Traditionsbewusste Feuerwehr

Bei sportlichen Wettkämpfen wie beispielsweise den Olympischen Spielen wird der vierte Platz auch gerne als “undankbar” bezeichnet. Vierter ist zwar nicht schlecht, aber wer nicht Gold, Silber oder Bronze abräumt, gerät schnell in Vergessenheit. Doch zum Glück gibt es ja für schwächere Teilnehmer auch andere Möglichkeiten, sich nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Nehmen Sie nur mal den Spreewald-Cup in der Disziplin “Löschangriff nass”. Die Truppe der Freiwilligen Feuerwehr von Groß Gaglow, einem 1500-Seelen-Dorf bei Cottbus, wurde in dieser Disziplin zwar nur elfter, hat sich aber mit einem cleveren Marketing-Gag dennoch die Aufmerksamkeit der Medien gesichert. Die jungen Feuerwehrmänner traten mit T-Shirts an, auf denen zu lesen war: “Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl.” Wenn Sie jetzt denken: Das habe ich doch schon mal gehört, dann sind Sie entweder schon ein bisschen älter oder Sie gucken gerne Guido-Knopp-Dokus. Denn mit dieser Windhund-Leder-Stahl-Analogie hat ein bekannter deutscher Diktator mal auf den Punkt gebracht, wie er sich seine Hitler-Jugend wünschte. Im Anschluss an den “Löschangriff nass” gab es selbstverständlich einige Aufregung und es wurde die Frage gestellt, ob man diesen Auftritt mit einem NS-Propagandaspruch nicht hätte unterbinden können. Der SPD-Abgeordnete Werner-Siegwart Schippel war dem Bericht zufolge vor Ort. Er habe am Rande “von den T-Shirts Wind bekommen”, habe es aber für schwierig gehalten, “wenn man dann einschreitet und damit die so engagiert vorbreitete Veranstaltung stört”.  Und Hans-Joachim Schiemenz, Pressesprecher der Stadt Lübbenau, findet zwar, “man hätte die Männer sofort vom Platz verweisen müssen”, doch während des so genannten “simulierten Löschangriffs” gegen Mittag, als alle Augen auf die Mannschaft gerichtet waren, hätten die Männer die Schrift “geschickt mit Hosenträgern” verdeckt. Tja, da sieht man es mal wieder, genauso hat es die SA damals auch gemacht. Die hat die Machtübernahme der NSDAP mit Saalschlachten so engagiert vorbereitet, dass die Parlamentarier der Weimarer Republik nicht stören wollten. Und im entscheidenden Moment haben sie dann das Braunhemd geschickt unter den Hosenträgern versteckt. Verdammt unfair diese Rechtsradikalen.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

Kommentieren | 22. Mai 2008 | 12:03 Uhr | Twittern | Facebook

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