Synode berät über Ökologie, Eucharistie und Inkulturation

Die Themenpalette ist wie zu erwarten breit, die in den Plenumssitzungen der Amazonassynode in den ersten Tagen diskutiert wird. Allerdings gibt es einige Punkte, die immer wieder auftauchen. So legen es die Berichte nahe, die gefiltert durch die vatikanische Pressemaschinerie aus der Synodenaula nach draußen dringen. Neben der Ökologie und sozialen Fragen sind es innerkirchliche Themen: die Inkulturation von Glaube, Theologie und Liturgie, die Frage nach Ämtern für Laien, insbesondere für Frauen, sowie die viri probati. Waren gerade letztere Themen über Jahrzehnte tabu, ziehen sie sich jetzt wie ein roter Faden durch die ersten Plenarsitzungen.

Wie weit kann Inkulturation gehen? (Quelle: ap)

Von einer „Besuchspastoral“ zur „Anwesenheitspastoral“

Die Themen sind weitestgehend bekannt, die in den ersten Tagen in den Vorträgen benannt werden: von der Kritik an der Ausbeutung der Ressourcen im Amazonasgebiet, die Umweltverschmutzung bis hin zur Unterdrückung fundamentaler Menschenrechte. Zwischen 2003 und 2017 seien 1119 Indigene bei der Verteidigung ihrer Gebiete ums Leben gekommen, verlautete aus der Synodenaula. Oft würden die Anführer kriminalisiert, wenn sie sich für die Rechte ihrer Völker einsetzen, kritisierte ein Redner. Immer wieder wird betont, dass bei den ökologischen und sozialen Fragen auch die internationale Gemeinschaft gefordert ist. In diesem Kontext wurde wiederholt von der prophetischen Dimension der Kirche gesprochen. So solle sie etwa die sozialen Basisbewegungen unterstützen und sich in die gesellschafts-politische Debatte einmischen.

Immer wieder taucht die Forderung auf, dass die Kirche von einer „Besuchspastoral“ zu einer „Anwesenheitspastoral“ übergehen müsse. Voraussetzung dafür ist, dass kirchliche Amtsträger vor Ort sind. Bei der Frage, wie das gewährleistet werden kann, gehen die Meinungen dann auseinander. Die einen fordern eine Stärkung des Ständigen Diakonats der Männer und eine verstärkte Berufungspastoral für das traditionelle zölibatäre Priesteramt. Eine ganz große Mehrheit der bisherigen Redner scheint sich allerdings für viri probati auszusprechen.

Neue Ämter für Frauen

Darüber hinaus wurden Forderungen nach neuen Ämtern für Laien laut, darunter das Diakonat für Frauen sowie andere Dienste mit Beauftragung für Laien. Dabei geht es nach Aussage des Vatikanischen Medienministers, Paolo Ruffini, an vielen Stellen gar nicht darum, neue Ämter zu schaffen, sondern bereits bestehende Praxis durch offizielle Ämter anzuerkennen. Bischof Erwin Kräutler erklärte beim Pressebriefing, dass zwei Drittel der Gemeinschaften, in denen es keine Priester gebe, von Frauen geleitet werden. Hier brauche es konkrete Antworten.

Bei der Diskussion um viri probati kann man aus den Berichten sehr unterschiedliche Positionen erkennen. Es wurden Stimmen laut, die eine zu starke Funktionalisierung und Einengung des Priesteramts auf die Eucharistie befürchten, anstatt den Priester als „Hirten der Gemeinschaft, Lehrer eines christlichen Lebens und konkrete Gegenwart der Nähe Christi“ zu sehen. Einige plädieren dafür, die viri probati nur als weitere Ausnahmen einzuführen, grundsätzlich aber am Pflichtzölibat festzuhalten. Bischof Kräutler, der seit vielen Jahrzehnten im Amazonasgebiet lebt und wirkt, warnte beim Pressebriefing davor, den Zölibat über die Eucharistie zu stellen. Seine Erfahrung zeige, dass in der indigenen Kultur der Zölibat nicht vermittelbar sei.

Ab Donnerstag erstmals Kleingruppenarbeit

Laut den offiziellen Berichterstattern gab es Stimmen, die anmerkten, dass der Priestermangel nicht nur ein Problem im Amazonas sei, sondern überall in der Welt. Andere sehen in den viri probati nicht die Lösung der Probleme, sondern eher in einer stärker missionarischen Ausrichtung der Kirche. Neben der Ämterfrage geht es immer wieder um eine stärkere Inkulturation bis hin zur Einführung eines eigenen Ritus für die Indigenen. In den Plenumssitzungen der ersten Tage gibt es noch keine echten Diskussionen. Aber sie bieten den Teilnehmern die Möglichkeit, die Stimmung unter den Synodenteilnehmern zu erspüren. Ab morgen geht es in die Kleingruppen. Dort geht es dann darum, die Ideen zu konkretisieren und Vorschläge zu erarbeiten, wohin die Reise geht.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

29 Kommentare

  • Novalis
    10.10.2019, 10:54 Uhr.

    „Seine Erfahrung zeige, dass in der indigenen Kultur der Zölibat nicht vermittelbar sei.“
    Der Zölibat ist auch nicht in Europa vermittelbar. Er ist lediglich eine Zuflucht für homosexuelle Männer, die sich vor ihrer Orientierung verstecken und sie dann heimlich ausleben wollen.

    • Wanda
      10.10.2019, 18:28 Uhr.

      Novalis 10.10. 10:54
      – Muss mich doch sehr wundern: nicht einmal ich als Ungläubiger und Kirchenkritiker würde den Zölibat auf allein das reduzieren wie Sie es tun und ihm komplett unterstellen.
      Meine Meinung: es sollte den Geistlichen freigestellt werden. Wer den Zölibat leben will und dazu in der Lage ist, mag es tun. Wer nicht, sollte nach seine Facon selig werden. Freie Entscheidung wäre anzuraten, nicht mehr und nicht weniger.
      Zwang führt immer in die (Un-)Heimlichkeit – was zu beweisen war…
      – Gebe aber gern zu: wenn meine Sohn noch Kind wäre (er ist inzwischen selbst Vater), würde ich ihn keinem schwulen oder gar pädophilen Priester anvertrauen. Den Schutz würde ich ihm garantieren.

      • bernardo
        12.10.2019, 10:38 Uhr.

        @ Wanda: Sehe ich auch wie Sie, da der Nicht-Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie offensichtlich doch nicht so klar ist, wie es von progressiver Seite behauptet wird.

        „Einige plädieren dafür, die viri probati nur als weitere Ausnahmen einzuführen, grundsätzlich aber am Pflichtzölibat festzuhalten.“ Das scheint mir ein guter Kompromiss zu sein, aber den Betreibern der Amazonas-Synode geht es längst um Grundsätzliches: „Bischof Kräutler, der seit vielen Jahrzehnten im Amazonasgebiet lebt und wirkt, warnte beim Pressebriefing davor, den Zölibat über die Eucharistie zu stellen. Seine Erfahrung zeige, dass in der indigenen Kultur der Zölibat nicht vermittelbar sei.“

        Ach so, das ist nicht „vermittelbar“. Den Römern in der Antike war auch nicht „vermittelbar“, dass die Christen nicht dem Kaiser opferten; sie haben dennoch daran festgehalten.

        Die Frage der Inkulturation ist eine sehr schwierige, da Form und Inhalt nicht so klar getrennt werden können, wie sich manche dies wünschten. Ich habe allerdings bei Kräutler und anderen den Eindruck, sie instrumentalisieren die „Inkulturation“, um eine andere Kirche zu bekommen.

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          14.10.2019, 20:42 Uhr.

          Gibt es für den von ihnen angedeuteten „Nicht-Zusammenhang…“ belastbare Quellen?

          • bernardo
            15.10.2019, 19:57 Uhr.

            Nein, aber ich habe gelesen, die Zahl der missbrauchten Jungen sei höher als die der Mädchen, was ein Indiz sein könnte. Natürlich gäbe es dafür auch andere Erklärungen.

          • Carla Maltese
            16.10.2019, 14:28 Uhr.

            In der römisch-katholischen Kirche JA.
            Aber auch NUR DA.

            Überall sonst ist die Anzahl der missbrauchten Mädchen größer. Es werden auch weit mehr Mädchen als Jungs hierher veschleppt, wo sie als Sexsklaven im Flatrate-Puff vegetieren und ihr ganzes Leben nurnoch dadraus besteht, sich 10 Mal am Tag vergewaltigen zu lassen.

        • Carla Maltese
          16.10.2019, 17:32 Uhr.

          Noch was, @bernardo (den hätte ich fast vergessen):

          Welche „andere Kirche“?
          Das was da in der Synode berichtet wird, IST die echte reale römisch-katholische Kirche am Amazonas.

  • Carla Maltese
    10.10.2019, 14:13 Uhr.

    Weder für das Zölibat noch für den Ausschluss der Frauen von den Weiheämtern gibt es eine biblische Begründung. Ersteres kam um einen erblichen Priesterstand zu verhindern, für das zweite musste die Bibel selbst vergewaltigt werden. Z.B. Maria Magdalena zur reuhmütigen Prostituierten umgedichtet werden.
    Und wenn Frauen am Amazonas eh schon priesterliche Dienste tun, fehlt wirklich nurnoch die Weihe.
    Und die würde dann dem Priesteramt an sich auch einen Gefallen tun, da dann wieder eindeutig wäre: Das sind Sachen für die Priester zuständig sind!

    Und zur die Inkulturation von Glaube, Theologie und Liturgie:
    Der katholische Kalender richtet sich teilweise bis heute nach germanischen und römischen Festen die übernommen und eingebaut wurden. Also muss sich die ganze katholische Welt bis heute nach germanischen und römischen Bräuchen orientieren. Da ist es nur fair, wenn aus die Indigenos ENDLICH!! ihre eigene Kultur in die katholische Welt einbringen dürften. Gerade auch nachdem sie so sehr gelitten haben unter eben dieser europäischen katholischen Welt.
    Es würde ihnen auch politisch sehr helfen, wenn sie dadurch etwas sichtbarer würden. Und endlich eine Rolle spielen würden.

    Überhaupt ist es gut und sehr wichtig, daß die Indigenos so in den Fokus gerückt werden. Die Kirchen müssen für ihre Rechte eindeutig Stellung beziehen! Das sind sie ihnen schuldig!
    Der Welt geht auch sehr viel wertvolles verloren, wenn sie endgültig verschwinden.

    • neuhamsterdam
      14.10.2019, 19:29 Uhr.

      „Und wenn Frauen am Amazonas eh schon priesterliche Dienste tun, fehlt wirklich nurnoch die Weihe.“
      Richtig.

    • Wanda
      15.10.2019, 20:30 Uhr.

      Carla Maltese 10.10. 14:13
      – Scheint wohl alles und jedes irgendwie begründbar zu sein. Jedenfalls berichtet
      ein öffentlich-rechtlicher Sender heute, dass der Gegenwind „Maria 2.0“ betreffend nicht nur von Priestern und Bischöfen sondern auch von Frauen kommt, die wollen dass alles beim Alten bleibt. Und siehe da: schon gibt´s die Initiative „Maria 1.0“, deren Gründerin Johanna Stöber meint, nur die Apostel seien vom Stifter Jesus als Priester beauftragt worden und nicht die Frauen.
      Frage: ist dies nun eine (wie Sie ausdrücken) biblische Begründung oder nicht?

      • Carla Maltese
        16.10.2019, 13:06 Uhr.

        Die Damen von Maria 1.0 übersehen gleich mehrere biblische Fakten.

        1.) Zum einen hat Jesus nie im Leben das Priesteramt an die Identität der ersten 12 Apostel gebunden. Der Zusammenhang wurde von Jesus nie festgelegt. Nie hat er gesagt: „Das dürfen nur die Zwölf, sonst niemand!“
        Wenn man aber den Zusammenhang haben will, also die Priester müssen sein wie die ersten 12 Apostel, muss z.B. jeder Priesteranwärter zunächst Jude werden und nach jüdischen Gebräuchen leben.
        Und zwar nach denen von damals.

        2.) Da wäre Maria Magdalena: Die fand nicht etwa einen Zettel im Grab vor: „Sei still und hol die Jungs!“, sondern sie bekam von Jesus selbst den Auftrag, die Auferstehung zu verkünden. War also mit den Aposteln gleichrangig.
        In der traditionellen Überlieferung wurde sie aber zur reumütigen Prostituierten verfälscht, so daß man ihre Bedeutung absichtlich verschwinden ließ.

        3.) A propos: Wenn „Nachrückapostel“ Paulus als Apostel gilt, warum nicht Maria Magdalena? Paulus hat Jesus nicht vor der Auferstehung kennengelernt und hat ihn nicht zum Kreuz begleitet (die meisten Jungs auch nicht), Maria Magdalena schon! Und warum musste die von Paulus so bezeichnete Apostelin Junia in einen Junias umgedichtet werden?

        4.) Es steht noch nicht einmal definitiv fest, daß nur die Zwölf beim Abendmahl anwesend waren. Das ist im Gegenteil sogar fraglich, denn wer hätte die ganze Geschichte überliefert? Irgendwelche Zeugen die nicht die 12 Apostel selbst waren, muss es gegeben haben

        5.) Insbesondere weil auch auf dem Weg nach Emmaus zwei andere Jünger Jesus an der Art des Brotbrechens erkannt haben. Videoaufnahmen gab es noch keine, sie müssen ihn persönlich beim Brotbrechen beobachtet haben. Und was blieb wohl stärker im Gedächtnis als das Letzte Abendmahl?

        6.) Denken Sie an das Pfingstwunder an dem nochmal entschieden der Auftrag an die Jünger rausging, das Evangelium zu verkünden. Und zwar nicht nur an die Zwölf Apostel, sondern an alle die gerade da waren! Und da heißt es auch nicht daß da nur Männer waren.

        • Wanda
          17.10.2019, 0:25 Uhr.

          Caral Maltese 16.10 13:06
          – Das mit den zwölf Aposteln hat man mir damals im Religionsunterricht als des Nazareners symbolische und gewollte Referenz zu den 12 Stämmen des AT erklärt. Kann ich nur so wiedergeben…
          Und Ihre Antwort (16.10. 14:28) auf Bernardo, dass die Zahl der missbrauchten Jungen ausschliesslich in der röm.-kath. Kirche höher sei als die der Mädchen, würde man im Spanischen als „Autogol“ (Eigentor) bezeichnen. Ihre Feststellung zumindest attestiert bei den kirchlichen Missetätern einen Zusammenhang von Homosexualität und Pädophilie…

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            17.10.2019, 10:46 Uhr.

            Mehrere wissenschaftliche Studien in verschiedenen Ländern, unter anderem die MHG-Studie in Deutschland, kommen zu dem Ergebnis, dass es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt. Allerdings birgt der Umgang mit dem Thema Sexualität im Allgemeinen und der Homosexualität im Besonderen in der katholischen Kirche Gefahren, die Missbrauch begünstigen können. Das ist auch der Grund, warum die deutschen Bischöfe an den Themen Priesterausbildung und -weiterbildung sowie der Sexualmoral im Rahmen des Synodalen Wegs arbeiten möchten.

          • Carla Maltese
            18.10.2019, 7:44 Uhr.

            Den hätte ich fast vergessen, Sorry:

            Das ist ein Kapitel aus dem Reliunterricht das mir nicht mehr so geläufig ist, anscheinend haben wir es nur gestreift.
            Aber plausibel ist es. Es gab da eine Begegnung mit einer nichtjüdischen Frau, Jesus wies sie erst grob zurück, aber sie ließ nicht locker, dass er ihre Tochter heilen soll. Erst da war sich Jesus selbst bewusst dass er nicht nur ein jüdischer Reformer war, sondern für alle Menschen gekommen ist. Das heißt: Obwohl Jesus Gott als Mensch ist, war er nicht von Anfang an fertig sondern hat sich auch entwickelt, ist nach und nach gewachsen wie ein Mensch. Kompliziert, gell?

  • Carla Maltese
    11.10.2019, 8:43 Uhr.

    […]*

    Ach, a propos: Vielleicht interessiert es Novalis daß die altkatholische Bistumssynode Österreichs über die Trauung homosexueller Paare abstimmt, also die bisherige Segnung homosexueller Partnerschaften mit der normalen Eheschließung gleichzustellen?
    Die Synode findet diesen Monat statt, übrigens. Also ziemlich bald.

    […]*

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Carla Maltese
    12.10.2019, 16:51 Uhr.

    „Die einen fordern eine Stärkung des Ständigen Diakonats der Männer und eine verstärkte Berufungspastoral für das traditionelle zölibatäre Priesteramt.“
    Und wie genau stellen die sich das vor??
    Das traditionell rein männliche zölibatäre Priesteramt hat verloren.

    Aber wenn wir schon bei verschiedenen grundsätzlichen Priesterbildern sind, also was man sich unter einem Priester so vorstellt: Hauptsächlich für die Eucharistie da gegenüber „Hirten der Gemeinschaft, Lehrer eines christlichen Lebens und konkrete Gegenwart der Nähe Christi“, vielleicht gehen wir da mal zu fiktiven Priestern. Ich bin Science Fiction-Fan und Science Fiction ist immer ein Spiegel ihrer Zeit. Das mag bei anderer Fiktion vielleicht nicht viel anderst sein.
    Don Camillo kennt jeder, klar. Aber das ist wirklich ein sehr… vorkonziliares Priesterbild. Klar sind die Filme ganz lustig, aber ansonsten: Was kann Don Camillo eigentlich, außer gegen die Kommunisten schimpfen und sich ab und zu kloppen? Eigentlich nicht viel. Eigentlich ist er eine Lusche. Man sieht ihn wirklich nur im Dauerkrawall mit dem kommunistischen Bürgermeister, aber ansonsten nicht viel für seine Gemeinde tun. Er kann froh sein daß er seinen Wirkungsort im zutiefst katholischen Italien der 1950er hat, nicht z.B. am Amazonas. Da hätte er sowas von verloren… Und ich glaube auch nicht daß ihn irgendeine altkatholische Gemeinde akzeptieren würde.
    Wenn schon fiktiver Priester, dann muss ich wirklich Father Mulcahy aus der Serie (nicht dem Kinofilm!!) M*A*S*H loben. Auch diese Serie spielt vor dem 2. Vatikanum, nämlich in einem Feldlazarett im Koreakrieg. Father Muslcahy ist jedoch ein ganz anderer Typ. Er ist einfach da, für alle die ihn brauchen. Er achtet nicht auf konfessionelle Unterschiede, er macht niemandem seine familiären Umstände zum Vorwurf, für ihn zählt auch kein Parteibuch. Nebenbei hilft er einem von einer Ordensschwester geleiteten Waisenhaus.
    Don Camillo mag als der harte Kerl erscheinen, aber eigentlich ist er ein Weichei. Eine Flasche die man wirklich nur in eine fromme Kleinstadt in Italien in den 1950ern schicken kann. Aber an keine Front. Nicht in den Krieg, nicht an den Amazonas, aber auch z.B. nicht nach Castrop-Rauxel 2019.

    „Neben der Ämterfrage geht es immer wieder um eine stärkere Inkulturation bis hin zur Einführung eines eigenen Ritus für die Indigenen.“
    Es wäre nur gerecht wenn dem so käme.
    Und es würde ihnen auch politisch helfen, wenn sie in der römisch-katholischen Kirche sichtbarer würden.

    • Wanda
      15.10.2019, 15:01 Uhr.

      Carla Maltese 12.10 16:51
      – schon drollig: Science Fiction mit zu 95 % fragwürdigem Niveau, meist dürftigen zwangskonstruierten Inhalten, Monstern und Fabelwesen mit Giovannino Guareschis Büchern über „Don-Camillo“ vergleichen zu wollen. Offenbar überhaupt nicht gelesen:
      hier oft primitive Schmöker – dort immerhin Literatur…

      • Carla Maltese
        16.10.2019, 12:13 Uhr.

        Daß auf Guareschi das Label „Weltliteratur“ klebt, hilft dem dort dargestellten Priesterbild aber auch nichts.

        Genauso wie das Label „Weltliteratur“ nichts daran ändert, daß z.B. Schillers „Kannibale und Hiebe“ (Entschuldigung, ich kann den Wortwitz einfach nicht lassen) reichlich pubertär ist.

        Auch kann ich nichts dafür, daß z.B. ein Reich-Ranitzki Science Fiction stets verachtet hat, weil er sie nicht verstanden hat. Überhaupt kann ich nichts dafür, daß manche Leute eben keine Science Fiction verstehen.
        Z.B. nicht die dystopischen Visionen von „Blade Runner“.

        Es ist schon von Vorteil, wenn man unabhängig genug ist, sich über Literatur ein eigenes Urteil zu bilden, unabhängig von dem Label das draufklebt.

        Oder Fantasy: Wenn man offen genug ist und nicht Reich-Ranitzkis segen braucht was man lesen „darf“ und was nicht, kann man mit einigem Interesse z.B. den Wächter-Zyklus von Lukanienko lesen. Der uralte Kampf Gut gegen Böse ist da sehr facettenreich. Das interessanteste ist aber, daß gerade der Anführer der Lichten, also der Guten, Geser, sehr viel manipulativer ist als Sebulon, der Anführer der Dunklen. Bei letzterem weiß man stets was er will, ersterer vera…lbert seine Leute nach Strich und Faden.

        Zurück zu Don Camillo:
        Er kloppt sich immer wieder mit dem Kommunisten! Und? Was sieht man ihn sonst für seine Gemeinde tun? Wo kann man ihn sich vorstellen, außer im stramm römisch-katholischen Italien der 1950er, wo die römisch-katholische Welt noch festgefügt war?
        Ganz sicher nicht da wo es auch mal hart ist, Priester zu sein…

        • bernardo
          16.10.2019, 21:42 Uhr.

          Meine Güte, jetzt ist sogar Don Camillo ein Problem. Verständlicherweise, denn Giovannino Guareschi war ein hartgesottener Reaktionär (kein Schimpfwort), der wie sein Held um eine Auseinandersetzung nicht verlegen war und dem sogar Gefängnis drohte, weil er den christdemokratischen Ministerpräsidenten De Gasperi beleidigt hatte. „Don Camillo“ ist keine „große Literatur“ wie, sagen wir „Faust“, „Wallenstein“, „Krieg und Frieden“, „Rot und Schwarz“ oder „Die Dämonen“. Mit Terry Pratchett kann Guareschi aber locker mithalten.

          Was die Auseinandersetzungen in der „roten“ Emilia angeht, so haben Sie keine Vorstellungen davon: Das Land stand Ende der 1940er Jahre vor einem Bürgerkrieg, wie ihn das Nachbarland Griechenland erlebt hat. In einer Stadt, in der 70 bis 80 Prozent den KPI wählten, das Kreuz hochzuhalten – dazu bedurfte es eines außerordentlichen Rückgrats, wie Don Camillo es bei der Prozession zeigte, die er alleine, gegen den Willen Peppones und des Stadtrats, durchsetzte. Natürlich ist Don Camillo kein Pazifist, kein Franz von Assisi, sondern ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, zugleich aber ein Seelsorger und Priester seiner Herde. Kein Weichei, sondern ein Mann mit „cojones“, wie man in Spanien sagt. Dass sein Kirchenbild vorkonziliar ist, dürfte nicht verwundern, denn Don Camillo spielt Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre. In einem späteren Buch muss er sich mit seinem progressistischen Nachfolger arrangieren, der natürlich alles falsch macht.

          btw, Kardinal Biffi von Bologna erinnerte ein wenig an Don Camillo. Er verglich einmal das Reich Gottes mit einem Teller Ravioli. Auf so eine Idee kann nur ein Mann der Emilia kommen. 🙂

          btw2, die ehemals „rote“ Emilia hat bei den letzten Wahlen die Lega gewählt. Und die meisten Arbeiter, die früher eiserne Wähler des KPI waren, sind zu Scharen zu Salvini gewechselt.

          btw3, die andere Kirche, von der ich schrieb, ist die gefühlte Kirche des Zweiten Vatikanums, deren „Geist“ sich offensichtlich vom Buchstaben abhebt. Eine Kirche, der die Tradition nichts mehr gilt, die dafür umso mehr den modernen Dogmen „Vielfalt“, „Toleranz“, blablabla ergeben ist.

          • Wanda
            17.10.2019, 0:08 Uhr.

            Carla Maltese: 16.10. 12:13
            – beruhigen Sie sich: ich habe wesentlich mehr Jahre auf dem Buckel und auch daher wohl auch etwas mehr Erfahrungen auf dem Buckel. Und damit sie was lernen: was das angeblich total katholische Italien der 50er Jahre angeht: in Europa gab es seinerzeit zwei (grundkatholische) Länder, die jedoch gleichzeitig die grössten kommunistischen Parteien ausserhalb des Ostblocks stellten und nicht nur auf kommunaler sondern auch regionaler Ebene Erfolg hatten bzw. sogar die Regierung stellten: das waren Frankreich (erinnere an Marchais) und Italien mit ua. dem sardischen Adeligen Berlinguer an der Spitze. Nimmt man dann noch in Italien Benito Craxi von den Sozialisten dazu, hätte es in Rom durchaus eine kommunistisch-sozialistische Koalitionsregierung gegen den Paten Andreotti und Co. von der DC geben können, aber die Roten waren sich untereinander nicht grün…
            – Und @Bernardo (16.10. 21:42) hat vollkommen recht: ausgerechnet grosse Teile der traditionell „rosa/rot“ Wahlklientel findet man bei den nationalen Parteien wieder, denn seit die übrigen Parteien nach dem Zusammenbruch der UdSSR total skrupellos dem Neokapitalismus das Wort redeten (auch in DEU), suchte die untere Schicht der Arbeiternehmer orientierungslos eine neue politische Heimat. Dass gewisse Parteien das ausnutzen, ist logisch.
            Übrigens kommt eine neue Partei NIE aus eigenem Verdienst hoch sondern immer nur durch die Versäumnisse der etablierten.

          • Carla Maltese
            17.10.2019, 8:48 Uhr.

            „….zugleich aber ein Seelsorger….“
            Wo und wann?
            Auf alles einprügeln, verbal und physisch, was mit der roten Fahne mitläuft macht einen noch lange nicht zu einem Seelsorger. Eher zu einem Hooligan.

            Angesichts des, wie Sie beschreiben, drohenden Bürgerkrieges versagt er. Wie der höhere Klerus in Spanien.
            Er überbrückt keine Gräben, er schaufelt sie tiefer.
            Weil er aus einem Kirchenzeitgeist kommt und den durch und durch verinnerlicht hat, der sich nicht die Bohne für die Arbeiter und Bauern interessiert.

            Nein, Rückgrat brauchte man auch in einer „roten“ Region Italiens damals nicht viel, um ein Prozessionskreuz zu tragen. SO katholisch war Italien immernoch, daß niemand, wirklich NIEMAND gewagt hätte, einen Priester mit Prozessionskreuz anzugreifen.
            Rückgrat braucht man dazu eher z.B. in Castrop-Rauxel im Jahr 2019, wo sich die Ministranten nicht mehr trauen, als aktive Christen öffentlich erkannt zu werden.
            Aber da kann ich mir einen Don Camillo nicht vorstellen, denn da ist es wirklich härter, Priester zu sein als in einer festgefügten römisch-katholischen Welt.

            Und:
            Guareschi kann Pratchett das Wasser reichen?
            😀 😀 😀 Oh Mann…
            Pratchett hat auf unnachahmliche Weise die reale Welt in eine Fantasywelt transformiert. Ohne jeden langweiligen pathetischen Kram der sich z.B. bei Tolkien endlos wiederholt. Seine Charaktere sind lebendig und facettenreich, seine Helden sind meistens versehentliche Helden, statt mit potthässlichen Orkhorden die jedes Klischee des bösen erfüllen (sie sind hässlich, sie grunzen, sie stinken, sie sind abgrundtief böse und können nur Beleidigungen aussprechen) kommt Pratchett mit sehr wenigen wirklich bösen Charakteren aus und erzeugt damit doch sehr viel Spannung.
            Auch Pratchetts Länder sind sehr lebendig. Die überfüllte dreckige Millionenstadt Ankh-Morpork kann man sich genauso vorstellen wie das einsame Kreideland. Oder das Land Klatsch aus „Fliegende Fetzen“: Klatsch ist Arabien. Ohne jeden Zweifel. Allerdings ein Arabien noch vor Mohammed, als dort sehr viele sehr unterschiedliche Götter angebetet wurden.
            Pratchett musste auch nicht alles endlos wiederholen, oft ließ er es sogar ganz bleiben, die Dinge beim Namen zu nennen, was sie nur noch deutlicher machte. Z.B. als ein in die Zeit zurückgereister Samuel Mumm die Folterkammer der Sondergruppe Ankertaugasse in „Wachen, Wachen!“ entdeckt. Oder daß Karotte der rechtmäßige Thronfolger von Ankh-Morpork ist. Im Gegensatz zu Aragorn „Sehen meine Vorfahren!“ braucht er keine riesengroßen Denkmäler die da in der Gegend stehen dafür. Ein paar Andeutungen wie „Die Vergangenheit nickte, lächelte und schritt in die Zukunft.“ reichen.

            Oder nehmen wir eine schöne Szene aus einem der Nicht-Scheibenwelt-Bücher, „Eine Insel“: Eine Handvoll sehr unterschiedliche Personen überleben einen Tsunami, ein europäisches Schiff strandet mit einem Mädchen als einziger Überlebender. Das Mädchen malt dem einzigen überlebenden einheimischen Jungen ein Bild, daß er mittags zum Schiff kommen soll. Er versteht zwar nicht ganz warum sie das will, aber er macht was sie seiner Meinung nach wohl will: Er kommt mittags und schleudert einen Speer auf das Schiff.
            Weder ein Guareschi noch ein Tolkien hätten sich das ausdenken können.

          • bernardo
            17.10.2019, 8:48 Uhr.

            Vielleicht noch ein Zusatz zu Don Camillo mit einer Bemerkung über die heutige Situation in der Kirche: Natürlich bekämpft Don Camillo Peppone; er verprügelt ihn sogar ein paar Mal. Aber die Kämpfe der beiden haben viel von Rüdenkämpfen: Viel Gehabe, viel Show, wenig Ernst. In Wirklichkeit sind sie einander zugetan, ist der eine um das Wohl des anderen besorgt, wählt Don Camillo einmal sogar Peppone und – horribile dictu – dessen gottlosen KPI, als er glaubt, dieser würde zu wenige Stimmen bekommen. Aber die Ideologie sitzt bei Peppone nicht tief: Als er eine „internationalistische“ Rede hält und Don Camillo eine Platte mit einem Militärmarsch auflegt, wandelt sich der internationalistische Peppone in den feurigen Patrioten Giuseppe Bottazzi, der – natürlich mit dem Applaus Don Camillos – verspricht die Invasoren in Ost und West von der „heiligen Erde Italiens“ zu vertreiben.

            Diese Wertschätzung ist bei den Gegnern in der Kirche in der Regel nicht mehr gegeben – ich merke es an mir selbst. Die Auseinandersetzung zwischen den Lagern ist durch Ekel, Abneigung (bei mir), Verachtung und sogar Hass (nicht bei mir) geprägt. Eigentlich traurig…

          • Carla Maltese
            17.10.2019, 23:33 Uhr.

            @bernardo:
            Es dreht sich bei Don Camillo eben alles um seinen Endloskrach mit dem Bürgermeister. Ob die beiden sich nun mögen oder nicht: Man sieht Don Camillo wenig für seine Gemeinde tun.

            Als Gegenentwurf erwähnte ich einen anderen fiktiven Priester, nämlich Father Mulcahy.

  • galileo2011
    13.10.2019, 9:35 Uhr.

    Ob ein Priester zölibatär leben möchte oder nicht, sollte ihm selbst überlassen werden. Ein diesbezüglicher Zwang greift in die Selbstbestimmung des Menschen ein.
    Welch großen Schaden der Zölibatszwang schon angerichtet hat wissen diejenigen, die darunter leiden mußten.

    Im Übrigen ist der Zölibat NIE von Jesus Christus verlangt worden sondern lediglich von der Kirche, um vererbbares Vermögen von Geistlichen an die Kirche binden zu können – also aus reinem Eigennutz.

  • Carla Maltese
    13.10.2019, 17:37 Uhr.

    Darüber hinaus ist es wirklich dringend und sehr zu begrüßen, daß sich die Kirchen, auch die römisch-katholische, für das Thema Klimawandel interessieren.

    Wie heute in den Nachrichten zu hören ist, wird unsere Bundesregierung, immerhin die Regierung eines der Länder mit dem höchsten CO2-Ausstoß, absolut GARNICHTS tun, sollte AKK Kanzlerin werden.

    Die AKK schwafelt was vor sich hin von wegen „Technologie ist beim Klimawandel viel Wirkungsvoller!“
    D.h. sie gedenkt, sollte sie Kanzlerin werden, genau NICHTS zu tun, absolut GARNICHTS, und darauf zu warten daß wir Ingenieure vielleicht mal irgendwas erfinden was die ganzen Probleme einfach wegzaubert!

    Ja, so wie bei den Autos: Zwar sind die Motoren heutzutage echt viel effizienter als noch in den 1980ern, aber der ganze Fortschritt wird dadurch zunichte gemacht daß jeder heute unbedingt eine rollende Schrankwand fahren will. Was damals noch ein dicker Benz war, ist heute schon fast ein süßes kleines Autochen. Der Verbrauch hat sich also nicht verringert.

    Wie soll ein Ingenieurbüro mal eben schnell alle Probleme weghexen?
    Auch unser Chef muss unsere Gehälter bezahlen. Ich bin gerade krank, hoffentlich nur bis übermorgen, ich hoffe nicht daß das ins Elfmeterschießen geht, meinen Lohn muss er aber weiterbezahlen. Er muss Strom, Steuer, Softwarelizensen usw. bezahlen.

    Und was wir planen, wenn das draußen gebaut wird, kostet das auch! Schweißer, Schlosser, Maler für den Antikorrosionsanstrich, Elektriker usw. usf. müssen bezahlt werden, Pumpen, Wärmetauscher usw. müssen von Fremdfirmen gekauft werden ect. ect ect.

    Aber wir sollen mal eben den ganzen Klimawandel einfach so weghexen. Ja KLAR. AKK will nix machen, ist alles nur „Hysterie“.

    • Wanda
      15.10.2019, 15:07 Uhr.

      Sind wir jetzt bei der Umweltpolitik der DEU Regierung und der allzu oft nicht gerade umweltfreundlichen Rolle der Ingenieure angelangt ?
      Bleiben Sie beim Thema !

      • Carla Maltese
        16.10.2019, 11:40 Uhr.

        Das Thema ist, daß eben auch die Kirchen Druck machen müssen, wenn die Regierungen versagen.
        Und letzteres wird bei der DEU Regirung passieren, wenn AKK Kanzlerin wird, denn sie hat ja angekündigt, genau garnichts machen zu wollen und auf die Ingenieure warten zu wollen. Daß wir irgendwas erfinden.

        Aber ein Ingenieurbüro lebt ja auch nicht von Photosynthese. Die Firmen die in unserem Auftrag Anlagen bauen auch nicht. Die Gesellschaft muss entschieden wünschen daß wir umweltfreundliche Technik machen und das auch bezahlen.

        Und nicht wie es beim Auto gelaufen ist: Die Motoren wurden effizienter: „Oh, super, dann wollen wir alle SUVs fahren und die Mittelklasseautos sollen auch viel größer werden!“

        […]*

        *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Wanda
    17.10.2019, 17:37 Uhr.

    Carla Maltese 16.10. 12:13 und 17.10. 8:48
    – Reich-Ranitzki war schon Einer. Clever wie er war hat Science Fiction nur deshalb verachtet weil er nicht zugeben wollte, dass er dieses Genre nicht verstand.
    Übrigens muss ich Pratchetts unnachahmliche und zudem so fantasievolle Weise anerkennen – z.B. die Stadt Ankh-Morpork: Ankh = altaegyptisches Wort/Symbol für das Weiterleben und aus seiner engl. Sprache Mor(more) und pork (Schweinefleisch), oder ? Ergibt übertragen den sinnigen Namen „Ewig(es) Schweinefleisch“ für eine Science Fiction Stadt. Darauf muss man erst einmal kommen. Grosse Literatur: bin beeindruckt!
    Bernardo 17.10.08:48:
    – Sie haben vollkommen recht: ein französischer oder italienischer Kommunist bzw. Linker würde empört zurückweisen kein Patriot zu sein und wer das behauptet, liefe Gefahr sich eine einzufangen.

    • Carla Maltese
      17.10.2019, 23:26 Uhr.

      Ehrlich gesagt sind Pratchetts Scheibenwelt-Romane Fantasy, nicht Science Fiction. Aber das macht sie nicht weniger gut!

      Pratchett hat tatsächlich gemeinsam mit einem Co-Autor in seinen letzten Jahren auch Science Fiction geschrieben, nämlich die Lange-Erde-Reihe.

      Interessant ist auch der Name des Herrschers von Ankh-Morpork: Lord Vetinari, also Lord Tierarzt. Natürlich als Anspielung auf die Medici. Vetinari ist auch noch offiziell ausgebildeter Auftragskiller. Und doch der beste Herrscher den die Stadt je hatte, wenn auch so beliebt wie der Tierarzt bei Hund und Katze zu sein pflegt.

      Das Konzept seiner Hexen und Zauberer ist auch bemerkenswert:
      In seinem dritten Scheibenwelt-Roman ließ er ein Mädchen gegen die Gepflogenheiten Zauberer werden, d.h. mit Mühe erreichte sie es, als Studentin an der Unsichtbare Universität, wo die Zauberer ausgebildet werden, aufgenommen zu werden. In diese Richtung stieß Pratchett später nicht mehr vor, stattdessen trennte er die männlichen Zauberer und weiblichen Hexen strikt: Während die männlichen Zauberer aufgeblasen, faul, selbstgerecht und pathetisch sind, und von Ponder Stibbons, dem Erfinder von HEX, dem ersten Computer der Scheibenwelt (Anthill Inside, Anspielung auf Intel Inside) einmal abgesehen selten zu irgendetwas nützlich, sind die Hexen hart arbeitende Frauen die ihren Mitbürgern helfen wo sie können und selten eine Arbeit scheuen. Ob es das Kurieren eines kranken Schweines ist oder einem alten Mann die Fußnägel schneiden weil er es nicht mehr selbst kann: Pratchetts Hexen sind sich für keine schwere Arbeit zu schade, haben aber dennoch ihren Stolz und strahlen enorme Würde aus, während die Zauberer in der Unsichtbaren Universität eher peinlich wirken.

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