Als Ereignis- und Dokumentationskanal ist Phoenix zweifelsohne unverzichtbar. Wo sonst sollten wir all diese spannenden Bundestagsdiskussionen gucken. Zu Hochform laufen unsere Politiker bekanntermaßen immer erst bei Parteitagen auf und deshalb ist es noch wichtiger, das Phoenix auch immer live von den Parteitagen berichtet. Da ist es selbstverständlich misslich, wenn zwei Parteitage gleichzeitig laufen, so wie jetzt die von FDP und SPD. Man will ja nichts verpassen! Doch zum Glück machen die Phoenix-Profis in solchen Fällen das gleiche wie die Radio-Profis bei der Bundesliga-Konferenz: Sie schalten immer dahin, wo's gerade wichtig wird. Als beispielsweise bei der FDP gerade der sensationelle Unterhaltungskünstler Brüderle Triumphe feierte, trat der Phoenix-Kollege vor die Kamera und verkündete, dass man ja versprochen habe, immer dorthin zu schalten, wo es gerade spannend werde. Deshalb gehe man jetzt rüber zur SPD, weil dort gerade Kurt Beck ans Rednerpult getreten sei. Spannend? Kurt Beck? Nun.... O.K., Kollege, der war gut!

 

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0530 indiana-jones.jpgUS-Schauspieler Harrison Ford hat mit einer schmerzhaften Prozedur zum Schutz der Regenwälder aufgerufen. Mit wächsernen Streifen ließ der "Indiana Jones"-Darsteller sich in einem Video für die Umweltgruppe Conservation International (CI) den Haar-Dschungel auf seiner eigenen Brust lichten, während er zum Kampf gegen die Abholzung der Regenwälder in tropischeren Gefilden aufrief. "Jedes Stück Regenwald, das anderswo ausgerissen wird, schmerzt uns hier", sagt der 65-jährige Ford, während eine Kosmetikerin beherzt die Wachstreifen von seiner Brust zieht. Aua! Auaauaaua! Aber schöne Idee! Als nächstes lässt sich vielleicht Pamela Anderson die Implantate aus der Brust nehmen, um auf das Abschmelzen der Polkappen hinzuweisen.


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Auf den neuen Berliner Telefonbüchern ist auf der Titelseite das falsche Rathaus zu sehen, nämlich nicht das Rote Rathaus, sondern das am Marienplatz in München. Der verantwortliche Verlag sprach von einem bedauerlichen Fehler. Zwei Bilddateien seien leider vertauscht worden. Mit einer Auflage von 700.000 Stück liegt der Band derzeit in allen Berliner Postfilialen zur Abholung bereit. Ist doch schön! 0529 Telefonbuch.jpgErinnern Sie sich noch an Frank Steffel? Das war die CDU-Fachkraft, die vor dem großen Friedbert Pflüger versucht hat, gegen Klaus Wowereit zu gewinnen. 2001 war das und Kandidat Steffel fuhr damals zu einer Veranstaltung mit Edmund Stoiber nach München und überbrachte "der heimlichen Hauptstadt" und "schönsten Stadt Deutschlands" beste Grüße aus Berlin. Kandidat in Berlin, lobt aber München als Haupt- und schönste Stadt. Tja, ist doch schön, zu wissen, was der Frank Steffel heute macht: Bilder für Telefonbücher aussuchen.


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Die Freiwillige Feuerwehr von Groß Gaglow in Brandenburg, also die Jungs, die zu einem Feuerwehrwettkampf mit T-Shirts antrat, auf denen der Satz "Flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl" zu lesen stand, diese Feuerwehr hat jetzt gesagt, dass sie gar nicht wusste, dass es sich bei diesem Spruch um ein Hitler-Zitat handelte. Der Satz passe einfach gut zu stressigen Löscheinsätzen und zum Teamgeist der Truppe, eigne sich wunderbar als Aufdruck für Mannschaftshemden. Auf den T-Shirts der Gaglower Wehr ist das Zitat in altdeutscher Schrift gedruckt - so wie man es heute häufig bei Rechtsextremen sieht. Der Spruch, so einer der  Feuerwehrleute, sei "jemandem von uns eingefallen", wahrscheinlich "in lockerer Bierrunde". Is klar! Krupp-Stahl ist im Cottbusser Raum, wo Stahlproduzent EKO gleich um die Ecke in Eisenhüttenstadt liegt, ja auch ein derart geläufiger Begriff, dass er einem am Biertisch genauso einfach in den Sinn kommt wie die Idee, den Satz in Frakturlettern zu drucken. "Das war keine Absicht", sagt der Feuerwehrmann, "sondern sah einfach schick aus". Na dann ist ja gut!


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Wer Kinder hat, der kennt das: Manchmal leugnet das geliebte Kind verzweifelt, weil es weiß, dass es echt Mist gebaut hat. Nehmen wir mal an, im Kinderzimmer riecht es verbrannt, der Brandfleck im Teppich schwelt noch leicht vor sich hin, die abgebrannten Streichhölzer liegen auf dem Schreibtisch und der kleine Sonnenschein schaut so treuherzig wie er kann und sagt: "Ich? Ich kokel doch nicht." Sicher, das ist schon eine ernste Sache, aber man möchte das Kind gerne in den Arm nehmen und sagen: "Gib's doch einfach zu, wird schon nicht so schlimm werden."  0527 brandloch.jpgWarum ich Ihnen das erzähle? Nun, die Linkspartei ist für die SPD auf Landesebene ein vorstellbarer Koalitionspartner, die Linkspartei ist jetzt möglicher Stimmpartner für Gesine Schwan bei der Wahl für das Bundespräsidentenamt, Forderungen wie Mindestlohn, keine Studiengebühren etc. decken sich zum Teil, aber Kurt Beck stellt sich nach der Präsentation von Gesine Schwan hin, schaut so treuherzig wie er kann und sagt: "Eine Koalition auf Bundesebene mit der sogenannten Linken auf Bundesebene wird es nicht geben." Da sagen wir jetzt: "Ach Kurt, gib's doch einfach zu, wird schon nicht so schlimm werden." Aber in den Arm nehmen wir den Kurt nicht.


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Die Telekom überprüft die Telefonverbindungen ihrer Mitarbeiter, um festzustellen, wer eventuell mit Journalisten Kontakt hat. Angeblich sind der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, sowie der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel tiefer in die Spitzelaffäre des Konzerns verstrickt als bislang bekannt. Behauptet zumindest der frühere Personalvorstand der Deutschen Telekom und Ex-Leiter der Abteilung für Konzernsicherheit, Heinz Klinkhammer. "Dieser Auftrag, die Lücken für die Indiskretionen zu finden und zu schließen, ist an mir sowie am Chef der Konzernsicherheit vorbei aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erteilt worden." Ricke weist diese Behauptungen selbstverständlich zurück und Klaus Zumwinkel lässt 0526 telekom.jpgüber einen Sprecher erklären: "Herr Zumwinkel hat keinen persönlichen Auftrag erteilt." Das ist doch mal elegant und auch knapp daneben dementiert, denn der Herr Klinkhammer hat ja nur gesagt, die Anweisung stamme aus dem Umfeld der Herren Ricke und Zumwinkel. Wenn also der Herr Zumwinkel mal mit seinem Umfeld gesprochen hat, ob man nicht die eigenen Mitarbeiter bespitzeln sollte und das Umfeld dann den Auftrag erteilt hat, dann hat der Herr Zumwinkel den Auftrag ja nicht persönlich erteilt. Wie gesagt, schon irgendwie ein elegantes Dementi.


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Bei der Abstimmung über den EU-Reformvertrag hat sich die rot-rote Koalition in Berlin der Stimme enthalten. Wowereit war zwar dafür, aber die freundlichen Koalitionspartner von der Partei "Die Linke" waren dagegen. Wowereit sieht in diesem Verhalten der Linken ein ernstes Warnzeichen für die Koalition. Auf ein uneinheitliches Ergebnis hätte er sich aber auf keinen Fall eingelassen. Warum eigentlich nicht? Als es 2002 im Bundesrat um das neue Zuwanderungsgesetz ging, stimmte SPD-Ministerpräsident Stolpe dafür und sein Stellvertreter Schönbohm von der CDU dagegen. Einwandfrei ein uneinheitliches Votum, was für den damaligen Präsidenten des Bundesrats aber kein Problem war. Er wertete das Unentschieden einfach als "ja". Wie hieß dieser Präsident noch mal? Richtig, Klaus Wowereit! Aber das ist ja nun auch schon wieder sechs Jahre her.

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Parteitag der Erfolgspartei "Die Linke" in Cottbus und alle waren in Feierlaune. Sogar Lothar Bisky gab sich begeistert, wenngleich er auch mahnende Worte fand. Die Linke sei als Spross der Ost-West-Fusion von PDS und WASG "dem Säuglingsalter noch nicht entwachsen. Aber wir fangen an zu laufen." Das wird die anderen Parteien freuen, denn wenn man Laufen lernt, fällt man bekanntermaßen recht häufig auf die Schnauze. Andererseits, wenn es mit dem Laufen nicht klappt, kann man ja immer noch segeln, 0524 lafontaine.jpgdenn wie rief doch Oskar Lafontaine den Delegierten zu: "Wir haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln!" Ein feine Sache, wenn man im besten historisch-materialistischen Sinne sicher sein darf, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Nun ist diese Sicherheit bei sozialistisch vorgebildeten Menschen ja weit verbreitet. Die DDR-Elite war sich beispielsweise ganz lange ziemlich sicher, dass sich das eigene System am Ende durchsetzen werde. Gut, im Westen gab es Bananen, schnellere Autos und Modern Talking, aber man stand ja auf der richtigen Seite der Geschichte und würde von deren Wind schon zum Sieg getrieben werden. Nun ist Oskar selbstverständlich ein bisschen schlauer und hält es bei der sozialistische Windtheorie mehr mit dem schlauen Walter Benjamin, den er denn auch zitiert: "Dialektiker sein heißt, den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst ist, sie setzen zu können." Das klingt doch schon mal viel besser. Und weil er schon mal so gut dabei ist, macht Lafontaine denn auch entsprechend weiter: "Wir, die Linke, haben Begriffe gesetzt: den Mindestlohn, Hartz IV muss weg, wir wollen eine armutsfeste Rente und die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan. Und wir haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln." Tja! Begriffe setzen! Mindestlohn, weg mit Hartz IV, raus aus Afghanistan! 0524 linkspartei.jpg Wenn der Oskar jetzt noch den Unterschied zwischen "Begriffen" und "Parolen" kennen lernt, dann könnte das mit dem Wind der Geschichte was werden. Aber das hat ja auch noch Zeit, denn schließlich lernt die Partei gerade erst das Laufen, und da das passive Wahlrecht für den Bundestag, also das Alter, ab dem man in unser Parlament gewählt werden darf, bei 18 Jahren liegt, haben die Linke und Oskar Lafontaine noch gute 17 Jahre Zeit.


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Auf dem großen weltkirchlichen Gottesdienst des Katholikentages in Osnabrück hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick aus gegebenem weltkirchlichen Anlass noch einmal darauf hingewiesen, dass die Globalisierung nun wahrlich keine Erfindung des modernen Kapitalismus sei. "Wir sind seit 2.000 Jahren katholisch und global", sagte Schick.  Die katholische Kirche sei ein "global player". Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz verwies darauf, schon seit jeher bemühe sich die Kirche um einen weltumspannenden Austausch von Spiritualität. Dieses Bekenntnis zur Globalisierung, die ja landauf landab nicht den besten Ruf genießt, mag verwundern, aber wenn man es sich mal so überlegt - die wichtigsten Entscheidungen werden nicht von Politikern oder Herrschern getroffen, sondern von dubiosen, undurchschaubaren und nicht demokratisch legitimierten Organisationen, was aber für den einfachen Menschen genauso wenig wie für die so genannte Dritte Welt einen Unterschied macht, weil sie am Ende sowieso die Gekniffenen sind. So gesehen passt es ja wieder. Kann der Bamberger Erzbischof ja den Kollegen Erzbischof von München und Freising fragen. Der heißt Marx und müsste sich mit dem Thema auskennen.


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Bei sportlichen Wettkämpfen wie beispielsweise den Olympischen Spielen wird der vierte Platz auch gerne als "undankbar" bezeichnet. Vierter ist zwar nicht schlecht, aber wer nicht Gold, Silber oder Bronze abräumt, gerät schnell in Vergessenheit. Doch zum Glück gibt es ja für schwächere Teilnehmer auch andere Möglichkeiten, sich nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Nehmen Sie nur mal den Spreewald-Cup in der Disziplin "Löschangriff nass". Die Truppe der Freiwilligen Feuerwehr von Groß Gaglow, einem 1500-Seelen-Dorf bei Cottbus, wurde in dieser Disziplin zwar nur elfter, hat sich aber mit einem cleveren Marketing-Gag dennoch die Aufmerksamkeit der Medien gesichert. Die jungen Feuerwehrmänner traten mit T-Shirts an, auf denen zu lesen war: "Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl." Wenn Sie jetzt denken: Das habe ich doch schon mal gehört, dann sind Sie entweder schon ein bisschen älter oder Sie gucken gerne Guido-Knopp-Dokus. Denn mit dieser Windhund-Leder-Stahl-Analogie hat ein bekannter deutscher Diktator mal auf den Punkt gebracht, wie er sich seine Hitler-Jugend wünschte. Im Anschluss an den "Löschangriff nass" gab es selbstverständlich einige Aufregung und es wurde die Frage gestellt, ob man diesen Auftritt mit einem NS-Propagandaspruch nicht hätte unterbinden können. Der SPD-Abgeordnete Werner-Siegwart Schippel war dem Bericht zufolge vor Ort. Er habe am Rande "von den T-Shirts Wind bekommen", habe es aber für schwierig gehalten, "wenn man dann einschreitet und damit die so engagiert vorbreitete Veranstaltung stört".  Und Hans-Joachim Schiemenz, Pressesprecher der Stadt Lübbenau, findet zwar, "man hätte die Männer sofort vom Platz verweisen müssen", doch während des so genannten "simulierten Löschangriffs" gegen Mittag, als alle Augen auf die Mannschaft gerichtet waren, hätten die Männer die Schrift "geschickt mit Hosenträgern" verdeckt. Tja, da sieht man es mal wieder, genauso hat es die SA damals auch gemacht. Die hat die Machtübernahme der NSDAP mit Saalschlachten so engagiert vorbereitet, dass die Parlamentarier der Weimarer Republik nicht stören wollten. Und im entscheidenden Moment haben sie dann das Braunhemd geschickt unter den Hosenträgern versteckt. Verdammt unfair diese Rechtsradikalen.


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Der neue Bußgeld-Katalog für Vergehen im Straßenverkehr ist vom Bundeskabinett beschlossen. Fahrer, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, werden künftig mit bis zu 1 500 Euro, in Extremfällen sogar mit 3 000 Euro bestraft. Bisher wurden dafür maximal 750 Euro fällig. Auch für Raser, Drängler und "Linke-Spur-Blockierer" wird es teurer werden.  Vor allem Autofahrer, die mehrfach auffällig geworden sind, sollen nach dem Willen des Ministers tiefer in die Tasche greifen. Nun ließe sich sicherlich trefflich streiten, inwieweit diese Erhöhung der Bußgelder tatsächlich erzieherische Wirkung entfaltet, aber zum Glück müssen wir selbiges gar nicht tun. Denn es gibt ja viel gewichtigere Argumente, diese Neuregelung abzulehnen. Die FDP kritisiert, es handele sich doch schlicht um einen neuen Versuch des Staates abzukassieren, was dazu führe, dass viele Autofahrer finanziell überfordert werden könnten. Und Verbände wie ADAC und AvD erinnern aus gegebenem Anlass daran, dass sich seit 1990 die Einnahmen der Kommunen aus dem Verteilen von Knöllchen für Falschparker mehr als verdoppelt haben. Reine "Abzockerei" sei das. An dieser Stelle würde mich jetzt mal eine Definitionsfrage interessieren. 0521 Zumwinkel.jpgEigentlich ist der Begriff "Abzocke" doch für Tatbestände gedacht, in denen die Preise, Gebühren etc. für etwas erhöht werden, worauf die Menschen angewiesen sind: Medikamente, Strom, Gas und solche Sachen. Wer genau zwingt Euch freidemokratische Autofahrer eigentlich dazu, mit überhöhter Geschwindigkeit durch Ortschaften zu brettern und dann Euer Auto auf dem Behindertenparkplatz abzustellen? Na? Eben! Wenn die Strafen für Steuerhinterziehung unter dem Eindruck der jüngsten Fälle verschärft würden, würde doch auch niemand von Abzocke sprechen oder davon, dass dies beispielsweise den Herrn Zumwinkel finanziell überfordern würden. Obwohl... die FDP... also vermutlich... 


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Das renommierte Wissenschaftsmagazin Apotheken-Umschau präsentierte jüngst wieder einmal sensationelle Forschungsergebnisse: Beruflich angeordnetes Lächeln kann Stress auslösen und sogar zu Depression, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Problemen führen. Laut Apotheken-Umschau rät der Psychologe Dieter Zapf deshalb "Berufslächlern" wie Stewardessen oder Verkäufern, sich in Arbeitspausen immer wieder einmal zurückzuziehen, um sich zu entspannen, Aggressionen abzubauen und sich von dem ständigen Lächelzwang zu erholen. Wieder was gelernt! Vor allem wissen wir jetzt endlich, warum die Chinesen zwischendurch immer mal so etwas extrem Humorloses tun wie Regimegegner verhaften, Mönche unterdrücken und dergleichen mehr. Im "Land des Lächelns" dient das vermutlich der Erholung vom Dauerlächeln. Andererseits ist "Land des Lächelns" ursprünglich keine Beschreibung des chinesischen Nationalcharakters gewesen, sondern nur eine Operette von Franz Lehár. Und diese Operette hieß ursprünglich auch noch "Die gelbe Jacke". Womit jetzt nur noch zu klären wäre, ob Menschen, die berufsbedingt gelbe Jacken tragen müssen (ADAC-Mitarbeiter beispielsweise), Bluthochdruck und Depressionen bekommen. Aber das erfahren wir bestimmt irgendwann demnächst aus der Apotheken-Umschau.


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Die Kolleginnen und Kollegen vom Südwestrundfunk haben eine tolle Aktion geplant. "Jobtausch" nennt sich das Ganze und es geht darum, dass Politiker für einen Tag den Job eines Ihrer Untertanen übernehmen. Wolfgang Schäuble beispielsweise wird am heutigen Sonntag zum Sportreporter. Schäuble berichtet für den ARD-Hörfunk über das letzte Saisonspiel des Fußball-Zweitligisten SC Freiburg gegen den SV Wehen Wiesbaden. Und wir wissen auch schon, was er sagen wird, wenn eine dieser kniffligen Schiedsrichterentscheidungen wie "war das Foul im Strafraum oder außerhalb" oder "war der Ball in vollem Umfang hinter der Linie" ansteht. Er wird sagen: "Wir brauchen Videoüberwachung!"


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Stellen Sie sich mal vor, Sie wären Helmut Kohl. Kanzler der Einheit! Berühmtester Ehrenworthalter der Republik! Übervater der CDU! Lange Jahre mächtigster Mann dieses Landes! Jetzt immerhin schon 78 Jahre alt - dem Vernehmen nach nicht mehr so ganz topfit, aber mit spätem Glück in Gestalt von Maike Richter, seiner 44jährigen Lebensgefährtin. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie planen die Verehelichung mit selbiger Frau und alles ist perfekt, Sie brauchen nur noch die Trauzeugen! So, haben Sie das? 0517 Kohlkirchkai.jpgUnd jetzt stellen Sie sich vor, die Trauzeugen, die Sie bekommen, heißen Leo Kirch und Kai Diekmann. Der ehemalige Medien-Mogul Kirch, der bei seinem Versuch, nach dem Vorbild Silvio Berlusconis oder gleich Alfred Hugenbergs einen politisch übermächtigen Medienkonzern aufzubauen, die formidabelste Medien-Pleite der bundesdeutschen Geschichte hingelegt hat und der Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, der die ganze Trauungszeremonie süßlich verkitscht in sein Blatt hievt. Mensch Helmut, nach 78 Jahren Leben kriegen Sie keine anderen Trauzeugen? Hatten Gorbatschow und Bush senior keine Zeit? Oder Hans-Dietrich Genscher und Franjo Poth? Oder Ernie und Bert? Sie können einem ja regelrecht le....Nee, soweit geht's dann doch nicht!

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Ist ja ne Supersache, wenn der allerhöchstheiligste Dalai Lama bei uns im ZDF mit unserer Maybrit Illner parliert und erklärt, wie das so alles ist mit dem Buddhismus, dem Chinesen und Olympia. Klasse! Schließlich ist das ja ein ganz berühmter Mann, der Dalai Lama, den kennt ja quasi jeder. Aber für die paar, die ihn nicht kennen, hat das ZDF, ganz dem öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag verpflichtet, den Namen eingeblendet. "Dalai Lama, Oberhaupt der Tibeter" stand da. Oberhaupt der Tibeter! Nicht etwa "geistliches" oder meinethalben auch "geistiges" Oberhaupt der Tibeter, sondern schlicht "Oberhaupt". Das über einen Mann, der bekanntermaßen nicht in Tibet sondern im Exil lebt. Na, da freuen wir uns schon jetzt auf das Interview mit Papst Benedict, dem Oberhaupt der Italiener! 0516 Maybrit Dalai.jpg


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Einige Tage vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima hat der venezolanische Präsident Hugo Chavez in seiner lustigen Fernsehshow eine interessante politische Einordnung vorgenommen. Eingeordnet wurde unsere Bundeskanzlerin, die, so erklärte Chavez seinen Landsleuten, die Christdemokraten vertrete. Diese konservative Partei gehöre zum rechten Lager, "derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat". Einen herzlichen Glückwunsch nach Venezuela, in der ewigen Rangliste witziger Nazi-Vergleiche hat sich Herr Chavez spontan auf den ersten Platz geputscht und den bisherigen Spitzenreiter Helmut Kohl mit seiner Bemerkung über Gorbatschow ("Goebbels verstand auch etwas von PR") verdrängt. Allerdings glaube ich, dass Herr Chavez nicht ganz korrekt übersetzt wurde: Er meinte doch sicherlich, die "gleiche" Rechte, die Hitler unterstützt habe, nicht die "selbe". Die "selbe" ist doch meines Wissens in nicht geringem Ausmaß ausgewandert, gerade nach Süd- und Lateinamerika übrigens. Sollte Chavez eigentlich wissen.


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0514grindrel.jpgDer CDU-Medienexperte Reinhard Grindel hat die Pläne des ZDF kritisiert, nach Fernsehwettbewerben für Sänger, Models und Tänzer eine Castingshow für Nachwuchspolitiker auf den Markt zu bringen. "So wie Daniel Küblböck kein Gesangsstar wurde, bezweifele ich, dass eine Castingshow gute Politiker hervorbringt", sagte Grindel. Hintergrund: Unser Supersender hat sich die Rechte an dem Reality-Format "The Next Great Leader", in dem "neue, unverbrauchte politische Hoffnungsträger" gesucht werden, gesichert. Nun gibt es in der Tat viele Gründe, die gegen ein solches Format sprechen könnten. Zum Beispiel Übersetzungsgründe: "Deutschland nächster großer Führer", das könnte ungewollte Assoziationen wecken. Auch die Vorstellung, wer sich so alles für eine "neue, unverbrauchte politische" Kraft halten könnte, treibt einem die Schweißperlen auf die Stirn. Sigmar Gabriel und Eckart von Klaeden haben sich vermutlich bereits beworben. Aber all das sind lösbare Probleme. Ein Argument allerdings spricht nun wirklich gegen die neue Castingshow: Reinhard Grindel hat selbst zehn Jahre lang in Bonn, Berlin und Brüssel für das ZDF gearbeitet, ehe er in den Bundestag gewählt wurde. Der Mann weiß also, wovon er spricht, wenn er sagt, dass vom ZDF gecastete Politiker besser nicht in den Bundestag kommen sollten.

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Haben es schon Hinterbänkler im Bundestag schwer, in der öffentlichen Wahrnehmung öffentlich wahrgenommen zu werden, so ist das für Landtagsabgeordnete noch schwieriger. Ganz selten wird beispielsweise jemand wie Christian Weisbrich, aus der nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion mal in überregionalen Zeitungen zitiert. Manchmal aber eben doch, z.B. in der taz, wenn der- oder diejenige so etwas Schönes sagt, wie eben Christian Weibrich: "Das Ölzeitalter wird genauso wenig wegen plötzlichen Ölmangels zu Ende gehen, wie die Steinzeit aus Steinemangel geendet hat." 0513 ölmangel.jpgIn der Tat! Und die Eiszeit ist auch nicht am Eismangel, die Bronzezeit nicht am Bronzemangel zugrunde gegangen und der Eisenzeit hätte es auch nicht geholfen, wenn sie mehr Spinat gegessen hätte, zumal man mittlerweile ja weiß, dass Spinat nicht annähernd so eisenhaltig ist, wie immer behauptet wurde. Nur, Herr Weisbrich, an der Tatsache, dass Öl ein rapide knapper werdender Rohstoff ist, ändert all das leider gar nichts. Aber angesichts Ihrer offensichtlichen Kompetenz, würde ich Ihnen gerne ein neues Problem zum Dranrumknabbern geben, eines, wo Sie mal so richtig drauflosphilosophieren können:

Meinen Sie, die Urzeit ist aufgrund des allgemeinen Zeitmangels untergegangen? Ich bin gespannt.


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0512 skelette.jpgBei Ausgrabungen in der Nähe der Autobahn 7 westlich von Göttingen haben Archäologen zwei rund 7000 Jahre alte Gräber entdeckt. Es handele sich um sogenannte Hockerbestattungen, teilte Stadtarchäologin Betty Arndt am Freitag mit. Als erfahrener Tramper hätte ich den Ausgegrabenen vorher sagen können: Man muss schon stehen und den Daumen raushalten. Wer sich an den Straßenrand hockt, wird nicht mitgenommen.


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0511KarlMay_Raupp.jpgPassend zum Muttertag: Die eigene Mutter ist für fast jeden zweiten Deutschen laut einer Studie das wichtigste Vorbild. In einer repräsentativen Umfrage sagten 48 Prozent, ihre Mutter habe ihre Entwicklung besonders beeinflusst. Bei 39 Prozent der Befragten war es der Vater. Deren Einfluss wächst anscheinend: 41 Prozent der 14- bis 34-Jährigen nannten ihn als Vorbild, bei den über 54-Jährigen waren es lediglich 35 Prozent. Woran das wohl liegt? Die 54jährigen kamen irgendwann 1953 oder 1954 zur Welt. Die Älteren logischerweise noch ein paar Jahre früher, beispielsweise zwischen 1933 und 1945. Also in einer Zeit, wo die Väter dann für sechs oder mehr Jahre relativ weit weg von zu Hause waren. Aber egal, für mich persönlich möchte ich festhalten, dass meine Entwicklung vor allem von Karl May und Donald Duck beeinflusst wurde. Aber, wenn mir die ödipale Anmerkung gestattet ist, meine Mama habe ich natürlich trotzdem lieb.


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Kürzlich betrat ich sehr langsam die Post-Filiale meines Vertrauens. Langsam deshalb, weil die Schlange der Wartenden bis vor die Tür reichte. Das liest sich wilder als es war, die Tür ist in dieser speziellen Filiale nicht so weit von den Schaltern entfernt. Dass die Schlange länger als gewöhnlich war, lag daran, dass einer der Schalter nicht besetzt war. Dieser Schalter war nämlich "defekt". So stand es zumindest auf einem Schild: "Dieser Schalter ist defekt". Was ich irgendwie witzig fand, weil der Schalter eigentlich genauso aussah, wie die anderen, nicht defekten Schalter. Ich beschloss daher, dieses Schild für einen ironischen Hinweis auf die chronische Unterbesetzung der Filialen und die damit einhergehende Überlastung des Schalterpersonals zu halten. Eine Vertreterin dieses Personals wog kurz darauf einen von mir abgelieferten Brief prüfend in der Hand und sagte: "Na, der scheint mir aber zu schwer für 55 Cent, was haben Sie denn da drin!" Nun hätte ich der Frau antworten können, dass sie dies wirklich überhaupt nichts anginge. Ob der vermuteten Ironiefähigkeit dieser Filialbesatzung antwortete ich aber lieber: "Drogen!" 0510 paninis.jpgDie Frau schaute derart empört, dass ich umgehend nachschob, dass dies ein Witz sein sollte. Die Diskussion über die Frage, ob die Post die Verantwortung für die Versendung des einmal belasteten Umschlags übernehmen könne will ich im Einzelnen nicht wiedergeben, lediglich bemerken, dass die Schlange der Wartenden deutlich länger geworden war, als ich die Post mit meinem Umschlag wieder verließ. Was lernen wir daraus? Auch wenn Sie ein erwachsener Mann sind und es Ihnen ein bisschen peinlich ist, dass Sie Panini-Fußballbildchen an einen Tauschpartner schicken, machen Sie besser keine Drogen-Witze. Die Post ist nicht ironiefähig, sie hat tatsächlich einen defekten Schalter.


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Der Bergsteiger Reinhold Messner hat den Mount-Everest-Aufstieg mit dem Olympischen Feuer kritisiert. "Die Chinesen haben oft genug bewiesen, dass sie auf den Everest kommen", sagte Messner. "Das war Propaganda und keine bergsteigerische Aktion." 0509 fackelträger.jpgIn der Tat, schön dass Messner mal laut sagt, was sonst keiner ...  naja gut, schön dass Messner laut sagt, was alle anderen seit vielen Wochen auch laut sagen. Messner lobte ausdrücklich die Proteste, die es überall gegen den Fackellauf gegeben habe. Und genau in diesem Zusammenhang hätte ich dann noch eine Frage zum protestfreien Aufstieg mit der Fackel auf das Dach der Welt. Wo, Herr Messner, wo ist der Yeti, wenn man ihn mal braucht?


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0508 Huber.jpgCSU-Chef Erwin Huber macht seine Steuererklärung selbst: "Da bin ich sogar ein wenig stolz drauf", erklärte er dem Focus. Er nutze inzwischen das Steuererklärungsprogramm der Finanzämter, ELSTER, erklärte der gelernte Steuerinspektor. Ist Ihnen was aufgefallen? Na, dann lesen Sie doch die ersten Zeilen gleich noch mal! Ich warte derweil.

 

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So! Und? Genau, wir haben es bei Erwin Huber mit einem gelernten Steuerinspektor (!) zu tun, der in seiner Eigenschaft als Politiker und Finanzminister (!!) "ein wenig stolz" darauf ist, dass er in der Lage ist, eine Steuererklärung auszufüllen. Demnächst kommt vermutlich der gelernte Elektromechaniker Kurt Beck auf die Idee, in einer Diskussion über die Förderung umweltfreundlicher Energien zu verkünden, dass er "ein wenig stolz darauf ist, dass er in seinem Haus eigenhändig Energiesparlampen eingeschraubt" habe.


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0507schaeuble-fingerabdruck.jpgOhne Fingerabdrücke kein Ausweis: Mit dieser Begründung lehnte die südafrikanische Innenbehörde den Pass-Antrag einer armamputierten Frau ab. Das Amt ließ sich auch durch den berechtigten Hinweis nicht überzeugen, dass ein Mensch ohne Arme keine Finger habe, um Abdrücke machen zu lassen. Das klingt grauenvoll, hat aber auch seine guten Seiten. Wolfgang Schäuble und Otto Schily planen bereits ihre Auswanderung ans Kap der guten Hoffnung.


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Nach anhaltend heftiger Kritik an seiner früheren Mitarbeit bei rechtslastigen Zeitschriften verzichtet der designierte thüringische Kultusminister Peter Krause nun doch auf das Amt. Der CDU-Landtagsabgeordnete erklärte in Erfurt: "In meine private Sphäre wird in einer üblen Art und Weise eingegriffen, die ich nicht länger bereit bin zu ertragen", heißt es in der Erklärung. Die CDU erklärte umgehend ihren großen Respekt vor dieser Entscheidung. Das würde ich jetzt wahnsinnig gerne auch tun, aber ich versuche immer Krauses Begründung zu verstehen. Schließlich muss ich doch wissen, ob auch ich in dieser meiner kleinen Schnuckelrubrik (siehe 30. April) in die Privatsphäre von Herrn Krause eingegriffen habe, indem ich mich fragte, ob ein früherer Mitarbeiter der rechts außen stehenden Zeitung "Jungen Freiheit" geeignet sei, künftig Gedenkstätten wie Buchenwald zu verwalten. Dass das Private politisch ist, wusste ich ja schon, dass nun im Umkehrschluss das Politische offensichtlich privat sein soll, war mir bislang unbekannt. 0506 thüringer Landtag.jpg


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0505 Zwerge.jpgWussten Sie, dass es einen "Deutschen Musikrat" gibt? Einige von Ihnen bestimmt. Immerhin ist der Musikrat mit über acht Millionen Mitgliedern der größte deutsche Kulturverband. Klar, dass die auch eine Zeitung herausgeben, das "Musikforum". Ein solches Forum boten die Herausgeber jetzt den Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien. Selbige sollten mal sagen, was sie so zum Thema kulturelle Vielfalt zu sagen haben: Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben Kunst und Kultur einen "maßgeblichen Anteil daran, was eine Gesellschaft liebenswert und damit zukunftsfähig macht". Die Menschen könnten sich Kunst und Kultur nicht verschließen, "denn sie vermitteln ein verbindendes Lebensgefühl, sie bieten Heimat und Identität, sie geben sogar Anregung und Orientierung zur Lebensführung", schreibt Merkel. Auch SPD-Chef Kurt Beck warnt in der Zeitschrift davor, Kulturangebote unter den Bedingungen der Globalisierung "als bloße kommerzielle Dienstleistung" zu organisieren. Beck plädiert für einen Austausch und Dialog der Kulturen als wichtiges Instrument sozialer Integration von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, religiöser Überzeugung und kultureller Prägung. FDP-Chef Guido Westerwelle bekräftigt die Forderung seiner Partei nach einem Staatsziel Kultur im Grundgesetz. Für Oskar Lafontaine (Die Linke) ist kulturelle Vielfalt ohne den Erhalt der öffentlichen Kulturförderung und ohne einen reformierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht denkbar. Der Kulturauftrag des Rundfunks gehöre in die aktuelle Debatte, wenn es um Vielfalt der Kultur gehe. "Kultur kostet, Unkultur kostet mehr." Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, betonte, Zugang zu Bildung und Kultur sei kein Privileg, sondern ein Menschenrecht. Sie plädiert für Städte und Regionen, "die Heimat sind für vielfältige multikulturelle Lebensformen, für selbstbewusste Schwulen- und Lesbenszenen, für lebendige Künstler- und Bohème-Szenen". Ein wichtiges Instrument des Staatsziels einer liebenswert-zukunftsfähigen geförderten, selbstbewusst-lebendigen, schwul-lesbisch-szenigen Bohème-Kultur im Zeitalter der Globalisierung. In diesem Fall, das muss man zugeben, ist die Unkultur gar nicht mal so teuer: 7 € 40 plus Versandkosten.


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0504 bildleserrat.jpgDie Bild-Zeitung will in ihrem Qualitätsprodukt das Thema Lebenshilfe weiter ausbauen. "Wir wollen eine Betriebsanleitung für das immer komplizierter werdende Leben bieten. Das können wir noch präziser und aktueller machen." Wichtigste Themen seien Geld, Gesundheit, Beruf und Altersvorsorge. Diese Entscheidung gehe auf eine Anregung des aus 32 Leserinnen und Lesern bestehenden Leser-Beirats zurück. Selbiger habe sich laut Chefredakteur Diekmann auch mit 25 zu 7 Stimmen für die Beibehaltung des leicht bekleideten "Mädchens auf Seite 1" ausgesprochen. "Da wurde sehr energisch diskutiert." Ist doch schön, dass BILD sich konstruktiver Hilfe versichert. Allerdings bin ich gleichzeitig auch sehr gespannt auf die Erklärung des "immer komplizierter werdenden Lebens", wenn dann also in der Bild-Zeitung komplexere Zusammenhänge dargestellt werden. Wird immerhin das erste Mal sein. Und was das Mädchen auf Seite 1 angeht, das ist für pubertierende Jünglinge oder sonstwie verklemmte Kerle sicherlich eine so präzise wie ewig aktuelle Art der Lebenshilfe.


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0503 Papst und Proletariat.jpgEigentlich war der erste Mai aus proletarischer Sicht in diesem Jahr schlicht eine Frechheit: Fallen doch der gesetzliche Feiertag "1. Mai" und der gesetzliche Feiertag "Christi Himmelfahrt" in diesem Jahr tatsächlich auf ein und denselben Tag! Da kriegt das Kapital ja quasi zwei Arbeitsausfalltage zum Preis von einem. Gut, von SPD und DGB war, wie gestern erwähnt, in dieser Frage nicht viel zu erwarten, aber man könnte ja mal bei der Linkspartei vorbeihören. Und da gab Petra Pau zu besagtem Thema folgende Bemerkung ab. "Heute treffen sich ausnahmsweise Marx und Jesus, der Papst und das Proletariat." Na ist das nicht schön? Und was meinen Sie, Frau Pau, was Marx und Jesus wohl gemacht haben, als sie sich ausnahmsweise mal getroffen haben und auf ihre angestammten deutschen Parteien geschaut haben. Geweint? Vielleicht! Vielleicht haben sie sich aber auch einen Bollerwagen genommen und sind mit dem Papst und dem Proletariat einen saufen gegangen, denn Vatertag war schließlich auch noch.


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Der erste Mai! Kampftag der Arbeiterklasse! Und wer spricht auf der zentralen Kampftag-der-Arbeiterklasse-Veranstaltung? DGB-Chef Michael Sommer und SPD-Chef Kurt Beck! Da hatte das Kapital selbstverständlich schon vorher die Hosen voll! Sommer und Beck, da steht die Revolution ja quasi vor der Haustür. Und tatsächlich predigten die beiden den reinsten Antikapitalismus: "Es geht auch ohne Börsenkurse im Leben", erklärte Sommer den Genossinnen und Genossen. Und Kurt Beck beeilte sich daraufhin pflichtschuldigst zu versichern: "Ich habe auch keine Aktien." Tja, so weit ist es gekommen! Früher ging es am ersten Mai noch darum, wie man privates Vermögen sozialisiert, also der Gesellschaft zurückgibt. 0502 Che Beck.jpgHeute reicht es schon, zu betonen, dass man sich an der Privatisierung von gesellschaftlichem Eigentum (Telekom, Post, Bahn) nicht persönlich bereichert, weil man selber keine Aktien kauft. Und außerdem: Bei all dem, was die Sozis in Verbund mit anderen Parteien in den letzten Jahren privatisiert haben, da hat ein Obersozialdemokrat also selber nichts erworben? Telekom-Aktien? Nein? Die so genannten Volksaktien habt Ihr nur den Arbeitern angedreht? Wir lernen: Der Beck ist cleverer als er aussieht und der erste Mai auch nicht mehr das, was er mal war.


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Nochmals Entschuldigung, Herr Althaus, diesmal für die Reihenfolge. Eigentlich hätte ich ja erst auf die Dame zu sprechen kommen sollen. Auch ihre designierte neue Justizministerin, Marion Walsmann, ist eine ausgezeichnete Wahl. Die ist ja auch schon sehr lange in der CDU, weil sie selbiger ja schon angehörte, als die CDU noch Blockpartei in der ehemaligen DDR war. Sie saß für besagte Blockpartei CDU vor der Wende sogar schon einmal in der Volkskammer. Sogar noch 1989, als die Volkskammer Stellung zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking nahm und die Demonstrationen als blutige "Ausschreitungen verfassungsfeindlicher Elemente" verurteilte. "Gibt es zu dem Antrag Bemerkungen?", fragte damals Volkskammer-Präsident Horst Sindermann. "Das ist nicht der Fall. Ich nehme das als ihre Zustimmung und schlage vor, der Volksrepublik China unsere solidarischen Grüße zu übermitteln." Aber laut eigener Aussage hat Frau Walsmann damals nicht geklatscht. Dann ist ja gut.


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