Vatikan-Medienminister tritt zurück

Es läuft nicht rund bei den Reformen im Vatikan. Seit Juni vergangenen Jahres ist das Sekretariat für Wirtschaft ohne Führung: Kardinal George Pell ist beurlaubt, um sich in Australien Missbrauchsvorwürfen zu stellen. Seit gestern ist nun auch das Sekretariat für Kommunikation ohne Chef. Dario Edoardo Viganò ist zurückgetreten. Er stolperte über einen Brief, mit dem er versuchte, für Franziskus ein theologisches Gütesiegel des emeritierten Theologenpapstes Benedikt XVI. zu bekommen. Der lehnte ab. Viganò veröffentlichte dennoch Teile des privaten Briefes und musste auf medialen Druck schließlich das komplette Schreiben veröffentlichen. Am Ende sind beide Päpste beschädigt. Italienische Medien sehen, sicher nicht zu unrecht, gar die Gefahr, „dass die Glaubwürdigkeit der Kommunikationsmaschinerie im Vatikan ruiniert“ werden könnte.

Ein nachdenklicher Papst heute bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Die Briefaffäre dürfte ihm in den vergangenen Tagen auch einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. (Quelle: dpa)

Nur Ungeschick oder Verschwörung?

Am Ende war der Druck zu groß. Dario Edoardo Viganò musste seinen Rücktritt einreichen, um größeren Schaden vom Vatikan und dem amtierenden Papst abzuwenden. Entsprechend begründet der Geistliche auch seinen Schritt in einem Brief an Franziskus. Ungewöhnlich ist, dass der Vatikan sowohl dieses Schreiben, als auch die Antwort des Papstes gestern veröffentlichte. Immerhin kann man so erkennen, dass Viganò nicht von möglichen eigenen Fehlern spricht, sondern betont, dass er Schaden von der Kirche und dem Reformprozess im Medienbereich abwenden bzw. vorbeugen möchte. Dass der Papst Viganò zum Assessor im Medienministerium ernennt, damit er seinen Nachfolger als Chef dort unterstützen kann, ist von außen betrachtet mindestens irritierend und für den Nachfolger sicher kein leichtes Erbe. Es wirkt wie eine halbherzige Entscheidung.

Unabhängig davon, dass Viganò in der Briefaffäre schlicht ungeschickt und unprofessionell gehandelt hat, bleibt die Frage, ob hinter dem ganzen Vorgang nicht mehr steckt. Die Frage ist, wie die Medien erfahren konnten, dass es noch den dritten Abschnitt über den Theologen Hünermann in Benedikts Brief gibt. Waren hier interessierte Kreise am Werk, die mit einem erzwungenen Rücktritt Viganòs auch das zweite große kuriale Reformprojekt von Franziskus torpedieren wollten, nachdem es bei den Finanzen schon nicht rund läuft? Oder kam der Dolchstoß aus den eigenen Reihen des vatikanischen Medienapparats, in dem es sehr viele Mitarbeiter gibt, die mit der Art und Weise der Umsetzung der Reformen nicht einverstanden sind?

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

36 Kommentare

  • Silvia
    22.03.2018, 17:24 Uhr.

    Das alles ist zwar interessant, aber diese Art von Reformen mögen vielleicht die Kardinäle im „Vorkonklave“ gefordert haben, für den Klerus an der Basis und das Kirchenvolk dürften aber DIESE Reformen völlig bedeutungslos sein.

    Da bin ich sicher nicht die Einzige, die sich andere Reformen erhofft hat.

    Mit AL ist zwar ein Anfang gemacht, aber viel zu unklar. Da wünsche ich, Jahrgang 1951, mir einen Papst wie Paul VI zurück, der die Kirche wirklich modernisiert hat.

    Dass es allerdings vor allem nach seiner Zeit als Folge des Konzils Fehlentwicklungen gab, weil die Sache aus dem Ruder gelaufen ist, steht auf einem anderen Blatt.

    • Novalis
      22.03.2018, 22:48 Uhr.

      Welche Reformen wollen Sie? Welche Sache ist aus dem Ruder gelaufen? Welche Fehlentwicklungen gab es?

    • Wrightflyer
      22.03.2018, 23:19 Uhr.

      Auf die wirklich wichtigen Reformen können Sie ewig warten wenn die römischen Katholiken in Lethargie, Bequemlichkeit, Feigheit, das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht, Passivität und Verschnarchtheit verharren.

      Franziskus wird nicht höchstpersönlich in Ihre Pfarrgemeinde kommen um dort plötzlich alles zu ändern. Das kann er garnicht! Das konnte auch Montini nicht!
      Nur hatte Montini im Gegensatz zu Franziskus das Glück daß noch viele mitgezogen haben.

      Wem mit einem Reformpapst nichts weiter einfällt als drauf zu warten daß er stirbt, dem wird auch mit dessen Nachfolger nichts besseres einfallen. Und so werden die Reformen auf den Sanknimmerleinstag vertagt.

      • Silberdistel
        23.03.2018, 13:37 Uhr.

        Wrightflyer
        22.03., 23:19 h
        Sie kennen doch rk-Kirche, sowie die Einflussmöglichkeiten des gemeinen Kirchenfußvolks auf das was in Rom so vor sich geht. Sollte die Rolle des passiven Zuschauers denn tatsächlich mehr hergeben, als die jeweiligen Rochaden im Klerus mit Beklatschen auf dem Petersplatz zu honorieren oder eben nicht?? Geben sie doch einmal ihre ganz konkrete Einschätzungen kund, wie nach ihrer Facon Papst Franziskus mehr Unterstützung wiederfahren könnte in diesem Gemeindesystem rk-Kirche. – Denke darauf dürften einige vom Fußvolk neugierig sein, die bis jetzt noch nicht darauf gekommen sind und die rk-Kirche deshalb kurzerhand einfach verlassen haben.

        • Wrightflyer
          24.03.2018, 20:57 Uhr.

          Ganz einfach: Impulse und Ideen aus seinen Schreiben, seinen Predigten und Ansprachen aufgreifen und ganz real in den Pfarrgemeinden umsetzen!

          • Silberdistel
            25.03.2018, 18:22 Uhr.

            Wrightflyer
            24.03., 20:57 h
            Bei ihrerseits derart viel an den Tag gelegten Enthusiasmus und Engagement für die rk-Kirche, wird wohl bald die Rückkehr in diese zu erwarten sein?! – Da sie doch der rk-Kirche den Rücken gekehrt hatten und nunmehr bei den Altkatholiken sind.

          • Wrightflyer
            26.03.2018, 21:48 Uhr.

            Neeee, lassen Sie mal! 🙄 Altkatholisch sein ist super! Ich will nichts anderes mehr sein!

            Mir geht es eigentlich mehr darum daß das ganze Christentum wieder Schwung bekommt. Und dazu reicht es aber lange nicht, wenn es einer vergleichsweise kleinen Kirche ziemlich gut geht.
            Es steht einfach zuviel auf dem Spiel um in seinem eigenen konfessionellen Schrebergarten zu bleiben…

            Auch die evangelische Kirche hat so ihren Reformstau, wie nicht zuletzt mein dort aktiver bester Freund aus dem Studium (und Pfarrersneffe) zugibt. Dort kann ich mich aber nicht so einklinken, weil ich noch nie tief genug drin war. Und wie ich mit orthodoxen Hartriegeln reden soll, weil ich schonmal garnicht.
            Aber römisch-katholisch war ich mal, da kann ich meine Erfahrungen aus beiden Welten zusammentragen und vergleichen.

      • bernardo
        24.03.2018, 9:03 Uhr.

        Natürlich müssen auch viele mitziehen, und natürlich sind die Missstände älter als Franziskus‘ Pontifikat. Man kann sich aber nach der schlechten Personalauswahl von Benedikt fragen, ob die von Franziskus wirklich besser ist. Ich glaube, dass er eine arme Kirche für die Armen wünscht. Die Betonung liegt auf „arme Kirche“: Das hat weniger mit ausgelatschten Schuhen oder einem Blechkreuz als mit der Einstellung zu tun – und hier kann man sich fragen, ob die Kardinäle Marx, Pell oder Maradiaga die richtigen sind, das umzusetzen. (Okay, Pells Mitwirkung ruht momentan.)

        • Wrightflyer
          24.03.2018, 20:52 Uhr.

          Ich habe neulich von einer Bischofsernennung gelesen, da habe ich wirklich Stielaugen gekriegt.
          Der Typ ist in einer Industriestadt aufgewachsen. Diese Industriestadt ist mal eben durch das größte Chemieareal der Welt geprägt. Die Stadt bekommt schon auch die Verachtung der großen Nachbarstadt zu spüren, teilweise zu Unrecht. Neben den gewaltigen Bausünden existieren auch schöne Ecken. Aber es ist insgesamt eine Stadt die es nicht leicht hat, vielschichtig und multikulturell ist, vor allem aber durch Arbeiterschaft und Chemieindustrie geprägt.
          Das prägt einen natürlich geerdeter und dem Menschsein näher als… z.B. Marktl am Inn.

  • Novalis
    22.03.2018, 22:52 Uhr.

    „Waren hier interessierte Kreise am Werk, die mit einem erzwungenen Rücktritt Viganòs auch das zweite große kuriale Reformprojekt von Franziskus torpedieren wollten, nachdem es bei den Finanzen schon nicht rund läuft?“

    Man darf schon auch Ross und Reiter nennen. Es sind rechts-reaktionäre Kreise, die den Papst torpedieren wollen und sich dabei nicht nur nicht zu schade sind, Ratzinger zu instrumentalisieren, sondern sich nicht entblöden, Ratzinger mithin die Maske vom Gesicht zu reißen und ihn als das dastehen lassen, was er immer schon war: klein und offenkundig unversöhnt.

    • Wanda
      23.03.2018, 17:48 Uhr.

      …“Nur einer ist Euer Vater(Papa/Papst) und der ist im Himmel. Ihr alle aber seid Brüder(und Schwestern)“…
      Das hatte der Nazarener seinen Gefolgsleuten ausdrücklich aufgetragen !
      – Wurde ja anfänglich wohl auch befolgt, was nicht zuletzt zum Erfolg und der raschen Verbreitung der Ur-Gemeinden beitrug. Dann aber konnte man der Versuchung nicht widerstehen, sich über die Glaubens“brüder“ zu erheben und die dem Gedankengut des jungen Christentums völlig zuwiderlaufende fremde imperial-römische Struktur und das orientalische Riten-Gehabe zu kopieren.
      – Die Weiterverbreitung erfolgte danach als Zwang zur Staatsreligion infolge der unheilvollen Allianz mit den weltlichem Mächten: die Kirche bestätigte den Herscherhäusern die gottgewollte Obrigkeit ihrer Dynastien und erhielt dafür Privilegien und Schutz gegen ihre vermeintlichen Feinde. Damals, so ein Kirchenhistoriker, verlor die junge Kirche ihre Unschuld…

      • Wrightflyer
        24.03.2018, 20:44 Uhr.

        Bischen ist das auch zeitbedingt erklärbar.
        Nach dem Römischen Reich, als das Mittelalter noch nicht wirklich da war, gab es hier nichts mehr, keine starken staatlichen Strukturen und das alles. Die Leute waren schutzlos. Ständig kamen bewaffnete Randarierer und plünderten die Leute aus.
        Wenn Ihnen oder mir jemand den Kühlschrank plündert, dann gehen wir zur Polizei und machen eine Anzeige und gehen dann halt nochmal einkaufen. Wenn damals jemand einem Bauern die ganze Ernte abnahm, hatte er nichts mehr, schlimmstenfalls nichtmal Saatgut.
        Die Kirche versuchte, wieder Strukturen zu etablieren.

        Aber daß das auch völlig entgleiste, die ganze Kirchenhierarchie, das ganze Papsttum, da stimme ich Ihnen absolut zu.

        • Wanda
          30.03.2018, 17:03 Uhr.

          Wrightflyer 24.03. 20:44
          – Erklärbar ja, aber nicht entschuldbar.
          Die Kirche hat sich nicht an die einfache und anfangs so enorm erfolgreiche Botschaft des Nazareners gehalten. Es war keineswegs ihre Aufgabe, totale Machtstrukturen zu entwickeln bzw. die Gelegenheit zu nutzen, das Vakuum weltlicher Macht (Rom) auszunutzen und sich selbst als solche zu gebärden bzw. an dessen Stelle zu setzen (mein Reich ist nicht von dieser Welt).
          – Übrigens exixtierten nördlich der Alpen sehr wohl organisierte und relativ geordnete Machtbereiche von „barbarischen“ Stammesverbänden mit Stammesadel, dem bei Konflikten eine „nur temporäre“ Machtfunktion zugestanden wurde. Es gab einfache, aber sehr klare Gesetze und Verhaltensmassregeln (ohne sogenannte lateinische Winkelzüge* und Interpretierbarkeiten). Und wer behauptet, sie seien im Vergleich zu denen des römischen Imperiums barbarisch gewesen, der mag sich an die Willkür der römischen Staatsmacht und ihrer Despoten erinnern: absolut menschenverachtend und aggressiv.
          *)Wie mir ein Notar einmal sehr einleuchtend am Beispiel des deutschen Eigentumsrechtes demonstrierte „die Auflassungvormerkung entsammt altem germanischen Recht: einfach, offen und einleuchtend. Alles Andere stammt aus der Übernahme des römischen Rechts und ist über die Klöster zu uns gelangt: kompliziert, immer mit einem Hintertürchen versehen, tricksend, verzinkt und interpretationsfähig“…

  • Wrightflyer
    22.03.2018, 23:12 Uhr.

    Ja… die Aktion war Mist!
    Wer immer das verzapft hat, hat offenbar die Nerven verloren.

    Franziskus braucht ganz sicher kein Gütesiegel vom Altpapst. Daß er das Evangelium verstanden hat und auch hervorragend erklären kann (und wozu bitte ist ein Papst sonst da?), ist offensichtlich.

  • Silvia
    23.03.2018, 16:14 Uhr.

    Was die für die Basis wirklich wichtigen Reformen angeht, so können die weder vom Kirchenvolk, noch von den Priestern durchgeführt werden.

    Ohne den Papst wird es NIE verheiratete Priester oder sakramental geweihte Diakoninnen geben.

    In unserer Gesamtkirchengemeinde haben wir vor einem Jahr eine Unterschriftenaktion für verheiratete Priester aus gegebenem Anlass durchgeführt und dem Bischof übergeben mit der Bitte, sich dafür in Rom einzusetzen. Aber unser Bischof hat abgewiegelt.

    Das Kirchenvolk ist auch keineswegs „verschlafen“ oder gleichgültig, es gibt einige erfolglose Reformbewegungen, eine davon in meiner Gegend kenne ich persönlich.

    Auch sonst sind wir keineswegs ein träger Haufen und aktive Jugendliche haben wir genug, inzwischen auch wieder einen guten Pfarrer.

    Aber wenn es an die großen Reformthemen geht, führt kein Weg am Papst vorbei.

    Im Übrigen weise ich die Unterstellung, dass ich auf den Tod von Papst Franziskus warte, energisch zurück.

    Aber bei einem 81- Jährigen darf man sich wohl mal Gedanken machen, wie es nach seinem Pontifikat weitergehen wird, das ist nur realistisch.

    • Novalis
      23.03.2018, 19:07 Uhr.

      Es gibt in 22 von 23 katholischen Kirchen bereits verheiratate Priester. Man muss die Sache schon auch richtig benennen.

      • Silvia
        23.03.2018, 20:44 Uhr.

        Novalis
        23.03.2018, 19:07 Uhr.

        Ja, in den mit Rom unierten Ostkirchen, nicht aber in der rk lateinischen Kirche.

        • Wrightflyer
          24.03.2018, 20:16 Uhr.

          @Silvia
          Öhm… die altkatholische Kirche ist aber keine mit Rom unierte Ostkirche… *räusper*

          • Silvia
            25.03.2018, 22:30 Uhr.

            Wrightflyer
            24.03.2018, 20:16 Uhr

            Es geht hier aber ausdrücklich um Kirchen, die den Papst als Oberhaupt anerkennen, was bei der altkatholischen Kirche nicht der Fall ist.

      • Heilbründl
        24.03.2018, 5:24 Uhr.

        Liebe/r Novalis, können Sie mir das näher erläutern, meinen Sie da die orthodoxen Kirchen?
        Danke!

        • Novalis
          24.03.2018, 14:52 Uhr.

          Nein, es gibt 23 katholische Kirchen, die den Papst als Oberhaupt anerkenen, nur die römisch-katholische Kirche kennt als einzige den Zölibat Regelvoraussetzung für das Priesteramt. Und auch davon wird dispensiert, wenn ein evangelischer Pastor konvertiert (der ja als Protestant im Gegensatz zu den katholischen Bewerbern ja nicht einmal gefirmt war). Es geht also eigentlich nicht um die Aufhebung des Zölibats. Es geht um die Beendigung eines wenig ökumenischen, theologisch und spirituell für die Betroffenen wenig sinnvollen, für die Gemeindeversorgung gerade desaströsen Sonderweges. Wieviele Geistliche würden ihren Beruf besser und lieber machen, wenn sie zu Hause Ansprache von ihrer Frau (oder auch ihrem Mann) hätten und wenn sie einfach auch mal guten Sex hätten. Da wären manche Sorgen wie weggeblasen. Die Weigerung etwas zu ändern am Zölibat beruht jedenfalls vorrangig darauf, dass man einerseits nicht auf ein Machtinstrument verzichten (wie einfach: eine Hürde zu errichten, die niemand halten kann, macht einfach erpressbar) will und weil man andererseits eingestehen müsste, wieviele Pfarrer schlicht nicht eine FRAU heiraten wollen, sondern einen Mann.

          • Wanda
            24.03.2018, 17:29 Uhr.

            – kann an kaum von der Hand weisen…

    • Wrightflyer
      24.03.2018, 20:21 Uhr.

      Doch, wenn das einzige was einem einfällt ist: Wie wird sein Nachfolger sein? und das obwohl Franziskus gesundheitlich keineswegs schwächelt und noch Kraft für anstrengende Auslandsreisen und einen vollen Terminplan hat, dann wartet man jetzt schon auf seinen Tod.

  • bernardo
    24.03.2018, 9:10 Uhr.

    „Im Übrigen weise ich die Unterstellung, dass ich auf den Tod von Papst Franziskus warte, energisch zurück.“

    Dasselbe gilt natürlich auch für mich. Übrigens auch die Unterstellung, ich würde eine (die römische) Kultur in den Himmel heben, die andere (die arabische) in die Hölle verbannen. Aber man muss schon historische Korrektheit walten lassen: In unserer von Selbstzweifel und Selbsthass angekrankten Kultur ist es eher umgekehrt, wir idealisieren Al-Andalus und verdammen „unser“ finsteres Mittelalter. Das, was an Rezeption der Antike in den Westen gelangt ist, kam vor allem von den Griechen (Byzantinern) und von den unter der arabisch-muslimischen Herrschaft lebenden Christen.

    • Wanda
      24.03.2018, 16:44 Uhr.

      Man kann die Fakten einfach nicht leugnen und muss diese auch benennen dürfen:
      – Der Islam war gleich von Anfang an aufgrund der Aktivitäten seines prophetischen Gründers mit politischer Macht verknüpft, d.h. der Islam umfasst gleichermassen die geistige und die profane Welt. Muslimischer Ansicht zufolge ist die höchste Staatsgewalt*) bei Allah/Gott hinterlegt. Von ihm erhielt der Prophet seine Autorität und das Gesetz, d.h. Staat und Religion sind nicht zu trennen. Diese göttliche Recht durchzusetzen, es zu verteidigen und der übrigen Menschheit mitzuteilen – diese religiöse Aufgabe liess sich nur durch politische und militärische Macht, das bedeutet mit unumschränkter Staatsgewalt erfolgreich lösen.
      *) binnen kurzem hatte Mohammed denn auch den Einflussbereich seiner religiösen Gemeinschaft mit Waffengewalt erweitert und später durch seine Reiterheere einen gut organisierten, bewaffneten Staat gegründet, der zum dominierenden Faktor in Arabien wurde.
      – Bezeichnenderweise gibt es die Zweiteilung Kirche und Staat im Islam nicht und so finden sich im klassischen Arabisch auch keine Entsprechungen zu den Wortpaaren „säkular und kirchlich“ oder „geistlich und weltlich“…
      Das musste auch der Unions-Fraktionsvorsiztende Volker Kauder erfahren, als ihn die höchste sunnitische Autorität, Gross-Imam Ahmad Al-Tayyeb, bei einem Treffen barsch zurechtwies „Hören Sie mir auf mit der Aufklärung, wonach der Staat über der Religion steht – bei uns muss die Religion über dem Staat stehen“…
      – Konträr dazu das Christentum mit der überaus deutlichen Jesus-Aussage „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ (auch wenn sich dann mit Konstantin für Jahrhunderte die unselige Verkettung Amtskirche Staat ergab).

      • Jürgen Erbacher
        Jürgen Erbacher
        24.03.2018, 16:52 Uhr.

        Weitere Kommentare zum Thema Islam werden nicht freigeschaltet; denn hier geht es um die Reformen im Vatikan und nicht um den Islam.

        • Wanda
          24.03.2018, 17:53 Uhr.

          Schon ziemlich seltsam, Herr Erbacher:
          – es war ein als Richtigstellung gedachter Beitrag zu den vorherigen, wo es um den Vergleich des für die Kirche strukturell stark bestimmenden imperial-römischen Einflusses (heisst es nicht röm.-kath.?) und dem Anteil des idealisiert dargestellten arabischen Umweges von antikem Wissen nach Europa ging…
          – Meine Frage an Sie: werden jetzt auch in diesem Blog alle kritische Bemerkungen zum Islam einer total falsch verstandenen politcal correctness geopfert, während durchaus berechtigte Kritik an der Amtskirche und deren Geschichte erlaubt sind ?
          Ein offenbar dem Zeitgeist geschuldeter, devoter Widerspruch !

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            25.03.2018, 16:45 Uhr.

            Es geht bei diesem Thema um den Rücktritt des Vatikan-Medienministers und die stockenden Reformen im Vatikan. Kritische Bemerkungen zum Islam sind selbstverständlich möglich. Aber nicht in einer Diskussion, in der es um eine vatikaninterne Angelegenheit geht. Deshalb haben wir die Diskussion über ein Thema, das nicht an diese Stelle gehört, beendet. Ihren Kommentar haben wir noch veröffentlicht, da Sie ihn bereits vor unserem Hinweis geschrieben hatten.

    • Wrightflyer
      24.03.2018, 20:10 Uhr.

      Es ist noch lange nicht Selbsthass, einen differenzierten Blick auf Europa zu haben und auch das Römische Reich nicht blind zu idealisieren!

      Es lebten eben nicht 1 Million vergeistigter Philosophen in Rom. Und es haben eben nicht Philosophen Europa erobert, sondern Legionen.

      Die europäische UND die arabische Geschichte sind nicht einfach sondern sehr komplex, und sie sind enger verzahnt als wir gern hätten!

      Haben Sie eigentlich heute schon Kartoffeln, Tomaten, Mais, Truthahn oder Schokolade gegessen? Und hatten Sie jemals ein Gefühl der Dankbarkeit den Indianern gegenüber als Sie solche Dinge aßen?
      Ohne die Einflüsse anderer Kulturen sähe unser Speißeplan heute noch erbärmlich aus.

      Und ja, auch das was uns die Römer brachten war nicht alles deren Erfindung sondern teilweise auch aus allen Ecken des Imperiums zusammengeklaut. Die Römer waren vor allem eines: Pragmatisch! Philosophen waren sie nur nebenbei.

      Und was Arabien angeht:
      Es gab mal ein Arabien das wir uns heute nicht mehr vorstellen können, eines vor den Wahabiten und vor allem vor Sykes-Picot.

      • Wanda
        25.03.2018, 16:50 Uhr.

        Es gab schlichtweg keine „römische“ Philosophie: die wenigen Römer, die sich damit schmückten, hatten sie sich ganz pragmatisch (wie nunmal die Römer waren)von den Griechen geliehen.
        Bertrand Russel

      • bernardo
        25.03.2018, 23:53 Uhr.

        Offensichtlich war der beste Kommunikationschef im Vatikan der Opus-Dei-Arzt unter JPII. Vielleicht auch deswegen, weil er am nächsten am Papst „dran“ war. Pressesprecher sind für Journalisten dann interessant, wenn sie selbst Einblicke haben in die Führungsspitze. Ist bekannt, dass der Pressesprecher kaum Kontakt zum Präsidenten, Ministerpräsidenten, Kanzler, CEO etc. – oder in diesem Fall zum Papst hat, ist er ziemlich uninteressant als Gesprächspartner.

        PS: Ich idealisiere nicht. Das Imperium war das Werk der Soldaten, Generäle, Ingenieure, Administratoren, nicht der Philosophen. Ein Imperium wird nicht durch eine Philosophie geschaffen, auch nicht durch einen „grand design“, sondern durch Zufälle und Begabungen. Die Philosophie, in diesem Fall die Stoa, folgt und dient der Legitimation des Imperiums.

        PS2: Für die Schokolade bin ich den Indianern noch heute dankbar. Auf die Kartoffel hätte ich allerdings auch verzichten können. 🙂

        PS3: Doch, unsere Kultur liebt das Schwelgen in der Schuld. Je protestantischer und lutherischer sie geprägt ist, umso stärker. Ich denke, hier wirkt die Erbsündenlehre besonders stark, wenngleich in säkularisierter Form. Wir erleben „Sykes-Picot“, das übrigens nicht eingehalten wurde, als Sündenfall. Wäre es umgekehrt geschehen, wäre es die natürlichste Sache der Welt gewesen.

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          26.03.2018, 11:21 Uhr.

          Viganò war ja nicht der Pressesprecher des Papstes, sondern der Leiter des „Medienministeriums“. Sein Zugang zu Franziskus dürfte ähnlich eng gewesen sein, wie der von Navarro-Valls zu Johannes Paul II. Die Frage ist, ob es allerdings nicht besser wäre, dass der eigentliche Pressesprecher einen direkten Zugang zum Papst hat. Das ist aktuell Greg Burke.

        • Wanda
          26.03.2018, 17:24 Uhr.

          Bernardo 25.03. 23:53
          – was die stoa-geprägte Führung des römischen Imperiums einerseits und den lateinamerikanischen Kakao andererseits angeht (der ja erst durch belgische, also europäische Eigenleistung zu Schokolade wurde), meine volle Zustimmung…

        • Wrightflyer
          28.03.2018, 20:43 Uhr.

          Meine ursprüngliche Antwort an Sie wurde nicht freigeschalten.
          Jetzt nochmal…

          Nein, ich kann dieser Art, historische Verbrechen kleinzureden, nur weil diejenigen mit denen man diese Dinge gemacht hat keine Europäer waren, nichts abgewinnen.
          Sie würden ja ganz sicher auf die Barrikaden gehen, wenn man im Zusammenhang mit der Schoah von „Schwelgen in Schuld“ oder „Schuldkomplex“ reden würde.
          Die Schoah wird mit Recht als gigantisches Verbrechen bezeichnet, es gibt Gedenkveranstaltungen und man schämt sich deswegen. Und das ist gut so.
          Wenn man aber jedes Schuldbekenntnis gegenüber den Völkern in Europas alten Kolonien ablehnt, wenn man die Schuld der Kolonialherren kleinredet und das mahnende Gewissen lächerlich macht, dann drückt man damit im Prinzip aus, daß Nichteuropäer weniger Wert sind, weniger Würde, weniger Rechte haben als Europäer.

          Nur weil man das mit den Menschenrechten in Europa erst vor relativ kurzer Zeit kapiert hat, erst im 20. Jahrhundert, ist das was die Kolonialherren gemacht haben, in den Amerikas, in Afrika, in Südostasien und eben in Arabien, noch lange nicht richtig!
          Die Sonne hat sich ja auch noch nie um die Erde gedreht, nur weil man früher mal meinte daß sie es tun würde! Und die Evolution des Lebens fing auch nicht plötzlich mit Darwins Reise mit der Beagle und Mendels Erbsenzählerei an, sondern es gab sie schon immer und die alte 6-Tage-Karnickel-aus-dem-Hut-Vorstellung war falsch!

          Es steht ja bei uns auch im Gesetz, daß Straftäter resolialisiert werden sollen. Dazu muss der Straftäter aber vor allem mal einsehen, daß er sich falsch verhalten hat, anderst kann das nicht gelingen.
          Genauso kommen wir auch nicht zu einem gesunden Weltgefüge wenn wir weiterhin meinen, daß wir mit nichteuropäischen Völkern machen dürfen was uns gerade gefällt, sie ausbeuten oder aus geopolitischen Machtgelüsten verarschen dürfen, gerade wie es uns passt.

          Mal ein Beispiel, die Piper Alpha. Die hatte auch noch Öl und Gas von zwei benachbarten Förderplattformen, Tartan und Claymore, gesammelt, im Fabriktrakt getrennt und Richtung Festland geschickt. Wegen einem vergessenen Formblatt (bei einer Pumpe fehlte das Sicherheitsventil, das Loch war einfach mit einer Metallplatte verschlossen) gab es auf der Piper Alpha eine Explosion. Die Besatzung funkte Mayday und gab außerdem durch daß sie den Funkraum aufgeben musste. Die Manager von Tartan und Claymore konnten sich dann natürlich denken daß es auf der Piper Alpha dramatisch aussah. Trotzdem weigerten sie sich, die Förderung einzustellen und ihre Leitungen abzuschiebern. Sie hatten vom Festland aus die Order, die Förderung möglichst nicht zu unterbrechen. Es kam wie es kommen musste: Noch 3 weitere Gasleitungen gingen hoch und Piper Alpha war samt Besatzung nicht mehr zu retten. Hubschrauber kamen garnicht erst an das Inferno ran.
          Die Manager von Tartan und Claymore verhielten sich innerhalb ihres gelernten Wertesystems: Das Geld das das Öl und das Gas reinbringt ist wichtiger als Sicherheitsbedenken. Aber verhielten sie sich auch richtig? Die Angehörigen der verstorbenen und die wenigen überlebenden Besatzungsmitglieder haben da wohl ihre Meinung dazu…

  • Wrightflyer
    24.03.2018, 20:58 Uhr.

    @Redaktion:
    Was machen eigentlich die Vorbereitungen zur Jugendsynode?

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      25.03.2018, 16:40 Uhr.

      Dazu gibt es demnächst hier im Blog noch ausführlichere Infos. Bitte noch einen Moment Geduld.

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