelung sich durchsetzt, können wir demnächst auch von Josef Stalin als einem „außergewöhnlichen Staatsmann" und von Ben Johnson als einem „außergewöhnlichen Sprinter" sprechen.
Ein Jahr für einen Menschen sind angeblich sieben Jahre für einen Hund. Für Politiker sind es aber ganz sicher zehn Jahre. So gesehen dauert eine Legislaturperiode ganze 40 Jahre und über eine so lange Zeit hinweg kann schon mal in Vergessenheit geraten, was sich die Menschen von der Großen Koalition und die Große Koalition den Menschen versprochen hatte. All die Probleme, die angeblich nur eine Große Koalition regeln kann: Steuerreform, Neuordnung der Sozialsysteme, Föderalismusreform, Entbürokratisierung und dergleichen mehr. Nachdem jetzt so geschätzte und auch gefühlte 35 Jahre Große Koalition hinter uns liegen, bleibt festzuhalten: Aus den meisten Vorhaben ist gar nichts geworden, und da wo sich ein bisschen was bewegt hat, Stichwort Föderalismus oder Stichwort Gesundheitsfonds, ist es eher schlimmer als besser geworden. Nun gab es noch ein letztes großes Vorhaben aus der Zeit der Koalitionsverhandlungen: Das Umweltgesetzbuch, das die unendlich vielen Einzelregelungen bündeln und vereinfachen sollte, was sowohl aus Sicht des Umweltschutzes als auch aus Sicht der Wirtschaft sinnvoll gewesen wäre. Und was ist jetzt? Der Umweltminister verhandelt mit der CSU und die sagt, sie könne Gabriels Entwurf keinesfalls akzeptieren. Daraufhin erklärt Gabriel, dass das Umweltgesetzbuch an der CSU gescheitert sei, woraufhin die CDU meint, erklären zu müssen, dass vielmehr Minister Gabriel gescheitert sei. Und der Minister erklärt dann, dass die „intellektuelle Durchdringungstiefe bei einigen in der Union bei diesem Thema im Nanobereich" liege. Das ist zwar verhältnismäßig lustig formuliert, aber täuscht nicht darüber hinweg, dass in dieser Koalition so einiges anders läuft als in normalen Koalitionen. Normalerweise reden Koalitionspartner in einem Wahljahr ihre Bilanz schön und streiten darüber, wer für die Erfolge verantwortlich ist. Diese Koalition streitet nur darüber, wer für die Misserfolge zuständig ist. Interessanter Trend!
Liebe Gemeinde, bestimmt haben Sie sich beim Surfen auf zdf.de, spiegel-online oder anderen nachrichtenbasierten Websites auch schon mal gefragt, warum da an der Seite so genannte Liveticker beworben werden, die einen immer auf dem aktuellen Stand irgendeines Sportereignisses hält. Welcher Mensch, der sich für die aktuellen Entwicklungen in Politik, Kultur und Wirtschaft interessiert, will denn bitte wissen, wie es gerade beim Tennis steht. Nun, ich zum Beispiel. Und so unwichtig ist ein Liveticker zum Australian-Open-Finale zwischen Nadal und Federer nun auch wieder nicht. Folgendes erfuhr man beispielsweise am heutigen Nachmittag: „Auf einmal ist die Luft hier kurzzeitig raus, beide scheinen sich schon auf den ultimativen, den kataklysmischen fünften Satz vorzubereiten. Zunächst aber muss Federer jetzt zum Satzgewinn aufschlagen." Mit Kataklysmos bezeichnete der alte Grieche eine Naturkatastrophe gewaltigen Ausmaßes: Erdebeben, Sintflut, Vulkanausbruch. Sehen Sie, wer den Liveticker nicht gelesen hat, hatte gar keine Ahnung, was dieses Tennisspiel auslösen würde. Wir anderen konnten uns noch in Sicherheit bringen. Denn vor der Katastrophe musste Federer ja noch zum Satzgewinn aufschlagen.
