Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Religionen für den Frieden

5000 Vertreter unterschiedlicher Religionen aus der ganzen Welt haben sich Anfang der Woche in Münster und Osnabrück zu einem internationalen und interreligiösen Friedenstreffen versammelt. Es stand in der Tradition des Friedensgebets von Assisi, zu dem 1986 Papst Johannes Paul II. erstmals Religionsvertreter eingeladen hatte. Seitdem organisiert die römische Basisgemeinschaft Sant’Egidio jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt ein solches Treffen. Dieses Jahr waren es ausnahmsweise zwei Städte: Münster und Osnabrück. „Nie darf man sich an das Übel gewöhnen, nie darf man ihm gegenüber gleichgültig sein“, mahnte Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Teilnehmer und betonte: „Die Religionen können nichts anderes als Frieden wollen; sie sind tätig im Gebet, sie sind bereit, sich über die Wunden des Lebens und über die Unterdrückten der Geschichte zu beugen, und sie sind wachsam, der Gleichgültigkeit entgegenzuwirken und Wege der Gemeinschaft zu fördern.“ Zum Abschluss der dreitägigen Veranstaltung unterzeichneten Vertreter der verschiedenen Religionen eine gemeinsame Verpflichtung zum Einsatz für den Frieden. Darin heißt es unter anderem: „Die Begegnung und der Dialog entwaffnen und halten die Gewalttäter auf. Denn wir wissen, dass der Krieg niemals heilig ist und dass jene, die im Namen Gottes töten, weder im Namen einer Religion noch im Namen der Menschen handeln. Voller Überzeugung sagen wir Nein zum Terrorismus.“

Der Abschluss des internationalen Friedenstreffens der Religionen in Osnabrück. (Quelle: Bistum Osnabrück/Hermann Pentermann)

Weiterlesen …

Papst Franziskus in Kolumbien – die Pressekonferenz

Der Klimawandel, der Friedensprozess in Kolumbien, die Krise in Venezuela, Migration und die Entscheidung von US-Präsident Trump, das Dreamers-Programm abzuschaffen, waren Themen bei der fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg von Cartagena nach Rom. Mit 38 Minuten war sie ungewöhnlich kurz für einen Flug von über 10 Stunden. Offiziell wurde das mit Turbulenzen begründet; doch die waren nicht wirklich stark gewesen. Franziskus wirkte nach einem langen Tag in der schwülheißen Karibikmetropole Cartagena doch etwas müde. Dazu kam sein kleiner Unfall am Morgen, bei dem er sich ein geschwollenes Jochbein und eine kleine Wunde an der linken Augenbraue zugezogen hatte. „Ich habe mich umgedreht, um die Kinder zu grüßen, und – bumm…“ So schilderte Franziskus lachend den Vorfall. Das Papamobil bremste bei der Fahrt durch die Menschenmassen in Cartagena plötzlich ab und Franziskus schlug gegen einen Pfosten des Glasverdecks. Aus seinem Umfeld war später zu hören, man sei froh, dass der kleine Zwischenfall so glimpflich verlaufen sei und es dem Papst gut gehe. Mit Blick auf seinen Besuch in Kolumbien brachte Franziskus bei der Pressekonferenz seine Hoffnung zum Ausdruck, dass nun der zweite Schritt getan werde. Das Motto der Reise war „Machen wir den ersten Schritt“ – gemeint war in Richtung Versöhnung. Ausdrücklich würdigte der Papst den jüngsten Waffenstillstand, den die Regierung und die ELN-Rebellen wenige Tage vor dem Papstbesuch vereinbart hatten.

Der Papstflieger in den Nationalfarben Kolumbiens beim Abschied von Papst Franziskus am Sonntagabend in Cartagena. (Quelle: Erbacher)

Weiterlesen …

Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 5

Angeschlagen kehrt Papst Franziskus von seiner 20. Auslandsreise nach Rom zurück. Bei einem plötzlichen Abbremsen des Papamobils in Cartagena schlug er mit dem Kopf gegen einen Stützholm des Glasdaches und zog sich Verletzungen am Jochbein und der Augenbraue zu. Der Vatikan erklärte gleich, alles sei in Ordnung. Franziskus nahm den Vorfall mit Humor. „Ich habe mich selbst geschlagen“, scherzte er später gegenüber Journalisten. Inhaltlich setzte der Papst noch einmal starke Akzente zum Abschluss seines fünftägigen Besuchs in Kolumbien. Dabei schlug er auch kritische Töne gegenüber der Kirche in Bezug auf die Gewalt im Land an; ohne allerdings allzu deutlich zu werden. In Cartagena, der Stadt, in der im 17. Jahrhundert der heilige Pedro Claver wirkte, der Patron der Menschenrechte, prangerte er einmal mehr Ausbeutung und Drogenhandel an, die Zerstörung der natürlichen Ressourcen und moderne Sklaverei, den illegalen Geldhandel und Finanzspekulationen. Am Ende seiner Reise forderte er die Kolumbianer auf, zu „Sklaven des Friedens“ zu werden. Cartagena war einst der größte Umschlagplatz für Sklaven auf dem Kontinent.

Papst Franziskus auf dem Weg zur Kirche, in der Pedro Claver begraben liegt. (Quelle: Erbacher)

Weiterlesen …

Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 4

Medellín, das ist der Ort, der wie vielleicht kein zweiter weltweit für den Drogenhandel steht. Medellín ist aber auch die Stadt, in der 1968 die zweite Vollversammlung des Rats der Bischofskonferenzen Lateinamerikas und der Karibik stattfand. Hier wurde das Fundament für die Befreiungstheologie mitgelegt. Also verwundert es nicht, dass am vierten Tag des Papstbesuchs in Kolumbien in Medellín die Kirche im Mittelpunkt stand. Zum Thema Drogen hatte sich Franziskus bereits in den vergangenen Tagen geäußert. Am Vormittag beim Gottesdienst mit rund einer Million Gläubigen mahnte der Papst, die Kirche dürfe nicht zu statisch sein, sondern müsse sich erneuern: „Wie Jesus die Gesetzeslehrer ‚aufrüttelte‘, damit sie aus ihrer Verhärtung herausfänden, so wird jetzt auch die Kirche vom Geist ‚geschüttelt‘, damit sie ihre Bequemlichkeit und ihre Anhänglichkeiten loslasse.“ Am Nachmittag ermutigte er die Priester, Ordensleuten und Seminaristen, mit einer „ansteckenden Freude“ für die Menschen die ersten Zeugen die „Nähe und die Liebe Gottes“ zu sein. Bei der Begegnung kritisierte Franziskus die Machenschaften der Drogenkartelle scharf, die die Jugendlichen missbrauchten. Das Thema Jugend beschäftigt Franziskus in diesen Tagen immer wieder. Mehrfach kam er auf das besondere Engagement von Jugendlichen im Ehrenamt zu sprechen. Für ihn ist es ein Beispiel dafür, dass die junge Generation bereit ist, sich zu engagieren. Umso mehr zeigte er sich heute betroffen vom Schicksal vieler Jugendlichen, die Gewalt erleiden. Gerade in Medellín müsse er daran denken. „Mir kommen viele junge Leben in den Sinn, die zerbrochen, weggeworfen und zerstört sind.“ Er lade alle ein, daran zu denken. Zugleich bat er um „Vergebung für diejenigen, die die Illusionen so vieler Menschen zerstörten“. Er bitte Gott, deren Herzen zu bekehren.

Jeden Abend trifft Papst Franziskus vor der Nuntiatur kleine Gruppen. (Quelle: Osservatore Romano)

Weiterlesen …

Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 3

Es dürfte der Höhepunkt der Reise von Papst Franziskus nach Kolumbien gewesen sein: das Gebet für die nationale Versöhnung. Es war auch einer der emotionalsten Momente. Mit vier Zeugnissen bekam der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt im Rahmen der Reise konkrete Gesichter. Der Papst machte deutlich, dass für ihn Versöhnung nicht bedeutet, „Unterschiede und Konflikte zu verkennen oder zu verschleiern“. Für ihn sind Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die zentralen Säulen für das Gelingen des Friedensprozesses. Er machte damit deutlich, dass der Frieden einen hohen Preis fordert. Die Täter müssen zu ihren Taten stehen, bereuen und zur Wiedergutmachung bereit sein. Die Opfer müssen den schweren Schritt gehen, die „verständliche Versuchung zur Rache“ zu überwinden. Franziskus vermeidet jegliche Form der Schuldzuweisung, denn Täter gibt es auf vielen Seiten.

Im Zentrum der großen Bühne beim Gebet für Versöhnung stand ein Kreuz. (Quelle: Erbacher)

Weiterlesen …

Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 2

Ermutigung und Ermahnung haben den zweiten Tag von Papst Franziskus in Kolumbien gekennzeichnet. Er ließ keine Gelegenheit aus, für Frieden und Versöhnung zu werben. Er forderte zu einer „Kultur der Begegnung“ auf, die aus seiner Sicht dem konfliktgeplagten Land in eine friedliche Zukunft helfen kann. Vor allem die jungen Menschen ermutigte er, das Schicksal des Landes in ihre Hände zu nehmen. „Ich bin sicher, dass in euch das notwendige Potential steckt, um das Land aufzubauen, von dem wir immer geträumt haben“, rief er den Jugendlichen zu. Bei seinen Treffen mit den Bischöfen Kolumbiens und Vertretern des CELAM, des Bischofsrats von Lateinamerika und der Karibik, hatte Franziskus viel Mahnendes im Gepäck. Er warnte vor „Sakralfunktionären“ und forderte dazu auf, sich „Tag für Tag auf die Arbeit im Feld einzulassen, wo das Volk Gottes lebt“, anstatt sich „durch die klimatisierte Luft der Büros, durch die Statistiken und die abstrakte Strategie lähmen zu lassen“. Die kolumbianischen Bischöfe forderte er auf, sich dezidiert hinter den Friedensprozess zu stellen. Die Bischöfe, wie schon am Morgen die Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft, rief er auf, sich „der Wurzel aller sozialen Übel“ und Konflikte anzunehmen: der Ungleichverteilung der Einkünfte sowie der Armut. Immer wieder mahnte Franziskus den Schutz des Lebens an sowie den Einsatz für die Familien.

Präsident Santos und Papst Franziskus entzünden ein „Ewiges Licht“ des Friedens. (Quelle: Erbacher)

Weiterlesen …

Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 1

„Diese Reise ist etwas speziell“, mit diesen Worten hat Papst Franziskus am Morgen kurz nach dem Start in Rom die 70 mitreisenden Journalisten begrüßt. Er wolle mit seinem Besuch „Kolumbien helfen, dass es auf dem Weg des Friedens vorangehen kann“. Und weil der Weg nach Bogota über Venezuela führt, forderte der Pontifex zum Gebet für das krisengeschüttelte Land auf, damit es „eine gute Stabilität“ finde und ein „Dialog mit allen“ möglich werde. Weitere Reden gab es am ersten Tag der Reise nicht. Die Ankunft in Bogota fand mit einer kurzen Begrüßungszeremonie ohne Ansprachen statt. Für Franziskus waren die ersten Stunden in Kolumbien dennoch anstrengend. Nach dem mehr als 12-stündigen Flug hatte er eine 15 Kilometer lange Strecke bis zur Päpstlichen Nuntiatur zu bewältigen – im offenen Papamobil. Die Straßen säumten hunderttausende Menschen. Wegen des Hurrikans Irma konnte der Papstflieger nicht die geplante direkte Route über Porto Rico und die Antillen nehmen, sondern musste das Unwettergebiet südlich umfliegen.

Zur Begrüßung gab es auch Folklore. Franziskus wurde von Präsident Santos und dessen Gattin begrüßt. (Quelle: Erbacher)

Weiterlesen …

Der Papst, die Psychoanalytikerin und der gerechte Krieg

Es ist ein Mammutwerk, das morgen in die französischen Buchläden kommt. 420 Seiten umfasst das neue Interviewbuch von Papst Franziskus. Zwölf Mal traf er sich zwischen Februar 2016 und Februar 2017 mit dem französischen Soziologen Dominique Wolton. Am Wochenende wurden die ersten Auszüge im „Figaro Magazin“ veröffentlicht. Diese zeigen, dass in dem Buch zwar keine ganz großen Sensationen stecken; dass sich die Lektüre aber durchaus lohnen dürfte, wenn man Papst Franziskus richtig verstehen will. Immerhin geht er in dem Buch auch auf den leidigen Streit um Amoris laetitia ein und vollzieht eine kleine Wende in der Haltung der Kirche zum „gerechten Krieg“; den gibt es aus seiner Sicht nämlich nicht. Gerecht könne nur der Frieden sein, so Papst Franziskus. Der Zeitpunkt der Publikation ist äußerst ungünstig gewählt. Er fällt zusammen mit dem Auftakt der Reise von Papst Franziskus nach Kolumbien. Daher an dieser Stelle nur einige kurze Anmerkungen zu den ersten Auszügen vom Wochenende, bei denen vor allem das Geständnis des Papstes für Aufsehen gesorgt hatte, dass er im Alter von 42 Jahren den Rat einer Psychoanalytikern gesucht hatte.

Während in Kolumbien die letzten Vorbereitungen für den Papstbesuch laufen, werden in Frankreich morgen alle im neuen Interviewbuch von Franziskus schmökern. (Quelle: reuters)

Weiterlesen …

Peter Kohlgraf ist Bischof von Mainz

„Die Welt ist ein Buch, in dem wir lesen können, was Gott heute von uns will.“ Davon ist der neue Mainzer Bischof Peter Kohlgraf überzeugt. Am Ende seines Weihegottesdienstes erklärte er einer Kirche, die sich hinter verschlossene Türen zurückzieht, eine Absage. Er möchte alles unterstützen, was Vielfalt in der Kirche fördert, erklärte er, und forderte die Gläubigen im Bistum auf, ihre Taufberufung zu leben. „Glauben und lieben ist nichts Peinliches“, so der 50-Jährige.  Dienen, nicht herrschen, das ist nach Sicht des ehemaligen Mainzer Bischofs, Kardinal Karl Lehmann, die Aufgabe eines Bischofs. Mit mahnenden Worten richtete er sich an seinen Nachfolger Peter Kohlgraf. Mit der Weihe des 50-Jährigen beginnt im Bistum Mainz nun endgültig eine neue Ära. Am Pfingstmontag 2016, seinem 80. Geburtstag, war Kardinal Lehmann in den Ruhestand gegangen. Seitdem wurde das Bistum für gut 15 Monate übergangsweise von einem Diözesanadministrator geleitet. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, freut sich auf den hintergründigen trockenen Humor des neuen Mainzer Bischofs. Dass der eigene Akzente zu setzen weiß, zeigte sich gleich bei seiner ersten Personalentscheidung. Kohlgraf ernannte Weihbischof Udo Bentz zum Generalvikar, also zum ständigen Vertreter des Bischofs und Leiter der Diözesanverwaltung. Oft setzen neue Ortsbischöfe an dieser Stelle auf Kontinuität und übernehmen – zumindest für eine gewisse Zeit – den Generalvikar ihres Vorgängers. Im konkreten Fall könnte die Personalentscheidung aber auch mit der angeschlagenen Gesundheit des bisherigen Generalvikars Dietmar Giebelmann zusammenhängen, der zuletzt auch Diözesanadministrator war.

Peter Kohlgraf im ZDF-Interview

Weiterlesen …

Vatikanische Friedenspolitik

Papst Franziskus schickt seinen Chefdiplomaten nach Moskau. Reisen von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sind grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Doch bei seiner Visite diese Woche in Russland war das etwas anders. Das vatikanische Presseamt versorgte die Journalisten regelmäßig mit Informationen. Man wollte, dass dieser Besuch wahrgenommen wird – wohl weniger, weil man sich einen Durchbruch erhoffte bei der Frage eines möglichen Papstbesuchs in Moskau. Viel mehr dürfte es um politische Fragen gegangen sein. Der Vatikan sorgt sich um die Situation in der Ukraine, in Syrien und dem gesamten Nahen Osten. Er sorgt sich um das angespannte Verhältnis zwischen Russland und den USA. Neben freundlichen Worten und Gesten gab es bei der Visite auch deutliche Worte. Parolin erinnerte Russland nach dem Treffen mit Außenminister Lavrov an die Pflicht, „rigoros die Prinzipien des internationalen Rechts“ zu respektieren. Die Einhaltung des Völkerrechts sei „unabdingbar, sowohl um den Weltfrieden zu schützen, als auch um in den internationalen Beziehungen eine gesunde Atmosphäre des gegenseitigen Respekts wiederherzustellen“. Beobachter sahen darin eine deutliche Anspielung auf die Krimkrise und das Agieren Russlands in Syrien.

Vatikanische Ostpolitik gestern in Sotschi. (Quelle: reuters)

Weiterlesen …