Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Franziskuseffekt in Deutschland?

Hat sich das Ansehen der katholischen Kirche in Deutschland durch Papst Franziskus verändert? Um diese Frage geht es unter anderem am Sonntag in der ZDF-Sendung „sonntags“. Zum 5. Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus hat die Redaktion eine repräsentative Umfrage durchführen lassen. Dabei ging es auch um die Frage, ob die Menschen in Deutschland dem Papst zutrauen, die katholische Kirche zu erneuern. Michaela Pilters, die Leiterin der ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch, erläutert die Ergebnisse der Umfrage in der Sendung. Bereits kurz nach der Wahl im März 2013 hatte das ZDF die Menschen im Land nach ihrer Einschätzung gefragt. Damals meinten 19 Prozent der Befragten, dass die Kirche durch den damals neuen Papst an Ansehen gewinnen werde. Drei Prozent hingegen rechneten mit einem Ansehensverlust. 41 Prozent glaubten damals, dass sich nichts ändern werde. Die restlichen 37 Prozent wollten keine Einschätzung abgeben. Und wie sieht das heute aus? Dazu mehr in „sonntags“ am 11.3. ab 9.03 Uhr im ZDF.

Der Vatikan und die Frauen

Papst Franziskus betont immer wieder, dass Frauen in der Kirche auch in Entscheidungspositionen besser vertreten sein müssten. Doch wenn man nach fünf Jahren Pontifikat eine Bilanz bei diesem Thema zieht, fällt diese mager aus. Heftig fiel daher auch teilweise die Kritik an der katholischen Kirche aus, die in diesen Tagen in Rom und anderswo zum Thema zu hören war. Die ehemalige irische Präsidentin Mary McAleese bezeichnete die katholische Kirche gar als „Reich des Frauenhasses“. Das verwundert umso mehr, gilt sie in ihrer Heimat als konservative Katholikin. Da würde man solche scharfen Worte nicht unbedingt erwarten. Das Pontifikat von Papst Franziskus bezeichnete sie als eine „Reise in die Enttäuschung“, weil den Worten des Papstes keine Taten folgten. Aus dem Vatikan waren unterdessen Stimmen zu hören, die das Engagement des Papstes in Bezug auf die Frauen lobten. Kurienkardinal Joao Braz de Avis lobte, dass der Papst die „Macho-Haltung“ gegenüber Frauen auch in der Kirche anprangere. Doch das Kirchenoberhaupt hat in dieser Woche erneut eine Gelegenheit verstreichen lassen, mit Personalentscheidungen Frauen mehr Gewicht zu verleihen. In die Vorbereitungsgruppe für die Amazonassynode im Herbst 2019 berief er nur eine Frau und 17 Männer.

Papst Franziskus und die Frauen – bleibt mehr als nur ein Foto? (Quelle: Erbacher)

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Ein kleiner ökumenischer Fortschritt

Es war dann doch spannend in diesen Tagen bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt. Das lag nicht nur am neuesten Finanzskandal, der sich im gastgebenden Bistum Eichstätt abspielt. Viele Beobachter waren sich nicht sicher, ob die Bischöfe sich bei der Öffnung der Kommunion für evangelische Ehepartner würden einigen können. Eine emotionale Debatte soll es gewesen sein bis zum Schluss. Doch dann entschied sich eine „satte Zweidrittel-Mehrheit“, wie zu hören war, für das vorgelegte Papier. Die beiden Kommissionen für Ökumene und Glauben der Bischofskonferenz hatten im vergangenen halben Jahr intensiv daran gearbeitet. Veröffentlicht werden soll es erst in einigen Wochen. Kardinal Reinhard Marx zeigte sich am Donnerstagmittag erleichtert über den Ausgang der Beratungen in diesem Punkt. „Viele warten darauf“, erklärte der Konferenzvorsitzende. Details nannte er nicht. Energisch wirkte er bei einem anderen Punkt: den Finanzen. Einmal mehr bestimmte das Thema die Beratungen der Vollversammlung. Marx hofft, dass nun endlich die letzten Skeptiker überzeugt sind, dass entschiedenes Handeln notwendig ist. Es braucht einheitliche Standards, mehr Transparenz und unabhängige Kontrollmechanismen, damit die katholische Kirche in Deutschland endlich aus den Negativschlagzeilen herauskommt.

Thema in Ingolstadt war auch die bevorstehende Bischofssynode zum Thema Jugend. Drei DBK-Bischöfe werden im Oktober in Rom dabei sein. Mitte März gibt es bereits eine „Vor-Synode“. Daran nehmen mehrere junge Erwachsene aus Deutschland teil. (Quelle: Erbacher)

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Papst verlängert Kinderschutzkommission

Die Päpstliche Kinderschutzkommission setzt ihre Arbeit fort. Am Wochenende benannte Papst Franziskus die 16 Mitglieder. Sieben Frauen und Männer arbeiten bereits seit 2014 in dem Gremium, neun Mitglieder sind neu. Darunter sind laut Vatikan auch Opfer sexuellen Missbrauchs. Allerdings hätten sie sich entschieden, das nicht öffentlich zu machen, heißt es in einer Erklärung der Kommission. Darin wird auch betont, dass die Hauptaufgabe darin bestehe, den Papst und die katholische Kirche bei der Prävention zu beraten, um künftig sexuellen Missbrauch im kirchlichen Kontext zu verhindern. Die Kommission wird erstmals im April in der neuen Zusammensetzung tagen. Dabei soll auch über die Einrichtung eines Opferbeirats diskutiert werden.

Der Papst im Kreise seiner Führungskräfte bei den traditionellen Fastenexerzitien zu Beginn der Österlichen Bußzeit.(Quelle: ap)

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Der historischer Schritt Benedikts XVI.

Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren, am 11. Februar 2013, hat Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt. Es war ein historischer Schritt, der das Papstamt in mehrfacher Hinsicht nachhaltig verändert hat. Zum einen ist ein Papstrücktritt nun nicht mehr tabu. Zum anderen hat er den Weg frei gemacht für einen neuen Papst, der das Papstamt auf seine ganz eigene Art prägt. Der spektakuläre Schritt Benedikts führte aber auch dazu, dass viele innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche für einen Moment die Luft anhielten und darüber nachzudenken begannen, was wohl schief gelaufen ist in diesem ältesten Global Player der Welt, dass sich ein Papst zu einem solch radikalen Schritt gezwungen sieht. Schließlich gibt es doch einen großen Apparat, der dem Kirchenoberhaupt helfen soll, sein Amt auszuüben. Hatte Benedikt XVI. das Vertrauen in diesen Apparat verloren? Oder waren die Gründe viel profaner: die Angst vor den Strapazen des bevorstehenden Weltjugendtags in Rio de Janeiro im Sommer 2013? Wie so oft liegt die Wahrheit wohl in der Mitte bzw. in einer Mischung aus verschiedenen Gründen.

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Frieden für den Nahen Osten

Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. das dürften sich Papst Franziskus und seine Diplomaten gedacht haben, als sie das Geschenk für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgesucht haben: eine Medaille mit einem Friedensengel. Der Pontifex fügte dann doch noch eine kurze Erklärung an: „Das ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges besiegt. Er ist Symbol einer Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert.“ Das Gespräch der beiden dauerte mit 50 Minuten viel länger als geplant. Allerdings hatten Papst und Präsident auch Einiges zu besprechen. Äußerer Anlass war die Sorge beider um den Status von Jerusalem nach der einseitigen Anerkennung der Heiligen Stadt als Hauptstadt Israels durch die USA Anfang Dezember. Doch es ging um mehr. An vielen Stellen vertreten die beiden sehr unterschiedliche Positionen. Und dem Vernehmen nach wurden auch einige kritische Punkte angesprochen.

Geschenke gab es viele beim Treffen des türkischen Präsidenten Erdogan mit dem Papst gestern im Vatikan. (Quelle: ap)

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Papst Franziskus und Chile – ein Nachspiel

Papst Franziskus hat einen Vertrauten benannt, der in Chile mit Missbrauchsopfern über die Vorwürfe gegen Bischof Juan Barros Madrid sprechen soll. Dem Bischof von Orsono im Süden Chiles wird vorgeworfen, vor seiner Zeit als Bischof vom Missbrauch durch einen Priester erfahren zu haben und die Aufklärung behindert zu haben. Barros streitet das ab. Papst Franziskus hatte die Anschuldigungen während seines Besuchs in Chile vor knapp zwei Wochen zurückgewiesen und als Verleumdung bezeichnet. Bei der fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg von Lateinamerika nach Rom Anfang letzter Woche entschuldigte er sich für seine Wortwahl, blieb aber in der Sache bei seiner Position. Die Kritik an seiner Haltung und an seinem Verhalten hielt daraufhin an.

Eine Pressekonferenz mit Folgen? Nun wollen Opfer mit dem vatikanischen Chefermittler über Bischof Barros sprechen. (Quelle: Erbacher)

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Der Papst in Lateinamerika – Tag 7

Zum Abschluss seiner Lateinamerikareise hat Papst Franziskus noch einmal seine Vision der Kirche dargelegt. Beim Treffen mit den Bischöfen Perus stellte er diesen das Modell eines „Straßenbischofs“ vor. Es gehe darum, „die Bequemlichkeit des Bischofshauses“ zu verlassen. Er forderte ein „prophetisches Bischofsamt“, das sich nicht scheut, „die Missbräuche und Exzesse, die am Volk begangen wurden, anzuprangern“. Er ging mit gutem Beispiel voran und kritisierte beim großen Abschlussgottesdienst in Lima noch einmal die Korruption im Land scharf. Er bezeichnete sie als „schwere Sünde“, die letztendlich die Hoffnung des Volkes ersticke. Damit hatte Franziskus am letzten Tag noch einmal das Hauptanliegen seiner Reise deutlich gemacht: die Kirche muss sich verändern und sie muss eine prophetische Kirche sein. Seine Ansprachen haben über die beiden besuchten Länder hinaus Bedeutung; denn es geht darin um seine grundlegende Vision der katholischen Kirche im 21. Jahrhundert.

Zum Abschluss seiner 22. Auslandsreise feierte Papst Franziskus mit 1,3 Millionen Gläubigen in Lima einen Gottesdienst. (Quelle: Erbacher)

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Der Papst in Lateinamerika – Tag 6

Heute war Papst Franziskus als Seelsorger unterwegs. In Trujillo im Norden Perus wollte er den Opfern des Küsten-El-Ninos Trost spenden und mit einer Papamobilfahrt in einem der am schwersten betroffenen Gebiet der Stadt demonstrativ zeigen, dass auch ein Jahr nach dem Ereignis wenig für den Wiederaufbau getan wurde. Bei einem Gottesdienst mit rund 200.000 Menschen am Pazifikstrand erinnerte Franziskus besonders an die, „die ihre Häuser bis heute nicht aufbauen konnten“. Er fügte hinzu: „Auch deswegen wollte ich hier sein und mit euch beten.“ Er kritisierte bei dem Gottesdienst scharf „das organisierte Verbrechen mit seinen Auftragsmorden“, die er als „andere Unwetter“ bezeichnete. Am Nachmittag forderte er die Lateinamerikaner auf, gegen die „Plage“ der Frauenmorde zu kämpfen. „Und es sind unzählige Situationen von Gewalt, die hinter so vielen Mauern totgeschwiegen werden.“ Er forderte eine entsprechende Gesetzgebung und eine „Kultur der Ablehnung jeder Form von Gewalt“. Beim Treffen mit dem Klerus und Ordensleuten mahnte er diese zu Demut in ihrer Haltung und zur Einheit. Allerdings garnierte der sichtlich gut gelaunte Papst seine Botschaft mit einer Reihe Anekdoten und damit wirkte das Ganze nicht sehr streng.

Die Menge bereitete Franziskus einen herzlichen Empfang. (Quelle: Erbacher)

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Der Papst in Lateinamerika – Tag 5

Es dürfte der Hauptakzent für die Tage in Peru gewesen sein: die wenigen Stunden am Freitag im Amazonasgebiet. Viereinhalb Stunden war Papst Franziskus in Puerto Maoldonado. Bei den Menschen dort und in der gesamten Amazonasregion weckte er in dieser kurzen Zeit aber enorme Hoffnungen und zwar in mehrfacher Hinsicht. Er sprach ihnen Mut zu, ihre Anliegen weiter offensiv zu vertreten. Er machte deutlich, dass er dabei an ihrer Seite steht und sie aus seiner Sicht ein Recht haben, gehört zu werden; ja ein Recht an dem Land haben. „Liebt dieses Land, betrachtet es als eures“, rief er ihnen zu. Zurück in Lima zeigte Franziskus beim Treffen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft, dass er es ernst meint. Er forderte, „die Menschen und Völker vor Ort als vollwertige Gesprächspartner zu hören, anzuerkennen und zu respektieren“. Der Papst will, dass Politik und Wirtschaft den Indigenen auf Augenhöhe begegnen. Anders als sonst wurde Franziskus beim Treffen mit den Vertretern der Zivilgesellschaft sehr deutlich und prangerte die Korruption scharf an. Präsident Pedro Pablo Kuczynski applaudierte zwar; doch gerade auch seiner Regierung galt die scharfe Kritik. Von den mehreren tausend Menschen, die vor dem Präsidentenpalast ausharrten, wurden die Worte des Papstes mit viel Beifall unterstützt.

Papst Franziskus im Kreis der Stammesführer verschiedener indigener Völker. (Quelle: Erbacher)

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