Große Verwaltung

Als Freund des Datenschutzes freut man sich ja über jeden Tag, an dem keine neue Bespitzelungsaffäre bei der Telekom bekannt wird. Deshalb nehme ich dankbar zur Kenntnis dass es eben mal nicht die Telekom war, die ihre Mitarbeiter oder Kunden ausforschte, sondern die Deutsche Bahn. Der Anti-Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Wolfgang Schaupensteiner, räumte jetzt ein, dass 173.000 der rund 240.000 Beschäftigten ohne ihr Wissen ausgeleuchtet worden seien. Selbstverständlich, so erklärte der Konzern jetzt noch, habe der erfolgte Datenabgleich „nichts mit Ausspähung zu tun” und sei „rechtlich nicht zu beanstanden – unabhängig von der Zahl der überprüften Mitarbeiter”. Die DB sei nun mal „besonders anfällig gegen Wirtschaftskriminalität und Korruption”. Guter Versuch! Aber wenn ich jetzt doch mal ganz abhängig von der Anzahl fragen darf: Hat die Bahn AG wirklich 173.000 Mitarbeiter in der Verwaltung und in Management-Positionen, die irgendwelche Aufträge vergeben oder aus anderen Gründen bestochen werden können? Oder sind unter den 173.000 vielleicht doch auch einige Lokführer, Schaffnerinnen und Schalterkräfte? Und wenn ja, wieso sind die besonders korruptionsanfällig? Und wenn keine Lokführer etc. geprüft wurden, empfehle ich vor dem Börsengang ganz dringend noch, den Verwaltungsapparat abzubauen.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 28. Januar 2009 | 14:10 Uhr | Twittern | Facebook

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