Allgemein
Wind der Geschichte
Parteitag der Erfolgspartei “Die Linke” in Cottbus und alle waren in Feierlaune. Sogar Lothar Bisky gab sich begeistert, wenngleich er auch mahnende Worte fand. Die Linke sei als Spross der Ost-West-Fusion von PDS und WASG “dem Säuglingsalter noch nicht entwachsen. Aber wir fangen an zu laufen.” Das wird die anderen Parteien freuen, denn wenn man Laufen lernt, fällt man bekanntermaßen recht häufig auf die Schnauze. Andererseits, wenn es mit dem Laufen nicht klappt, kann man ja immer noch segeln,
denn wie rief doch Oskar Lafontaine den Delegierten zu: “Wir haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln!” Ein feine Sache, wenn man im besten historisch-materialistischen Sinne sicher sein darf, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Nun ist diese Sicherheit bei sozialistisch vorgebildeten Menschen ja weit verbreitet. Die DDR-Elite war sich beispielsweise ganz lange ziemlich sicher, dass sich das eigene System am Ende durchsetzen werde. Gut, im Westen gab es Bananen, schnellere Autos und Modern Talking, aber man stand ja auf der richtigen Seite der Geschichte und würde von deren Wind schon zum Sieg getrieben werden. Nun ist Oskar selbstverständlich ein bisschen schlauer und hält es bei der sozialistische Windtheorie mehr mit dem schlauen Walter Benjamin, den er denn auch zitiert: “Dialektiker sein heißt, den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst ist, sie setzen zu können.” Das klingt doch schon mal viel besser. Und weil er schon mal so gut dabei ist, macht Lafontaine denn auch entsprechend weiter: “Wir, die Linke, haben Begriffe gesetzt: den Mindestlohn, Hartz IV muss weg, wir wollen eine armutsfeste Rente und die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan. Und wir haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln.” Tja! Begriffe setzen! Mindestlohn, weg mit Hartz IV, raus aus Afghanistan!
Wenn der Oskar jetzt noch den Unterschied zwischen “Begriffen” und “Parolen” kennen lernt, dann könnte das mit dem Wind der Geschichte was werden. Aber das hat ja auch noch Zeit, denn schließlich lernt die Partei gerade erst das Laufen, und da das passive Wahlrecht für den Bundestag, also das Alter, ab dem man in unser Parlament gewählt werden darf, bei 18 Jahren liegt, haben die Linke und Oskar Lafontaine noch gute 17 Jahre Zeit.
Kommentieren | 24. Mai 2008 | 15:16 Uhr |
|
Letzte Kommentare