Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Aufarbeitung ja! Aber wie?

Der Imageschaden ist groß. Das Jahr 2013 hätte für die katholische Kirche in Deutschland kaum schlechter beginnen können. Jetzt streitet man über die Medien und Juristen, wer am Scheitern der Missbrauchsstudie Schuld hat und warum es zu dem Desaster kam. Zugleich suchen die Bischöfe nach einem neuen Partner, um die Studie doch noch fortsetzen zu können. So wird etwa der Name des Leiters des Berliner Instituts für forensische Psychiatrie der Charité, Hans-Ludwig Kröber, genannt. Gegenüber dem ZDF erklärte er am Donnerstag, dass es bisher aber noch keine Anfrage gegeben habe. Die Suche nach dem Schuldigen für das Scheitern ist müßig. In der Auseinandersetzung um die endgültige Vertragsgestaltung und hier vor allem bei den Themen Datenschutz und den Publikationsrechten haben sich beide Seiten in eine Situation manövriert, in der ein vertrauensvolles Miteinander nur noch schwer möglich war.

In der Öffentlichkeit scheint es nun so, dass allen voran das Erzbistum München-Freising zusammen mit dem Bistum Regensburg den Aufklärungswillen der Kirche bremsten. Der Münchner Generalvikar Peter Beer weist das entschieden zurück. Das Erzbistum München hatte 2010 eine unabhängige Anwältin damit beauftragt, die Personalakten von 1945 bis 2009 zu sichten und alle Missbrauchsfälle zu benennen. Über 13.000 Akten studierte die Juristin Marion Westpfahl. Als wenige Monate später die Bischofskonferenz die Studie mit Professor Pfeiffer und seinem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) initiierte, waren es in der Tat die Münchner, die als Erste Nachbesserungen beim Vertragstext forderten. Hauptkritikpunkt waren die bereits benannten Punkte. Nach und nach schlossen sich andere Bistümer an.

Unklar ist, in wieweit die plötzlichen Ängste durch Kritik von konservativen Priesterkreisen verstärkt wurden, die in der Studie einen Generalverdacht gegen alle Priester witterten und sich an Rom wendeten mit der Bitte, die Studie zu verhindern. Dass der Druck der Konservativen in dem ganzen Prozess einmal mehr eine unrühmliche Rolle spielen könnte, legt eine Formulierung nahe, die sich in einem Brief der Bischöfe an das KFN findet. Dort heißt es, die vorgeschlagenen Vertragsänderungen der Kirche würden das Projekt „gegen Einwürfe und Rechtsverfahren aus dem Bereich kritischer Priester wie auch gegenüber den Sorgen einzelner Bischöfe vollständig schützen“. Auch könnten Beispiele aus anderen Ländern die Bischöfe aufgeschreckt haben. So ist etwa der Untersuchungsbericht über die Missbrauchsfälle im irischen Bistum Cloyne (Cloyne-Bericht) für jedermann einsehbar im Internet veröffentlicht mit vielen Details und den Namen der Täter.

Schwierig sieht es mit Blick auf die Vernichtung der Akten aus. Das Kirchenrecht schreibt diese nämlich vor: „Jährlich sind die Akten der Strafsachen in Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung abgeschlossen sind, zu vernichten; ein kurzer Tatbestandsbericht mit dem Wortlaut des Endurteils ist aufzubewahren.“ (CIC 489,2) Hier besteht Handlungsbedarf auf Seiten der katholischen Kirche, um Beweismaterial auch über diese 10-Jahresfrist zu sichern. Allerdings werden auch die Strafprozessunterlagen in zivilen Verfahren zum großen Teil nach 10 Jahren geschreddert. Unter anderem deshalb sahen Experten von Anfang an Probleme beim Design der Pfeiffer-Studie.

Die Zukunft wird für die Bischöfe wie für den neuen Partner nicht einfach. Die Öffentlichkeit wird peinlichst genau darauf achten, wie unabhängig und frei die Wissenschaftler arbeiten und publizieren können; die Bischöfe ihrerseits stehen unter besonderer Beobachtung, wie ernst es ihnen um die Aufklärung und Aufarbeitung ist. Dazu müssen sie sich aber auch untereinander einig sein. Das ist eine nicht zu unterschätzende Hürde in der Angelegenheit. Der öffentliche Druck ist groß; nur mit einem entschiedenen und transparenten Handeln, können die Bischöfe versuchen, den großen Imageschaden wieder wett zu machen, damit das Jahr 2013 nicht zu einem weiteren Unglücksjahr wird.

Das Scheitern eines Befreiungsschlages

Das Projekt war groß, und es sollte ein Meilenstein werden auf dem Weg, verlorenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Im Juli 2011 hatte die Deutsche Bischofskonferenz ein Forschungsprojekt angekündigt über den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige. Partner war das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen unter der Leitung von Professor Christian Pfeiffer. Alle Personalakten der Bistümer sollten durchforstet werden – ein Vorhaben, das weltweit einmalig ist und den unbedingten Aufklärungswillen signalisieren sollte. Doch schon kurz nach der Ankündigung stieß es auf Widerstand bei einigen Priestern, die den Datenschutz verletzt sahen. Die Beteuerung, dass die Sichtung der Akten durch kirchlich geschultes Personal erfolgen solle und lediglich Täterakten weitergeleitet würden, konnte die Befürchtungen nicht bei allen ausräumen.

Es gab neue Forderungen, Nachbesserungen im Vertrag, die jetzt dazu führten, dass der Verband der Diözesen den Vertrag mit dem Kriminologischen Institut gekündigt hat. Das Vertrauensverhältnis zu Prof. Pfeiffer sei zerrüttet, „einer weiteren konstruktiven Zusammenarbeit jede Vertrauensgrundlage entzogen“, heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz. Das  Projekt selbst solle jedoch fortgeführt werden. Prof. Pfeiffer seinerseits wirft den Bischöfen Zensurverhalten vor und die Vernichtung von Akten, was die Kirche ihrerseits bestreitet.

Was bleibt, ist ein schaler Beigeschmack. Das Scheitern des großangelegten Aufklärungsprojektes, das mit der Einstellung der Hotline für Missbrauchsopfer zusammenfällt, und das Ergebnis der zweiten großen Missbrauchsstudie, in der keine besonderen Auffälligkeiten und Unterschiede zwischen kirchlichen und säkularen Tätern festgestellt werden, werden den Verdacht weiter nähren, dass versucht werden soll, etwas unter den Teppich zu kehren. Der Schwung der Aufklärungsarbeit ist zumindest gebremst. Schade!

Geldprobleme im Vatikan

Das Jahr beginnt nicht gut im Vatikan – zumindest was das Geld betrifft. Seit 1. Januar kann im kleinsten Staat der Welt nur noch mit Bargeld, Scheck und den Kreditkarten der vatikaneigenen Bank IOR bezahlt werden. Ausländische Bank- und Kreditkarten sind bis auf weiteres gesperrt. Schuld daran ist die italienische Zentralbank. Sie hat den elektronischen Zahlungsverkehr zum Jahreswechsel ausgesetzt. Die Deutsche Bank Italien, die die entsprechenden Geldgeschäfte für den Vatikan in der Vergangenheit abwickelte, habe dies ohne Genehmigung gemacht, heißt es aus der Zentralbank. Ein 2012 nachträglich gestellter Antrag sei abgelehnt worden.

Vatikan-Euro

Normalerweise greift die Zentralbank nur dann zu solch drastischen Mitteln, wenn sie Gefahr im Bereich Korruption und Geldwäsche im Verzug sieht. Diese Vergehen werden der Vatikanbank zwar immer wieder vorgeworfen; doch hatte der kleine Kirchenstaat im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternommen, seine Konten sauber zu bekommen bzw. zu halten. Mitte 2012 hatte der Expertenausschuss des Europarats für die Bekämpfung von Geldwäsche, Moneyval, dem Vatikan bescheinigt, auf einem guten Weg zu sein; zugleich aber weitere Reformen gefordert, etwa was die Unabhängigkeit der Finanz-Kontrollbehörden anbetrifft. Im Herbst engagierte der Vatikan dann den Schweizer Geldwäscheexperten Rene Brühlhart, um seine Vorkehrungen gegen Geldwäsche auf internationalen Standard zu bekommen. Das scheint der italienischen Zentralbank aber nicht genug.

Es ist nicht das erste Mal, dass es in Finanzfragen zum Streit zwischen Italien und dem Vatikan kommt. Vor knapp zwei Jahren gab es ein monatelanges Tauziehen um 23 Millionen Euro der Vatikanbank IOR, die von der römischen Staatsanwaltschaft gesperrt worden waren. Das IOR wickelt aufgrund der Schwierigkeiten mit italienischen Banken seit Längerem viele seiner Geschäfte über die Deutsche Bank in Frankfurt ab. Deren ehemaliges Vorstandsmitglied Ronaldo Schmitz ist Vizepräsident des IOR-Aufsichtsrats und seit Juni letzten Jahres Interimspräsident des IOR, nachdem der Italiener Ettore Gotti Tedeschi im Zuge der Vatileaks-Affäre entlassen worden war.

Damit kommt just zum Jahresbeginn ein unerfreuliches Thema wieder auf den Tisch, das in den vergangenen Monaten durch die Fokussierung auf den Prozess gegen den Butler des Papstes, Paolo Gabriele, etwas in Vergessenheit geraten ist: Die Vatikanbank IOR hat noch immer keinen ordentlichen Präsidenten, und im Finanzbereich gibt es noch viele offene Baustellen. Auch wenn Ronaldo Schmitz gute Chancen hat, vom Interimspräsident zum ordentlichen Chef des IOR aufzusteigen, wird dies die anstehenden Probleme nicht alle lösen.

Frieden, Gott und China – die Weihnachtsbotschaft des Papstes

Der Papst ist doch immer für eine Überraschung gut. In seiner Weihnachtsbotschaft heute findet sich plötzlich ein ausführlicher Teil zu China: Normalerweise konzentriert er sich in seiner Ansprache auf eine theologische Deutung des Weihnachtsereignisses und die Konfliktherde der Welt. Wieso dann plötzlich heute die Wünsche an die neue Staatsführung in China?

Urbi et Orbi 2012

Das Reich der Mitte gehört seit langer Zeit zu den Sorgenkindern des Papstes. Die Zahl der Katholiken dort wächst; doch die Machthaber lassen nicht zu, dass das Kirchenoberhaupt über seine Schäfchen dort so wacht, wie über all die anderen rund eine Milliarde Katholiken weltweit. China sieht es etwa als Einmischung in innere Angelegenheiten an, wenn der Vatikan darauf besteht, die katholischen Bischöfe frei zu benennen. Die Bischöfe werden daher seit langer Zeit von der „Katholischen Patriotischen Vereinigung“ in Abstimmung mit der kommunistischen Partei ernannt und nicht vom Vatikan. Immer wieder ist es dem Vatikan zwar gelungen, bei der Auswahl der Kandidaten mitzusprechen, so dass immer wieder auch Bischöfe mit dem Segen Roms ins Amt kamen; aber bei diesem Verfahren ist Rom stets vom guten Willen Pekings abhängig. Dazu kommt, dass es keine diplomatischen Beziehungen zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl gibt.

In den vergangenen Monaten haben zwar die Bemühungen wieder zugenommen, über diplomatische Kanäle „befreundeter“ Staaten – etwa Deutschland, Italien oder die USA – Kontakt mit den Behörden in Peking aufzunehmen, ob diese neue Offensive zu Erfolg führen wird, ist eine der spannenden politischen Fragen mit Blick auf den Vatikan und das Jahr 2013. Einen Rückschlag in den Bemühungen um eine Annäherung hatte es erst Anfang Dezember gegeben, als der mit Zustimmung des Vatikans von den Machthabern zunächst neu ernannte Weihbischof von Shanghai, Savio Hon Tai-Fai, nach seinem offenen Treuebekenntnis zum Papst von der Konferenz der katholischen Bischöfe Chinas, die vom Vatikan nicht anerkannt ist, und der Katholischen Patriotischen Vereinigung wieder abgesetzt wurde.

Neben dem Thema China durchziehen die Themen Frieden und die Gottvergessenheit der heutigen Zeit die beiden großen Ansprachen Papst Benedikts XVI. zu Weihnachten 2012. In der Christmette forderte Benedikt XVI. eindringlich Frieden im Heiligen Land. „Beten wir in dieser Stunde für die Menschen, die heute dort leben und leiden. Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können.“ Zugleich nahm er die ganze Region Nahost in den Blick und forderte Frieden etwa für den Libanon, für Syrien und den Irak. Christen und Muslime sollten im Frieden Gottes miteinander ihre Länder aufbauen.

Benedikt XVI. warnte vor einem Missbrauch von Religion. In der Geschichte habe zwar der Monotheismus oft als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient. Doch dies entspreche nicht dem wahren Sinn der Religion. Es sei genau umgekehrt: „Wenn das Licht Gottes erlischt, erlischt auch die göttliche Würde des Menschen.“ Das habe das vergangene Jahrhundert gezeigt. Benedikt XVI. kritisierte zugleich die Gottvergessenheit und Ich-Bezogenheit der heutigen Zeit. Die Menschen hätten keine Zeit mehr für Gott „Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden.“

Schließlich dann heute in der Weihnachtsbotschaft die eindringlichen Appelle zu Frieden und gegen Gewalt in Syrien und vielen Ländern Afrikas. Dazu die erneute Aufforderung an Israelis und Palästinenser „mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg“ einzuschlagen – und eben der Blick nach China. Benedikt XVI. sprach von „Hoffnung in der Welt, auch in den schwierigsten Momenten und Situation.“ Eine Hoffnung, die sicher an vielen Orten in der großen Politik wie im kleinen Alltag notwendig ist. Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest aus Rom!

Papst: Familie und Dialog die Themen 2012

Mit Spannung wird jedes Jahr die Weihnachtsansprache des Papstes an die römische Kurie erwartet. Traditionell empfängt Benedikt XVI. am Freitag vor Weihnachten die Chefs der vatikanischen Behörden zum Austausch der Weihnachtsgrüße. Das ist stets der Anlass, um auf das kirchliche Jahr zurückzublicken. Um es gleich vorwegzunehmen: Auf den Vatileaksskandal ist Benedikt XVI. heute nicht eingegangen. Er hat wie so oft seine eigenen Schwerpunkte gesetzt. Und aus päpstlicher Sicht sind die Themen des Jahres: Familie und Dialog.

Weihnachtsgrüße für den Papst (reuters)

Benedikt XVI. ging hart mit der Gender-Theorie ins Gericht. Er bezeichnete sie als „unwahr“; denn aus Sicht des Papstes ist das Geschlecht keine „soziale Rolle“ sondern eine Vorgabe der Natur. Die Dualität von Mann und Frau sei wesentlich für das Menschsein. Wer dies bestreite, bestreite die Natur des Menschen. „Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht mehr gibt, dann gibt es auch die Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr“, stellt Benedikt XVI. fest. Bei der Frage nach der Familie gehe es demnach nicht einfach nur um eine Sozialform, sondern um die Frage nach dem Menschen selbst. Klar ist, dass Benedikt XVI. bei der Familie an eine Verbindung von Vater, Mutter und Kind denkt und zugleich vor „Angriffen auf die wahre Gestalt der Familie“ warnt. Allerdings geht er nicht ausdrücklich auf andere Formen des Zusammenlebens ein.

Das zweite große Thema ist für Benedikt XVI. der Dialog. Dabei gebe es für die Kirche drei Dialogfelder: den Dialog mit den Staaten, den Dialog mit der Gesellschaft inklusive dem Dialog mit den Kulturen und der Wissenschaft sowie schließlich den Dialog der Religionen. Dabei betont Benedikt XVI., dass die Kirche für die Grundwerte eintreten müsse, die sie als konstitutiv und nicht verhandelbar ansehe. „Sie muss alles tun, um Überzeugung zu schaffen, die dann zu politischem Handeln werden kann.“ Der Dialog der Religionen sei heute eine notwendige Bedingung für den Frieden und daher Pflicht für jeden Christen sowie für die anderen Religionsgemeinschaften. „Dabei muss man lernen den anderen in seinem Anderssein und Andersdenken anzunehmen.“ Interreligiöser Dialog sei nicht Mission; bedeute aber auch nicht, die eigene Identität zu verleugnen.

Es ist zu erwarten, dass mit dem Rückblick auf das Jahr 2012, in dem es auch um das Thema Neuevangelisierung ging, Benedikt XVI. zugleich die Agenda für die Zukunft benannt hat. Familie, Dialog mit Kultur und Wissenschaft sowie zwischen den Religionen sind für ihn mit Sicherheit auch die Themen 2013 – gepaart mit einem selbstbewussten Auftreten der Katholiken in diesen Bereichen. Wer selbstbewusst seine Positionen in den gesellschaftlichen Diskurs einbringt, muss mit Widerstand rechnen. Wie dann mit diesem Widerspruch umgegangen wird, wird zeigen, ob und wie dialogfähig die katholische Kirche wirklich ist.

Krippe im Jahr 1 nach Vatileaks

Wer in diesen Tagen über den Petersplatz geht, sieht ein vertrautes Bild. Rund um den Obelisken steht eine hohe Wand aus Sackleinen. Dahinter wird die Krippe aufgebaut. Doch bei genauerem Hinsehen bemerkt man, dass in diesem Jahr doch etwas anders ist. Da wurde kein großes Gerüst aus Metallstreben gebaut, wie in den letzten Jahrzehnten üblich, sondern eine Zeltkonstruktion, die manche Passanten an Reste eines Bierzelts erinnert. Was ist da los?

Noch unverhüllt: Krippenaufbau 2012

Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: In diesem Jahr lässt der Vatikan erstmals die Krippe sponsern. Die italienische Region Basilikata kommt für die Kosten auf und bestimmt damit auch über das Aussehen. Der Generalsekretär des Vatikanstaats, Bischof Giuseppe Sciacca, erklärte vor wenigen Tagen, dass die Krippe in diesem Jahr die Kirche nichts Kosten werde. Ganz so ist es dann doch nicht. Der Aufbau der Krippe kostet die Technischen Dienste des Vatikans 21.800 EUR. Die Region Basilikata lässt sich das Projekt 90.000 EUR kosten. Wenn man bedenkt, dass 2009 für den Bau vom Vatikan noch rund 500.000 Euro ausgegeben worden sein sollen; im Jahr darauf soll sie immerhin noch 350.000 Euro gekostet haben. Dies geht aus einem Schreiben des ehemaligen Generalsekretärs des Vatikanstaats, Erzbischof Carlo Maria Viganò, hervor, das im Rahmen des Vatileaks-Skandals Anfang 2012 als eines der ersten Dokumente öffentlich wurde. Viganò hatte als einen Grund für die hohen Kosten Korruption in der vatikanischen Verwaltung genannt. Die Vorwürfe hatte der Vatikan damals entschieden zurückgewiesen.

Jetzt geht man neue Wege. Die Krippe wird in diesem Jahr wohl bescheidener ausfallen. Sie wird nur 150 Quadratmeter groß sein. Früher umfasste sie eine Fläche von rund 300 Quadratmeter. Statt der bisher knapp 20 überlebensgroßen Figuren der vergangenen Jahre sollen die über 100 Figuren in diesem Jahr zwischen 26 und 32 Zentimeter groß sein. Man darf also gespannt sein, was die süditalienische Region Basilikata zu Weihnachten präsentieren wird. Der Weihnachtsbaum für den Petersplatz kommt übrigens in diesem Jahr auch aus Italien, aus der Region Molise.

Krippe 2007

Papst Johannes Paul II. ließ 1982 erstmals eine Krippe auf dem Petersplatz aufbauen. Fester Bestandteil waren neun überlebensgroße Figuren, die ursprünglich zu einer Krippe der Kirche Sant’Andrea della Valle im Zentrum der Stadt Rom gehörten und aus dem Jahr 1842 von Vinzenz Pallotti stammten. Die Krippe wurde stets von den Technischen Diensten des Governatorats der Vatikanstadt aufgebaut. Die ersten Planungen begannen bereits im Sommer jedes Jahres; der Aufbau startete dann Ende November und dauerte mehrere Wochen. Mit dem Sponsoring versucht man die eigenen Kassen zu entlasten. Sicherlich möchte man damit auch einen Schlussstrich ziehen unter eine wohl nicht ganz reine Vergangenheit beim Bau des Stalls von Betlehem.

Der Papst und seine Follower

Papst twittert

Der twitternde Papst

 

Heute war es also so weit, der Papst hat nach der Generalaudienz seinen ersten Tweet verschickt. „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit Euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich Euch“. Und mehr als eine Million Menschen lasen auf ihren mobilen Geräten in acht Sprachen diese Worte. Sie lasen auch, dass Benedikt XVI. kurze Zeit später die Frage nach dem christlichen Leben im Jahr des Glaubens stellte und auch beantwortete: „Sprich mit Jesus im Gebet. Hör Jesus zu, der im Evangelium zu dir spricht. Finde Jesus in den Notleidenden.“
Gut, der Kern der christlichen Botschaft lässt sich so  in 140 Zeichen darstellen. Für den Professor, der Bücher und Enzykliken schreibt, aber eher ungewöhnlich, sich so kurzzufassen. Ob sich jemand dadurch wirklich verleiten lässt, die Bibel in die Hand zu nehmen und darin zu lesen? Sind die Follower auch Follower im Glauben? Und wird Benedikt XVI. sich auch einlassen auf die kritischen Tweets, die ihn auch erreichen werden? Es lohnt sicher, dies ein wenig zu verfolgen.

Missbrauch: Kommt Null-Toleranz-Politik?

Wie soll mit kirchlichen Mitarbeitern umgegangen werden, die sich sexuell an Minderjährigen vergangen haben? Darüber wird in den letzten Tagen wieder verstärkt diskutiert, seit die Deutsche Bischofskonferenz eine neue Studie zum Missbrauch vorgestellt hat. Dabei kamen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass nur in 15 Prozent der untersuchten Fälle kein Einsatz in der Seelsorge mehr möglich gewesen sei. Bei 47% habe es keine Bendenken gegen eine erneute Arbeit in Gemeinden gegeben; beim Rest wurde die Empfehlung für einen eingeschränkten Einsatz ausgesprochen.

Bischof Stephan Ackermann erhofft sich nach der Studie eine differenziertere Debatte.

Bischof Stephan Ackermann erhofft sich nach der Studie eine differenziertere Debatte.

Heißt das aber, dass die ehemaligen Täter auch wirklich wieder in der Seelsorge eingesetzt werden? Das hatten Kritiker aus den Ergebnissen der Studie geschlossen. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, machte bei der Vorstellung der Studie am vergangenen Freitag deutlich, dass das Urteil der Wissenschaftler bei der Entscheidung über die Zukunft eines Täters wichtig ist; aber noch weitere Komponenten in die Entscheidung einflössen. Klar sei, dass die Täter auch bei einem positiven Risikogutachten nicht mehr im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt würden. Doch darüber hinaus stelle sich die Frage, ob überhaupt noch eine Arbeit als Seelsorger möglich sei. Sollen auch die deutschen Bischöfe die Null-Toleranz-Politik ihrer US-amerikanischen Kollegen übernehmen? Darüber wird offensichtlich derzeit im Rahmen der Überarbeitung der Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen diskutiert. Denn, so Ackermann, selbst wenn das Risikogutachten keine Bedenken für einen Einsatz sehe, stelle sich noch immer die Frage der Akzeptanz des ehemaligen Täters im neuen Arbeitsumfeld. Wenn diese Akzeptanz fehle, könne ein öffentliches Ärgernis im Sinne des Kirchenrechts vorliegen; d.h. ein weiterer Einsatz wäre trotz anderweitiger wissenschaftlicher Empfehlung nicht möglich. Das hört sich doch sehr danach an, als könnte in den überarbeiteten Richtlinien, die bis zum Sommer 2013 verabschiedet werden sollen, das US-amerikanische Vorbild auch in Deutschland Nachahmung finden.

Die Studie brachte einige interessante Ergebnisse, die hier nur in Kürze dargestellt werden können. Das Hauptergebnis: Katholische Priester sind nicht öfter pädophil veranlagt als andere Menschen. Die Beweggründe für die Übergriffe lassen sich demnach überwiegend dem „normalpsychologischen Bereich“ zuordnen. Die Studie wurde unter Mitwirkung der führenden Experten in Deutschland zum Thema durchgeführt: den forensischen Psychiatern Norbert Leygraf (Leiter der Studie) von der Universität Duisburg-Essen, Hans-Ludwig Kröber von der Charité in Berlin sowie Friedemann Pfäfflin vom Universitätsklinikum Ulm. Sie werteten 78 Gutachten aus, die zwischen 2000 und 2010 erstellt worden waren. Die meisten Vorfälle lagen Jahrzehnte zurück. 66 Geistliche waren wegen sexueller Übergriffe untersucht worden, 12 wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials. In 68% der Fälle habe es „keine psychiatrische Diagnose“ gegeben; 12% seien pädophil gewesen. Mehr als die Hälfte der Geistlichen seien heterosexuell orientiert, rund ein Drittel homosexuell. Dass dennoch mehr Jungen Opfer seien, erklärte Leygraf damit, dass Priester in der Kinder- und Jugendarbeit viel leichter Zugang zu Jungen gehabt hätten. So gebe es etwa in vielen Gemeinden erst seit Mitte der 80er Jahre Messdienerinnen.

Auffallend ist der Zeitpunkt der Tat. In den untersuchten Fällen lag er zwischen 36 und 42 Jahren und war oft mit einer Sinn- oder Lebenskrise der Geistlichen verbunden bzw. mit Autoritätsproblemen in der kirchlichen Hierarchie. Hier sieht Bischof Ackermann dringenden Handlungsbedarf für die Zukunft. Wie können solche Krisen erkannt werden? Wie können sie vermieden werden? Zudem will der kirchliche Missbrauchsbeauftragte ein Augenmerk auf das Thema Internetpornografie haben. Hier bescheinigt die Studie, dass die betroffenen Geistlichen wenig Einsicht für ihr kriminelles Verhalten zeigten. Ackermann möchte verhindern, dass sich hier eine neue Art von Missbrauch breit macht.

Einen Schatten hat die Studie allerdings. Nur 21 der 27 Bistümer in Deutschland haben sich daran beteiligt. Dies sei zwar mit Blick auf vergleichbare Untersuchungen im säkularen Bereich weit über dem Durchschnitt, erklärten die Wissenschaftler. Doch der Wille zu rückhaltloser und umfassender Aufarbeitung sieht anders aus.

Mehr Kompetenzen für Georg Gänswein

Nun ist es offiziell: Georg Gänswein wird Präfekt des Päpstlichen Hauses – und er bleibt zugleich Privatsekretär des Papstes. Für den 56-Jährigen aus Riedern im Schwarzwald bedeutet das ein Zuwachs an Macht und Einfluss. Gänswein wird Erzbischof. Ihm ist damit über das Pontifikat Benedikts XVI. hinaus ein fester Platz in der kirchlichen Hierarchie sicher. Der Präfekt des Päpstlichen Hauses ist für den Terminkalender des Papstes zuständig, vergibt sowie organisiert die Audienzen und bereitet etwa die inneritalienischen Reisen vor. Normalerweise macht er dies in enger Abstimmung mit den Privatsekretären des Papstes.

Der alte und der neue Präfekt im Hintergrund: Erzbischof Harvey (l.) und Georg Gänsein (r.) (dpa)

Bis vor zwei Wochen hatte der US-Amerikaner James Harvey das Amt inne. Der machte den Posten seit 1998. Ende November wurde er vom Papst zum Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern ernannt und bekam den Kardinalspurpur. Eine ungewöhnliche Beförderung mit 63 Jahren; hatten den Posten des Erzpriesters zuletzt eher Kirchenmänner am Ende ihrer kirchlichen Karriere inne (Alter: 70+). Mehr noch als über die Gründe der Beförderung Harveys wurde seitdem über dessen Nachfolger spekuliert. Bisher schien eine Personalunion von Präfekt und Privatsekretär für viele undenkbar. Ob die Verbindung der beiden Ämter hilft, Reibungsverluste im päpstlichen Arbeitsapparat abzubauen und Kommunikation und Entscheidungen zu vereinfachen und zu beschleunigen, bleibt abzuwarten.

Georg Gänswein - bei offiziellen Anlässen immer an der Seite des Papstes - Bundespräsident Gauck zu Gast am 6.12.2012

Georg Gänswein, ein Kirchenrechtler, erhält nun qua Amt mehr Macht, als sein Vorgänger Stanislaw Dziwisz unter Papst Johannes Paul II. je hatte. Dziwisz war zwar auch 1998 zum Bischof ernannt worden; aber nur als beigeordneter Präfekt. Der enge Vertraute Karol Wojtylas war zwar die eigentliche „graue Eminenz“ im Hintergrund, doch er musste seine Macht mit Erzbischof Harvey teilen. Das muss Gänswein jetzt nicht mehr. Nun kommt endgültig niemand mehr an dem 56-Jährigen vorbei, wer zu Papst Benedikt XVI. möchte. Der hat ihn mit dem neuen Posten „belohnt“, weil er die Arbeit seines langjährigen Sekretärs schätzt. Seit 2003 sind sie ein eingespieltes Team. Obwohl Gänswein im Rahmen der Vatileaksaffäre in die Schusslinie geriet, ließ Benedikt XVI. nie einen Zweifel daran, dass er ihm voll und ganz vertraute. Das galt auch schon zu früheren Zeiten. Als Gänswein in den ersten Jahren des Pontifikats gelegentlich Interviews gab und dabei entweder aus dem Nähkästchen plauderte oder den Interpretator des Papstes gab, brachte ihm das heftige Kritik in der Kurie ein. Doch Benedikt hielt an ihm fest; Gänswein hält sich seitdem mit Interviews zurück und nichts scheint das Verhältnis der beiden mehr trüben zu können. Entsprechend wird Benedikt XVI. die Bischofsweihe Gänsweins selbst vornehmen – bei einem Gottesdienst am 6. Januar im Petersdom.

Papstgezwitscher

Jetzt twittert auch der Papst. Ab 12. Dezember wird er im Anschluss an die Generalaudienz über seinen Account @pontifex eine Glaubensbotschaft senden. Die Internetnutzer können ab sofort unter #askpontifex Fragen an Benedikt XVI. stellen. Man darf gespannt sein, wie dieses Angebot angenommen wird und ob der Papst sich auf einen ernsthaften Dialog mit seinen Followern einlassen wird. Die wenigen Zeichen, die ein Tweet erlaubt, (140 Zeichen) machen wohl kaum differenzierte Aussagen möglich.

Andererseits ist es nur konsequent, wenn der Papst die digitale Neuevangelisierung, die er in seiner Botschaft zum Weltkommunikationstag gefordert hat, auch selbst in Angriff nimmt. Der Vatikan dokumentiert damit, dass er die Welt von Twitter, Blog und Social Media zur Kenntnis nimmt. Bislang wurden Medien jedoch meist wahrgenommen ausschließlich als Instrumente, mit denen die Botschaft des Evangeliums verkündet werden kann. Dass die Medien auch ein Eigenleben entfalten und großen Einfluss auf die Lebenswirklichkeit haben, sie auch verändern, das sieht der Präsident des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, Claudio Celli, zwar sehr klar, aber  Konsequenzen daraus werden im pastoralen Handeln der Kirche noch sehr wenig gezogen.