Todesstrafe – Papst ändert Katechismus

Nun ist es offiziell: Die katholische Kirche lehnt die Todesstrafe ab. Papst Franziskus verfügte eine entsprechende Änderung des Katechismus der Katholischen Kirche. Zur Begründung heißt es in Abschnitt 2267, dass „die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“. Diese Qualifizierung ist ein Zitat aus einer Rede von Papst Franziskus zum 25-Jahr-Jubiläum der Veröffentlichung des Katechismus im vergangenen Oktober. Damals hatte der Pontifex angekündigt, dass er eine entsprechende Änderung veranlassen werde. Bisher war dort zu lesen, dass „die überlieferte Lehre der Kirche den Rückgriff auf die Todesstrafe nicht ausschließt“, wenn „die Identität und die Verantwortung des Schuldigen mit ganzer Sicherheit feststehen“ und „wenn dies der einzig gangbare Weg wäre, um das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen“. Schon im Oktober 2017 hatte der Papst aber darauf verwiesen, dass diese Position nicht tragbar sei, „weil sie die Unverletzlichkeit und Würde der Person angreift“. Entsprechend wird das Verbot der Todesstrafe jetzt auch in der neu gefassten Version des Abschnitts 2267 des Katechismus begründet. Der Vorgang zeigt, dass sich die Position der katholischen Kirche weiterentwickeln kann und kein starres Gefüge ist. Zudem geht die katholische Kirche damit ganz offiziell nun auch in diesem Punkt in Opposition zu Staaten wie den USA oder China, in denen die Todesstrafe praktiziert wird.

Nach der offiziellen Änderung des Paragrafen lehnt die katholische Kirche nicht nur die Todesstrafe ab, sondern „setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein“. Das dürfte durchaus eine Herausforderung werden. Denn noch immer gibt es weltweit laut Amnesty International noch 56 Staaten, die an der Todesstrafe festhalten. Immer wieder wird in einzelnen Staaten über die Wiedereinführung diskutiert. Zuletzt sorgte im Juli der Erzbischof von Colombo in Sri Lanka, Kardinal Malcolm Ranjith, für Schlagzeilen, als er feststellte, dass im Kampf gegen Drogenhändler die Todesstrafe „die letzte Option sei“. Diese Position kann er ab sofort nicht mehr vertreten, will er nicht von der offiziellen Linie der Kirche abweichen.

Papst Franziskus möchte die Änderung als eine „authentische Entwicklung der Lehre“ verstanden wissen, „die nicht im Widerspruch zu früheren Aussagen des Lehramts steht“. Das geht aus einem Begleitschreiben an die katholischen Bischöfe in der Welt hervor, das zur Änderung des Katechismusabschnitts vom Vatikan heute veröffentlicht wurde. In dem Brief versucht der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria, aufzuzeigen, dass die Entscheidung des amtierenden Papstes in einer Linie steht mit Aussagen seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu dem Thema.

Interessant ist eine Formulierung in dem Begleitschreiben, das zur Begründung der Legitimität der Weiterentwicklung der Lehre herangezogen wird. Dort heißt es, dass die veränderte Haltung zur Todesstrafe „sich in der Lehre der Hirten und im Empfinden des Volkes Gottes immer mehr durchgesetzt hat“. Das „Empfinden des Volkes Gottes“ wird hier wahrgenommen und als eine Orientierungsgröße herangezogen beim „weiter denken“ der lehramtlichen Position. Es ist zwar eine sehr weiche Formulierung, aber sie ist auch nicht selbstverständlich. Unabhängig davon war die Neufassung des Paragrafen zur Todesstrafe längst überfällig.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

77 Kommentare

  • Brigitta
    02.08.2018, 21:32 Uhr.

    Allerdings.
    Ich erinnere mich noch gut daran, als mich meine Nichte um Hilfe bat bei einem Referat in kath. Religion zum Thema Todesstrafe aus Sicht der katholischen Kirche. Ist jetzt ungefähr 10 Jahre her. Ich weiß die genaue Formulierung nicht mehr, aber da bin ich mit der Katechismusformulierung ganz schön ins Straucheln gekommen.

  • Silberdistel
    02.08.2018, 22:32 Uhr.

    Die Aussagen Christi sind, soweit sie überliefert sind, wirklich ein großes Labsal für die Gestaltung des eigenen Lebens, da sie auch nach 2 Jahrtausenden völlig zeitgemäß und soziologisch völlig visionär sind! Z.B. aus Matthäus, Kapitel 7, welches beginnt mit: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“
    Was maße ich mich denn auch an etwas vollbringen zu wollen, wofür beispielsweise heutzutage ein bundesdeutscher Richter jahrelang studieren muß, bevor er endlich öffentlich verbindlich „recht“ sprechen darf?! – Prima Sache also für einen juristischen Laien in Christus ´Gott´ alles übergeben zu dürfen, was sonst auch nur viel zu viel Energie und Zeit rauben würde. – DER oder DIE oder was auch immer ´Gott´ sein mag, will ja schließlich auch etwas zu tun haben, dort droben in den Himmeln… Ich darf mich da also ganz „chillig“ zurück lehnen…
    Übrigens gibt es zum Thema einen schönen Witz = Jesus sprach vor der Menge: „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ Da wurde hinter ihm aus seinen Reihen ein Stein mit aller Kraft über ihn hinweg geworfen. Jesus dreht sich herum und spricht genervt: „Mama, bitte nicht schon wieder!“

  • Novalis
    03.08.2018, 0:19 Uhr.

    Überfällig. Danke Papst Franziskus! Wie wenig selbstverständlich eine solche Änderung ist – nicht für normale KatholikInnen, sondern für rechte, radikale und rechtsradikale Pseudochristen – kann man an den wütenden postings der einschlägigen Internetscheiterhaufen erkennen.

    • @ bernando
      03.08.2018, 9:58 Uhr.

      Warum können Sie eigentlich nicht akzeptieren, dass jemand, der getauft ist und das Credo gläubig sprechen kann, ein Christ ist? Warm muss derselbe auch noch Ihre Einstellungen zu Dieselfahrverboten, zum Klimawandel, zum „Familiennachzug“ etc. teilen?

      • Novalis
        03.08.2018, 19:01 Uhr.

        Ganz einfach: Christentum ist keine bourgeoise Veranstaltung für „Kulturchristen“. Christentum enthält einen Handlungsauftrag in sich zugunsten von Armen, Schwachen, Kranken. Und zwar schrankenlos.Daher gibt es eine kirchliche Soziallehre, die Flüchtlinge, Umwelt und die Familie für schützenswert hält. Egal, ob von einem Deutschen, einer Französin oder einem syrischen Flüchtling. Wenn Sie deutsche Familien bevorzugen wollen: tun Sie das. Aber das ist dann schlicht Rassismus. Dieselfahrverbot? Fände ich gut – wenn Sie nicht: mei, dann sterben Sie halt früher. Selber schuld.

        • Silberdistel
          06.08.2018, 20:20 Uhr.

          Novalis
          03.08., 19:01 h
          Mit ´Gott´ wird allerdings nicht zu Unrecht „Gerechtigkeit“ impliziert, als nicht unwichtiger Bestandteil auch des Christentums. D.h. nicht immer sind die (vermeindlichen) Opfer Opfer und die (vermeindlichen) Täter die wirklichen Täter.
          Unser aktueller Zeitgeist ist ein einziger „tanzender Wirbel“ von Allem, sodaß man schon genau hinsehen und differenzieren muß, um nahe an die Wahrheit zu kommen.

          • @ bernando
            08.08.2018, 17:21 Uhr.

            Silberdistel, doch. Eine progressive Ideologie, die einen therapeutischen Staat – die Spanier würden von dictablanda sprechen, einer weichen Diktatur – ins Leben gerufen hat, legt genau fest, wer Opfer und wer Täter ist: Mann Täter – Frau Opfer, Weisser Täter Farbiger Opfer, Christ Täter – Nichtchrist (vor allem Moslem) – Opfer; Heterosexueller – Täter, Homo- Transsexueller – Opfer. Und natürlich existiert eine Opferhierarchie. Oder wie eines Frau an einem amerikanischen College zu Slawoi Zizek sagte: „Ich bin eine Frau, ich bin schwarz, ich bin lesbisch und behindert.“ Damit hatte sie vier Mal recht, und Zizek, der alte, weisse, nicht-behinderte, heterosexuelle Mann Unrecht.

          • Silvia
            09.08.2018, 9:34 Uhr.

            @ bernando
            08.08.2018, 17:21 Uhr.

            Danke für diese Aufklärung. Ich hatte nämlich bisher tatsächlich nicht durchgeblickt, was bei uns im Land gerade gespielt wird. Ich kam mir oft vor, wie im Irrenhaus.

            Jetzt wird mir vieles klarer. „Weiche Diktatur“ ein sehr interessanter und zutreffender Begriff.

            Interessieren würde mich noch die Ursache für diese Entwicklung unseres Rechtsstaates zum gegenwärtigen Ist – Zustand.

            Bei der Mehrheit der Bevölkerung scheint diese Indoktrination ja auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

          • @ bernando
            10.08.2018, 14:15 Uhr.

            @Silvia, danke für Ihren Post. Ich bin zurzeit in Italien und arbeite mit einer Smartphone-Tastatur, was die Sache nicht leicht macht. Wenn ich wieder in Deutschland bin, kann ich ausführlicher Stellung nehmen. Meine These in Kürze : Wir haben es mit einer Entartung – darf man das schreiben? – des Liberalismus zu tun. Dieser stößt in ein geistiges Vakuum, das der verschwindende Gottes- und Christusglaube hinterlassen hat und bemächtigt sich in der Kirche der alten Begriffe, um sie radikal umzudeuten. Manchmal lugt der Progressismus aber auch ganz unverblümt hervor, etwa wenn der Kasper erklärt, nur der Dialog könne die Welt erlösen ( also nicht Christus).

      • Suarez
        08.08.2018, 23:45 Uhr.

        Radikale Positionen von Rechts und Christentum verbinden zu wollen, sind ein hölzernes Eisen. Daher liegt @Novalis schon ganz richtig: Rechtsradikale können bestenfalls Pseudochristen sein.

        • Silberdistel
          10.08.2018, 3:33 Uhr.

          Suarez
          08.08., 23:45 h
          Die Anwendung des Umkehrschlusses: Das es gelänge radikale Positionen von Links und Christentum zu verbinden, sowie das Linksradikale die ´besseren Christen´ wären; entpuppt sich in dem Fall allerdings nur als reine Gedankenspielerei.

        • Wanda
          11.08.2018, 18:18 Uhr.

          Suarez 08.08. 23:45
          – Und ich dachte immer, dass eher die gottlose Linke mit ihrer stärksten Ausprägung als Kommunismus mit dem Christentum unvereinbar wären…
          Dass jedoch rechtsnationales Denken sogar bei Kardinälen speziell ausgeprägt in der Zeit des Nationalsozialismus zu finden waren, beweisen ausgerechnet Lobeshymnen und Stellungnahmen des 2005 seliggesprochenen Clemens August Kardinal Graf von Galen (auch wenn man sie gern verschweigt):
          – 1933 zur Machtergreifung Adolf Hitlers: „Wir wollen Gott dem Herrn für seine liebevolle Fügung dankbar sein, welche die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, dass sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten Volk durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit droht, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen“…
          – 1936 „Wieder sind Männer und Jungmänner zum grossen Teil zu den Waffen gerufen und stehen im blutigen Kampf oder in ernster Entschlossenheit an den Grenzen auf der Wacht um das Vaterland zu schirmen und unter Einsatz des Lebens einen Frieden der Freiheit und Gerechtigkeit für unser Volk zu erkämpfen“…
          – 1940 auf dem Höhepunkt der Judenvernichtung polemisiert er (wörtlich) vom „entarteten Judentum“…
          – 1941 beurteilt er den Überfall auf die Sowjetunion als …“Kampf gegen die Pest des Bolschewismus und Befreiung von einer ernsten Sorge und Erlösung von schwerem Druck, dass der Führer und Reichskanzler am 22.06.1941 den im Jahre 1933 mit der „jüdisch-bolschewistischen“ Machthaberschaft abgeschlossenen „Russenpakt“ als erloschen erklärt hat“…
          – 1941 „Gott lässt den Soldaten an der Ostfront ewige Herrlichkeit und Lohn zuteil werden, ganz ähnlich wie den hl. Märtyrern“…
          – 1942 zu den deutschen Gefallenen …“Sie wollen Blutspender sein, auf dass das an Altersschwäche und anderen Übeln erkrankte Volk wieder jugendlich gesunde und aufblühe und wollen in einem neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei „Gott will es“ den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Jahren der Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte“…
          P.S. mit der Bezeichnung als Kreuzzuges und den Gefallenen als hl. Märtyrer wird der Russland-Feldzug für den Kardinal zum Hl. Krieg. Erstaunlich…

    • Wanda
      03.08.2018, 17:13 Uhr.

      Eine enorme Risiko-Bereitschaft, die Papst Franziskus da mit dem offiziellen Verzicht auf die Todesstrafe eingeht:
      – angesichts all jener, die wegen ihres Irrglaubens, der Abweichung vom rechten Glauben, Unwillen diesen anzunehmen oder vermeintlicher Pakte mit dem leibhaftigen Gott-sei-bei-uns, von der Inquisition und anderer Amtsinhaber „frommer“ Gewalt langsam geröstet wurden, müsste sich die Kirche da nicht auf Schadensersatzforderungen der Opfer-Nachfolgegenerationen einstellen ?
      – In diesem Zusammenhang ein Zitat von Heiner Geisler, Jesuitenzögling, CDU-Politiker, unbeirrbarer Katholik und scharfzüngiger Kritiker der Amtskirche: „Wenn der IS Menschen hinrichtet, ist das weniger schlimm als das was ua. den Ketzern an einem Pfahl gebunden, zu kirchlichen Zeiten angetan wurde: denn dazu sangen ihre Inquisitionsmörder gleichzeitig das Lob des Herrn“…
      P.S. gefragt, warum er letztlich doch nicht Jesuit wurde, erklärte er: „Mein Vorbild war der hl. Franz-Xaver von den Molukken. Dann erlebt ich das persönliche Scheitern meiner Ideale. Ich hatte die drei ewigen Gelübde abgelegt: Armut, Keuschheit, Gehorsam. Mit 23 Jahren erkannte ich, dass ich 2 davon nicht halten konnte: es war nicht die Armut…
      – Hinweis: bitte die Diskutierenden um Nachsicht, erlaube mir diese Zeilen nur, um die nicht selten auftretende Verkrampfung in diesem Blog ein wenig zu lockern und darf darauf hinweisen, dass der Querdenker, Christ und Politiker Heiner Geissler noch andere Sprüche drauf hatte, sowohl als Christ als auch Politiker…

    • Wanda
      07.08.2018, 17:22 Uhr.

      Da die Hl. Mutter Kirche (entgegen Jesus viel zu lange „ein Reich von dieser Welt“) sich um des puren Machterhaltes Willen Folter, Hinrichtungen, Mord er und Kriege so lange bediente (mehr als 1500 Jahre) bis es die Menschen einfach nicht mehr akzeptierten, kann man die jetz scheinheilige Abschaffung der Todesstrafe und des gerechten Verteidigungs-Krieges nur als üble Heuchelei bezeichnen…
      Wäre sie immer noch eine weltliche Macht und nicht von den Umständen „gesundgeschrumpft“ worden, wer weiss welche diesbezüglichen Positionen sie heute noch verträte ? Gründliche Skepsis ist angebracht

  • @ bernando
    03.08.2018, 9:46 Uhr.

    Eine Änderung war nicht nötig, die bisherigen Aussagen des Weltkatechismus reichten. Ich fürchte, dass nächste „Projekt“ wird ein Verdammen aller Kriege sein, ungeachtet der Umstände (Verteidigungskrieg etc.), und das übernächste das Verdammen aller Smartphones (s. Dazu die italienische Presse).

    • Brigitta
      03.08.2018, 17:01 Uhr.

      Verurteilung des Krieges fände ich gut

      • Wanda
        07.08.2018, 17:23 Uhr.

        … die Lämmer auch.

    • Silvia
      03.08.2018, 18:15 Uhr.

      @ bernando
      03.08.2018, 9:46 Uhr.

      Wäre natürlich denkbar. Wer so gut rundum versorgt ist wie Päpste, kann auch ganz gut ohne Smartphone auskommen, der ist z.B. nie alleine unterwegs, kann nie unversehens von der Straße weg ins Krankenhaus kommen usw.

      • @ bernando
        06.08.2018, 21:49 Uhr.

        Fairerweise, Silvia, muss ich hinzufügen, hat er über Jugendliche gesprochen. Aber das ist vielleicht das Problem: Anstatt Christus zu verkünden wie Paulus es getan hat, gibt er zu allem seinen Senf dazu. Vor kurzem meinte er, arbeitslose Jugendliche hätten nur drei Alternativen, den Selbstmord, Drogen oder das IS-Kalifat. Mon Dieu, wieder eine Gelegenheit verpasst, zu schweigen.

        • Wanda
          07.08.2018, 17:29 Uhr.

          So sehr ich diesen Mann schätze, manchmal muss man seine Äusserungen wohl tatsächlich einfangen.
          „Hättest Du doch geschwiegen…“ (Anicius Manlius Severinus Boethius)

          • Suarez
            08.08.2018, 23:46 Uhr.

            Franziskus hat wohl nicht den Anspruch, Philosoph zu sein 😉

    • Novalis
      03.08.2018, 19:04 Uhr.

      Wenigstens sind solche Aussagen entlarvend und zeigen, wo sich solche Leute verorten. Ich empfinde solche rechte, reaktionäre und menschenfeindliche Haltungen als widerlich. Die Unterstützung und Verteidigung der Todesstrafe ist einfach moralisch disqualifizierend.

      • Wanda
        06.08.2018, 17:32 Uhr.

        Novalis 03.08. 19:04
        – Bin tief getroffen, habe mich soeben moralisch disqualifiziert. Aber noch ist nicht alles verloren, zumindest gebe ich es offen zu…
        P.S. da Sie in diesem Zusammenhang von menschenfeindlicher Haltung schreiben: würden Sie Ihre eigene Haltung den Opfern der Mörder gegenüber als menschenfreundlich bezeichen ?

        • Novalis
          07.08.2018, 10:19 Uhr.

          1) Wie selbstverständlich wird eigentlich davon ausgegangen, dass ein zum Tode Verurteilter an einem Opfer schuldig geworden ist. Wenn ich mir anschaue, dass Homosexuelle in Saudiarabien hingerichtet werden, frage ich mich: welche Opfer hatten die? Oder die Fälle von Justizirrtümern – rechtfertigt auch nur ein möglicher Justizirrtum die Ausführung der Todesstrafe? Nein.
          2) Ja, denn die Würde eines Opfers (warum ist welches Verbrechen eigentlich mit dem Tode zu bestrafen?) wird nicht durch den Angriff auf das Leben eines Täters wiederhergestellt.
          3) Ja, Sie haben sich moralisch disqualifiziert

          • Wanda
            08.08.2018, 14:22 Uhr.

            Lenken Sie nicht moralisierend ab sondern versetzen Sie sich in die Lage der Opfer und und verhöhnen Sie die nicht…
            P.S. dieses Monster von Hohenstaufen kommt mit zwölfeinhalb Jahren davon und ist dann wieder Mitglied unserer toleranten Gesellschaft ? Es wird einem übel…

          • Wanda
            08.08.2018, 18:54 Uhr.

            Novalis 07.08. 10:19
            – Grotesk, wenn mich ausgerechnet ein Angehöriger der Glaubensgemeinschaft moralisch niedermachen will, die für 2000(!) Jahre massgeblich den Begriff des Heiligen Krieges prägte, mit dem man nicht nur gegen die Satans-Menschheit, d.h. jene die anderer religiöser Meinung waren oder sich nicht der wahren Lehre unterwerfen wollten, mit Gewalt vorging sondern diese hl. Kriegsführung auch als Hauptmittel ihrer segensreichen Missionierung und daraus resultierendem Völkermord vor allem in Übersee praktizierten.
            Den Ruf „Gott will es“ zu diversen Kriegs- und Kreuzzügen nach Palästina um die hl. Stätten zu befreien, nicht zu vergessen. Wobei auf dem Wege auch die Plünderung brüderlich-christlicher Metropolen wie Konstantinopel auf praktisch verwüstende Art mitgenommen wurden. Die lukrativen Feldzüge gegen Waldenser, Katharer und Co. kann jeder selbst recherchieren: diese füllten die päpstliche Schatullen, entleerten bzw- entvölkerten dafür aber blühende Kulturlandschaften im südlichen Frankreich…
            – Und was die Verhängung der Todesstrafe durch das bevorzugte Instrument der Hl. Mutter Kirche, ihre vom Hl. Geist geleitete Inquisition anging, war Letztere enorm erfinderisch. Sowohl was die todeswürdigen Delikte anging als auch die Hinrichtungsarten, die als spektakuläre, öffentliche Darbietungen geradezu „kultiviert“ wurden. Da stand man den Arena-Darbietungen der Römer bei ihren Christenverfolgungen nicht sehr viel nach. Und diese auf Tatsachen basierenden Vorwürfe könnte man endlos fortsetzen. Hat die Mutter Kirche dafür gebüsst ? Nicht, dass ich wüsste…
            – Also Novalis, bitten Sie lieber Ihren barmherzigen Gott um Vergebung für die Millionen Opfer, welche ihre Glaubensgemeinschaft in seinem Namen umbrachte und quälte.
            – Und mich lassen Sie gefälligst mit Ihrer heuchelnden Verurteilung in Ruhe: ich stehe voll zu meiner Überzeugung und Ansicht, dass Menschen(oder besser menschliche Ungeheuer) durchaus die Todesstrafe verdient haben können. Nicht zuletzt, um weitere potentielle Opfer auszuschliessen…

          • Novalis
            09.08.2018, 22:31 Uhr.

            Da ist aber vieles durcheinander geraten oder schlicht sachlich falsch.

            „die für 2000(!) Jahre massgeblich den Begriff des Heiligen Krieges prägte“
            geht allein schon deswegen nicht, weil man bis ca. 300 eine verfolgte Minderheit mit ausgesprochenem Pazifismus war. Die Christen dieser Zeit haben es sogar abgelehnt, Soldaten in ihre Reihen aufzunehmen – aus zwei Gründen: wegen des Eides auf den Kaiser und wegen des Tötungsberufes. Da Päpste spätestens seit Benedikt XV. Kriege ablehnen, muss man so ehrlich sein: 1600 Jahre. Das macht die Sache nicht besser, wirft aber ein bezeichnendes Licht auf die Sachkenntnis, die hinter dem 2000 das Ausrufezeichen einer allwissenden Selbstgewissheit stellt.

            „Die lukrativen Feldzüge gegen Waldenser, Katharer und Co. kann jeder selbst recherchieren: diese füllten die päpstliche Schatullen, entleerten bzw- entvölkerten dafür aber blühende Kulturlandschaften im südlichen Frankreich…“
            Sachlich deswegen falsch, weil sich, wenn überhaupt, der französische König die Schatullen befüllte-

            „Und was die Verhängung der Todesstrafe durch das bevorzugte Instrument der Hl. Mutter Kirche, ihre vom Hl. Geist geleitete Inquisition anging, war Letztere enorm erfinderisch.“
            Die Kirche konnte formal keine Todesstrafe aussprechen. Und die feinsäuberlich angefertigten Protokolle der Inquisition belegen, dass die wenigsten Prozesse mit Todesurteilen, wenige mit Schuldsprüchen endeten. Das macht einen Prozess aus religiösen Gründen nicht weniger widerlich. Die Vorwurfskaskade zeigt aber deutlich eine Sachunkenntnis.

            Und diese auf Tatsachen basierenden Vorwürfe könnte man endlos fortsetzen. Hat die Mutter Kirche dafür gebüsst ?

            Buße leisten können m.W. nur ihrer selbst bewusste Individuen. Ich gehe davon aus, dass eine Buße durchaus in der Ewigkeit geleistet wird.

            „Und mich lassen Sie gefälligst mit Ihrer heuchelnden Verurteilung in Ruhe:“
            Wo heuchle ich?

            „ich stehe voll zu meiner Überzeugung und Ansicht, dass Menschen(oder besser menschliche Ungeheuer) durchaus die Todesstrafe verdient haben können. Nicht zuletzt, um weitere potentielle Opfer auszuschliessen…“
            a) Sie nehmen billigend Justizopfer für Ihre widerliche Haltung in Kauf?
            b) Auch die Todesstrafe ist eine STRAFE und soll eine Tat SÜHNEN, nicht vorbeugen. Der Staat kann, darf und soll nichts Potentielles bestrafen.

    • Wanda
      06.08.2018, 17:45 Uhr.

      Bernardo 03.08. 09:46
      – Kann gut sein, dass nun der Grundtenor der Lehre des Nazareners nicht mehr genügt und wir uns auf die plakative Verurteilung der Einzelvergehen durch die Amtskirche einstellen müssen. Wer weiss ?
      Macht sich doch ganz gut als Teil der römischen Öffentlichkeitsarbeit, die sonst kaum jemand hinter dem Ofen hervorlockt. Die Briten haben dafür einen treffenden Ausdruck „fishing for compliments“…

      • @ bernando
        07.08.2018, 9:35 Uhr.

        Die Politisierung der Kirche, die sich, ohne bevollmächtigt zu sein, zur Vertreterin vermeintlich oder reell Schwacher erklärt, ist eine Folge ihrer spirituellen Leere bzw Entleerung. Dabei, Wanda, sind die spirituellen Bedürfnisse der Menschen geblieben, die Kirche weiß sie nur nicht mehr zu befriedigen. Mittlerweile sind in den Buchhandlungen viel mehr Bücher zum Thema Spiritualität zu finden als zur Religion, während die Kirche sich immer mehr auf das parteipolitische Glacis wagt: FAMIGLIA CRISTIANA etwa titelte zum italienischen Innenminister : Vade retro Salvini.

        • Suarez
          08.08.2018, 23:50 Uhr.

          „ohne bevollmächtigt zu sein, zur Vertreterin vermeintlich oder reell Schwacher erklärt, ist eine Folge ihrer spirituellen Leere bzw Entleerung.“

          Das ist schlicht die Leugnung der christlichen Soziallehre.

          • Novalis
            09.08.2018, 22:39 Uhr.

            Ob sich man Leute getraut hätten, Sätze wie „ohne bevollmächtigt zu sein, zur Vertreterin vermeintlich oder reell Schwacher erklärt, ist eine Folge ihrer spirituellen Leere bzw Entleerung“ dem wohl politischsten Papst des 20. Jh., Pius XII., um die Ohren zu hauen? Wohl kaum.

  • Silvia
    03.08.2018, 9:52 Uhr.

    Ich bin auch der Meinung, dass in der Frage der Todesstrafe eine Änderung der kath. Lehre angebracht ist.

    Und wie man sieht, ist eine Änderung des Katechismus ganz einfach, wenn es dem Papst wirklich wichtig ist.

    Würde er bei anderen Streitthemen genauso konsequent verfahren, wäre wenigstens klar, wofür er wirklich steht und man könnte sich die Interpretationen von ALLEN Seiten ersparen.

    Man sieht also, dass er als Papst mit einem Federstrich tatsächlich die Lehre ändern und dadurch zumindest mal für Klarheit sorgen kann.

    In der Frage der Todesstrafe hat er sich ganz klar von seinen Vorgängern distanziert, was in dieser Frage auch richtig ist.

    • Novalis
      03.08.2018, 19:07 Uhr.

      „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ (Im Notwendigen Einheit, im Fraglichen Freiheit, in allem die Liebe) – genauso handelt Franziskus von Anfang an. Vielleicht macht das nachdenklich, ob die ein oder andere Frage, die Franziskus (angeblich) nicht so klar sieht (ich sehe bei ihm im Notwendigen – also bei Fragen der Orthodoxie und Orthopraxie – völlige Klarheit), vielleicht einfach nicht zu den notwendigen, sondern zu den fraglichen Dingen gehört.

    • Novalis
      03.08.2018, 19:08 Uhr.

      Ich finde übrigens gut, @Silvia, dass Sie sich hier klar von den Rechten distanzieren.

      • Silvia
        06.08.2018, 9:34 Uhr.

        Novalis
        03.08.2018, 19:08 Uhr.

        Ich habe vor 40 Jahren als Sozialarbeiterin im Strafvollzug für Männer gearbeitet, da sind mir tatsächlich auch wegen Mordes verurteilte Männer untergekommen. Ich habe viele und lange Gespräche mit ihnen geführt. Auch ein Mörder ist ein Mensch, deshalb gelten auch für ihn Menschenwürde und Menschenrechte, auch er ist ein geliebtes Kind Gottes und zur Umkehr fähig.

        Übrigens habe ich vor 40 Jahren ein Jahr auf dem Hohenasperg mit dem Pastoralreferenten und Buchautor Petrus Ceelen zusammengearbeitet (leider war mein Arbeitsvertrag nur auf ein Jahr befristet).

        Aber auch meine Praktika habe ich überwiegend im Männerstrafvollzug gemacht. Und mein Studienschwerpunkt war „Arbeit mit Menschen in Konflikt mit der Rechtsordnung“.

        Dh. aber auch, dass ich nicht nur flammende Reden geschwungen habe (das habe ich auch), nicht nur „die Gesellschaft“ und „die Politiker“ zur Achtung der Menschenwürde aufgefordert habe, wie das heute in kirchlichen Kreisen zum guten Ton gehört, sondern ich habe diese Forderung zunächst an mich selbst gestellt und durch meinen Beruf zu meiner Lebensaufgabe gemacht und umgesetzt.

        Von daher bin ich AUCH gegen die Todesstrafe. Ich bin auch der Meinung, dass es keinen GERECHTEN Krieg geben kann, moralisch vertretbar ist höchstens ein Verteidigungskrieg.

    • Wanda
      09.08.2018, 4:07 Uhr.

      Silvia 06.08. 09:34 und Silberdistel 07.08. 11:18
      – es geht nicht darum ob drastische Strafen oder Todesurteile bzw. deren Vollstreckung abschreckend wirken (das tun sie zwar, aber wohl nicht so häufig wie erwünscht) sondern darum, dass diese Monster endgültig aus dem Verkehr gezogen werden und nicht wie es leider allzu häufig vorkommt, nach ihrer von Gutachtern bestätigten „Rehabilitierung“, neue Opfer finden, töten, misshandeln oder missbrauchen.
      Ein unerträglicher Freibrief für den schon einmal verurteilten Täter, der gleichzeitig neue, potenzielle Opfer für vogelfrei erklärt…
      Mit anderen Worten: das Wohlergehen des Mörders oder Unholdes hat Vorrang – der Schutz der Opfer ist zweitrangig. Irre, da kann man nichts machen…

      • Silvia
        09.08.2018, 9:54 Uhr.

        Wanda
        09.08.2018, 4:07 Uhr.

        Es gibt auch die Sicherungsverwahrung, damit zu Lebenslänglich Verurteilte nicht nach 15 oder 20 Jahren in die Freiheit entlassen werden können.

        ich verstehe Ihre Argumente durchaus. Meine Berufswahl war seinerzeit aus meinem christlichen Glauben heraus bedingt, auch die Wahl des Studienschwerpunktes und der Tätigkeit gerade im Strafvollzug.

        Manches sehe ich heute auch weniger idealistisch als vor 40 Jahren, einfach aufgrund des Älterwerdens und der größeren Lebenserfahrung.

        Aber grundsätzlich finde ich es gefährlich. einem Menschen die Menschenwürde oder sogar das Menschsein – zunächst nur in der Wortwahl – abzusprechen. Damit fallen Hemmungen.

        Ich denke z.B. daran, dass man im 3. Reich Juden und slawische Völker als „Untermenschen“ bezeichnet hat. Dadurch waren diese Menschen vogelfrei und ein Großteil der damaligen Bevölkerung hatte kein moralisches Problem mit deren Vernichtung.

        Und gerade heute sehen wir wieder, wie manipulierbar unsere Bevölkerung ist, wie Denkverbote greifen usw.

        • Wanda
          10.08.2018, 21:16 Uhr.

          Silvia 09.08. 04:07
          – Akzeptiere und verstehe Ihre Sichtweise vollkommen, die Sie ja auch begründen.
          Für mich gestehe ich frei heraus, dass ich nicht weiss wie ich reagieren würde, stände mir ein Mörder oder Missbrauchstäter gegenüber der z.B. an meiner Enkelin schuldig geworden wäre. Ich könnte für nichts garantieren.
          Bin mir absolut unsicher…

          • Silvia
            11.08.2018, 16:01 Uhr.

            Wanda
            10.08.2018, 21:16 Uhr.

            Das ist der Unterschied! In meinem Beruf war ich eben nicht PERSÖNLICH betroffen sondern hatte eine gewisse professionelle Distanz, auch zum psychischen Selbstschutz, zu wahren.

            Wie ich bei persönlicher Betroffenheit reagieren würde, weiß ich auch nicht.

      • Silberdistel
        10.08.2018, 11:10 Uhr.

        Wanda
        09.08., 4:07 h
        Ich lobe die Weisheit von göttlichen Geboten! Wenn bereits der bronzezeitliche ´Gott´ das 5. Gebot proklamierte, übrigens in einer Epoche in der es eigentlich nur um ´Hauen und Stechen´, bzw. Raub, Mord, Todschlag, Sklaverei, ging (und in späteren wahrlich nicht besser!), was mag ´Gott´ wohl davon abgehalten haben NICHT nach jener rationalen „Vernunft“, wie sie z.B. in ihrem Beitrag zum Ausdruck kommt, zu verfahren? Weiter dem „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zu folgen.. ?
        Vorstellbar wäre, das durch die Beachtung des 5. Gebots als eines der Hauptgebote, doch endlich einmal die endlose barbarische Kette des ´Hauen und Stechens´ die menschliche Historie prägt, unterbrochen werden könnte?!
        PS: Wer sich die Mühe macht in Biografien von Mördern nach dem Beweis der Existenz des leibhaftigen Bösen zu suchen, wird mit aller Wahrscheinlichkeit gar nicht auf diesen Beweis stoßen. Sondern möglicherweise auf die Existenz einer Vita, die keine Vita in dem Sinn darstellt, sondern eine Aneinanderreihung von ungeheuren Verstößen und Mißbrauch gegen all das, was wir übrigen „Normalen“, z.B. in unserer Kindheit, als ´heile und behütete Welt´ erfahren durften. – Und nein, man muß schon deshalb nicht wiederum Gleiches mit Gleichem vergelten und einem dunklen Leben ein dunkles Ende verschaffen. Was meiner Meinung nach auch von einer gewissen Größe zeugt (Übrigens kenne ich keine Statistik, die die Rückfälligkeit von langjährig Inhaftierten belegt).

  • carn
    03.08.2018, 13:36 Uhr.

    „Zuletzt sorgte im Juli der Erzbischof von Colombo in Sri Lanka, Kardinal Malcolm Ranjith, für Schlagzeilen, als er feststellte, dass im Kampf gegen Drogenhändler die Todesstrafe „die letzte Option sei“. Diese Position kann er ab sofort nicht mehr vertreten, will er nicht von der offiziellen Linie der Kirche abweichen.“

    Wieso?

    Wenn er die Ansicht vertritt, dass diese Behauptung im Katechismus über die Wirksamkeit/Effizienz von Gefängnissen und somit keine Aussage über Glauben oder Moral:

    „Schließlich wurden wirksamere Haftsysteme entwickelt, welche die pflichtgemäße Verteidigung der Bürger garantieren,“

    nicht oder zumindest nicht für die Phillipinien zutrifft, ist das nachfolgende – die Unzulässigkeit der Todesstrafe – nicht gegeben.

    Ist doch das normale, wenn man Bedingungen auflistet, warum etwas gilt, und einer meint eine Bedingung stimmt nicht, dann stimmt auch die Folge daraus aus dessen Sicht nicht.

    • Wanda
      03.08.2018, 23:21 Uhr.

      Carn 03.08. 13:36
      – Wenn man sich realistisch anschaut, welche Folgen das Geschäft eines „Narcotraficantes“ zeitigt, darf/muss man durchaus gegeneinander abwägen:
      – Dieser sucht sich zuerst junge Kunden (fast noch Kinder), macht sie mit Gratisproben schnell süchtig bis sie von dem Gift nicht mehr loskommen und hat so schon mal einen hundertprozentig „treuen“ Kunden an der Angel, der alles tut (s. Beschaffungskriminalität*), um seine Sucht zu befriedigen. Das geht so einige, meist nur wenige Jahre bis zum Drogentod.
      Die Zahl der Drogentoten ist allgemein bekannt und auf den Philippinen und in Teilen Lateinamerikas hat sie einen Umfang erreicht, der zur nationalen Bedrohung geworden ist.
      Man vergleiche nur die Zahl der getöteten/hingerichteten Drogenhändler mit der Anzahl der toten (leider viel zu oft blutjungen) Drogensüchtigen !
      Da kommen sogar Gutmenschen ins Grübeln…
      *) Raub, Diebstahl, Gewalt, Prostitution etc.

  • @ bernando
    06.08.2018, 22:05 Uhr.

    Was ich befürchte: Der gesinnungsethische Furor wird so stark, dass im Namen einer falsch verstandenen Prophetie der gesunde Menschenverstand in der Kirche aufgegeben wird: Alle „Geflüchteten“ sind aufzunehmen grenzen- und bedingungslos, Krieg ist keine ultima ratio etwa im Verteidigungsfall, sondern ist immer unter allen Umständen zu verurteilen; die Todesstrafe ist immer falsch, egal unter welchen Umständen (Hochverrat, Verbrechen gegen die Menschlichkeit). Ein besonders „Guter“ erklärte mir, das Hitler – Attentat sei falsch gewesen, es hätte andere Wege geben müssen. (Nicht dass der Exorzismus Pius XII. Besonders erfolgreich gewesen wäre.) Langer Rede kurzer Sinn: Ein Christentum, das aus der Bergpredigt eine politische Handlungsanweisung zu machen trachtet, ist ein Nonsense-Christentum. @ C.Maltese: Man hat mir schon einiges vorgeworfen, Feigheit gehört nicht dazu.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      07.08.2018, 7:07 Uhr.

      Nun stellte der amtierende Papst wiederholt fest: ein ungerechter Aggressor muss gestoppt werden – auch unter Einsatz militärischer Mittel. Das ist gute katholische Tradition. Militärische Alleingänge einzelner Länder lehnt er wiederum strikt ab.

      • @ bernando
        07.08.2018, 9:22 Uhr.

        Herr Erbacher, ich meinte hier nicht den Papst. Ich meinte die Bergoglianer, denen der Papst in manchem zu langsam und zu vorsichtig ist.

        • Suarez
          08.08.2018, 23:57 Uhr.

          „Eine Änderung war nicht nötig, die bisherigen Aussagen des Weltkatechismus reichten. Ich fürchte, dass nächste „Projekt“ wird ein Verdammen aller Kriege sein, ungeachtet der Umstände (Verteidigungskrieg etc.)“.
          Aus dem Kontext – wer hat denn geändert? Der Papst – ist klar: @bernardo schreibt hier Unwahres. Er meint natürlich den Papst.

      • Novalis
        07.08.2018, 10:44 Uhr.

        @Herr Erbacher,
        bedauerlich, dass hier nicht Artikel verlinkt werden können. In der Zeit stand jüngst ein Artikel, über die perfiden Methoden von Rechten, Rechtspopulisten und Rechtsradikalen.
        „ZEIT ONLINE: Wenn man den Wahlerfolg der AfD betrachtet, überzeugen
        diese Redestrategien offensichtlich viele Menschen. Warum?
        Felder: Das könnte daran liegen, dass die Sprecher betonen, dass sie die
        Mehrheit und den gesunden Menschenverstand auf ihrer Seite habe.“
        Ebenso Alles-Nicht-Alternativen, Homogenisierung etc.
        „Der gesinnungsethische Furor“
        Hier wird eine völlig normale, zulässige und kluge Ethik diskrimiert, weil einem die Ergebnisse nicht passen. Argumente fehlen.

        „dass im Namen einer falsch verstandenen Prophetie der gesunde Menschenverstand in der Kirche aufgegeben wird“.
        Siehe oben. Was Paulus zum Menschenverstand geschrieben hat, wird ignoriert.

        „Alle „Geflüchteten“ sind aufzunehmen grenzen- und bedingungslos“
        Das hat nie jemand verlangt und der Satz ist an der Grenze zur Lüge, wenn man sich die Flüchtlingskontingente von Jordanien oder der Türkei anschaut. 200.000 Flüchtlinge zu unterzubringen sollte (wenn das Land nicht so unterversorgt mit Verwaltungsangestellten wäre – eine verderbliche Folge der kapitalistischen Mentalität, dass der Staat so wenig wie möglich leisten können soll) kein Problem sein, schließlich hat Deutschland 1945ff. 12 Mio. Flüchtlinge in zerbombtem Zustand aufgenommen. Es geht hier um das Schüren von Vorurteilen auf Kosten von Kriegsflüchtlingen. Das richtet sich selbst.

        „Krieg ist keine ultima ratio etwa im Verteidigungsfall, sondern ist immer unter allen Umständen zu verurteilen“
        auch das hat der Papst nicht vertreten – egal, die Wahrheit ist das erste Opfer im Krieg von Bernhard Joseph gegen Franziskus 😉

        „die Todesstrafe ist immer falsch, egal unter welchen Umständen (Hochverrat, Verbrechen gegen die Menschlichkeit).“
        Natürlich.

        „Ein Christentum, das aus der Bergpredigt eine politische Handlungsanweisung zu machen trachtet, ist ein Nonsense-Christentum.“
        Innozenz III., der wohl politisch erfolgreichste und mächtigste Papst aller Zeiten, hatte die Größe, einem Franz von Assisi zuzugestehen, dass das Evangelium kein Nonsensevangelium wird, nur weil man es im Alltag zu leben versucht.

        • Suarez
          08.08.2018, 23:55 Uhr.

          Danke, dass Sie das aufgedeckt haben! Und oben wieder so ein Halbrückzieher. Auch das ist die Methode der Rechten.

          • @ bernando
            09.08.2018, 22:41 Uhr.

            Eigentlich bin ich kein Rechter, wenn man davon absieht, dass iChina nicht jeden modischen Schnickschnack (Gendergetue, Flüchtlingseuphorie) mitmache. Ich bin gegen die „humanitären Interventionen“, die für mich Ausdruck des Neokolonialismus sind. Ich bin für eine Begrenzung des Waffenhandels, halte seine völlige Beseitigung aber für illusorisch. Ich halte eine Ordnung, in der 7 Menschen so viel besitzen wie 3,5 Milliarden, für pervers. Dennoch glaube ich, dass die Kirche gut daran tut, sich nicht zu politisieren – was nicht bedeutet, dass ich ein Gegner der Soziallehre bin, im Gegenteil. Womit endet die politische Kirche? Im Totalitären und in der Bejahung konservativer oder progressiver Diktaturen, um Bett von Franco oder Ortega. Was die Entrechteten angeht, wie heißt es in der Internationale: „Uns befreien wird kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun, uns befreien können wir nur selber tun.“ Eine Gouvernante namens Kirche ist auch nicht nötig. Anders formuliert : Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

  • @ bernando
    08.08.2018, 9:44 Uhr.

    @ Novalis, Maltese: Weil man das Evangelium im Alltag zu leben versucht. Dagegen ist nichts zu sagen, das sollten Christen sogar. Die Betonung liegt auf Einzelnen. Weder Jesus noch Franziskus haben dem Staat gepredigt. Gesinnungsethischer Furor liegt dann vor, wenn zum einen aus einer Individual- eine Staatsethik (ähnelt dem Konzept der Hypermoral Gehlens) gemacht wird und zum anderen Andersdenkenden zu Dummköpfen und Bösewichtern abgestempelt werden.

    Geflüchtet setze ich in Anführungszeichen, weil erstens das gemeinsame Merkmal nicht die Flucht, sondern die Migration ist und zweitens im Zeichen gesinnungsethischenicht Furors immer neue Begriffe vorgeschrieben werden; so ist der Begriff Flüchtling jetzt diskriminierend…

    Bzgl des Jemenkrieges habenicht Sie recht und die Einstellung der Hilfen an die Saudis wäre überfällig.

    Btw, wer ist Bernhard Joseph?

  • @ bernando
    09.08.2018, 9:41 Uhr.

    @ Wanda: Jetzt sind wir beide moralisch disqualifiziert. Und selbstverständlich pflichtet Suarez Novalis vollumfänglich bei.☺

    @ Silberdistel: Nein, nicht jedes Eintreten gegen die Todesstrafe ist Ausdruck von Gutmenschentum, sondern solches, das jegliche andere Position als moralisch verwerflich betrachtet. Btw, meines Wissens lehnt Franziskus auch die lebenslange Haft als unvereinbar mit der Würde der Person ab.

  • Wanda
    10.08.2018, 20:55 Uhr.

    Novalis 09.08. 22:31
    – Wäre die röm.-kath. Kirche eine Person, könnte man sie aufgrund ihrer zweifelhaften Geschichte und ihrer neuen Auffassung zur Todesstrafe mit einem bestimmten Menschen vergleichen:
    – gefragt ob er für die Todesstrafe sei, was würde wohl ein überführter Mörder antworten ?
    Denn als einen millionenfachen Täter darf man die Amtskirche und die in ihrem Auftrag handelnde Hl. Inquisition aufgrund der dunklen Kapitel ihrer Geschichte wohl bezeichnen, oder ?
    Also Novalis, den Ball immer schön flach halten und die Heuchelei ablegen.
    Und damit Sie etwas lernen:
    1. zur Todesstrafe und Folter
    – die Grenze zwischen Ketzerei und Hexerei war so lange nicht klar gezogen, bis Papst Innozenz VII. mit seiner Bulle „Summis desiderantes affectibus“ der Christenheit den Hexenglauben 1448 befahl. Die historische Bedeutung des Hexenglaubens liegt aber nicht in ihm selbst sondern im Inquisitionsprozess, der aus dem römischen Recht ins Kirchenrecht und „erst dann“ ins weltliche Recht gelangte. Die Tortur und Folter wurde übrigens bereits 1252 von Papst Innozenz IV. als rechtmässig für die Hl. Inquisition bestätigt. Hochinteressant: solange das römische Strafrecht noch nicht das germanische Recht verdrängt hatte, verfügte einzig die Inquisition über die Folter. Also auch hier Papst und Kirche als schlimme Vorreiter und Hauptanwender der grausamen Geständniserpressung.
    Übrigens wurden bereits ab 385 Häretiker öffentlich hingerichtet, obwohl vorher und nachher die leider nur kurzfristig gültigen Toleranz-Edikte der letzten hellenistischen Kaiser Julian und Eugenius galten. Das fanatische und unduldsame Christentum bewies sich also schon in seiner Frühzeit.
    2. zum Hl.Krieg
    – die Kirche mit ihrem weltlichen Machtanspruch holte sich die Berechtigung zum Hl. Krieg einfach aus den Kriegsvorschriften des Deuteronomiums: der Hass gegenüber Anders- und Ungläubigen galt als Gottesgesetz, das Töten als Gottesdienst, die Beute als Gotteslohn. Diese Grundsätze hat von allen Weltreligionen das staatskirchliche Christentum am gründlichsten übernommen und verwirklicht. Grotesk: während Priesterschaft und christliche Macht mit ihrem Hl. Krieg erbarmungslos die Satans-Menschheit verfolgten, sollte innerhalb der Christus-Menschheit das gegenseitige Erbarmen gedeihen.
    Wie 1092 Papst Urban II. zum Kreuzzug/Krieg gegen Ungläubige drohte „Unser Fluch soll jeden treffen, der sich unterfängt das heiligste Unternehmen zu hindern“.
    Und besonders infam: 1568 wurde durch die heilige Inquisition das gesamte calvinistisch gewordene Volk der Niederländer zum Tode verurteilt – d.h. ein kirchlich angeordneter Völkermord, für den es historisch nur eine Parallele gibt: die offiziell von Hitler angeordnete Vernichtung der Juden.
    Ähnlich der päpstliche Legat und Franziskaner Johannes von Capistrano, der bereits eine „Endlösung der Judenfrage“ vorschlug: sämtliche Juden sollten als Feinde des Glaubens auf Schiffe verladen im Weltmeer ertränkt werden. Nun, der Mann wurde heilig gesprochen. Und der gelben Fleck auf dem Kleid als Kennzeichen der Juden geht auf Papst Inozenz III. beim Lateranskonzil 1215 zurück, wurde also von Adolf zum Vorbild genommen…
    Um noch andere frommen Legenden zu widerlegen:
    – Bartolomé de Las Casas, der 1517 für die Indios eintrat, empfahl zum Ersatz die Versklavung der Afrikaner. Dass er vorher als Soldat an der Conquista teilnahm und selbst auf seiner Encomienda Indios für sich arbeiten liess, wird gern übergangen…
    – Unter Bischof Diego de Landa, 1561 Haupt der r.-k. Franziskanerprovinz in Yucatan, wurden innerhalb von 3 Monaten 4500 Maya gefoltert, 200 starben an der „verschärften Überredung“ zum Glauben und viele erlitten dauerhafte Schäden. Einzelheiten mag jeder selbst recherchieren.
    Nur soviel: 1508 erteilte der Papst den iberischen Königen das universale Patronatsrecht zur gewaltsamen Eroberung für Lateinamerika und so begleiteten denn auch von Beginn an Franziskaner und Dominikaner die Conquistadoren. Eine Eroberung und gewaltsame Missionierung fordert aber naturgemäss den Widerstand der Betroffenen heraus und das bedeutet Krieg, aus christlicher Sicht den Hl. Krieg.
    – Papst Nikolaus V. rechtfertigte bereits 1452 ausdrücklich die Versklavung aller den Christen unterworfenden Völker, von Papst Alexander VI. 1492 verschärft und Papst Paul III. gestand 1584 auch seinen Klerikern das Recht zu, Sklaven zu halten, worauf sich die Benediktiner in Brasilien bis 1864 beriefen. Dass die vorgenannte Unterwerfung gleichzeitig den gerechten Hl. Krieg bestätigt (siehe oben), nur am Rande.
    P.S. schon Paulus ermahnte die Sklaven, in ihrem Stande zu bleiben. Hat also alles in der Kirche eine gleich zu Anfang gepflegte Tradition..

  • Wanda
    10.08.2018, 23:38 Uhr.

    Novalis 09.08 22:14
    – Welchen Krieg das Auserwählte Volk der Juden geführt hat? Sie sollten das AT über die gewaltsame Landnahme Kanaans und die Kriege gegen die dort ansässige Bevölkerung mit ihren weiter entwickelten Stadtstaaten durch die jüdischen Stämme lesen, welche von ihrem kriegerischen Gott begleitet, dessen heiligen Kriegsregeln befolgte (5.Buch Mose):
    – „…wenn du dich einer Stadt näherst gegen sie zu streiten, so sollst du ihr Frieden anbieten und es soll geschehen, wenn sie dir Frieden erwidert und dir ihre Tore auftut, so soll alles Volk, das sich darin befindet dir Sklavendienste leisten. Wenn sie aber nicht Frieden mit dir macht, sollst du sie belagern und gibt Jahve Elohim sie in deine Hand, so erschlage alle Männer mit dem Schwert. Doch die Weiber und die Kinder… sollst du für dich rauben… Jedoch von den Städten dieser Völker (in deiner Nähe), die Jahve Elohim dir als Erbteil gibt, sollst du nichts leben lassen, was Atem hat; sondern du sollst sie sämtlich vernichten“…
    Noch schärfer lautet 1.Sam.15,2f: „so spricht Jahve Zebaoth (passend der Heerscharen): …“töte alles, vom Manne bis zum Weibe, vom Kinde bis zum Säugling, vom Rinde bis zum Kleinvieh, vom Kamel bis zum Esel.“
    – Zudem beschreibt das Buch Josua 10,28-29 detailliert die kriegerischen Eroberungen kanaanitischer Stadtstaaten durch Israel, wobei nach heutigem Empfinden weitere Kriegsverbrechen an Gefangenen und „Zivilbevölkerung“ geschildert werden.
    So jedenfalls steht es im Buche der Wahrheit geschrieben, oder nicht ?

  • Wanda
    11.08.2018, 18:57 Uhr.

    Bernardo 08.08. 17:12 und Carla Maltese 11.08. 12:05
    – inzwischen gibt es tatsächlich einen neuen Mode-Begriff in der von Gutmenschen dominierten Rassismus-Debatte, und zwar der vom „Weissen Mann“ der „weissen Welt“ oder schlichtweg vom „Weissen“ und dazu hat man ganz abenteuerliche Thesen, sogar z.B. in der renommierten ZEIT, wo eine Soziologin einen Artikel überschreibt:
    – „Warum reagieren Weisse so abwehrend, wenn es um Rassismus geht? Weil sie es nicht gewohnt sind sich mit ihrem Weisssein zu befassen“. Einfach toll, oder ?
    Man kann wirklich alles und jedes zum Thema aufblasen und hervor tun sich dabei an vorderster Stelle unsere Psychologen, Soziologen und eben auch Gutmenschen, die ihr Gutsein bestätigt sehen wollen (weil es sonst keiner tut). Als ob Rassismus eine Sache der Hautfarbe wäre.
    Oh Herr, lass es Hirn regnen…

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