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Europa · Regierung · Merkel, Ministerinnen und Minister
Dingsbumstreue
Angela Merkel und Nicolas Sarkozy haben dem ZDF und dem französischen Sender France 2 ein gemeinsames Interview gegeben. Im Vorfeld wurde viel darüber diskutiert, ob es in Ordnung sei, wenn die deutsche Kanzlerin sich in den französischen Wahlkampf einmischt. Angela Merkel konnte das aber ganz gut begründen: “Ich unterstütze Nicolas Sarkozy in jeder Facon, weil wir einfach zu befreundeten Parteien miteinander gehören – egal was er tut.” Also völlig egal, was der Mann macht, man gehört nun mal ins gleiche Lager, also wird er auch unterstützt. Nibelungentreue kann man das jetzt schlecht nennen, denn so bezeichnete Bernhard Fürst von Bülow ja schon das Verhältnis von Deutschland und Österreich, um zu sagen, egal was die Österreicher anstellen, wir werden auf ihrer Seite sein. Aber egal, wie wir es mal nennen werden, Frau Merkel sollte ein wenig vorsichtiger sein. Das mit der Nibelungentreue war nämlich 1909 und reichte als Grund aus, um an der Seite Österreichs in den Ersten Weltkrieg zu ziehen. Womit ich nun schon den zweiten Tag in Folge bei einem Weltkrieg gelandet wäre. Vielleicht ist hier irgendwas im Trinkwasser.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 07. Februar 2012 | 12:08 Uhr |
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Rassiger Super Bowl
In der Nacht von gestern auf heute habe ich mir die Übertragung des Super-Bowls aus den USA angeschaut. Für alle, die es nicht wissen, der Super Bowl ist das Finale der National Fottball League und eines der größten Sportereignisse der Welt. Gut, es ist trotzdem ein bißchen bescheuert, deswegen bis vier Uhr früh wach zu bleiben, aber … naja, jedenfalls spielte auf Seiten der New England Patriots ein gewisser Sebastian Vollmer mit. Dieser Vollmer hatte die Chance, als erster Deutscher den Super Bowl zu gewinnen. Da die Moderatoren Frank Buschmann und Jan Stecker aber Fachleute sind, wussten sie, dass mit Tom Nuetten schon einmal ein Spieler im Finale erfolgreich war, der zwar die amerikanische Staatsbürgerschaft aber immerhin eine deutsche Mutter hatte. Um also ganz exakt zu sein, erklärte Kommentator und Ex-Quarterback Jan Stecker, dass Vollmer der erste „reinrassige Deutsche“ sei, der den Super Bowl gewinnen könne. Nun war es schon spät, Stecker war aufgeregt und hat das vermutlich auch nicht so gemeint. Er wies später jedenfalls darauf hin, dass er Vollmer besser einen „echten Deutschen“ genannt hätte. Na bitte, das macht die Sache doch… nur unwesentlich besser. Ist das eigentlich so schwer? Vollmer ist deutscher Staatsbürger, mit Pass und allem drum und dran. Nuetten war amerikanischer Staatsbürger. Also ist der eine der erste Deutsche und der andere der erste Amerikaner mit deutscher Mutter… Wenn es nämlich reinrassige oder echte Deutsche im Sport gäbe, dann liefen wir Gefahr, einen eventuellen Europameistertitel im Fußball, einer nicht unerheblichen Anzahl „falscher Deutscher“ wie Mesut Özil zu verdanken und ob die UEFA das durchgehen ließe, weiß ich nicht. Übrigens war die Überlegung eh akademisch, da Vollmer mit seinen Patrioten verloren hat. Aber das passiert gerade „reinrassigen Deutschen“ ja häufiger mal.
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 06. Februar 2012 | 11:32 Uhr |
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Moderner Katholizismus
Im immer härter werdenden Konkurrenzkampf im Einzelhandel, setzen Supermärkte, Kaufhäuser und auch Tankstellen ja seit geraumer Zeit auf Kundenbindung durch Karten. Ein Modell, dass Englands Katholiken im Konkurrenzkampf mit den Anglikanern in England und Wales jetzt übernehmen. Zunächst eine Million Katholiken in den 24 Bistümern erhalten demnächst eine Identitätskarte. Die „Faith Card“ solle Kirchenmitgliedern „Mut machen, ihren Glauben weiterzugeben“, teilte die Bischofskonferenz von England und Wales am Mittwoch mit. Unter anderem enthält der Ausweis in Scheckkartenformat den Hinweis, dass ihr Inhaber im Notfall Beistand durch einen katholischen Priester wünscht. Die Bischöfe hoffen, dass sie Katholiken ermutige, ihren Glauben zu bezeugen. „Wenn jemand etwas über den Katholizismus fragt, könnte ein Anfang sein, die Karte zu zeigen und daran anzuknüpfen.“ Super Idee! Hilfreich wäre es auch, wenn man die Faith Card mit Geld aufladen könnte, um am Kirchenausgang bargeldlos am Kollekte-Automaten zu zahlen. Allerdings vermute ich, dass es viele Gläubige zunächst irritieren dürfte, wenn Sie nach der Beichte demnächst statt eines „Ego te absolvo“ die Frage hören: Sammeln sie Punkte?
2 Kommentare | (ZDF) Werner Martin Doye | 05. Februar 2012 | 09:00 Uhr |
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Revisionismus revidieren
Es ist mittlerweile ja auch schon wieder zwei Tage her, dass die große Vorsitzende aller Vertriebenen und CDU-Abgeordnete, Erika Steinbach, für Aufsehen sorgte, indem sie via Twitter auf folgenden Sachverhalt hinwies: „Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI.“ Im Weiteren hat sie auch noch darauf hingewiesen, die Nachkriegs-SPD sei nicht frei von Nazis gewesen. Nun hatte ich mich eigentlich entschlossen, dass unkommentiert zu lassen, man muss ja nicht jede strunzdumme Äußerung kommentieren, zumal diese nicht einmal besonders originell ist. Schließlich hatte Edmund Stoiber in seinen schönsten Fallbeilzeiten Ende der 70er darauf hingewiesen, Nazis seien vor allem auch Sozialisten gewesen. Aber im Gespräch über Steinbach ist mir nun wieder eingefallen, wann ich vor dieser Twitter-Geschichte zuletzt von Frau Steinbach gehört hatte: Das war, als sie feststellte, die Polen hätten 1939 zuerst mobil gemacht. Damit hatte sie zwischen den Zeilen bekannt gegeben, dass eigentlich die Polen den Zweiten Weltkrieg begonnen haben und den Deutschen quasi nichts anderes übrig blieb, als in Polen einzumarschieren. Was ich jetzt gerne wüsste ist, ob sie dieses Urteil nicht revidieren möchte, nachdem sie herausgefunden hat, dass Deutschland damals von Linken regiert wurde. Denn wenn jetzt doch Deutschland den Krieg angefangen haben sollte, dann wäre ja quasi die Linke, also die Sozialdemokraten und Kommunisten, die damals in den Gefängnissen und Lagern saßen, die wären dann Schuld am Schicksal der deutschen Vertriebenen. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 04. Februar 2012 | 09:00 Uhr |
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Lernbedarf
Himmelherrgottnochmal, liebe „hedonistische Internationale“, so geht das doch nicht. Dem EU-Berater in Sachen Internetfreiheit, Karl-Theodor zu Guttenberg, in einer Kneipe eine Torte ins Gesicht zu klatschen … ist ja an und für sich eine sehr gute Idee. Aber, liebe „hedonistische Internationale“, die Du Dich zu diesem Akt bekannt hast, kannst Du mir mal verraten, warum Ihr das Geschehen dann mit einer miesen Handykamera, der Webcam eines Netbooks oder etwas Vergleichbarem dreht? Und dann auch noch schräg von hinten, so als hätte der Tortenwerfer mit der anderen Hand noch selbst gedreht. Wenn ich als Vertreter der klassischen Medien mal gerade meckern darf: Da stellt man gefälligst eine handelsübliche kleine Digitalkamera auf ein Stativ, um die gesamte Szene zu drehen und hat jemanden, der mit einer weiteren Kamera die Nahaufnahmen macht. Sicherlich, heutzutage versteht man hedonistisch meist als eine eher egoistische, nur auf den eigenen Genuss ausgerichtete Grundhaltung. Aber eine hedonistische Internationale könnte im Sinne des antiken Hedonismus nun wirklich auch Lust als Prinzip des gelingenden Lebens verstehen und dafür sorgen, dass alle dauerhaft ihren Spaß an diesem Ereignis haben. Wenn bei so einer schönen Idee nur ein schlechtes Homevideo herauskommt, dann ist das doch glatte Torten-Verschwendung.
2 Kommentare | (ZDF) Werner Martin Doye | 03. Februar 2012 | 14:26 Uhr |
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Wirtschaft · Banken · Wirtschaft · Finanzkrise
Lernerfolg?
Zugegeben: Ich bin nicht wirklich ein Experte für diesen ganzen Finanz- und Börsenkram. Aber wenn ich trotzdem mal eine Frage stellen dürfte: Wir haben doch angeblich aus dem Schlamassel mit der Finanz-, Banken- und Schuldenkrise soviel gelernt. Kann mir dann mal jemand erklären, warum Experten wie Journalisten sich einig sind, dass die Deutsche Bank mit 5,4 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern ein schlechtes Ergebnis erzielt hat? 5,4 Milliarden! Hatten wir nicht gelernt, das Gier und skrupellose Investmentbanker, die nur auf die jeweils nächste Bilanz schauen, einer der Kerne des Problems sind? Nun kann man ja meinetwegen davon sprechen, dass der Gewinn geringer ausfiel als erwartet, aber „ziemlich schlecht“ bzw. gar „katastrophal“? So richtig weit sind wir mit dem Umdenken ganz offensichtlich noch nicht vorangekommen. Aber gut, ich habe davon ja auch keine Ahnung.
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 02. Februar 2012 | 12:41 Uhr |
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Innere Sicherheit · Opposition · Linke
Toll! Verfassungsschutz!
von Werner Doyé und Andreas Wiemers
Kommentieren | (ZDF) Kay Meseberg | 01. Februar 2012 | 10:18 Uhr |
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Guter Werbeträger
Gestern Nachmittag erschien in den Nachrichtengenturen unerwartet folgende Erklärung: „Da am Wochenende verstärkte Diskussionen zur Karriere von Michael Ballack in den Medien aufkamen, möchten wir Ihnen folgendes Zitat mitteilen: Dr. Konstantin Korosides, Unister Holding, Betreiberin von ab – in – den – urlaub.de: “Wir halten es für einen ganz normalen Prozess einer großartigen Fußballer-Karriere, dass es hier stets zu unterschiedlichen Bewertungen und Karriere-Strömungen kommt. Für uns ist und bleibt Michael Ballack ein überaus erfolgreicher Werbepartner mit einem Starpotential das seinesgleichen in Deutschland sucht. Wir freuen uns sehr, dass er auch in diesem Jahr als Testimonial an vorderster Front für ab-in-den-urlaub.de steht.“
Ungefragt erklärt einem also ein Reiseportal, das mit Michael Ballack wirbt, dass Michael Ballack ein ganz toller Werbeträger ist. Dabei dachte ich immer, das Zeichen eines richtig guten Werbeträgers sei es, dass man eben gerade nicht darauf hinweisen muss, dass er ein solcher ist. Und deswegen, liebes Reiseportal, wer ich es in der aktuellen Situation, in der Ballack mal wieder beleidigt ist, weil er nicht jedes Mal spielt und in der Vertreter seines aktuellen Arbeitgebers Bayer Leverkusen erklären, die Ballack-Verpflichtung sei ein Fehler gewesen, in dieser Situation werde ich es weiterhin sehr lustig finden, wenn Michael Ballack auf dem Bildschirm erscheint und der Chor singt: Ab in den Urlaub! Noch lustiger wäre es freilich, die Fans der jeweils gegnerischen Manschaft würden bei jedem Fehlpass Ballacks, vor allem aber bei jeder Aus- bzw. Einwechslung des Ex-Capitanos laut „Ab in den Urlaub“ singen!
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 01. Februar 2012 | 09:00 Uhr |
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Europa · Regierung · Merkel, Ministerinnen und Minister
Nicht kontrovers diskutieren
Im Vorfeld des jüngsten Treffens der Regierungschefs zur Eurorettung hatte der deutsche Vorschlag, den Griechen die Budgethoheit zu entziehen und einen Sparkommissar einzusetzen, für Aufregung gesorgt. Wobei Aufregung noch freundlich formuliert ist, man könnte auch sagen, es gab Kritik und Empörung. Prompt ruderte Merkel zurück und sagte, es gehe darum, wie Europa Griechenland helfen könne. Sie wolle „keine kontroverse Diskussion, sondern eine Diskussion, die erfolgreich ist, erfolgreich für die Menschen in Griechenland“. Das müssen die anderen Europäer erst noch lernen. Wir Deutschen wissen das schon. Frau Merkel schätzt keine „kontroversen“ Diskussionen. Deswegen fühlt sie gerne mal vor, wie eine Idee dann ankommt und wenn sie nicht ankommt, macht sie halt das Gegenteil. Ist zunächst ein wenig verwirrend, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 31. Januar 2012 | 11:54 Uhr |
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Was heißt pleite?
Die Familie Schlecker ist pleite. Also jetzt nicht die Ladenkette, das wissen wir ja nun schon alle etwas länger, nein, die Familie selbst ist auch pleite. Das sagte jedenfalls die Drogeriekettenerbin Meike Schlecker und wiederholte auf die Nachfragen von Journalisten hin: „Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da.“ Auch auf die Gefahr hin, mich zu irren: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das, was Meike Schlecker unter „nichts“ versteht, monatlich immer noch mehr ist, als das was eine Schlecker-Angestellte in einem Jahr verdient. Wobei es sich bei den Verträgen, die Schlecker-Angestellte abschließen mussten auch gut um zwei Jahresverdienste handeln könnte.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 30. Januar 2012 | 13:37 Uhr |
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