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Moderner Katholizismus
Im immer härter werdenden Konkurrenzkampf im Einzelhandel, setzen Supermärkte, Kaufhäuser und auch Tankstellen ja seit geraumer Zeit auf Kundenbindung durch Karten. Ein Modell, dass Englands Katholiken im Konkurrenzkampf mit den Anglikanern in England und Wales jetzt übernehmen. Zunächst eine Million Katholiken in den 24 Bistümern erhalten demnächst eine Identitätskarte. Die „Faith Card“ solle Kirchenmitgliedern „Mut machen, ihren Glauben weiterzugeben“, teilte die Bischofskonferenz von England und Wales am Mittwoch mit. Unter anderem enthält der Ausweis in Scheckkartenformat den Hinweis, dass ihr Inhaber im Notfall Beistand durch einen katholischen Priester wünscht. Die Bischöfe hoffen, dass sie Katholiken ermutige, ihren Glauben zu bezeugen. „Wenn jemand etwas über den Katholizismus fragt, könnte ein Anfang sein, die Karte zu zeigen und daran anzuknüpfen.“ Super Idee! Hilfreich wäre es auch, wenn man die Faith Card mit Geld aufladen könnte, um am Kirchenausgang bargeldlos am Kollekte-Automaten zu zahlen. Allerdings vermute ich, dass es viele Gläubige zunächst irritieren dürfte, wenn Sie nach der Beichte demnächst statt eines „Ego te absolvo“ die Frage hören: Sammeln sie Punkte?
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 05. Februar 2012 | 09:00 Uhr |
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Revisionismus revidieren
Es ist mittlerweile ja auch schon wieder zwei Tage her, dass die große Vorsitzende aller Vertriebenen und CDU-Abgeordnete, Erika Steinbach, für Aufsehen sorgte, indem sie via Twitter auf folgenden Sachverhalt hinwies: „Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI.“ Im Weiteren hat sie auch noch darauf hingewiesen, die Nachkriegs-SPD sei nicht frei von Nazis gewesen. Nun hatte ich mich eigentlich entschlossen, dass unkommentiert zu lassen, man muss ja nicht jede strunzdumme Äußerung kommentieren, zumal diese nicht einmal besonders originell ist. Schließlich hatte Edmund Stoiber in seinen schönsten Fallbeilzeiten Ende der 70er darauf hingewiesen, Nazis seien vor allem auch Sozialisten gewesen. Aber im Gespräch über Steinbach ist mir nun wieder eingefallen, wann ich vor dieser Twitter-Geschichte zuletzt von Frau Steinbach gehört hatte: Das war, als sie feststellte, die Polen hätten 1939 zuerst mobil gemacht. Damit hatte sie zwischen den Zeilen bekannt gegeben, dass eigentlich die Polen den Zweiten Weltkrieg begonnen haben und den Deutschen quasi nichts anderes übrig blieb, als in Polen einzumarschieren. Was ich jetzt gerne wüsste ist, ob sie dieses Urteil nicht revidieren möchte, nachdem sie herausgefunden hat, dass Deutschland damals von Linken regiert wurde. Denn wenn jetzt doch Deutschland den Krieg angefangen haben sollte, dann wäre ja quasi die Linke, also die Sozialdemokraten und Kommunisten, die damals in den Gefängnissen und Lagern saßen, die wären dann Schuld am Schicksal der deutschen Vertriebenen. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 04. Februar 2012 | 09:00 Uhr |
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Lernbedarf
Himmelherrgottnochmal, liebe „hedonistische Internationale“, so geht das doch nicht. Dem EU-Berater in Sachen Internetfreiheit, Karl-Theodor zu Guttenberg, in einer Kneipe eine Torte ins Gesicht zu klatschen … ist ja an und für sich eine sehr gute Idee. Aber, liebe „hedonistische Internationale“, die Du Dich zu diesem Akt bekannt hast, kannst Du mir mal verraten, warum Ihr das Geschehen dann mit einer miesen Handykamera, der Webcam eines Netbooks oder etwas Vergleichbarem dreht? Und dann auch noch schräg von hinten, so als hätte der Tortenwerfer mit der anderen Hand noch selbst gedreht. Wenn ich als Vertreter der klassischen Medien mal gerade meckern darf: Da stellt man gefälligst eine handelsübliche kleine Digitalkamera auf ein Stativ, um die gesamte Szene zu drehen und hat jemanden, der mit einer weiteren Kamera die Nahaufnahmen macht. Sicherlich, heutzutage versteht man hedonistisch meist als eine eher egoistische, nur auf den eigenen Genuss ausgerichtete Grundhaltung. Aber eine hedonistische Internationale könnte im Sinne des antiken Hedonismus nun wirklich auch Lust als Prinzip des gelingenden Lebens verstehen und dafür sorgen, dass alle dauerhaft ihren Spaß an diesem Ereignis haben. Wenn bei so einer schönen Idee nur ein schlechtes Homevideo herauskommt, dann ist das doch glatte Torten-Verschwendung.
2 Kommentare | (ZDF) Werner Martin Doye | 03. Februar 2012 | 14:26 Uhr |
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Wirtschaft · Banken · Wirtschaft · Finanzkrise
Lernerfolg?
Zugegeben: Ich bin nicht wirklich ein Experte für diesen ganzen Finanz- und Börsenkram. Aber wenn ich trotzdem mal eine Frage stellen dürfte: Wir haben doch angeblich aus dem Schlamassel mit der Finanz-, Banken- und Schuldenkrise soviel gelernt. Kann mir dann mal jemand erklären, warum Experten wie Journalisten sich einig sind, dass die Deutsche Bank mit 5,4 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern ein schlechtes Ergebnis erzielt hat? 5,4 Milliarden! Hatten wir nicht gelernt, das Gier und skrupellose Investmentbanker, die nur auf die jeweils nächste Bilanz schauen, einer der Kerne des Problems sind? Nun kann man ja meinetwegen davon sprechen, dass der Gewinn geringer ausfiel als erwartet, aber „ziemlich schlecht“ bzw. gar „katastrophal“? So richtig weit sind wir mit dem Umdenken ganz offensichtlich noch nicht vorangekommen. Aber gut, ich habe davon ja auch keine Ahnung.
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 02. Februar 2012 | 12:41 Uhr |
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Innere Sicherheit · Opposition · Linke
Toll! Verfassungsschutz!
von Werner Doyé und Andreas Wiemers
Kommentieren | (ZDF) Kay Meseberg | 01. Februar 2012 | 10:18 Uhr |
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Guter Werbeträger
Gestern Nachmittag erschien in den Nachrichtengenturen unerwartet folgende Erklärung: „Da am Wochenende verstärkte Diskussionen zur Karriere von Michael Ballack in den Medien aufkamen, möchten wir Ihnen folgendes Zitat mitteilen: Dr. Konstantin Korosides, Unister Holding, Betreiberin von ab – in – den – urlaub.de: “Wir halten es für einen ganz normalen Prozess einer großartigen Fußballer-Karriere, dass es hier stets zu unterschiedlichen Bewertungen und Karriere-Strömungen kommt. Für uns ist und bleibt Michael Ballack ein überaus erfolgreicher Werbepartner mit einem Starpotential das seinesgleichen in Deutschland sucht. Wir freuen uns sehr, dass er auch in diesem Jahr als Testimonial an vorderster Front für ab-in-den-urlaub.de steht.“
Ungefragt erklärt einem also ein Reiseportal, das mit Michael Ballack wirbt, dass Michael Ballack ein ganz toller Werbeträger ist. Dabei dachte ich immer, das Zeichen eines richtig guten Werbeträgers sei es, dass man eben gerade nicht darauf hinweisen muss, dass er ein solcher ist. Und deswegen, liebes Reiseportal, wer ich es in der aktuellen Situation, in der Ballack mal wieder beleidigt ist, weil er nicht jedes Mal spielt und in der Vertreter seines aktuellen Arbeitgebers Bayer Leverkusen erklären, die Ballack-Verpflichtung sei ein Fehler gewesen, in dieser Situation werde ich es weiterhin sehr lustig finden, wenn Michael Ballack auf dem Bildschirm erscheint und der Chor singt: Ab in den Urlaub! Noch lustiger wäre es freilich, die Fans der jeweils gegnerischen Manschaft würden bei jedem Fehlpass Ballacks, vor allem aber bei jeder Aus- bzw. Einwechslung des Ex-Capitanos laut „Ab in den Urlaub“ singen!
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 01. Februar 2012 | 09:00 Uhr |
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Europa · Regierung · Merkel, Ministerinnen und Minister
Nicht kontrovers diskutieren
Im Vorfeld des jüngsten Treffens der Regierungschefs zur Eurorettung hatte der deutsche Vorschlag, den Griechen die Budgethoheit zu entziehen und einen Sparkommissar einzusetzen, für Aufregung gesorgt. Wobei Aufregung noch freundlich formuliert ist, man könnte auch sagen, es gab Kritik und Empörung. Prompt ruderte Merkel zurück und sagte, es gehe darum, wie Europa Griechenland helfen könne. Sie wolle „keine kontroverse Diskussion, sondern eine Diskussion, die erfolgreich ist, erfolgreich für die Menschen in Griechenland“. Das müssen die anderen Europäer erst noch lernen. Wir Deutschen wissen das schon. Frau Merkel schätzt keine „kontroversen“ Diskussionen. Deswegen fühlt sie gerne mal vor, wie eine Idee dann ankommt und wenn sie nicht ankommt, macht sie halt das Gegenteil. Ist zunächst ein wenig verwirrend, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 31. Januar 2012 | 11:54 Uhr |
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Was heißt pleite?
Die Familie Schlecker ist pleite. Also jetzt nicht die Ladenkette, das wissen wir ja nun schon alle etwas länger, nein, die Familie selbst ist auch pleite. Das sagte jedenfalls die Drogeriekettenerbin Meike Schlecker und wiederholte auf die Nachfragen von Journalisten hin: „Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da.“ Auch auf die Gefahr hin, mich zu irren: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das, was Meike Schlecker unter „nichts“ versteht, monatlich immer noch mehr ist, als das was eine Schlecker-Angestellte in einem Jahr verdient. Wobei es sich bei den Verträgen, die Schlecker-Angestellte abschließen mussten auch gut um zwei Jahresverdienste handeln könnte.
Kommentieren | (ZDF) Werner Martin Doye | 30. Januar 2012 | 13:37 Uhr |
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Hol Deine Sachen
Razzia im Bundespräsidialamt, das ist schon eine bemerkenswerte Meldung, die da heute durchs Land lief. Es ist ja nicht direkt üblich, dass die Behausung des höchsten Repräsentanten eines Staates durchsucht wird. In Nordafrika oder vergleichbaren Landstrichen, findet derlei im Regelfall statt, nachdem der bisherige Bewohner sich abgesetzt hat. Wulff bleibt aber, denn es war ja nicht sein Zimmer das untersucht wurde, sondern das ehemalige Arbeitszimmer seines Ex-Sprechers Olaf Glaeseker. Dennoch fragt man sich, ob der Bundespräsident dazu nicht vielleicht etwas zu sagen hat. Hat er! Beziehungsweise, er lässt seine Sprecherin etwas ausrichten: „Er darf jederzeit seine Sachen abholen.“ Und was sagt uns das? Der Wulff hat dazu gelernt und möchte nicht, dass jemand behauptet, er habe Glaesekers Sachen ohne dafür zu zahlen an sich genommen. Oder er hat sich die Sachen angeguckt und festgestellt, dass er von seinen anderen Freunden schon viel schönere Sachen bekommen hat. Oder – und das erscheint mir die wahrscheinlichste Variante – die Wulffs haben Inventur gemacht und dabei diverse weitere Freundesgaben gefunden, mit denen sie aktuell nicht in Verbindung gebracht werden möchten. Die haben sie jetzt alle in das Zimmer vom Glaeseker gebracht, damit er sie unter dem Vorwand, „seine“ Sachen abzuholen, aus dem Haus schafft.
1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 29. Januar 2012 | 20:03 Uhr |
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Mitleid angebracht
FDP-Parteichef Philipp Rösler hat heute erklärt: „Wir sind in das Gelingen und nicht in das Scheitern verliebt. Deswegen wird das auch gelingen.“ Tut mir das leid. Also jetzt nicht, weil diese Äußerung übersetzt soviel bedeutet wie, es wird alles gut, weil alles gut wird, was die relative Verzweiflung der Liberalen ganz gut auf den Punkt bringt. Nein, was mir echt total leid tut, ist, dass der Philipp und seine Freunde in das Gelingen verliebt sind. Nennen Sie mich einen Romantiker, aber so große und zugleich unglücklich-tragische Lieben, die gehen mir einfach ans Herz.
Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten beisammen nicht kommen,
die Umfragewerte waren viel zu tief.1 Kommentar | (ZDF) Werner Martin Doye | 28. Januar 2012 | 16:51 Uhr |
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