Papst: Mit Solidarität gegen Populismus

60 Jahre Römische Verträge feiern die Staats- und Regierungschefs der EU heute in Rom. Doch das Staatenbündnis steckt in einer Krise. Dass das nichts Negatives sein muss, betonte gestern Abend Papst Franziskus bei einem Treffen mit den Politikern im Vatikan. „Unsere Zeit ist eine Zeit der Entscheidung, die dazu einlädt, das Wesentliche zu prüfen und darauf aufzubauen: Es ist somit eine Zeit der Herausforderung und der Möglichkeiten.“ Anders als in früheren Europareden beließ es Franziskus dieses Mal nicht bei der Kritik und Mahnung. Vielmehr zeigte er Perspektiven auf, wie Europa wieder Hoffnung finden könne. Der Mensch müsse in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns gestellt werden. Als reine Wirtschaftsunion funktioniert das Staatenbündnis nicht, macht Franziskus deutlich. Nicht dass das etwas Neues wäre aus dem Mund eines Papstes. Seine Vorgänger hatten das auch immer wieder betont. Doch in wirtschaftlich guten Zeiten, konnte man solche Stimmen gut überhören; angesichts der anhaltenden Krisen sind die handelnden Personen vielleicht offener für derartige Mahnungen. Immerhin soll in der Erklärung der Staats- und Regierungschefs zum Jubiläum heute der Solidaritätsgedanke stark verankert werden.

Zum Abschluss gab es ein Gruppenbild in der Sixtinischen Kapelle. (Quelle: reuters)

Zum Abschluss des Treffens gab es ein Gruppenbild in der Sixtinischen Kapelle. (Quelle: reuters)

Mensch muss im Mittelpunkt stehen

Franziskus sparte nicht mit Kritik. Er sprach von einem „Erinnerungsvakuum, das unsere heutige Zeit kennzeichnet“. So übersehe man gerne, dass das europäische Projekt die längste Friedenszeit der letzten Jahrhunderte auf dem Kontinent gebracht habe. Der Papst erinnerte an die Ideen der Gründerväter und erklärte: „Das erste Element europäischer Lebenskraft ist die Solidarität“. Aus ihr entspringe die Fähigkeit, „sich für den anderen zu öffnen“. Sie sei auch „das wirksamste „Heilmittel gegen Populismus“. Als weitere Pfeiler der Gründungsidee macht er aus: die Zentralität des Menschen, die Offenheit für die Welt, das Verfolgen des Friedens und die Entwicklung, also die Offenheit für die Zukunft.

Auffallend ist, dass Franziskus immer wieder die Zentralität des Menschen betont: die Bedeutung, die eine menschenwürdige Arbeit, angemessene Lebensbedingungen und der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung für das friedliche Miteinander haben. „Es gibt keinen Frieden, wo Arbeit oder die Aussicht auf einen menschenwürdigen Lohn fehlen. Es gibt keinen Frieden in den Peripherien unserer Städte, in denen Drogen und Gewalt grassieren.“ Europa habe eine Zukunft, wenn es in Arbeit und Familien investiere, ist Franziskus überzeugt, und die politischen Institutionen müssen bürgernäher werden.

Migration legt tiefere Frage offen

Keine Europarede des Papstes ohne auf das Thema der Migration zu sprechen zu kommen. Er warnt Europa davor, „sich nicht in die Angst falscher Sicherheiten einzuschließen“. In seiner Analyse kommt er zu dem Schluss, dass die Migrationsproblematik einen wunden Punkt in Europa offenlege, der zunächst einmal gar nichts mit den Flüchtlingen zu tun hat: „Die Angst, die man häufig wahrnimmt, findet nämlich ihren tieferen Grund im Verlust der Ideale.“ Ohne eine eigene Perspektive und eigene Ideen werde man am Ende von der Angst beherrscht, „dass der andere uns aus den festen Gewohnheiten herausreißt, uns die erworbenen Annehmlichkeiten nimmt, auf gewisse Weise den Lebensstil in Frage stellt, der allzu oft nur aus materiellem Wohlstand besteht“.

Franziskus macht im Wohlstand den Grund dafür aus, dass Europa seine Offenheit im Denken verloren hat. Europa habe aber ein geistiges und ideelles Erbe, das weltweit einzigartig sei. Diese müsse wieder mit Leidenschaft und neuer Frische aufgegriffen werden. „Es stellt das beste Heilmittel gegen das Vakuum an Werten unserer Zeit dar, jenen fruchtbaren Boden für die Extremismen unserer Zeit“. Sprich: Europa besinne Dich auf deinen geistigen und ideellen Reichtum, der, so Franziskus, stark von christlichen und humanen Werten geprägt sei.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

29 Kommentare

  • Wanda
    25.03.2017, 17:21 Uhr.

    – mir geht Mahnen (und sei es noch so berechtigt) grundsätzlich dann auf die Nerven, wenn sie von Leuten kommt, deren eigene, streng hierarchische Institution gravierende Defizite der Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung aufweist, d.h. die beträchtlich weit von den eigenen Idealen (d.h. denen ihres Gründers) entfernt ist.
    Vor der eigenen Tür kehren, sollte eigentlich die Devise sein…
    P.S. das schliesst nicht aus, dass ich Franziskus‘ Bemühungen im eigenen Laden durchaus anerkenne. Nur erinnert mich das leider manchmal an die Windmühlen des Don Quichotte…

    • Alberto Knox
      25.03.2017, 22:09 Uhr.

      mir scheint, dass manche vergessen, dass nach katholischer überzeugung wahrheit nicht durch demokratische abstimmung hergestellt wird. der kirche einen mangel an demokratie zu unterstellen ist daher so ähnlich wie wasser vorzuwerfen, dass es nass sei.
      der papst oktroyiert ja schließlich in fragen der gesellschaft keine katholische wahrheit auf, sondern setzt sich für eine reichlich egalitäre, soziale, an teilhabe orientierte formung europas auf. daran ist nichts, aber auch wirklich nichts auszusetzen. und wem die kirche nicht passt, kann ja austreten – oder sich dafür einsetzen, dass sie sich ändert. permanentes nörgeln zeigt m.e. eher defizite beim nörgler als beim benörgelten.

      • Silberdistel
        27.03.2017, 10:48 Uhr.

        Alberto Knox
        25.03., 22:09 h
        „..dass nach katholischer überzeugung wahrheit nicht durch demokratische abstimmung hergestellt wird“ Zitatende.
        Es ist sehr korrekt, das viele Aussagen hier in das blog mit ´katholisch´ vermerkt werden. Was von vorn herein richtig impliziert das ´katholisch´ nicht automatisch mit christlich gleichzusetzen ist.
        Ich vertrete immer noch die These, das Demokratie ohne die Botschaften Christi sich so nicht hätte (erfolgreich) entwickeln können. Das zur Demokratie das Christentum gehört bzw. dem immanent ist. Denkbar als rein theoretische Alternative wäre eine rein humanistische Variante, wie sie etwa die Sowjeträte mal sein sollten, deren ‚Erfolge´ historisch bekannt, jedoch abgestraft wurden.
        Da hat sich ca. im Jahr 30 ad mit den Lehren und Botschaft des Jesus Christus ein ´upgrade´ in die damalige, nicht nur religiöse, sondern ebenso übrige Geisteswelt ergossen; die die Menschen successive für sich vereinnahmt hat. Nebenbei bemerkt ganz ohne Brimborium & BimBam, nur aufgrund der (frohen) Botschaft. Sich hauptsächlich zunächst in den Raum des heutigen Europa ergossen hat. Die Lehre der Geschwisterlichkeit vor Gott – die per se eine Erfolgsgeschichte ist, historisch belegbar. Jedenfalls da wo sie sich, teils gegen den vehementen Widerstand der rk-Kirche (Aufklärung – Was soll es einem als Christ auch interessieren, ob beispielsweise die Erde eine Kugel ist oder eine Scheibe. Dagegen ist jedoch durchaus interessant, WIE zusammen gelebt wird), frei entfalten konnte.
        Ich denke Papst Franziskus hat in seiner o.g. Rede als Leader einer der namhaften christl. Konfessionen und Karlspreisträger zurecht an diese Basis, der Basis der URLEHRE JESU, der GESCHWISTERLICHKEIT VOR GOTT, und damit an das Evangelium erinnert. Und nicht daran was Katholizismus in Europa konnte und kann. Das hätte im Hinblick auf den 30jährigen Krieg wie die Inquisition wohl auch nicht so viele der europäischen Staatslenker interessiert.

        • Alberto Knox
          27.03.2017, 15:30 Uhr.

          ich muss sie enttäuschen, katholisch (im nichtkonfessionellen sinne) und christlich sind synonyme. vor dem 19. jahrhundert gibt es so gut wie KEINE übersetzungen und erläuterungen (im katholisch-konfessionellen bereich) zum glaubensartikel des apostolischen glaubensbekenntnis, dass man die „katholische“ kirche (ecclesiam catholicam) glaube, in denen catholicus NICHT mit christlich übersetzt wird.

          putzigerweise sind es heute die lutherischen, die diese alte, gute und richtige sowie vor allem KATHOLISCHE übersetzung von catholicus beibehalten…

          • Wrightflyer
            30.03.2017, 21:36 Uhr.

            Nur hatte sich irgendwann vor einigen Jahrzehnten (wann genau müssen mir die Kirchenhistoriker erklären, jedenfalls bevor ich mit der Grundschule fertig war muss das gewesen sein) die Bedeutung des Wortes „katholisch“ von seiner ursprünglichen Bedeutung „allgemein, allumfassend“ in „dem Papst gegenüber kadavergehorsam“ gewandelt. Das muss schon lange her sein daß das geschehen ist, ich wuchs mit letzterer Bedeutung des Wortes auf und lernte erstere recht überrascht im Reliunterricht kennen.

          • Alberto Knox
            31.03.2017, 22:33 Uhr.

            ich hoffe mal, dass dieses kadavergehorsamkatholisch gerade nicht bei den altkatholiken verbreitet ist…

          • Wrightflyer
            01.04.2017, 15:19 Uhr.

            Ist es auch nicht. Definitiv nicht. Keine Sorge, Herr Knox!

            Ich hatte es eher von früher als ich aufgewachsen bin. So die Ära Wojtywa. Ak bin ich ja erst seit 2010.

    • Wrightflyer
      26.03.2017, 11:19 Uhr.

      @Wanda:
      Unter Wojtywa und Ratzinger hätte ich Ihnen sofort zugestimmt.
      Franziskus allerdings versucht ja, Synodalität einzuführen. Synodalität bedeutet, daß jeder was zu sagen hat, also daß auch die Stimme des „Fußvolkes“ zählt. Er hat mit dem vergangenen synodalen Prozess sein bestes getan. Leider hat es nicht ganz so geklappt, die Diskussion hat sich dann doch wieder darauf eingeengt, was er in Amoris Laetitia in einem bestimmten Punkt genau befohlen hätte, aber das war nicht seine Schuld.
      Natürlich ist er da genauso Anfänger wie der ganze Rest der rk-Kirche, aber er ist auch ein Mann ohne Illusionen und lernbereit.

      • Wanda
        27.03.2017, 15:13 Uhr.

        Genau das meine ich mit dem Vergleich der Windmühlen…

        • Wrightflyer
          30.03.2017, 21:26 Uhr.

          Wenn ein erster Versuch vergeigt wurde, lernt man draus und macht es beim nächsten Mal besser!

          Logisch, daß bei einem ersten Versuch von 0 an nicht alles perfekt sein kann!
          Aber jetzt ist nicht die Zeit, den sterbenden Schwan zu spielen von wegen „Rabääääh, die Amtskirche ist voll konservativ!“, jetzt ist Zeit, nüchtern und selbstkritisch zu analysieren: Was hat nicht geklappt, was hat geklappt, wie kann man das besser machen?

          Fatalismus ist im Prinzip Bequemlichkeit. Auch eine Art, sich davor zu drücken, irgendetwas mitanzupacken.

          • Silvia
            31.03.2017, 14:15 Uhr.

            Wrightflyer
            30.03.2017, 21:26 Uhr.

            Der erste Versuch, einen echten synodalen Prozess zu starten, ist keineswegs vergeigt worden sondern zeigt da Früchte, wo die Bischofskonferenzen bereit waren, die Impulse von AL aufzugreifen und auf nationaler Ebene so umzusetzen, wie es den lokalen Gegebenheiten am ehesten gerecht wird, so, wie es der Papst angeregt hat.

            Ein synodaler Prozess ist keine Anarchie, wo jeder macht, was er will, sondern ein demokratischer Prozess, in dem man sich einigen und auch Kompromisse schließen muss.

            Da sollte sich dann auch nicht der durchsetzen, der am lautesten schreit sondern der, der die vernünftigsten Argumente hat.

            Das sogenannte Fußvolk hatte in zwei Fragebogenaktionen Gelegenheit gehabt, sich einzubringen.

          • Wrightflyer
            01.04.2017, 9:08 Uhr.

            Ich bin seit 2010 altkatholisch, so langsam habe ich kapiert wie das mit der Synodalität geht, man muss es mir nicht mehr beibringen!

            Und ja, es ist DOCH etwas schiefgelaufen, denn in weiten Teilen der öffentlichen Wahrnehmung geht es nurnoch darum was Franziskus in einer bestimmten Sache genau befohlen hätte!
            Das war aber zum einen nur ein Punkt unter mehreren, wenn auch ein sehr wichtiger Punkt! Familie ist noch viel mehr!
            Zum anderen ist das ein Wettrennen wer am Gehorsamsten ist und kein synodaler Prozess!

            Entweder hat man eine Liste von eindeutig zu befolgenden Anweisungen oder man hat Synodalität, man muss sich schon entscheiden! Und in echter Synodalität hat jeder etwas zu sagen und kann sich mit seiner Stimme einbringen! In der rk-Kirche muss man dazu noch einige Regeln ändern.

  • Wrightflyer
    25.03.2017, 20:49 Uhr.

    […]*

    „angesichts der anhaltenden Krisen sind die handelnden Personen vielleicht offener für derartige Mahnungen.“
    A propos Krisen…
    Jo, eine Story von der ich nicht weiß wie ich sie irgendwann meinem Patenkind (bzw. demnächst 2 Patenkindern) beibringen soll, ist die mit Griechenland. Wie sich halb Deutschland in einer schon menschenverachtenden Art und Weise gegen die Griechen, die uns die Besatzung von damals großzügig verziehen haben, aufhetzen lassen konnte. NATÜRLICH gab es griechische Fehler. Zu großer Leichtsinn, zu große Schonung von Oligarchen, zu schlampige Steuerfahnder. Aber die Art und Weise wie BLÖD, FAZ und Spießgesellen die Nation aufgehetzt haben, von wegen Luxusrenten und alle mit 50 in den Ruhestand, hat mich bis ins Mark schockiert. Ehrlich gesagt waren das Monate, die ich niemals vergessen werde.
    Real nach Griechenland geflossen ist bis heute kein Cent an deutschem Steuergeld. Aber es wäre sehr naiv zu glauben daß sich die wirtschaftliche Lage plötzlich gebessert hätte. Es ging in der Flüchtlingskrise etwas unter, aber es hatten sich durchaus auch Lehrer beklagt, daß manche Schüler im Unterricht umkippen, weil sie nicht genug zum Essen bekommen.

    Portugal hat übrigens dem Schäuble den Stinkefinger gezeigt und das Sparprogramm gekippt. Stattdessen in großem Maßstab Geld in die Hand genommen um die Wirtschaft anzukurbeln. Nun, neulich hat Portugal zum zweiten Mal eine Rate Schulden an den IWF vorzeitig zurückgezahlt.

    Eine weitere Krise Europas ist der in letzter Zeit recht blühende Faschismus und Nationalimus. In Ungarn und Polen sind rechtskonservative bzw. nationalistische Kräfte an der Macht, und mir ist durchaus auch ein osteuropäischer Bauarbeiter begegnet, der recht stolz Tattoos von einem deutschen Landser im 2. Weltkrieg und von einem Hakenkreuz zeigte.

    Und was soll ich sagen? Neulich gab es den Knaller, daß die nationalistische Partei eines unserer Nachbarländer eine gewisse Grenzregion, meine geliebte zweite Heimat, dort wo ich studiert habe, für unser Nachbarland beansprucht. Die Erfolgsaussichten für deren Wunschtraum sind natürlich gering, trotzdem kann es einen ärgern, daß die unbedingt zündeln müssen.

    “ So übersehe man gerne, dass das europäische Projekt die längste Friedenszeit der letzten Jahrhunderte auf dem Kontinent gebracht habe.“
    Innerhalb der damaligen EG, wie die EU damals hieß schon, aber ich würde den Kalten Krieg nicht uuuuuunbedingt als Frieden bezeichnen.
    Da beide Seiten wussten daß sie einen Krieg in Europa nur verlieren konnten, wichen Sie auf außereuropäische Schlachtfelder aus, und bluten „durften“ Menschen nach denen kein Hahn kräht. Aber Frieden war das nicht so wirklich…
    Die anschließenden Kriege auf dem Balkan waren auch nicht gerade eine Friedensepoche…

    „Auffallend ist, dass Franziskus immer wieder die Zentralität des Menschen betont:“
    Ist auch absolut richtig so, und ich möchte hier Franziskus ausdrücklich dafür loben.

    Zum Thema Migration, mit anderen Worten Flüchtlinge, bleibt mir nur zu sagen daß Angela Merkel schon sehr recht hat mit ihrer Forderung, daß alle europäischen Staaten da endlich zusammenarbeiten müssen. Wem nützt es wenn wir hier halbleere Flüchtlingslager haben, aber die Osteuropäer die Grenzen dichtmachen und, wie letzten Winter, tausende Flüchtlinge bei Minustemperaturen im Freien schlafen lassen, wo sich die Leute Erfrierungen holen?

    Und im übrigen sollte Europa auch endlich mal Solidarität mit seinen ehemaligen Kolonialreichen die es jahrhundertelang ausgeplündert hat, zeigen.
    Und dafür einstehen, daß Menschenrechte auch z.B. für Indianer gelten.
    Auch die Idee eines Marshallplanes für Afrika gefällt mir sehr.
    Wir hatten es im letzten Artikel von Ruanda: Man sollte sich da mal mit der Vorgeschichte des Massenmordes befassen. Mit Sicherheit waren auch die nachkolonialen Führungskräfte nicht alles Engel und Heilige, ganz sicher gab es da auch eine Menge Versagen, nach der Kolonialzeit eine stabile Gesellschaft aufzubauen, auch wenn ich die Einzelheiten nicht sooo genau kenne, aber man kann durchaus nachlesen, daß es die Kolonialherren, erst Deutsche dann Belgier, waren, die eine Sprengladung mit langsam brennender Lunte hinterlassen haben. Da gab es eine Rassenideologie, daß die einen „rassisch überlegene“ nilotische Einwanderer gewesen sein sollen, die die Einheimischen dann verinnerlicht haben.

    *Der Beitrag wurde editiert, da die ersten Zeilen an die Redaktion gerichtet waren.

    • Silvia
      01.04.2017, 22:00 Uhr.

      Wrightflyer
      01.04.2017, 9:08 Uhr

      Nur dass ein synodaler Prozess in einer kleinen Konfession wie der ak Kirche anders verlaufen kann als in einer Weltkirche wie der rk Kirche.

  • Silberdistel
    26.03.2017, 13:22 Uhr.

    Papst Franziskus emittierte einmal mehr bewundernswert hohes christliches Niveau. Man muß hoffen, das diese Rede nicht nur in den Köpfen der Staats- und Regierungschefs der EU seinen Niederschlag fand.
    Freilich hinkt sein eigener Laden dem in großen Teilen weit hinterher, insbesondere in der Umsetzung. Doch Ihm werden hoffentlich noch viele Jahre zu den vergangenen vier gegeben, um das zu ändern.

    • Wanda
      28.03.2017, 17:13 Uhr.

      Silberdistel 13:22
      …die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube (mir als Atheist gestattet).
      Man muss kein Prophet sein: die Amtskirche, der er vorsteht, wird er nicht in die Knie zwingen können, denn die hinkt in der Umsetzung nicht hinterher sondern der klerikale oberste Klüngel verweigert sich einfach bzw. boykottiert.
      – Ansonsten, was die persönlichen Qualitäten und löblichen Absichten Franziskus‘ angeht, durchaus Ihrer Meinung.

      • Wrightflyer
        30.03.2017, 21:15 Uhr.

        Ich denke nicht daß es das wichtigste ist, diesen oder jenen Kardinal „in die Knie zu zwingen“. Der z.B. der das mit den Maltesern fabriziert hat wird immer von vorgestern bleiben, der wird sich nicht überzeugen lassen. Er müsste in hohem Alter nochmal sein ganzes Weltbild hinterfragen, und den Mut hat nicht jeder. Letzten Endes ist die Forderung daß Franziskus hauptsächlich „die Amtskirche in die Knie zwingen soll“ wieder vatikanfixiert gedacht. D.h. der Vatikan ist wichtig, der Rest der rk-Kirche spielt keine Rolle.

        Das wichtigste ist eher, daß das „Fußvolk“, d.h. der größte Teil der rk-Kirche, aus dem Quark kommt und die Dinge in die Hand nimmt.

        Ich war knapp über 30 Jahre römisch-katholisch. Ich weiß sehr wohl daß rk-Kirche weit mehr ist als nur irgendwelche Kardinäle und Aktenschubser im Vatikan. Der rk-Kirche muss das nur selbst wieder bewusst werden.

        Im Inet bekommt man natürlich ein Zerrbild, denn diejenigen für die Kirche nur im Vatikan stattfindet sind hier natürlich die lautesten und so normales Gemeindeleben oder ein durchaus romkritischer Reliunterricht wie ich ihn hatte kommt kaum vor. Gerade deswegen finde ich es auch sehr schade, daß sich die Redaktion nicht dazu bewegen lässt, ihr Themenspektrum zu erweitern.
        Die ak-Kirche ist dafür im Inet fast nicht vorhanden.

        • Silvia
          31.03.2017, 14:09 Uhr.

          Wrightflyer
          30.03.2017, 21:15 Uhr

          Das Fußvolk kommt dann „aus dem Quark“, wenn es persönlich betroffen ist, so geschieht das gerade in meiner großen Seelsorgeeinheit.

          Dh., nach der Amtsniederlegung unseres noch jungen, sympathischen Pfarrers haben die 2. Vorsitzenden der diversen Kirchengemeinderäte eine Petition für die Einführung von viri probati gestartet und zwar gemeinsam mit der Reformgruppe „pro concilio“.

          Diese geht an unseren Bischof, an Kardinal Marx und an den Papst.

          Somit wird wenigstens ein Zeichen gesetzt! Dass die Petition in Absehbarer Zeit Erfolg haben wird, ist aber kaum anzunehmen.

          Immerhin rührt „man“ sich.

          • Wrightflyer
            01.04.2017, 9:03 Uhr.

            NOCH besser würde es mir allerdings gefallen, wenn man sich ebenfalls entschiedener dafür einsetzen würde, daß auch Frauen fürs Priesteramt zugelassen werden.

            Wenn man das mit den Viri Probati durchdrückt, na gut, dann hat man ein paar mehr Priester. Aber soll es das dann gewesen sein?
            Wir sind noch nicht sehr lange von den Zeiten weg als auch in unserer Kultur Frauen ausschließlich über den Ehemann definiert wurden, nicht über eigene Fähigkeiten, es sei denn sie waren Nonne oder Prostituierte. Deswegen kann ich mich nicht damit abfinden wenn alles worum man sich bemüht, ist, daß Frauen, nun ja… Priesterehefrauen… werden dürfen sollen.

            Und da hilft es auch nichts daß meine Kirche sehr gute Erfahrungen mit verheirateten Priestern macht, denn ich bin immernoch eine eigenständige Person mit eigenen Prioritäten und kein Synodenpapier!

        • Wanda
          31.03.2017, 17:48 Uhr.

          Wrightflyer 30.03.2017 21:15
          – Die bestimmenden Hierarchien in der Amtskirche sind so undurchlässig, da kann das Fussvolk noch so angestrengt versuchen „aus dem Quark zu kommen“, es wird nicht viel bringen wie sich leider allzu oft gezeigt hat. Mehr als Hüpfen auf der Stelle lässt der obere Amtsklüngel nicht zu.
          Ihre 30-jährige Mitgliedserfahrung dürfte Ihnen kaum etwas anderes gezeigt haben, oder doch ?

          • Wrightflyer
            01.04.2017, 8:55 Uhr.

            Ich hatte im Gymnasium eine Relilehrerin, der Frau habe ich viel zu verdanken, die sehr realistisch aber auch sehr romkritisch war. Wojtywa, wenn er von unserem Reliunterricht erfahren hätte, wäre AUSGERASTET!!!!
            Unser alter Pfarrer hatte sich sogar ein paarmal getraut, Frauen predigen zu lassen, was ofiziell ja nicht geht. Und ich kann mich nicht erinnern, daß er irgendjemandem irgendwannmal die Kommunion verweigert hätte.
            Dann bin ich ausgewandert, erst zur Berufsausbildung und dann zum Studieren, bin dann altkatholisch geworden… irgendwas muss dann in den letzten Jahren passiert sein, als ich mich letztes Jahr wieder für meine alte Gemeinde interessierte, hatten fast alle die sich früher sehr engagiert hatten hingeschmissen!

          • Silvia
            01.04.2017, 11:53 Uhr.

            Wrightflyer
            01.04.2017, 9:03 Uhr.

            Unser KGR hat in einem öffentlichen Statement, auf Ebene der Seelsorgeeinheit öffentlich, erklärt, dass die viri probati nur der erste Schritt sein können, der nächste wäre der komplette Wegfall des Pflichtzölibats und danach die Frauenordination.

            Die Leute sind nicht blöd, die wissen auch, dass vor dem 2. und 3. Schritt der erste kommt.

            Unser Bischof will übrigens das Frauendiakonat durchsetzen.

            Übrigens hat sich schon meine Frauengeneration (ich bin Jg 1951) mehrheitlich nicht mehr über den Ehemann definieren lassen (sofern man einen hatte), von der heutigen jungen Frauengeneration ganz zu schweigen.

            Die wissen, dass weder Ehefrau im Allgemeinen noch Pfarrersfrau im Besonderen kein Beruf sind sondern nur ein Personenstand, nämlich verheiratet, unabhängig vom Beruf des Ehemannes.

  • Wrightflyer
    30.03.2017, 21:57 Uhr.

    Ach, äh….

    Wenn wir es diesmal mit dem Thema Europa haben, dann muss man, denke ich, noch einen tagesaktuellen Punkt nachtragen.

    Beim großen Nachbarn Europas, Russland, könnte die Ära Putin schneller zuendegehen als ich dachte. Wohlgemerkt KÖNNTE, noch ist nur zu SEHR vorsichtigem Optimismus Anlass.
    Die Frage ist: Wenn, falls… wie benimmt man sich diesmal Russland gegenüber?
    Vor einigen Wochen habe ich einen sehr klugen Artikel eines Russlandkenners gelesen. Was zum Aufstieg Putins geführt hat war natürlich das Chaos der Jelzin-Ära, aber auch eine Enttäuschung vom Westen. Die Russen wollten auf Augenhöhe behandelt werden nachdem sie ihr Regime gestürzt hatten, aber der Westen hat sich als Siegerseite des Kalten Krieges in Arroganz gewälzt.
    Ich war noch sehr jung, aber in dem Alter bekommt man eine Menge mit und kann erstaunlich gut zwischen den Zeilen lesen. Ich kann es bestätigen. Es war damals schon eine Athmosphäre hier: „Wir sind ja soooo toll, wir haben die Freiheit, im Osten war alles böse…“
    Man darf nicht vergessen: Die Russen lieben Literatur. Sie lesen im Durchschnitt deutlich mehr Bücher als wir. D.h. GERADE Russen können EBENFALLS zwischen den Zeilen lesen. Und wenn, falls… was wollen wir den Russen diesmal zwischen den Zeilen mitteilen?

    Was mir übrigens schon lange auf den Senkel geht, ist die Anbiederei an Putin von großen Teilen der Linken hierzulande. Auch die Anstalt, @sehr geehrte Redaktion, musste ich schon abschalten deswegen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, wie Putin da weißgewaschen wurde.
    Die ganzen Kriegsverbrechen der Amis sind schon Tatsache, aber sie machen aus Putin noch lange keinen Friedensengel. Als ich vorhin die Nachrichten überflogen habe hieß es dort, daß Putin Serbien Panzer und Kampfjets schenkt. Äh… Serbien hat neulich einen Zug ins Kosovo geschickt auf dem groß und breit in mehreren Sprachen stand: „Das Kosovo ist Serbien!“

    Übrigens, @sehr geehrte Redaktion, könnten Sie mal ein paar Sätze dazu schreiben, daß Franziskus neulich gesagt hat daß er sich moderne Kirchenmusik wünscht?
    Ich halte das für äußerst wichtig und ein Zeichen seines großen Realitätssinnes, weil ein Faktor der junge Leute vom Gottesdienstbesuch abhält, ganz sicher die einen oder anderen alten Kirchenlieder sind, die von den meisten jungen Leuten heutzutage eher als peinlich empfunden werden.

  • Silvia
    31.03.2017, 14:17 Uhr.

    Wrightflyer
    30.03.2017, 21:57 Uhr.

    Seit 1. Advent 2013 haben wir ein neues, komplett überarbeitetes Gotteslob!!!!!

    • Alberto Knox
      01.04.2017, 15:09 Uhr.

      was wollen sie uns sagen, @silvia, damit, dass wir ein neues gl haben? dass ja nur wieder den größten müll aus dem 19. jahrhundert (und auch noch in dessen sprache) repristiniert hat?

  • theonal
    01.04.2017, 8:45 Uhr.

    Bei einigen Kommentaren kam mir ein ehemaliger Religionslehrer in den Sinn. Er hat scherzhaft gesagt, dass die meisten Menschen wegen des achten Sakramentes in den Himmel kommen. Es sei von Jesus am Kreuz eingesetzt worden: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Ob er so Unrecht hatte? Es gibt das unüberwindlich irrige Gewissen. Kein Mensch kann beurteilen, was in einem anderen vorgeht und warum jemand zu dieser oder jener Entscheidung gekommen ist. Die Konsequenz wäre also: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“

    • Wrightflyer
      01.04.2017, 15:16 Uhr.

      NAAAAAAA, so schlimm ist es hier auch wieder nicht….

    • Wanda
      01.04.2017, 15:56 Uhr.

      ach Theonal (08:45),
      – Bleiben wir doch realistisch: das Jesus-Wort „Richtet nicht“ war und ist für die Amtskirche und ihre obersten Richter (der Inquisation) noch nie Verpflichtung und noch weniger von Bedeutung, weder in ihrer diesbezüglich anrüchigen Geschichte, noch in der Gegenwart…

    • Silberdistel
      01.04.2017, 17:35 Uhr.

      theonal
      01.04., 8:45 h
      Machte Ihr ehem. Religionslehrer Aprilscherze? Eine Meinung nicht nur zu haben, sondern sie auch zu vertreten (letzteres zugegebenermaßen in der Kirche nicht so ganz üblich…), bedeutet noch lange lange nicht über jemanden zu richten 😉

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