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Peinlichkeit
Wer in früheren Zeiten König, Häuptling oder sonst ein Anführer sein wollte, durfte nicht feige sein. Im Kriegsfall musste man den eigenen Mannen voran stürmen und so unter Beweis stellen, dass man des Amtes würdig war. Kein Wunder also, dass auch Hillary Clinton gerne auf ihre Fronterfahrung verweist. So erzählte sie kürzlich die Geschichte eines Besuchs im bosnischen Tuzla im Jahre 1996: “Wir rannten geduckt zu unseren Fahrzeugen, um zu unserem Stützpunkt zu gelangen”, sagte sie. Von Heckenschützen war die Rede, die von den umliegenden Hügeln auf das Flugfeld feuerten. Gute Geschichte! Blöd nur, dass die “Washington Post” sie verifizieren wollte und nichts fand. Gefunden haben dafür Fernsehsender Bilder der damaligen First Lady, die nach Landung lächelnd eine Reihe US-Soldaten abschreitet, Hände schüttelt, Smalltalk hält und sich im Beisein ihrer Tochter Chelsea Gedichte von kleinen Mädchen anhört. Und jetzt raten Sie mal, wie Clinton diese Peinlichkeit entschuldigt! Ach, würden Sie eh nicht drauf kommen: “Ich sage eine Menge Dinge, Millionen Wörter jeden Tag, wenn ich mich also versprochen habe, so war das einfach ein Irrtum.” Versprochen? Was wollte Sie denn eigentlich sagen? Etwas was so ähnlich klingt wie “geduckt zum Wagen rennen” in Wirklichkeit aber heißen soll, dass “das kleine Mädchen aber ein nettes Gedicht vorgetragen” hat? Und als George Bush damals seine Beweise für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen vorlegte, da hat er sich vermutlich auch nur “versprochen”. Aber wer weiß, vielleicht gibt es in Amerika das Wort Lüge auch gar nicht.
Kommentieren | 29. März 2008 | 16:05 Uhr |
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