Warum ich vor meiner Frau mehr Respekt habe als vor Tony Blair

Schwarzfahren ist eines der letzten Abenteuer, die dem Menschen von heute noch geblieben sind. Erfolgreiche Schwarzfahrer werden für ihre Nervenstärke und ihren Mut bewundert. Was aber tun, wenn man erwischt wird? Nun, man kann dem jeweiligen Schaffner dann auseinandersetzen, dass man gerade kein Kleingeld hatte, der Automat den Schein nicht angenommen habe, der Hamster die Monatskarte gefressen habe oder sonst was. Jedenfalls (an dieser Stelle ist ein ehrlicher Augenaufschlag sinnvoll) hätte man sehr gerne gezahlt, würde auch jetzt gerne sofort zahlen, wenn es doch nur ginge. Tja! Klappt nie! Naja, sagen wir fast nie! Als der frühere britische Regierungschef Tony Blair, der mit Vorträgen Millionen verdient, kürzlich in einem Expresszug zum Londoner Flughafen Heathrow saß und der Schaffner sein Ticket sehen wollte, hatte er kein solches. Der Ex-Premier hatte leider auch weder Bargeld noch Kreditkarte, um den 24,50 Pfund (30,50 Euro) teuren Fahrschein im Zug zu lösen. Und was ist passiert? Der Schaffner ließ ihn gratis weiter fahren und Blairs Sprecher – Sie werden lachen – erklärte hinterher wirklich: “Er hätte liebend gerne gezahlt, und er würde immer noch liebend gerne zahlen.” Der einzige Mensch außer Tony Blair,080423blair.jpg von dem ich weiß, dass er bzw. sie mit Schwarzfahren davonkommt, ist meine Frau. Die behauptet aber nicht, dass sie gerne zahlen würde, sondern löst das Problem offensiv indem sie den Kontrolleur lautstark davon überzeugt, dass es eine unglaubliche Unverschämtheit sei, nach einem derart beschissenen Tag auch noch einen Fahrschein von ihr zu verlangen. Das hat schon zweimal geklappt und ist ja wohl definitiv eine größere Leistung.

(ZDF) Werner Martin Doye

(ZDF) Werner Martin Doye - Werner Doyé ist die vordere Hälfte des Satire-Teams von Frontal21. Oder die hintere! Das hängt ganz davon ab, wo man selbst so steht. Unabhängig von Richtungsfragen hingegen steht fest, dass Doyé 1971 geboren wurde und dreißig Jahre später bei Frontal21 anfing. Die Zeit dazwischen war angefüllt mit Abenteuern, Intrigen sowie selbstverständlich auch Sex & Crime. Aber das würde hier zu weit führen. Seit dem 27. März 2001 jedenfalls schreibt Doyé für jeden Tag einen kleinen Kommentar zur Weltlage, zur Wetterlage oder zu dieser oder jener Vorlage aus Politik und Gesellschaft. Wie lange das noch so gehen soll? Nun: Irgendwas ist ja immer!

1 Kommentar | 23. April 2008 | 18:04 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Seien Sie vorsichtig mit derart sensiblen Daten. Es soll auch schon Staatsorgane gegeben haben, die nichts besseres zu tun hatte, als im Nachhinein einen pensionierten Rennfahrer zu verfolgen, weil er zu schnell zum Flughafen gefahren ist.
    Was ist eigentlich daraus geworden?
    Zurück zum Thema:
    Also zwei Mal ist schwach, finde ich. Es gibt Leute, die haben schon aufgehört zu zählen.
    Kreativität zahlt sich eben doch aus.

    Mr. Besorgt | 26. April 2008 | 01:16 | Antworten

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