Kommt die Revolution?

In Frankfurt hat an diesem Donnerstag die erste Plenarversammlung des Synodalen Wegs begonnen. Die Erwartungen sind hoch an den auf zwei Jahre angelegten Beratungsprozess. Doch wer eine Revolution erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Die katholische Kirche verändert sich in kleinen Schritten, betonte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, zu Beginn der Versammlung. Sternberg ist zusammen mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Präsident des Synodalen Wegs. Marx erklärte, dass es bei dem Prozess darum gehe, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, damit die Kirche mit ihrer Verkündigung wieder zu den Menschen durchdringe. Marx und Sternberg ist klar, dass die Kirche nur dann wieder mit ihren Botschaften die Menschen erreicht, wenn sie im eigenen Laden aufräumt und Reformen anpackt.

Vor dem Dom demonstrierten verschiedene Gruppen und forderten mutige Reformen. Eine kleine Gruppe von katholischen Traditionalisten beteten gegen den Synodalen Weg. (Quelle: Erbacher)

Vom „trotz“ zum „weil“

Am Ende des ersten Tages wurde schnell deutlich, dass der Synodale Weg ein herausforderndes Unternehmen werden wird. Sechs Synodale legten nach dem Eröffnungsgottesdienst im Bartholomäus-Dom in Frankfurt Zeugnis ab über ihren Glauben, über ihre Motivation, sich in der Kirche zu engagieren und beim Synodalen Weg mitzumachen. Ähnlich wie bei den letzten Synoden im Vatikan nahmen die Gläubigen kein Blatt vor den Mund.

Michaela Labudda, Gemeindereferentin aus dem Erzbistum Paderborn, berichtete von ihren Glaubens- und Gotteserfahrungen. Vom Glauben, der durch Begegnung mit Menschen und Gott entstehe. Sie machte aber auch keinen Hehl aus ihrem Frust. Sie engagiere sich in der Kirche, obwohl sie damit ein System unterstütze, dass so viele Menschen zu Opfern habe werden lassen, obwohl viele Menschen die Moralvorstellungen wie ein Gefängnis erfahren hätten. Sie wolle weg vom Glauben „trotz“ dieser Dinge hin zum Glauben „weil“.

„Ich habe schon zu viele hoffnungslos hinschmeißen sehen“, erklärte Labudda vor den 230 Delegierten, darunter die komplette Deutsche Bischofskonferenz, zu viele seien schon klaglos weggegangen. Sie sprach von der „prophylaktischen Resignation“ vieler hauptamtlicher Mitarbeiter. Bei einem Vorbereitungstreffen für den Synodalen Weg sei das Lachen eines Kindes durch ein geöffnetes Fenster in den Saal gedrungen. Sie habe das als zartes Lächeln des Heiligen Geistes gedeutet. „Ich bin bereit zum Auslüften“, erklärte Labudda.

Ordensfrau fordert Weiheämter für Frauen

Mit langanhaltendem Applaus wurde das Zeugnis von Schwester Philippa Rath bedacht. „Ich liebe meine Kirche, leide unter ihr und schäme mich oft für sie“, erklärte die Benediktinerin, die seit über 30 Jahren als Ordensfrau lebt. Sie forderte mehr Anerkennung und Mitbestimmung für Frauen und zwar nicht als Lückenfüller oder als Almosen. Die Frauenorden hätten eine 1500 Jahre alte Tradition von Frauen in Leitungspositionen. „Wer sind wir, dass wir Gott vorschreiben wollen, wen er in welche Ämter beruft und welches Geschlecht er haben soll“, fragte Rath. Heute sei der Kairos, den es zu ergreifen gelte. „Es ist noch nicht zu spät.“ Sehr viele Menschen schauten auf den Synodalen Weg, in und außerhalb der Kirche und in der ganzen Welt, so die Benediktinerin.

Der Magdeburger Pfarrer Christian Kobert betonte wie der Passauer Bischof Stefan Oster die Bedeutung glaubwürdiger Zeugen für die Evangelisierung. Oster warnte vor der Gefahr, dass der Synodale Weg sich zu stark auf strukturelle Veränderungen konzentriert. Aus Sicht von Michaela Brönner von der Kolpingjugend aus dem Erzbistum Köln sind in den letzten 40 Jahren drängende Probleme liegengeblieben. Diese müssten jetzt angepackt werden, um die Kirche zukunftsfähig zu machen.

Die Macht der Bischöfe

ZdK-Präsident Sternberg betonte zum Auftakt mehrfach, dass der Synodale Weg ein spiritueller Prozess sei. „Man kann gut beten und gut debattieren; das gilt in der Kirche seit dem Apostelkonzil“, zeigte sich Sternberg selbstbewusst. Zur Frage, wie verbindlich die Beschlüsse am Ende sein könnten, erklärte er, dass es drei Kategorien von Voten gebe. „Zunächst die Voten zu dem, was in Deutschland in Kraft gesetzt werden kann. Zweitens solche, die mit römischem Vorbehalt dem Papst vorgelegt werden, und schließlich solche, die als Votum an ein Konzil zu richten sind.“

Immer wieder wird allerdings kritisiert, dass Voten nicht nur die Zweidrittelmehrheit der anwesenden 230 Teilnehmer haben müssen, sondern zusätzlich noch Zweidrittel der Bischöfe zustimmen müssen, damit sie als angenommen gelten. Dazu kommt noch, dass kein Bischof verpflichtet werden kann, Beschlüsse auch wirklich in seinem Bistum umzusetzen. Kardinal Marx betonte dazu heute, dass es beim Synodalen Weg darum gehe, einmütige Entscheidungen zu erzielen. Das sei etwas anderes, als um Mehrheiten zu ringen.

Gute Vorsätze, aber …

Alle Redner betonten am ersten Tag, entscheidend für den Erfolg des Synodalen Weges wird der Umgang miteinander sein. Mehrfach wurde davor gewarnt, dem anderen, nur weil er eine andere Position vertritt, die Katholizität abzusprechen. Die aufgeladenen Debatten in der Vorbereitungszeit waren auch beim Auftakt präsent. Allen scheint bewusst, welche hohe Verantwortung sie haben. Der Donnerstag war erst das Vorspiel. Ab Freitag werden dann die vier Themenbereiche diskutiert: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ sowie das „Leben in gelingenden Partnerschaften – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“. Dann dürfte es weniger harmonisch zugehen als heute.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

11 Kommentare

  • Novalis
    31.01.2020, 1:19 Uhr.

    Im Grunde könnte man sich den synodalen Weg sparen und die Texte der Würzburger Synode nochmal einreichen. Das Abstimmungsprozedere der Würzburger Synode hatte die ausdrückliche Gutheißung von Papst Paul VI. – dann soll der Papst auch bitte das Ergebnis (unter anderem das EINSTIMMIGE VOTUM DER DBK FÜR DEN FRAUENDIAKONAT) annehmen.

    Eine Kritik an Herrn Erbacher, der vor knapp 10 Monaten schrieb:
    „Barbarin hatte dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Franziskus hatte diesen nicht angenommen und Mitte März den Ball wieder an Barbarin zurückgespielt. Er habe dem Kardinal die Entscheidung selbst überlassen, teilte der Vatikan nach einer Begegnung der beiden am 19. März mit. Barbarin nahm sich daraufhin eine Auszeit und lässt sein Amt ruhen, gegen das Urteil ging er in Berufung. Franziskus Vorgehen dürfte durch die Idee motiviert sein, das Berufungsurteil abwarten zu wollen. Dass dies für die Kirche in Lyon, ganz Frankreich und weit darüber hinaus eine schwere Belastung bedeutet, sieht er offenbar nicht. Und wenn er sie sieht, scheint er sie dem Festhalten an der Unschuldsvermutung bis zur endgültigen Klärung durch die Justiz unterzuordnen. Der Preis dafür ist hoch.“
    Ja, der Preis war hoch, weil sich dabei alle (auch Papst und durch sonderdämliche Wortmeldungen auch der Kardinal) alles andere als mit Ruhm bekleckert haben.
    Nur, Herr Erbacher – würden Sie das heute auch noch so formulieren? Oder hatte der Papst nicht doch sowohl Recht als auch Pflicht, zu seinem Kardinal zu stehen, solange die Unschuldsvermutung gilt?

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      31.01.2020, 9:44 Uhr.

      Der Preis für dieses Handeln war hoch. Das bleibt bestehen. Auch bei einer Annahme des Rücktritts hätte die Gelegenheit bestanden, nach einer Revision des Urteils dem Kardinal eine Rehabilitation zu ermöglichen. Auch das hätte eine „Probe aufs Exempel“ sein können, um den Umgang mit solchen Situationen zu prüfen bzw. sich zu bewähren. Es gibt ja noch den Fall von Kardinal Pell. Hier gilt Vergleichbares. Die Frage mus aber erlaubt sein, ob das lange Zögern, einen Nachfolger als Chef des Wirtschaftssekretariats zu benennen, der Sache gedient hat.

    • Carla Maltese
      01.02.2020, 0:59 Uhr.

      An die arme Würzburger Synode dachte ich allerdings auch.
      Montini mag zwar das Abstimmungsverfahren gebilligt haben, aber haben nicht er und sein vatikanischer Apparat die komplette Synode hinterher einfach kassiert? Und die Teilnehmer damit dastehen lassen wie die Vollidioten?

      Vielleicht liegt es auch ganz wesentlich daran, daß sich die deutschen römisch-katholischen Bischöfe in den letzten Jahrzehnten an synodale Versuche nicht mehr richtig getraut haben, nur an unverbindliche Wischiwaschi-Alibi-„Gesprächsprozesse“.

      Was war Montini?
      Ein paar Ergebnisse des 2. Vatikanums hat er schon umsetzen lassen, als wichtigstes die aktuell geltende Liturgie. Gottseidank auch die Abschaffung der feindseligen Haltung dem Judentum gegenüber (von Dialog mit dem Islam war noch lange nicht die Rede, denn Länder wie die Türkei oder die heutigen arabischen Länder oder die afrikanischen Länder nahm Europa einfach nicht für voll) oder die Abschaffung der stramm antiökumenischen Haltung. Den Index der verbotenen Bücher hat er höchstpersönlich abgeschafft.
      Aber im Prinzip ging es ihm nur um einen modernenen Lack. Durch und durch Kirchenreform, das wollte er nicht. Das morsche Auto frisch lackieren, aber mehr auch nicht.

      • Novalis
        01.02.2020, 12:28 Uhr.

        Ich glaube, da tun sie Paul VI. Unrecht. Der hat zwar mit Humanae vitae theologischen Stuss fabriziert und an das Verhütungsmittelverbot hat sich eh niemand gehalten, Benedikt XVI. hat es ja sogar für Stricher abgeschafft. Aber der war schon durch und durch in der Moderne angekommen. Und er hat schon mehr als lackiert. Ich empfehle O.H. Pesch, Das 2. Vatikanische Konzil. Danach kann man Paul immer noch kritisieren (und Montini wäre der letzte gewesen, der das gewollt hätte), aber: Man macht es dann anders.

        • Novalis
          02.02.2020, 18:13 Uhr.

          Retractatio: Es muss heißen: „(und Montini wäre der letzte gewesen, der das NICHT gewollt hätte)“

  • BernhardJ
    31.01.2020, 12:41 Uhr.

    Der synodale Weg ist ein Irrweg, ein Weg in eine deutsche Nationalkirche. Viele deutsche Probleme sind Luxusprobleme, von dem gravierenden Problem des verschwindenden Gottes- und Christusglaubens einmal abgesehen. Glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, wenn Priester heiraten dürften, wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen und Frauen zum Diakonat zugelassen würden, würde die Kirche an Ausstrahlungskraft gewinnen. Wenn ja, weshalb ist es bei der evangelischen Kirche nicht so?
    Der synodale Weg wird auch kein Vorbild sein für die Ortskirchen anderer Länder. Bestenfalls für einige Ortskirchen im ebenfalls kirchensteuergesättigten Österreich. Letzten Endes ist er ein schismatischer Weg.
    Luther ist halt voll und ganz in der DBK angekommen. Die Vereinigung der katholischen Kirche in Deutschland mit den protestantischen Gemeinden zu einer neuen Luther-Kirche nimmt deutliche Gestalt an. Offenbar ist Zweidrittel der deutschen Bischöfe der Sinn fürs Katholische gänzlich abhanden gekommen. Wir in Italien MÜSSEN dagegenhalten. Sind einmal die katholischen Glaubensinhalte niedergerissen, gibt es kein Halten mehr. Dann wird auch die Homo-Ehe im Priesterstand zur neuen Hoffnung im Bischofskreis!
    Deutliche Worte des emeritierten Kurienkardinals Cordes
    In einem Interview spricht Kurienkardinal Cordes auch die Tendenz in Teilen der DBK an, Homosexualität nicht mehr als schwere Sünde anzusehen und weist dies mit dem Hinweis auf Paulus (Röm 1,18.27f) als nicht der Schrift gemäß und eklatante Verwirrung in der Kirche zurück.
    Zum Zölibat sagte Papst Johannes Paul II. der Große: „Die lateinische Kirche wollte und will, indem sie sich auf das Beispiel Christi, des Herrn, auf die apostolische Lehre und auf die gesamte Tradition beruft, die ihr eigen ist, daß alle, die das heilige Weihesakrament empfangen, diesen Verzicht um des Himmelreichs willen annehmen.“
    Die Tendenz in der DBK eine neue, von Katholizität radikal abgelöste Kirche aufbauen zu wollen, ist in der Tat nicht zu übersehen.
    Und in Augsburg sitzt nun auch ein „Bischof“, der in meinen Augen ein freimaurerischer Reinhard-Marxist ist.
    Wir können nur noch beten und auf S.E. Voderholzer vertrauen, das Bollwerk gegen den Islam („Der Islam ist eine postchristliche Erscheinung, die mit dem Anspruch auftritt, die Kerngehalte des Christentums zu negieren: Den Glauben an den dreifaltigen Gott, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und sein Erlösungswerk am Kreuz. Eine Integration des Islam als Islam ist unmöglich“, gegen die Homosexualisierung des Klerus („Das Diskriminierungsverbot, das auch gegenüber Homosexuellen gilt, beinhaltet keine Wertschätzung einer homosexuellen Orientierung. Homosexualität darf also kritisiert werden und die Kritik ist noch keine Diskriminierung“), gegen die Moderne und Sittenlosigkeit.
    Exkommuniziert schwule Priester! Heiligstes Herz Jesu! Barmherzigkeit!

    • Carla Maltese
      01.02.2020, 0:41 Uhr.

      „Der synodale Weg ist ein Irrweg, ein Weg in eine deutsche Nationalkirche.“
      Ach, äh… wussten Sie schon daß es selbst in Indien, einem römisch-katholischen „Musterland“ (okay, Christen sind da eine Minderheit, aber blenden wir das mal aus) bereits 2011 eine Laiensynode gab, weil die Leute die Schnauze voll haben von dem herrschenden Kirchenbild, nach dem der Klerus alles ist, das Kirchenvolk nichts und Frauen schonmal sowas von garnichts?
      Wussten Sie schon, daß sich selbst in Lateinamerika die Leute von der römisch-katholischen Kirche abwenden und die Pfingstkirchen massiv Zulauf haben?
      Wussten Sie schon daß auch im ach so katholischen Spanien der Gottesdienstbesuch abgsehen von den großen Kathedralen (wo man sich fragen darf, wieviele dort eigentlich Einheimische und wieviele Toristen sind) immer mehr zurückgeht, mancherorts genauso verschwindend gering ist wie hier?
      Es stand auf katholisch.de: Die Vorsitzenden von BDKJ und KLJB kamen mit einem irritierenden Eindruck von einem internationalen Jugendtreffen im Vatikan: Abends in informeller Runde äußerten die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern die selben Reformwünsche wie hier in Deutschland, nur hochoffiziell tagsüber in der Synodanaula hatten sie plötzlich Angst, den Mund aufzumachen. Worüber die Teilnehmer dann sprachen, war nicht zu lesen, es muss recht belanglos gewesen sein.

      Jaja, das alte Märchen von den „Luxusproblemen“.
      Die in Indien und in Afrika von Priestern vergewaltigten Ordensfrauen hätten da mit sicherheit einiges zu sagen!

      Mein ehemaliger kamerunischer Arbeitskollege, gläubiger Christ, hat übrigens recht ähnliche Ehevorstellungen wie wir, nämlich solche von Gleichrangigkeit zwischen Mann und Frau, und hält auch nichts von Verhütungsverbot usw.

      „Glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, wenn Priester heiraten dürften, wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen und Frauen zum Diakonat zugelassen würden, würde die Kirche an Ausstrahlungskraft gewinnen.“
      JA!
      Wenn Priester heiraten dürfen: Sehr viele peinliche Skandale die die römisch-katholische Kirche lächerlich machen fallen dann weg. Es wird nicht mehr so leicht für Pädophile, sich im Priesteramt zu verstecken. Keine Gemeinde verliert mehr einen guten Pfarrer, nur weil derjenige sich verliebt, bzw. keine Gemeinde muss mehr eine Priesterfamilie verheimlichen, was enorm viel seelische Energie bindet.
      Wiederverheiratete Geschiedene: Das herrschende römisch-katholische Kirchenrecht ist an dieser Stelle unsäglich. Es behauptet letztendlich, daß Gott nur eine Art Standesbeamter wäre, der sich lediglich für das Formular mit dem ordentlichen Stempel drauf interessiert. Als ob Gott nicht durchschauen würde, ob eine Ehe noch besteht oder nicht. Klar, es gab historische Gründe weswegen die römisch-katholische Kirche ein sehr strenges Scheidungsverbot eingerichtet hat. In Zeiten wo eine Frau nichts zählte, wo sie kaum einen Beruf ergreifen konnte, also die größten Probleme hatte, ohne einen Mann zu einem Lebensunterhalt zu kommen, erst recht wenn Kinder da waren. Aber gottseidank leben wir heute nicht mehr in diesen Zeiten und können auf die vielen Verletzungen die das Sakramentenverbot für wiederverheiratete Geschiedene verursacht, verzichten. Selbst Leute die nicht davon betroffen sind, können daran verzweifeln. Ein inzwischen pensionierter altkatholischer Priester war mal römisch-katholischer Krankenhausseelsorger und hat es nicht mehr ausgehalten, daß er zu Schwerstkranken unbarmherzig sein sollte.
      Frauendiakonat: Daß eine Frau sogar Priester sein kann, beweist eine sehr gute Pfarrerin die wir zufällig haben. Aber das nur nebenbei. Auch in der römisch-katholischen Kirche gibt es bereits Frauen die Gemeinden leiten, Wortgottesdienste halten und alles tun was nicht zwingend eine Weihe vorraussetzt, wie z.B. die Wandlung vornehmen. Selbst auf einer Nordseeinsel, wie ich vor einigen Wochen gelesen habe. Es gibt keinerlei Grund, Frauen die Weiheämter vorzuenthalten außer, sind wir ehrlich, daß man an einem Rangunterschied zwischen Männern und Frauen festhalten möchte

      Zum Thema Luther:
      Bevor man behauptet, „Luther wäre in der DBK angekommen“ oder irgendwas von „protestantisch“ faselt, sollte man sich erstmal mit dem lutherischen Glauben an sich auseinandersetzen und Ahnung davon haben. Was bedeutet denn „sola fide“, hm?

      Übrigens: Es wäre damals nie zu einer Kirchenspaltung gekommen, wäre nicht der Papst und sein damaliger Machtapparat vollkommen realitätsfern und reformresistent gewesen. Ohne Luther in den Himmel glorifizieren zu wollen, auch er hatte seine Fehler: Die Blasphemie, den Leuten eine Wahnsinnsangst einzutrichtern daß sie bei jeder Kleinigkeit in die Hölle kämen und ihnen dann das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat der römische Kirchenapparat begangen. „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!“ kann ich dazu nur sagen. Auch andere Reformbaustellen gab es, eine mehr als schludrige Priesterausbildung, sogar den bloßen Kauf kirchlicher Ämter.

      Und Homosexualität:
      Es wundert mich doch immer wieder, wie fixiert manche Christen auf dieses eine Thema sind, wieviel Raum es in ihrem Denken einnimmt. Wovor hat man da Angst? Vor Liebesbeziehungen bei denen man keinen Rangunterschied sehen kann?
      Wir haben unglaublich viel Gewalt auf der Welt, es gibt unglaublich verrohte Zeitgenossen, die Kriege in Syrien und im Jemen ziehen sich endlos, Afghanistan kennt seit 1979 keinen Frieden mehr, wir haben entsetzliche Umweltzerstörungen, der Amazonas brennt, Australien brennt, das Nigerdelta ist vergiftet, viele Ehen sind einfach nur furchtbar, Männer schlagen ihre Frauen halbtot (manchmal sind die Ehefrauen gewalttätig, aber in der überwiegenden Mehrheit die Männer), aber statt sich zu fragen was Jesus in all dem in so viel Gewalt, Hass, Zerstörung von uns verlangt, dreht man sich so ausgiebig um Homosexualität? Nimmt dieses Thema so einen überragenden Raum ein?
      Mir ist es egal ob ein Priester homosexuell ist. Ob er mitreißende Gottesdienste macht statt nur die Liturgie runterzuleiern, will ich wissen. Ob er ein liebevoller Mensch ist, will ich wissen. Ob er Einfühlungsvermögen hat und zuhören kann, will ich wissen. Ob er ein in der Bronze- bis Römerzeit geschriebenes Buch ins Heute übersetzen kann und uns so erklären kann was es uns heute noch zu sagen hat, will ich wissen.

      • Heilbründl
        01.02.2020, 10:05 Uhr.

        Carla Maltese
        Ich kann Ihnen nur zustimmen!

  • Carla Maltese
    01.02.2020, 1:53 Uhr.

    […]*

    Was meine persönliche Auffassung zum synodalen Weg ist: Er ist der einzig richtige!
    Entweder wird die römisch-katholische Kirche synodal oder es wird sie nicht mehr lange geben.

    Warum stirbt die römisch-katholische Kirche in Deutschland?
    Nicht an zu wenig Latein oder so einem Käse, oder an Effizienzproblemen in bischöflichen Ordinariaten oder ähnlichem nebensächlichem Kram, sondern weil sich die meisten, ob sie nun Kirchensteuer zahlen oder nicht, ohnehin nicht mehr wirklich als Mitglieder dieser Kirche empfinden.
    Wie wird über „die Kirche“ gesprochen?
    Wenn wir ehrlich sind: Wie über eine Behörde bei der man Papiere abholt, mit der man aber ansonsten nichts mehr zu tun hat.

    Es muss sich radikal alles umdrehen, von „die Kirche lehrt…“ hin zu: „DU bist Kirche!“
    Erst wenn die Leute wieder empfinden daß sie Teil dieser Kirche sind, werden sie eintreten statt austreten, werden sie wieder in Gottesdienste gehen, und werden sich wieder mit dem Glauben beschäftigen und ihn weitergeben wollen.

    „obwohl viele Menschen die Moralvorstellungen wie ein Gefängnis erfahren hätten.“
    Es gäbe ja kein Problem mit entschiedenen Moralvorstellungen, wenn man sich auf die richtigen konzentriert hätte!
    Respekt vor dem Partner statt Sexualkrampf und Jungfräulichkeitskult; Ehrlichkeit statt zu verlangen daß in der Ehe gescheiterte eine Fassade zusammenheucheln; umfassender Lebensschutz der nicht einfach nur auf verzweifelten Schwangeren eindrischt sondern das gesamte Leben schützen will, auch die Natur; alles was den Menschen hilft, liebevoll, respektvoll und barmherzig zu werden, ein wirkliches Abbild Gottes, statt kaltes Kirchenrecht das weit mehr verletzt als nützt.

    Und nun ist es 1:52 und ich genehmige mir den Abbruch.
    Nicht nur Herr Erbacher hat auch schon einen Arbeitstag hinter sich, ich auch.

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Carla Maltese
    01.02.2020, 14:30 Uhr.

    Wie schon gesagt: Der einzige Grund, geeigneten römisch-katholischen Frauen die Weiheämter zu verweigern ist, daß man mehr oder weniger unterschwellig noch an einem Rangunterschied zwischen Mann und Frau festhält.

    Nuhn ist das allerdings nicht nur in der römisch-katholischen Kirche so, wie man z.B. am Umgang mit insbesondere weiblichen Spitzenpolitikern sehen kann. Sigmar Gabriel verliert gerade jeden politischen Anstand und macht jetzt als Manger bei einer Bank Karriere: Es gibt euin laues Shitwindchen. Würde eine Frau sich das erlauben: Die Wutbürger würden bereits Scheiterhaufen errichten.
    Frauenförderprogramme z.B. in MINT-Berufen gibt es auch einfach deswegen weil sie immernoch notwendig sind, also weil Frauen oft von guten beruflichen Karrieren ferngehalten werden, trotz vorhandener Begabung. Und schlechter bezahlt werden oder oft stupide Drecksaufgaben bekommen.

    Wenn also die römisch-katholische Basis, und wie es aussieht eine Mehrheit dort, Gleichstellung von Männern und Frauen verlangt, ist sie wie zu guten alten Zeiten der Urkirche wieder einmal der Gesellschaft voraus. Und verdient Applaus dafür.
    (Vor allem in Indien, dem frauenfeindlichsten Lande dieser Erde)

  • Carla Maltese
    01.02.2020, 19:07 Uhr.

    „Zur Frage, wie verbindlich die Beschlüsse am Ende sein könnten, erklärte er, dass es drei Kategorien von Voten gebe. „Zunächst die Voten zu dem, was in Deutschland in Kraft gesetzt werden kann. Zweitens solche, die mit römischem Vorbehalt dem Papst vorgelegt werden, und schließlich solche, die als Votum an ein Konzil zu richten sind.““
    Und sowohl die Vorausjammerer die alles nur negativ sehen können als auch diejenigen die das alte Vatikan-ist-alles-Kirchenvolk-ist-nix-Kirchenbild beibehalten wollen und deshalb den ganzen synodalen Weg am liebsten komplett sabotiert hätten, haben im Vorfeld herumgeheult von wegen „es würden unrealistische Erwartungen geweckt“.
    Dabei ist mit Sicherheit jedem klar, daß z.B. natürlich nicht schon nächste Woche die ersten Frauen ins römisch-katholische Priesterseminar eintreten können.

    Im weiteren Lernprozess in der römisch-katholischen Kirche zum Thema Synodalität wird sicher auch an Abstimmungsverfahren weiter gefeilt. Daß jetzt schon alles perfekt ist, war nicht zu erwarten. Ich habe in diesem Blog mehrfach betont, daß die römisch-katholische Kirche Synodalität von 0 an neu lernt.
    Und natürlich sind auch die einen oder anderen Probleme dabei. Daß es dabei auch mal knallt, ist klar. Die harte diktatorische Regierung vom Vatikan runter bis in die Pfarreien wollte zwar Einheit schaffen, hat aber das Gegenteil bewirkt: Spaltung und sogar Hass. Das muss halt auch alles überwunden werden.
    Stockkonservative Minderheiten durften sich als „Glaubenswächter“ aufspielen und wurden regelrecht gegen den Rest der römisch-katholischen Kirche aufgehetzt. Im Netz sind sie jetzt noch meistens die lautesten, leider.

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