Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Vatikanumfrage zur Jugendsynode

Wie sieht die Lebenswelt junger Menschen heute aus? Darum geht es in dem Fragebogen, mit dem der Vatikan im Vorfeld der Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ die Betroffenen in den Beratungsprozess einbinden will. Noch ist nicht klar, welche Rolle die Jugendlichen auf der Synode im Oktober 2018 spielen werden. Denn eigentlich ist es eine Bischofssynode; da ist wenig Platz für Laien. Wie schon beim synodalen Prozess zu Ehe und Familie, der Ende 2013 mit einer weltweiten Umfrage begann, möchte der Papst die Beratungen der Bischöfe erden und sich ein möglichst breites Bild über die Situation der Jugendlichen verschaffen. Seit dieser Woche gibt es den Fragebogen auf der Vatikanseite nun auch in einer deutschen Version. Es fällt auf, dass es bei den Fragen vor allem um die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen geht und nicht um ihre Haltung zu Glaubensfragen oder einzelnen kirchlichen Positionen. Interessant ist, dass der Vatikan der „Präsenz im Internet“ und hier vor allem den „sozialen Netzwerken“ ein eigenes Kapitel widmet.

Papst Franziskus möchte mehr wissen darüber, wie junge Menschen heute Entscheidungen fürs Leben treffen. Dabei soll die Online-Umfrage helfen. (Quelle: reuters)

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Streitbarer Kirchenmann – zum Tod von Kardinal Meisner

Er war ein streitbarer Kirchenmann bis zum Schluss. Joachim Kardinal Meisner gehörte zu den vier Kardinälen, die Papst Franziskus wiederholt zu einer Klarstellung in Bezug auf das Päpstliche Schreiben Amoris laetitia aufgefordert hatten. Über viele Jahrzehnte prägte Meisner die Kirche nicht nur in Deutschland entscheidend mit. Dabei nutzte ihm das große Vertrauen, das er bei Papst Johannes Paul II. genoss. Der hatte ihn 1989 zum Erzbischof in Köln ernannt, gegen den Widerstand vieler Laien und Kleriker. 25 Jahre lang stand er an der Spitze des Erzbistums, das mit zwei Millionen Katholiken das mitgliederstärkste in Deutschland ist und zu den finanzstärksten Diözesen weltweit gehört. Entsprechend groß war sein Einfluss. Den machte er etwa geltend bei der Besetzung von Bischofsstühlen oder in den 1990er Jahren als Befürworter des Ausstiegs der kirchlichen Beratungsstellen aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung. Lange Jahre war Meisner das Gesicht des konservativen Flügels der katholischen Kirche. Heute ist er im Alter von 83 Jahren gestorben. Mit seinem Tod verliert die katholische Kirche in Deutschland einen ihrer profiliertesten Vertreter.

Kardinal Joachim Meisner im März 2014 bei seinem Abschied als Erzbischof von Köln. (Quelle: dpa)

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Kardinal Müller muss gehen

Es ist ein Paukenschlag mit Vorlauf. Papst Franziskus verlängert das Mandat von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Chef der vatikanischen Glaubenskongregation nicht. Der 69-Jährige muss nach Ablauf des Quinqueniums gehen. Der Vatikan veröffentlichte am Samstagmittag eine entsprechende Erklärung. Papst Franziskus hatte dem Kardinal seine Entscheidung erst am Freitag am Ende einer Audienz mitgeteilt. Müller soll von der Entscheidung überrascht gewesen sein. Dem Vernehmen nach bat der Papst dem Deutschen einen anderen Posten an, den er aber abgelehnt habe. Müller selbst erklärte am Samstag in Mainz, der Papst habe ihm mitgeteilt, dass er künftig die Amtszeiten auf fünf Jahre begrenzen wolle. Er sei nun der Erste gewesen, bei dem er das umgesetzt habe. Differenzen zwischen ihm und dem Papst habe es nicht gegeben, so Müller gegenüber Journalisten. Allerdings hatte die Chemie zwischen dem Papst und seinem obersten Glaubenshüter nie so richtig gestimmt. Da nützte auch die große Nähe Müllers zur Kirche in Lateinamerika und der dort weit verbreiteten Befreiungstheologie nichts – bei seiner Ernennung zum Präfekten durch Benedikt XVI. wollten deshalb mehrere konservative Kardinäle Müller verhindern. Immer wieder machte Müller seinen Dissens zum Kurs von Papst Franziskus öffentlich. Um die Gründe für den Rücktritt ranken sich nun viele Gerüchte; doch es dürften allein die inhaltlichen Differenzen am Ende ausreichen, die Entscheidung zu begründen. Papst Franziskus dürfte gemerkt haben, dass die Glaubenskongregation eine zu wichtige Institution ist, als dass man sie aufs Abstellgleis stellen kann. Sie könnte nun zur zentralen Denkfabrik für das Pontifikat werden.

Februar 2014: Papst Franziskus nimmt Gerhard Ludwig Müller ins Kardinalskollegium auf. (Quelle: dpa)

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