Ein alter Trick

Angesichts der großen Begeisterung, mit der die Deutschen das Halbfinale Deutschlands gegen die Türkei verfolgt haben, möchte ich noch einmal an das Sommermärchen 2006 erinnern. Ja, klar, das macht derzeit jeder, aber ich spreche ja nicht von den friedlichen Fanfesten, der tollen Stimmung und dem ganzen Sums. Ich meine, dass die Große Koalition 2006 den Tag des deutschen Viertelfinals nutzte, um eine allenfalls halbgare Föderalismusreform zu verabschieden. Und am Tag des Halbfinals gegen Italien wurden seinerzeit die Eckpunkte der immer noch kränkelnden Gesundheitsreform vorgestellt. Der Vorteil dieser Terminplanung: Die entsprechenden Sachverhalten gingen an der Öffentlichkeit weitgehend vorbei. Nun ist also wieder mal Halbfinale. Deutschland gegen die Türkei. Und was ist noch: Das Bundeskabinett beschließt die Einführung eines elektronischen Entgeltnachweises (“Elena”). Damit sollen künftig die Einkommens- und Beschäftigungsdaten von rund 40 Millionen Arbeitnehmern in einer neuen Datenbank gespeichert werden. Alle Bürger, die Arbeitslosengeld I, Wohn- oder Elterngeld bekommen, brauchen damit ab dem 1. Januar 2012 eine persönliche elektronische Unterschrift (digitale Signatur). Und jetzt raten Sie mal, wie laut der öffentliche Aufschrei ist! Genau! Aber wo wir beim Thema sind: Erfasst Elena auch die Nebeneinkünfte unserer Bundestagsabgeordneten? Auch die vom Herrn Schily?

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 27. Juni 2008 | 17:20 Uhr | Twittern | Facebook

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