Sinnhafte Bemerkung

Wann immer es in Deutschland um Finanzen und Wirtschaft geht, meldet sich glücklicherweise der anerkannte Experte Hans-Werner Sinn, Chef des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, zu Wort. Meistens fordert er dann, dass alle länger für weniger Geld arbeiten müssten, wegen Globalisierung, Demographie und um überhaupt Eigenverantwortung zu übernehmen. Nun ist es leider so, dass man die internationale Finanzkrise beim besten Willen nicht dadurch hätte verhindern können, dass die Krankenschwestern, Straßenkehrer oder Briefzusteller in Deutschland länger für weniger Geld arbeiten. Da müssen die Schuldigen dann doch irgendwo anders sitzen. Und was sagt der Sinn dazu? „In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager. Der Nationalsozialismus ist aus der Krise zwischen 1929 und 1931 entstanden. Auch heute stehen Rattenfänger wieder parat.” Tja, das sagt der Sinn. Da fragt man sich doch unwillkürlich, ob einem in den vergangenen Wochen etwas entgangen ist. Werden schon die ersten „Kauft nicht bei Managern”-Schilder gemalt? Gibt es ein Verbot, Manager oder Halb-Manager (Kinder aus einer Manager-Nichtmanager-Ehe) zu heiraten? Hat Steinbrück bereits angeordnet, dass alle Manager ein gelbes M zu tragen haben? Hat der aufgewiegelte Mob Bankfilialen oder die Privathäuser der Manager angezündet? Wohl kaum, die sind dazu viel zu müde, weil sie tagtäglich lange arbeiten. Ganz im Gegensatz zum Herrn Sinn. Der hat offenbar genug Zeit, sich einen derartigen Blödsinn auszudenken.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

5 Kommentare | 27. Oktober 2008 | 15:19 Uhr | Twittern | Facebook

5 Kommentare

  1. Sicherlich ist seine Äußerung etwas dumm, doch historisch gesehen enthält sie auch etwas richtiges.
    Zu erst einmal:
    Wir reden von 1929.
    Erst die Folgen der Krise spülten die Nazis richtig nach vorn. (kamen von 12 zu 107 Abgeordneten)
    Die Juden waren damals jedenfalls unschuldig, da die Amerikaner einfach sämtliches Geld aus Deutschland rausgeholt haben. Da war nicht viel zu machen.
    Analog könnte man sagen, heute ist sicherlich auch so mancher Manager unschuldig, er hat auf Dinge gesetzt die allgemein als hochprofitabel und sicher galten und ist im Strom mitgeschwommen. Sicherlich sind auch einige Leute vor allem bei den Landesbanken dabei, die alles unnötig in den Sand gesetzt haben.

    Der Vergleich war dumm, aber historisch teilweise unberechtigt. Wir suchen im Moment nach Sündenböcken mit aller Kraft.

    mhm | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  2. Noch etwas haben beide Krisen gemein:
    Ohne die Amis wäre hier in Deutschland nichts zu spüren gewesen.

    immerhin etwas | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  3. Tja, und wir haben Britney Spears & Co. für deren schlimmsten Export gehalten….

    so sieht's aus | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  4. noch viel dümmer, dass wir ohne den marshall-plan, den sich diese blöden amis ausgedacht haben, heute nicht dort wären wo wir sind.

    bella | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  5. Das schlimmste an Herrn Sinn ist, dass er seinen permanent abgesonderten Unsinn von einem mit Steuern finanzierten öffentlichen Posten absondert.

    Ralf Burgdörfer | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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