Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Kirchenaustritte auf hohem Niveau

Jedes Jahr im Sommer veröffentlichen die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ihre Statistikzahlen. Seit Jahren ist das Ergebnis eher deprimierend. Denn die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland schrumpfen weiter. Auch 2017 sind die Mitgliederzahlen gesunken – bei den evangelischen Landeskirchen mit 390.000 mehr noch als bei der katholischen Kirche mit 270.000 Mitgliedern weniger. In beiden Kirchen sind die Austrittszahlen gegenüber dem Vorjahr wieder leicht gestiegen. Aus der katholischen Kirche sind rund 168.000 Mitglieder ausgetreten (2016: 162.000), aus den evangelischen Landeskirchen rund 200.000. Die Kirchen führen die Entwicklung vor allem auf den demografischen Wandel zurück. Doch alleine damit dürften sich die hohen Austrittszahlen nicht begründen lassen.

Beim Abschlussgottesdienst des Katholikentags in Münster Mitte Mai war der Platz gut gefüllt. In den Gemeindegottesdiensten hingegen sieht es meist anders aus. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist 2017 weiter gesunken auf 9,8 Prozent. 2016 waren es noch 10,2 Prozent der Katholiken, die regelmäßig am Gottesdienst teilnahmen, 2010 sogar 12,6 Prozent. (Foto: dpa)

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Erster Laie Vatikanminister

Es ist schon eine kleine Revolution, die sich da in diesen Tagen im Vatikan vollzieht. Zum ersten Mal wird ein Laie Chef eines Dikasteriums der Römischen Kurie. Papst Franziskus hat an diesem Donnerstag Paolo Ruffini zum Präfekten des Dikasteriums für Kommunikation ernannt. Er ist kein Kardinal, kein Erzbischof, nicht einmal Priester, sondern Ehemann. Ruffini leitet das nach Mitarbeitern größte Dikasterium der Kurie. Dem Prinzip nach handelt er auf Augenhöhe mit den Präfekten – Kardinälen und Erzbischöfen – der anderen Dikasterien, Kongregationen und Päpstlichen Räte. Ob das in der Praxis auch so sein wird, muss sich erst noch erweisen. Es ist ein mutiges Signal, das Franziskus mit der Personalie aussendet, das aber längst überfällig war.

Papst Franziskus im Kreis der Journalisten im Papstflieger. Ab Herbst wird hier auch der neue Medienminister mit dabei sein. (Quelle: Erbacher)

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Abschied

Nach 33 Jahren in der Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ beginne ich einen neuen Lebensabschnitt als Rentnerin. Das kirchliche Leben in Deutschland und der Vatikan waren immer spannend und ich werde beides nach wie vor verfolgen. Dennoch verabschiede ich mich aus diesem Blog und danke allen, die sich mit konstruktiven Beiträgen an den Diskussionen beteiligt haben. Bleiben Sie dem ZDF gewogen.

Ihre Michaela Pilters

 

Franziskus und der Kommunionstreit

Nun hat sich Papst Franziskus also doch selbst öffentlich zur Diskussion um die Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz zum Kommunionempfang von nichtkatholischen Ehepartnern in konfessionsverschiedenen Ehen geäußert. Auch wenn seine Antwort bei der fliegenden Pressekonferenz am Donnerstagabend nicht alle Fragen klärt, sind doch klare Tendenzen zu erkennen. Gleich zweimal bezeichnete er die Studien, die dem Papier zugrunde liegen als „gut gemacht“. Er verteidigt das Anliegen, das die große Mehrheit der Bischöfe mit dem Papier verbindet, in Ausnahmesituationen einen Kommunionempfang zuzulassen, gegen die Kritik vor allem aus konservativen Kreisen, am Ende würden alle zugelassen. „Es ist ein restriktives Dokument. Es war nicht ‚öffnen für alle‘, nein.“ Zuvor hatte er bereits klargestellt: „Was die Bischöfe wollten, ist, mit Klarheit zu sagen, was im Kodex steht.“ Unklar ist nach der Pressekonferenz allerdings weiterhin, wie es weitergeht. Während die Worte des Papstes nahelegen könnten, als wären weiter die deutschen Bischöfe am Zug, ist es auch Fakt, dass drei vatikanische Dikasterien, in enger Abstimmung untereinander, an einem Papier in der Frage arbeiten.

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Papst zu Gast im „protestantischen Rom“

Mit seinem Besuch beim Weltkirchenrat in Genf wollte Papst Franziskus der ökumenischen Bewegung neuen Schwung verleihen. Anlass der Visite war der 70. Jahrestag der Gründung des Weltkirchenrats 1948, der in Genf seinen Sitz hat. Es war kein Tag euphorischer ökumenischer Töne. Vielmehr ging es darum zu unterstreichen, dass im alltäglichen Miteinander der Konfessionen bereits viel möglich ist und in dieser praktischen Ökumene bereits ein großer Gewinn liegt. Die Theologie spielte heute keine Rolle. Es war ein christliches Spitzentreffen, denn Weltkirchenrat und katholische Kirche vertreten zusammen knapp 90 Prozent der weltweit 2,3 Milliarden Christen. Der Generalsekretär des Weltkirchenrats Olav Fykse Tveit sprach von einem „Meilenstein in den Beziehungen der Kirchen untereinander“. Im Mittelpunkt vieler Ansprachen standen Themen der Gerechtigkeit und des Friedens. Franziskus prangerte die wachsende wirtschaftliche Ungerechtigkeit an. Nach Für Tveit geht von dem Tag ein Hoffnungssignal aus, „Weil wir wissen, dass wir für all jene, die in Not sind, mehr tun können, wenn wir zusammenarbeiten.“

„Das ist eine Reise in Richtung Einheit“, so Papst Franziskus heute Morgen auf dem Weg nach Genf. (Quelle: dpa)

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Papst benennt 14 neue Kardinäle

Zum Fest Peter und Paul am 29. Juni wird Papst Franziskus 14 Kirchenmänner in das Kardinalskollegium aufnehmen. Das kündigte er heute beim Mittagsgebet im Vatikan an. Der deutsche Sprachraum geht auch bei diesem Konsistorium leer aus, ebenso wie so mancher traditionelle Kardinalssitz in Italien wie Turin, Mailand oder Venedig. Dafür kommen neue Kardinäle aus Madagaskar, Pakistan, Irak und Japan. Franziskus erklärte, die Ernennungen sollten die „Universalität der Weltkirche“ zum Ausdruck bringen. Ob das allerdings dadurch gelingt, dass drei der 14 neuen Kardinäle Italiener sind, ist fraglich. Neben seinem ständigen Stellvertreter für das Bistum Rom, Angelo de Donatis, werden auch der Substitut, Giovanni Angelo Becciu, und der Erzbischof von L’Aquila, Giuseppe Petrocchi, in das Kardinalskollegium aufgenommen. Neben Becciu sind mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Luis Ladaria, und dem Päpstlichen Almosenmeister, Konrad Krajewski, drei Kuriale unter den Ernannten. Auch diese Zahl ist relativ hoch. Von den 14 neuen Kardinälen haben drei das 80. Lebensjahr bereits vollendet. Sie können an einem Konklave nicht mehr teilnehmen. Mit dem Konsistorium am 29. Juni steigt die Zahl der Papstwähler auf 125.

Papst Franziskus forderte beim Pfingstgottesdienst intensive Friedensbemühungen für das Heilige Land. Nach der Liturgie kündigte er beim Mittagsgebet das Konsistorium für den 29. Juni an. Gestern legte er übrigens das Datum für die Heiligsprechung von Papst Paul VI. fest. Dieser wird am 14. Oktober zusammen mit Erzbischof Oscar Romero, der deutschen Ordensschwester Maria Katharina Kasper und drei weiteren Seligen heiliggesprochen. (Quelle: reuters)

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Chile: Gesamte Bischofskonferenz bietet Rücktritt an

Es ist ein beispielloser Akt, der sich an diesem Freitag im Vatikan vollzogen hat. Die gesamte chilenische Bischofskonferenz bot Papst Franziskus ihren Rücktritt an. Das ist das Ergebnis der dreitägigen Gespräche im Vatikan, mit denen die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in Chile endlich vorangebracht werden soll. Damit ist nun der Papst am Zug. Er wird in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden müssen, welche Bischöfe wirklich gehen müssen und wer bleiben darf. Das Beispiel Chile zeigt einmal mehr, dass es beim Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zum einen um die persönliche Verantwortung der Täter geht sowie derer, die vertuscht und die Aufarbeitung verschleppt oder gar verhindert haben. Es geht aber auch um das System und die Frage nach der Ausübung von Macht in der katholischen Kirche. Das scheint Papst Franziskus spätestens jetzt begriffen zu haben. Denn in einem zehnseitigen Brief, den er den Bischöfen am Dienstag zum Auftakt des Treffens ausgehändigt hatte, schreibt er ganz klar. Das Problem könne man nicht lösen „nur mit der Absetzung von Personen, was geschehen muss“. Aber das sei nicht ausreichend. „Das Problem ist das System“, so das Kirchenoberhaupt. Aber welche Konsequenzen zieht er daraus?

Gruppenbild zum Abschluss des Treffens mit den Bischöfen Chiles im Vatikan. (Quelle: ap/vatican news)

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Suche Frieden – in Kirche und Welt

Katholisch, politisch, kontrovers war der 101. Katholikentag in Münster. Fünf Tage lang bestimmte das Großereignis das Stadtbild. Mit 70.000 Teilnehmern kamen so viele Menschen wie seit 1990 nicht mehr zu einem Katholikentag. Damit setzte er sich gegen den gemeinhin angenommenen Trend, dass die Kirchen keine Anziehungskraft mehr hätten. Ob dieser Katholikentag spiritueller und zugleich politischer denn je war, lässt sich nur schwer ermessen. Doch er stand genau in dieser Spannung. Die spirituellen Angebote bekommen bei den Katholikentagen eine immer stärkere Bedeutung; zugleich bleiben die Katholikentage aber wie die Evangelischen Kirchentage ein Ort des gesellschaftlichen Diskurses. Damit leisten sie auch einen Dienst an der Gesellschaft in einer Zeit, in der die Menschen nach Orientierung suchen – spirituell, aber auch politisch. Mit dem bereits vor Jahren beschlossenen Thema „Suche Frieden“ konnte der Katholikentag kaum aktueller sein. Krieg, Terror und die politischen Ereignisse, wie die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die USA und die daraus entstehenden Folgen, beschäftigen die Menschen ebenso wie das Ringen innerhalb der katholischen Kirche sowie im Miteinander der Konfessionen und Religionen.

Um Münster als Friedensstadt und den 101. Katholikentag dort ging es in der Sendung „sonntags“ am 13.5.

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Drei Frauen für den Frieden

In Münster beginnt heute der 101. Katholikentag. Er steht unter dem Motto „Suche Frieden“. 50.000 Dauerteilnehmer werden zu dem Katholikentreffen erwartet, so viele wie schon lange nicht mehr zu einem Katholikentag. Bis Sonntag gibt es 1.000 Veranstaltungen von spirituellen Angeboten, Workshops und kulturellem Programm bis zu Diskussionsveranstaltungen über aktuelle Fragen rund um das Thema Frieden, Gerechtigkeit und die Rolle der Christen in der Gesellschaft. Wir haben drei Frauen gefragt, was für sie Frieden bedeutet und wie sie nach Frieden suchen. Frederike Herrlich hat ihren Sohn beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 verloren. Ahlam ist mit ihrem Sohn vor dem Bombenhagel im syrischen Aleppo nach Deutschland geflohen, nachdem ihr Mann und ihr Bruder getötet worden waren. Naisy lebt in Kolumbien, in einer Stadt die von Drogenbossen und Rebellenchefs kontrolliert wird. Sie engiert sich für Frieden und Aussöhnung in ihrer Heimat und wird dabei unter anderem durch das Hilfswerk Adveniat aus Deutschland unterstützt. Der Film will zum Nachdenken anregen. Was heißt heute: Frieden suchen, Frieden finden?