Papst in Rumänien – Tag 2

Den zweiten Tag seines Besuchs in Rumänien hat Franziskus genutzt, um gegen nationalistische Tendenzen und für „gelebte Brüderlichkeit“ unter den verschiedenen Traditionen und Kulturen im Land zu werben. Bei einem Gottesdienst am Heiligtum von Sumuleu-Ciuc in den Ostkarpaten mahnte er, „keine Furcht davor zu haben, uns zu vermischen, einander zu begegnen und zu helfen“. Am Nachmittag rief er bei einer Begegnung mit Jugendlichen und Familien nochmals zum Miteinander der Generationen und Volksgruppen auf. Das „Schlimmste“ sei, wenn Menschen keine Wege mehr zueinander fänden und „wenn wir mehr Schützengräben als Straßen sehen“, mahnte Franziskus. „Wir gehören einander, und das persönliche Glück kommt daher, dass man die anderen glücklich macht. Alles Übrige sind Märchen.“

Papst Franziskus wird in Iasi begeistert empfangen. (Quelle: reuters)

Brückenbauer zwischen Kulturen und Traditionen

Das Marienheiligtum von Sumuleu-Ciuc liegt in einer Region, in der die ethnischen Ungarn dominieren. Sie sind die größte Minderheit in Rumänien. In den letzten Jahren gibt es eine Tendenz, den Wallfahrtsort zu nutzen, um einen ungarischen Nationalismus gegenüber Rumänien zu demonstrieren. Die Regierung in Bukarest sieht das mit Sorge. Umso eindringlicher der Appell des Papstes heute in seiner kurzen Predigt, dass der Wallfahrtsort „zugleich die rumänische wie die ungarische Tradition“ ehre. Das Volk Gottes sei „ein Volk“, „dessen Reichtum seine tausend Gesichter, tausend Kulturen, Sprachen und Traditionen sind“, erinnerte der Papst die Gläubigen.

Er mahnte, man solle sich die „gelebte Brüderlichkeit“ nicht „durch das Gerede und die Verwundungen, die Spaltung und Zersplitterung hervorrufen“, rauben lassen. „Die verwickelten und traurigen Geschichten der Vergangenheit“ sollten nicht vergessen oder geleugnet werden, erklärte Franziskus, „aber sie dürfen auch kein Hindernis oder Argument dafür sein, das ersehnte brüderliche Zusammenleben zu verhindern“. Vielmehr sollten die Gläubigen der verschiedenen Traditionen und Kulturen zu einer „solidarischen Karawane“ werden, „die Geschichte schreibt“.

Zum Abschluss noch ein politischer Akzent

Als Brückenbauer zwischen den Kulturen und Generationen war Franziskus dann auch bei der Begegnung mit Jugendlichen und Familien in Iasi unterwegs. Es sei schwierig voranzugehen, gab der Pontifex zu. Doch die Erfahrung von Pfingsten sei, dass der Heilige Geist die verschiedenen Traditionen und Kulturen zusammenrufe und dabei helfe zu entdecken, „wie schön es ist, zusammen zu sein und einander begegnen zu können, um gemeinsam voranzugehen – jeder mit seiner Sprache und Tradition“. Franziskus möchte mit seiner Reise innerkatholische und innerchristliche Spannungen abbauen. Zugleich mahnt er alle Rumänen zu mehr Solidarität untereinander. Zum Abschluss seiner Reise wird er am Sonntagnachmittag noch mit Vertretern der oft diskriminierten Roma zusammentreffen. Damit setzt er dann auch noch einmal einen klaren politischen Akzent.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

25 Kommentare

  • Novalis
    01.06.2019, 23:45 Uhr.

    „Wir gehören einander, und das persönliche Glück kommt daher, dass man die anderen glücklich macht. Alles Übrige sind Märchen.“
    Die Wahrheit mit einfachen Worten zu sagen, ist wohl tatsächlich nur tief spirituellen Menschen vorbehalten.

    • bernardo
      03.06.2019, 12:52 Uhr.

      Die Wahrheit mit einfachen Worten zu sagen, ist im Prinzip gut. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht, wie Merkel es in Harvard getan hat, eine Rede, von der die ihr durchaus wohlgesonnene FAZ schrieb, „deren intellektuelles Niveau man nur niederschmetternd nennen kann“. Dieser Papst muss, anders als seine beiden Vorgänger, besonders darauf achten.

  • Carla Maltese
    02.06.2019, 1:52 Uhr.

    Es ist schon sehr wichtig, sich gegen die aktuellen nationalistischen Tendenzen in Osteuropa zu stemmen.
    Nicht nur die direkten Folgen der nationalen Egoismen sind schlimm, auch die Tatsache dass sie die Lösung so vieler Probleme die wir haben verhindern.
    Solange wir schön mit Hass und Angst vor ethnischen Minderheiten oder Nachbarländern abgelenkt sind, kümmern wir uns nicht um Dinge wie Korruption, Umweltverschmutzung, wachsende Armut trotz gigantischer Konzern gewinne ect.
    Krieg und Jagd auf Minderheiten sind die Patentrezepte der Diktatoren, denn wenn das Volk schön abgelenkt ist mit Hass auf den Nachbarn oder irgendeine Minderheit muckt es nicht auf.

    Franziskus macht es wie meistens gut.

    Und er reißt nie für ein unwichtiges Pflichtprogramm, wenn er irgendwo hinreist hat er einen Grund dafür.

    Aber mehr fällt mir nicht ein.
    Ich weiß nicht, ich bin leergebrannt.
    Ich mag weder so wirklich den Artikel lesen, ich habe ihn nur überflogen, noch möchte ich irgendwas größeres dazu schreiben.

    Es hat doch alles keinen Sinn mehr…

    Herr Erbacher hat mir keinen Grund genannt, warum ich mich hier beteilige.
    Ich folgere daraus dass es tatsächlich komplett sinnlos ist.

    Ich versuche noch mich mit meiner naturwissenschaftlichen Bildung beim auf gekommenen Thema Klimawandel zu beteiligen, dann mache ich hier endgültig Schluss, glaube ich.

    • Novalis
      03.06.2019, 11:34 Uhr.

      Ich würde begrüßen, wenn Sie weiter hier bleiben.

      • bernardo
        03.06.2019, 21:58 Uhr.

        Ich trotz aller Meinungsunterschiede auch. Aber Sie sollten nicht so empfindlich sein. Herr Erbacher hat das Recht, Dinge nicht zu veröffentlichen, wenn sie zu weit von dem ursprünglichen Thema entfernt sind.

        • Carla Maltese
          06.06.2019, 0:20 Uhr.

          Sie brauchen sich nicht zu beschweren, Sie und Silvia waren immer die Lieblingskinder der Redaktion, schon als noch beide da waren!

          Es geht mir nicht darum daß mal was zensiert wird. Wer viel schreibt muss damit rechnen daß viel zensiert wird.

          Es geht mir darum daß ich für die Redaktion immer vollkommen überflüssig war.
          Sie und Silvia sind hier die Lieblinge der Redaktion, auch als noch beide da waren wurden Sie von der Redaktion sehr gemocht und durfften alles, selbst den Blog mit endlos langer Islamdebatte ersäufen.
          Ich dagegen kann morgen vom Bus überfahren werden, es ist egal hier.
          Und das wo ich selbst auch erhebliche persönliche Opfer gebracht habe um hier regelmäßig mitzuschreiben.

          Mein Wille mich zu bessern, auch meinen beschissenen ersten Beiträgen hier zu lernen, immer wieder die Versuche, auch mal über das Thema des Artikels zu diskutieren wenn wiedermal alles nurnoch Islamdebatte war, die verzweifelten Versuche, die Familiensynode etwas vollständiger und breiter zu sehen, obwohl Silvia hier kein anderes Thema erlaubte als: Was hat Franziskus wegen den wiederverheirateten Geschiedenen angeordnet?, alles was ich an Energie hier reingesteckt habe, ist für die Redaktion nichts wert. War für beide nie etwas wert.

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            06.06.2019, 8:50 Uhr.

            Die Redaktion behandelt alle Schreibenden hier gleich. An vielen Stellen ist es eine Abwägungssache, ob Kommentare freigeschaltet, editiert oder gelöscht werden. Das wird in der Redaktion diskutiert. Da es in vielen Kommentaren der Schreibenden nicht um die Sache geht, sondern um Wertungen über Mitschreibende, polemische Angriffe und Unterstellungen, ist die Beurteilung nicht immmer einfach.

          • Novalis
            06.06.2019, 9:09 Uhr.

            @Herr Erbacher, nein, da muss ich widersprechen. Es hat hier schon den Anschein, dass rechte Kreise hofiert und reformorientierte und fortschrittliche Leute zensiert werden. Ich kann @Carla Malteses Eindruck leider nur bestätigen. Soviel Kritik muss erlaubt sein.

          • bernardo
            06.06.2019, 10:24 Uhr.

            Nein, CM. Ich habe nicht den Eindruck, dass es hier „Lieblingskinder“ gibt. Außerdem macht Herr Erbacher meiner Ansicht nach einen „guten Job“ in seiner Berichterstattung. Ich wünschte mir, es gäbe im ÖRR mehr Journalisten, die mit ähnlicher Qualität berichten würden.

          • Carla Maltese
            06.06.2019, 22:27 Uhr.

            Mir hätten Sie es wohl kaum durchgehen lassen, den gesamten Blog so dermaßen in einem einzigen Thema zu ersäufen. Für so manches was sich andere hier erlaubt haben, hätten Sie mich sowas von gesperrt, und zwar für immer.

          • Carla Maltese
            09.06.2019, 20:10 Uhr.

            @bernardo:
            Doch, die Redaktion hat Sie und Silvia immer sehr geliebt!
            Und ich frage mich warum…

    • Wanda
      03.06.2019, 23:08 Uhr.

      Carla Maltese 02.05. 01:52
      – Irgendwie drollig: den Grund und das Motiv sich hier zu beteiligen liegt doch wohl bei Ihnen selbst, oder ? Also müssten Sie sich fragen und nicht Herrn Erbacher.
      Wäre so, als ob die Teilnehmer an den Diskussions-Foren beispielweise der WELT, FAZ, SPIEGEL etc. erst um einen triftigen Grund nachfragen, warum sie sich überhaupt beteiligen sollten. Man stelle sich die unzähligen täglichen Zuschriften dieser überregionalen Medien vor, wo sich jeder Blogteilnehmer persönlich vom Autor des Artikel bestätigt sehen will. Absurd !

      • Carla Maltese
        06.06.2019, 0:07 Uhr.

        Ach, ich bin einfach zu müde aktuell, um mal aufzuzählen was Sie sich hier schon an wirklich beschissenem Verhalten geleistet haben.

        Der Grund hier mitzuschreiben liegt bei mir selbst??
        Nein, weit davon entfernt!!

        Ich habe auf der Arbeit genug am Hals, das Projekt steckt zwischen zwei katastrophalen Misthaufen fest, wir in unserem Büro sind die die am wenigsten dafür können, dann bin ich noch 3 Stunden bei einer meiner 3 ehrenamtlichen Tätigkeiten, dann helfe ich meiner Mutter in ihrem Garten, weil es gerade Juni ist und deswegen nach 21 Uhr noch Tageslicht. Morgen muss ich wieder früh los. Ganz ehrlich?? Ich setze mich hier schon sehr lange nicht mehr hin und schreibe irgendwas, weil es Spaß machen würde!

        Und Franziskus…
        Der ist super. Dafür daß ich noch im Februar 2013 von einem Papst nichts mehr erwartet habe, hat er schon unglaublich viel getan.
        Aber erstens fehlt noch eine Menge damit irgendwelche Reformimpulse in der römisch-katholischen Kirche durchzünden, und das liegt nicht an ihm selber, sondern viel tiefer in dieser Kirche drin. Ein Papst allein kann niemals eine Kirchenreform machen.
        Zweitens wäre es echt seltsam, wenn man nach 5 Jahren noch total fixiert auf Franziskus ist. So gut er auch ist, das Leben und die Kirche besteht aus sehr viel mehr. Also wer jetzt noch nur Franziskus im Kopf hat, wie ganz am Anfang wo er neu im Amt war, hat eher ein psychisches Problem.

        Wozu setzt man sich hier spät noch hin und versucht mühsam noch irgendwas zu schreiben, müde und genervt?
        Ganz sicher nicht um über Franziskus zu reden.

        Was nicht die Hoffnung ist, hier etwas bewegen zu können, ein bischen mithelfen zu können bei der Kirchenreform, das ist eigentlich nurnoch ein einziger Grund, nämlich Sympathie für die Redaktion.
        Weil man die Redaktion trotz allem immer sehr gemocht hat.

        Und ich habe diesen Blog NIEMALS missbraucht um ihn zur Hassplattform zu machen, gegen Muslime, gegen Menschen aus Entwicklungsländern, ich habe ihn NIEMALS missbraucht um bei Mitschreibern denen es gerade nicht so gut geht die Wunden Punkte zu suchen und dann richtig zuzutreten, richtig das Messer dreimal in der Wunde herumzudrehen. Das alles ist mehr Ihr Stil.
        Wenn ich gemein und verletzend war, dann weil ich selbst hier auch genug abbekommen habe.

        Ich habe niemals nur meinen persönlichen Hass ausgebreitet und Herrn Erbachers Artikel, bzw. die Artikel der Redakteurin die jetzt leider nicht mehr da ist, aber wo ich mich auch immer gefreut habe wenn die was geschrieben hat, da es, ohne Herrn Erbacher irgendwo abwerten zu wollen, mal eine Abwechslung war, komplett ignoriert.
        Ich habe immer den Artikel gelesen und auch wenn ich das Thema manchmal verlassen habe, habe ich jedesmal auch was zum Arzikel geschrieben.

        Für all das möchte man nur einmal eine Bestätigung haben daß das alles hier etwas wert war.
        Die endlosen Stunden in denen man sich z.B. mehr um sich selbst hätte kümmern können.

        Komisch, von einer sehr kleinen Redaktion mit weit mehr regelmäßigen Diskussionsteilnehmern, nicht wie Herrn Erbacher dem hunderte Leute unterstehen, habe ich sogar zweimal eine solche Bestätigung bekommen!

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          06.06.2019, 8:45 Uhr.

          In der Redaktion Kirche und Leben katholisch arbeiten ca. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Sendungen von 37Grad über die Magazine „sonntags“ und „Menschen – das Magazin“, die Übertragungen der katholischen und orthodoxen Gottesdienste sowie zahlreiche Sonderprojekte an Feiertagen und in der aktuellen Berichterstattung betreuen – nicht „hunderte“. Zudem können wir immer nur wieder betonen, dass jeder und jede hier willkommen ist, der sich an die Netiquette hält.

          • Carla Maltese
            06.06.2019, 22:23 Uhr.

            „Zudem können wir immer nur wieder betonen, dass jeder und jede hier willkommen ist, der sich an die Netiquette hält.“
            Dieser Satz ist allerdings nicht sehr hilfreich.
            Er drückt lediglich eine Duldung aus. Keine Wertschätzung in irgendeiner Form.
            Er liefert mir keinen Grund, mich weiter hier zu beteiligen. Er sagt mir nicht, daß meine Bewiträge für Sie irgendeinen Wert hätten.

            Es gibt einen wesentlichen Unterschied, ob man geduldet ist oder erwünscht.

            Um Ihnen den Unterschied zu demonstrieren:
            Ich bin seit 16 Jahren mit beruflich bedingten Unterbrechungen (zwei lange Auslandsaufenthalte) beim THW. Im Schrank ist eine Spange die man fast immer bekommt wenn man 10 Jahre aktiv im THW war. Okay. Vor ein paar Wochen erhielt ich aber eine andere Auszeichnung. Es war keine hohe. Aber eine besondere. Es war keine die mit Dienstjahren oder Rang kommt. Es war eine bei der tatsächlich ich gemeint war.
            Und jetzt überlegen Sie mal, welche Auszeichnung mir gerade hilft, der zugegebenermaßen vorhandenen Versuchung zu widerstehen, nochmal einen Job mit 100% Baustelleneinsatz im Ausland anzunehmen… Ein entsprechendes Angebot liegt praktisch vor!

  • Silberdistel
    03.06.2019, 11:31 Uhr.

    „nationalistische Tendenzen“ im Ernst?
    Sollte wirklich bereits als schlimmer Nationalist gelten, mit dahinter selbstverständlich geschwungener Nazikeule, wer ganz einfach nur eigene Interessen formuliert und es auch noch wagt diese gegen den westlich geprägten mainstream einer neuen „one world“, zu vertreten?
    „one world“, einer allerdings maßgeblich vom Westen diktierten Welt, die z.B. Arbeitnehmer global gegeneinander ausspielt, zudem über ein geschicktes internationales Finanzsystem zunehmend enteignet. In der primär die Interessen des Großkapitals vertreten werden, deren wenige Profiteure sich eh schon das Vermögen fast der ganzen Menschheit angeeignet haben. Zurück bleiben immer mehr Arbeitsplätze auf Sklavenstatus, immer mehr abgehängte Arbeitslose, Praktikantenstatus, Zeitarbeitsverträge, sowie eine Altersabsicherung, die keine Absicherung ist und das sogar in den angeblich reichen Ländern des Westens.
    Also dank neuer „one world“ global alle in den Lebensverhältnissen auf gleichem, allerdings niedrigem Niveau. Mit der Befindlichkeit versehen, angeblich Brüder und Schwestern, oder zumindest Gleiche unter Gleichen, zu sein. Selbstverständlich auch mit gleicher Meinung! Wie zu herrlichsten Zeiten des Kommunismus. Im Osten hat man aus hinlänglich bekannten historischen Gründen dafür eben mehr Gespür als im Westen.

    • bernardo
      03.06.2019, 21:55 Uhr.

      Lieber Silberdistel,

      ich bin zwar nicht immer Ihrer Meinung, aber die Nazikeule brauchen Sie sich nicht gefallen zu lassen – nicht von Leuten, die Diversität schätzen, außer der Meinungsdiversität.

      In diesem Fall haben Sie ganz Recht, und Franziskus befördert, ob gewollt oder ungewollt, die Agenda der Davos-Partei. Ich vermute mal, eher ungewollt, denn der Papst ist, um es zurückhaltend zu formulieren, nicht der größte Denker. Er ist auch, anders als die Leute, die ihn benutzen, kein Radikaler, sondern ein Populist. Zügelloser Kapitalverkehr, das Schleifen der Wohlfahrtsstaaten – die UN propagiert für unsere westlichen Länder ein Renteneintrittsalter von 75 Jahren (!!!) -, eine grenzenlose Welt der Konzerne, die Staaten für rechtstaatliche Maßnahmen verklagen können und zügelloser Personenverkehr, mit dem der Mindestlohn ausgehebelt werden kann und die die ohnehin labilen Sozialstaaten zum Kollaps bringen, stehen auf der Agenda dieser Davos-Partei. Hinzu kommt die Schleifung der Demokratie durch Verlagerung der Kompetenzen auf internationale Organisationen, die jeglicher demokratischen Grundlage entbehren, das Propagieren von menschenfeindlichen Theorien, der Religion, Ethnie, Nation und Nationalstaatlichkeit sowie Geschlechtlichkeit „dekonstruiert“ werden; der wurzellose Mensch ist kein freierer, auch wenn er sich zwischen 60, 600 oder 6000 Geschlechtern entscheiden kann, sondern ein leichter zu versklavender, weil erst die Wurzeln dem Menschen Freiheit „für“ etwas geben – und nicht nur Freiheit „von“ etwas.

      Noch etwas zum Klimawandel: Der menschengemachte Klimawandel wird der Hebel sein, um die „good governance“ der Davos-Agenda richtig in die Tat umzusetzen. Natürlich unter dem Applaus der üblichen Verdächtigen…

    • Silvia
      03.06.2019, 22:30 Uhr.

      Silberdistel
      03.06.2019, 11:31 Uhr.

      Ich habe schon lange den Eindruck, dass Franziskus erst dann richtig zufrieden ist, wenn die ganze Menschheit in Slums haust.Natürlich abgesehen vom höheren Klerus.

      Denn was ist denn die „arme Kirche für die Armen“ sonst? Als Sozialarbeiterin habe ich schon sehr früh in meinem Studium gelernt, dass eine effektive Hilfe nicht in Almosen besteht sondern in Hilfe zur Selbsthilfe.

      Das heißt nicht, dass man in einem akuten Notfall nicht zuerst materielle Hilfe gewährt, aber danach muss man Angebote machen, die dem/den Hilfeempfängern wieder zu einem selbständigen Leben verhelfen.

      Ich verstehe unter einem menschenwürdigen Leben, dass Bildung für Alle zugänglich sein muss, unabhängig vom Einkommen der Eltern und dass jeder Mensch eine Arbeit hat, von der er leben und gegebenenfalls auch eine Familie ernähren und seine Miete bezahlen kann.

      Eine reiche Kirche wie die unsere kann dazu viel beitragen und tut es auch, wenn vielleicht auch nicht in Lateinamerika, aber wenn die Kirche arm wäre, könnte sie niemandem mehr helfen. Und wem wäre damit gedient, wenn alle Menschen gleich bettelarm wären? Gott vielleicht? Ganz sicher nicht.

      • Carla Maltese
        05.06.2019, 23:36 Uhr.

        Die gute Frage ist:
        Warum sind auf einem reichen Planeten einige wenige unverschämt reich und sehr sehr viele bitterarm? Und kann man das als Christ so stehenlassen? Kann man es als Christ „normal“ finden daß hier Essen vernichtet wird und dort Kinder verhungern?

        Unser Wirtschaftssystem beruht in weiten Teilen auf Annahmen die selbst Fünftklässler als Kokolores entlarven können. Ewiges Wirtschaftswachtum, seligmachender Aktienmarkt, Trickle-Down-Economy…

        Nüchtern gesehen verschwendet die Armut sogar geistiges Potential.
        Man hat IQ-Tests mit Zuckerrohrbauern die einmal im Jahr ernten und dann vergleichsweise viel Geld und keine Sorgen haben und kurz vor der nächsten Ernte praktisch nichts mehr haben gemacht. Der Unterschied betrug bei den selben Personen 14 Punkte.
        Extreme Armut engt den Fokus ein, die Leute müssen sich auf das blanke Überleben konzentrieren.

        Was ich genauso sehe wie Sie ist, daß Hilfe zur Selbsthilfe am sinnvollsten ist. Ingenieure ohne Grenzen e.V., wo ich auch aktiv bin, fängt erst garkein Projekt an wenn es nicht nachhaltig ist, also wenn die Einheimischen das Projekt nicht nach einer Weile selbst tragen können und nicht wirklich davon profitieren. Es war für mich nach mehr als 10 Jahren THW auch psychisch fordernd, mich da reinzufinden: Die Projekte laufen „etwas“ länger statt daß man wie beim THW mit voller Ausrüstung anmarschiert kommt und loslegt und fordern viel Geduld und Feinfühligkeit, bis man auf einen Nenner kommt, was man macht und wie.

        • Novalis
          06.06.2019, 9:07 Uhr.

          „Warum sind auf einem reichen Planeten einige wenige unverschämt reich und sehr sehr viele bitterarm?“ Das sind natürlich die Unterschiede, die manche als der Gleichheit (gegen Sinn und Wortlaut der frohen Botschaft) nicht entgegenstehend betrachten, weil es für diese Leute noch Wichtigeres als die Gleichheit der Menschen gibt: Die Unversehrtheit des persönliches Privatbesitzes. Aber wissen, was an dieser irdischen Existenz super ist? Alle, ausnahmslos alle sind sterblich – und das letzte Hemd hat keine Taschen!

          • Silvia
            10.06.2019, 14:26 Uhr.

            Novalis
            06.06.2019, 9:07 Uhr.

            Wie uns die Vergangenheit bewiesen hat, war der Kommunismus auch nicht der richtige Weg in ein irdisches Paradies für alle.

            Wir hatten Verwandte in der ehemaligen DDR, denen meine Eltern bis weit in die 1960er Jahre hinein Lebensmittelpakete geschickt haben, und mit Ausnahme von Kaffee waren das alles Grundnahrungsmittel, keine Luxusgüter.

            Dh., die einfache Bevölkerung war gleichermaßen arm, während die Politbonzen keinen Mangel gelitten haben.

            Armut für Alle (außer der Führungsschicht), so sah die viel gepriesene Gleichheit der Menschen im Kommunismus aus.

    • Carla Maltese
      03.06.2019, 23:57 Uhr.

      Ich teile Ihre Kritik an DIESER Art der Globalisierung. Hier sind wir einer Meinung.

      Ich denke aber auch das Franziskus der letzte sein dürfte, der diese Art der Globalisierung gutheißen würde. Wir kennen alle seine Kapitalismuskritik.

      Andererseits sind es aber auch diese weltweiten globalen Probleme die zeigen daß die Mentalität des nationalen Egoismusses zu nichts gutem führt.
      Aktuell haben wir wieder so eine Situation: Wer zieht wen über den Tisch, wir die Chinesen oder die Chinesen uns? Jetzt sind wir mal in der anderen Situation, momentan kaufen die Chinesen das technische Knowhow von halb Europa auf!

      Wir bekommen die Umweltprobleme, die Überfischung und Vermüllung der Weltmeere, andere Probleme wie Korruption, Mafia, Menschenhandel, Steuervermeidung von Superreichen, den Kapitalismus mit allen seinen Folgen, ect ect ect., nur weltweit in den Griff, nicht mit nationalen Egoismen!

      Gerade in Osteuropa wo Franziskus jetzt ist sieht man Paradebeispiele dafür: Wenn die Bürger nur reichlich damit beschäftigt sind, die jeweils anderen zu hassen und ihnen zu misstrauen, können sich die korrupten gierigen Machthaber schöööön ausruhen.

    • Novalis
      06.06.2019, 10:59 Uhr.

      „die Nazikeule brauchen Sie sich nicht gefallen zu lassen – nicht von Leuten, die Diversität schätzen, außer der Meinungsdiversität.“

      Man kann es nicht schöner formulieren als wie in der SZ:
      „Ui, es fühlt sich nicht so schön an, wenn viele anderer Meinung sind und mir das auch sagen, und manchmal sogar mit richtig groben Worten.
      So stellen sich diese Menschen, die doch eigentlich so hart und männlich, so
      wehrhaft und aufrecht sein wollen, also das Leben in einer Diktatur vor, so fühlt sich in ihrer Fantasie Unfreiheit an: kritisiert, beschimpft und abgelehnt werden.“

      Man muss den Nazi nennen, der einer ist. Und den Nationalist, der Nationalist ist. Dieses „Man muss doch noch sagen dürfen“ gilt eben nicht zu allem. Manches Gesagte ist eben keine Meinung, die sehr vielfältig sein soll – sondern schlicht ein Verbrechen. Oder ein wenig weniger hart unmoralisch. Alles, was ausgrenzt, ist unmoralisch. Das müssen sich die halt sagen lassen, die ausgrenzen wollen. Ihr werdet nicht das letzte Wort haben. Denn das letzte Wort hat der, der keine Grenzen kennt. Und seine Barmherzigkeit grenzt nicht mal Euch aus 😉

      • bernardo
        09.06.2019, 19:29 Uhr.

        @ Novalis: Und wann hören Sie auf, andere Blogger auszugrenzen?

  • Wanda
    10.06.2019, 1:14 Uhr.

    Carla Maltese 06.06.2019 22:27
    – den (wie Sie schreiben) Blog zu ersäufen, können Sie allen Ernstes wohl kaum anderen Teilnehmern vorwerfen, wenn Sie die Anzahl der von Ihnen produzierten Zeilen mit denen der übrigen vergleichen. Da stehen Sie konkurrenzlos an der Spitze, auch in der Mitteilung Ihrer persönlichen Befindlichkeiten, die hier doch wohl kein Thema sind, oder ?
    Und dass Novalis 09.09 Uhr hilfreich unterstützend sich selbst als fortschrittlich und reformorientiert klassifiziert – nun ja, wenn es sonst keiner tut…

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