Bilanzbilanz

An so einem letzten Olympiatag müssen selbstverständlich wahnsinnig viele Bilanzen gezogen werden. Die Fernsehsender ziehen welche, die Zeitungen ziehen auch welche und die Politik zieht auch welche. Die wichtigste Bilanz aber zieht der IOC-Chef Jaques Rogge. Und was hat er gesagt? Die Welt habe mehr über China gelernt und China mehr über die Welt. Nach den Erfahrungen von Peking werde sich das IOC auch künftig nicht in innere Angelegenheiten von Olympia-Gastgebern einmischen. Die während der Spiele geltenden gelockerten Vorschriften für ausländische Journalisten seien nicht perfekt gewesen, sagte Rogge weiter. Im Vergleich zur vorherigen Situation bedeuteten sie jedoch eine grundlegende Verbesserung. “Wir können keine Veränderungen in souveränen Staaten erzwingen und alle Krankheiten der Welt heilen”, sagte Rogge. Stimmt , aber man könnte sich vorher überlegen, ob man in Staaten, in denen man notwendige Veränderungen nicht erzwingen kann, olympischen Spiele vergibt. Die Welt habt über China gelernt, dass es im Prinzip auch weiterhin macht, was es will und China hat über die Welt gelernt, dass die Welt das akzeptiert. Aber man kann halt nichts erzwingen und deshalb war nicht alles perfekt. Wenn ich mal übersetzen darf: „Shit happens! Nach uns die Sintflut!”

 


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(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

3 Kommentare | 24. August 2008 | 16:13 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Meine Bilanz:

    “…Das waren wahrlich außergewöhnliche Spiele…”

    …sagenhafte Formsteigerungen, Leistungsexplosionen, viele Weltrekorde…

    “…Vorschriften für ausländische Journalisten sind nicht perfekt gewesen…”

    “…auch künftig nicht in innere Angelegenheiten von Olympia-Gastgebern einmischen…”

    …Fehlende Meinungsfreiheit, Internet-Zensur, Bombenanschläge, Einreiseverbote, Festnahmen ausländischer Aktivisten und Verfolgung von Demonstranten…

    “…keine Veränderungen in souveränen Staaten erzwingen…”

    …befürchtete Doping-Lawine ist ausgeblieben…

    “…das Abschlussfest … ein farbenfrohes Massen-Spektakel…”

    “…die Welt hat mehr über Russland gelernt und Russland mehr über die Welt…”

    Ja, richtig gelesen, das steht “Russland”. Nein, kein Tippfehler es geht um die olympischen Winterspiele 2014 im subtropischen Sotschi, nahe der Grenze zur abchasischen Republik. Vor den Spielen ist nach den Spielen und ich hab eben etwas in die Zukunft gesehen. (Medwedew-Nachfolger Putin zeigte sich zur Abschlussfeier übrigens sehr zufrieden)

    WOW! Ich kann in die Zukunft sehen!

    Auf Wiedersehen in Pjöngjang.

    bdr | 27. August 2008 | 17:11 | Antworten
  2. Bilanzen ziehen ist doch eine der Lieblingsbeschäftigungen für Zeitungen/Fernsehen/Politik. Die Chance dass diese dann mit der realen Welt deckungsgleich sind liegt jedoch oftmals in der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns.
    Das die Spiele die Welt verändern – von dieser Hoffnung sollte man doch seit Jahrzehnten geheilt sein. Und wer wirklich etwas über ein Land und seine Leute erfahren will, muss seine Koffer packen und es sich anschauen.
    Gefährlich ist durch bunte Bilder im Fernsehen anzunehmen man wüsste worum es geht.

    S1P | 28. August 2008 | 07:19 | Antworten
  3. Die besten Bilanzen zu den Spielen sowie zur chinesischen Öffnung kommen doch erst noch und die schreiben adidas, VW & Co.

    AdamAnt | 28. August 2008 | 21:04 | Antworten

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