Papst: Über Viri probati nachdenken

Papst Franziskus hat erneut bekräftigt, dass man über das Thema „viri probati“ nachdenken müsse, also die Weihe von verheirateten „bewährten Männern“ zu Priestern. Zugleich sprach er sich gegen einen „freiwilligen Zölibat“ für Priester aus. Der Papst äußerte sich in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage nach dem Glauben, nach der Chance, die in Krisen steckt. Immer wieder streift es aber auch aktuelle Fragen. So betont Franziskus, dass er Kardinal Burke „nicht als Widersacher empfinde“. Er spricht über seine Reisepläne für 2017 und lässt dabei wenig Chancen für einen Besuch in Deutschland im Rahmen des Reformationsjubiläums. In dem Gespräch rückt er noch einmal einige Dinge klar. So betont er, dass es ihm in Bezug auf die Kommission zum Diakonat der Frau darum ging, „das Thema zu erforschen und nicht eine Tür zu öffnen“. Kritisch äußert sich Franziskus zu übersteigerten Hoffnungen und Erwartungen an seine Person. „Ich bin Sünder und bin fehlbar, und wir dürfen nicht vergessen, dass die Idealisierung eines Menschen stets auch eine unterschwellige Art der Aggression ist. Wenn ich idealisiert werde, fühle ich mich angegriffen.“

Papst Franziskus hält sich diese Woche in Arricia nahe Rom auf. Dort nimmt er zusammen mit den Spitzen der Römischen Kurie an den traditinellen Fastenexerzitien teil. (Quelle: reuters)

Papst Franziskus hält sich diese Woche in Ariccia nahe Rom auf. Dort nimmt er an den traditionellen Fastenexerzitien der Römischen Kurie teil. (Quelle: reuters)

Kritik nimmt Papst mit Humor

Das Interview bietet keine großen News; aber es ist doch sehr interessant zu lesen, was Franziskus über Glaube, Glaubenszweifel und den Teufel denkt. Für Schlagzeilen werden wohl vor allem seine Aussagen zum Zölibat sorgen. Einer Lockerung wegen des Priestermangels erteilt der Papst eine Absage. Er sieht den Mangel an Berufungen im Kontext der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der damit verbundenen Perspektivlosigkeit der jungen Menschen heute sowie der niedrigen Geburtenrate. Bei der nächsten Bischofssynode zum Thema „Jugend“ will er auch über dieses Thema und die Zusammenhänge sprechen. Beim Thema „viri probati“ signalisiert er Offenheit, betont aber zugleich, „dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden“. Irgendwie kann man hier die Situation etwa in großen Teilen Südamerikas mitschwingen hören; ob das allerdings auch auf Europa zutrifft ist fraglich. Immerhin beschäftigt sich ja die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer aktuellen Vollversammlung in Bensberg mit der Zukunft und Lebensweise des priesterlichen Dienstes. Man darf gespannt sein, ob sie sich dabei auch an das Thema „viri probati“ heranwagen.

Franziskus äußert sich auch zu Kritik an seinem Pontifikat. Er habe seit der Wahl „seinen Frieden nicht verloren“. Er könne verstehen, wenn sein Stil manchen nicht gefalle. „Jeder darf seine Meinung haben. Das ist legitim und menschlich und bereichernd.“ Über die Plakataktion vor wenigen Wochen könne er lachen. „Der römische Dialekt der Plakate war großartig,“ so Franziskus. Die Aktion mit dem „Fake-Osservatore Romano“ hingegen scheint ihm weniger gefallen zu haben. Angesprochen auf die Querelen um den Malteser-Orden scheint er nicht Kardinal Burke als die entscheidende treibende Kraft zu sehen. Das Problem sei gewesen, „dass Kardinal Burke mit der Sache nicht umgehen konnte, weil er nicht mehr allein agierte.“

Volles Reiseprogramm für 2017

Zum Schluss erklärt Franziskus, warum es wohl 2017 nichts mit einem Deutschlandbesuch wird. Er habe schon viele Reisen auf dem Plan stehen. Eigentlich wolle er in den Südsudan und den Kongo reisen; doch Franziskus ist skeptisch, ob das klappen wird. Erstmals bestätigt er, dass er wohl nach Kolumbien fahren wird. Daneben gebe es noch die geplante Asienreise mit Stationen in Indien und Bangladesch. Und dann spricht er von einer „Studienreise“ nach Ägypten. „Klingt nach einem vollen Terminkalender, nicht wahr?“ so der Papst. Allerdings schließt er den Deutschlandtripp für 2017 auch nicht völlig aus. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering.

„Man gesteht mir nicht zu, ein fehlbarer Sünder zu sein.“ Das scheint Franziskus doch sehr zu beschäftigen. Wie schon zuvor spricht er offen über Glaubenszweifel und „leere Momente“. Er betont, „ein Glaube, der nicht in die Krise gerät, um an ihr zu wachsen, bleibt infantil“. Er will nicht zum Heiligen und Superstar hochstilisiert werden. Das hat er früher bereits deutlich gesagt und das wird auch bei diesem Interview wieder sehr deutlich. Das Gespräch selbst lässt viele Fragen aus, die aktuell zu klären wären, wie etwa die Debatte um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Es konzentriert sich stark auf das Thema Glauben. Die Selbstverständlichkeit, mit der Franziskus dabei erneut vom Teufel spricht, sagt viel über seine Spiritualität und sein Denken aus. Bei seinem Vorgänger, den Franziskus in dem Interview ausdrücklich lobt, hätten derartige Aussagen zu heftiger Kritik geführt. Das wird bei Franziskus ausbleiben. An diesem Thema kann man sehen, wie doch oft mit zweierlei Maß gemessen wird.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

32 Kommentare

  • Silberdistel
    09.03.2017, 9:44 Uhr.

    Also ein Besuch in Deu wäre mutmasslich nicht so gefährlich, aber sicher vom Glauben her herausvordernder, wie einer im Südsudan oder den Kongo 😉
    Das der Papst ein Sünder ist, ist schon klar 🙂 Aber das er je, trotz aller Zweifel, vom Glauben abfiele, das glaubt wohl keiner. Dazu weiß man im Vatikan ganz andere Dinge. Übrigens besucht Franziskus, wie einige seine Vorgänger, im Mai Fatima. Das ist der Ort mit den 3 Seherkindern, von denen die dritte Botschaft lange im Vatikan geheimgehalten wurde.

  • bernardo
    09.03.2017, 11:19 Uhr.

    „Er betont, „ein Glaube, der nicht in die Krise gerät, um an ihr zu wachsen, bleibt infantil“.“

    „Ich bin Sünder und bin fehlbar, und wir dürfen nicht vergessen, dass die Idealisierung eines Menschen stets auch eine unterschwellige Art der Aggression ist. Wenn ich idealisiert werde, fühle ich mich angegriffen.“

    Gute Sätze des Papstes, der sich nach wie vor als Brückenbauer versteht. Ich möchte auch klarstellen, dass ich den Papst kritisch sehe (wie seine Vorgänger auch), dass ich einiges nicht teile, was der Papst sagt oder tut, dass ich die Schmähkritik, die Häme, das Infragestellen seines Papsttums aber fürchterlich finde. Eigentlich un-katholisch, auch wenn ich mit solchen Vorwürfen zurückhaltend bin. So fürchterlich und un-katholisch wie die Schmähkritik an Johannes Paul II. oder Benedikt XVI., an deren Amtsführung es auch einiges zu kritisieren gab: Das Desinteresse an administrativen Fragen etwa oder die Unfähigkeit, Machtworte zu sprechen.

    Thema Idealisierung: Die Idealisierungen führen ja, weil sie oft genug enttäuscht werden, zu Hass und Verbitterung.

    • Wrightflyer
      11.03.2017, 17:29 Uhr.

      Johannes Paul der II. und Benedikt der XVI. sind so vielen aber nicht wegen Desinteresse an administrativen Fragen in schlimmer Erinnerung. Auch ist deren Ära bei den meisten nicht mit „Unfähigkeit, Machtworte zu sprechen“ in Erinnerung. Eher im Gegenteil: Reformergruppen bekamen einfach nur aufs Maul […]*… seltsame erzreaktionäre Clubs wurden dagegen hofiert.

      Franziskus nutzt wies aussieht auch jede Gelegenheit (oder Ausrede) um vom Schreibtisch weg unter die Leute zu kommen, er ist auch nicht der leidenschaftliche Aktenhengst.

      Nein, bei den meisten steht diese Ära für anderes, nämlich für extreme Entfernung zwischen Vatikan und breiter Mehrheit der rk-Kirche, für Rückschritte in der Ökumene, für extreme Fixierung auf das Thema Sexualität bzw. Verbot derselben, dieser ganze Sexualkrampf, diese Furcht vor jeder Erotik.
      Nur Polen war damals sehr stolz und glücklich, „Papst zu sein“. Das ging so weit, daß Fans von verfeindeten Krakauer Fußballclubs gemeinsam für Johannes Paul gebetet haben sollen, als er im Sterben lag. Man stelle sich mal vor, wenn Fans vom BVB und von Schalke miteinander beten würden… Oder von Boca Juniors und River Plate (Nicht wahr, Wanda?). Oder von Fenerbahce Istanbul und Galatasaray Istanbul. (Oder SVW und OFC…) Und natürlich war es für die Arbeiter auf der Danziger Lenin-Werft ein wesentlicher Antrieb, daß sie ihren Papst an ihrer Seite wussten. Aber zu behaupten, daß er allein den ganzen Ostblock zu Fall gebracht hat, ist ein frommes Märchen. Die atheistische DDR hat sich sowas von garnicht um den Papst geschert. Eher um einige mutige protestantische Pfarrer. Einer der Faktoren die die Ostdeutschen nicht mehr ertragen konnten war die Umweltverschmutzung. Und so intensiv wie bei Franziskus war Umweltschutz bei Johannes Paul nie Thema. Und in Rumänien ging die Revolution in Temeswar los, einer Stadt mit einer großen ungarischen Minderheit die sich vera…lbert gefühlt hat. Das Baltikum wollte aus der Sowjetunion raus, weil es sich von der Russifizierung schwer bedrängt gefühlt hat. Kurz: Der Ostblock war fällig!
      Von jemandem mit guten Verbindungen nach Polen weiß ich allerdings daß, bei allem Stolz auf „ihren“ Papst, auch sehr viele Polen mittlerweile sehr genervt von ihrer ewiggestrigen Geistlichkeit sind.

      Das schwere Erbe das die beiden letzten Päpste hinterlassen haben sind bei weitem keine administrativen Nebensächlichkeiten.
      Es ist diese Ängstlichkeit, diese Furcht vor der Welt, dieses Misstrauen in die eigenen Gläubigen.

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • bernardo
        13.03.2017, 14:16 Uhr.

        „Das schwere Erbe das die beiden letzten Päpste hinterlassen haben sind bei weitem keine administrativen Nebensächlichkeiten.
        Es ist diese Ängstlichkeit, diese Furcht vor der Welt, dieses Misstrauen in die eigenen Gläubigen.“

        Das Desinteresse an administrativen Fragen bezog sich vor allem auf JPII, die Unfähigkeit, Machtworte zu sprechen, auf Benedikt XVI. (JP II. hatte keine Probleme damit.) Es ist aber nicht unwichtig, dass ein Papst auch administrative und organisatorische Interessen und Fähigkeiten besitzt, denn im langen Pontifikat JP II. konnte die Kurie ihre Macht ausbauen, so dass sein wenig machtbewusster Nachfolger kaum noch mit ihr fertig werden konnte. Der letzte Papst, der sich wirklich für administrative Fragen interessierte, war wohl Montini.

        Was JPII. angeht: Natürlich hat er nicht im Alleingang den Ostblock bezwungen. (Ein bisschen muss man dem Heiligen Geist wohl auch zuschreiben. :-)) Sein Anteil war allerdings ungleich größer als der der (sozialistischen) DDR-Pfarrer. Das liegt daran, dass Polen größer war und das Volk rebellischer war.

        Nein, JP II. und Benedikt waren nicht voller Misstrauen gegenüber den Gläubigen; sie hatten eine m. E. realistische Einschätzung, die im Fall Benedikts im Buch „Salz der Erde“ zum Ausdruck kommt. Ich sehe die Bruchlinie auch nicht nur zwischen JP II. und Benedikt einerseits und Franziskus andererseits, sondern auch zwischen den „anthropo-logischen“, „ethischen“ Pontifikaten JP II. und Franziskus‘ einerseits und dem „theo-logischen“ Pontifikat Benedikts andererseits.

        • Wrightflyer
          14.03.2017, 23:13 Uhr.

          „Nein, JP II. und Benedikt waren nicht voller Misstrauen gegenüber den Gläubigen“
          Doch, waren sie!
          Es gab praktisch KEINEN Dialog zwischen Papst und Kirchenbasis, nur Gräben und Denkverbote.

  • Alberto Knox
    09.03.2017, 11:26 Uhr.

    lieber herr erbacher,

    hat denn franziskus auch wie sein vorgänger exzessiv zu exorzismen aufgefordert? im übrigen spreche auch ich gern vom bösen und vom teufel, ich kenne da keine hemmungen, auch wenn ich nicht an die metaphysische existenz von geistern, spuk und ähnlichem humbug glaube.

    im übrigen: die viri probati sind überfällig. schön, dass das auch im vatikan angekommen ist.

  • Heilbründl
    09.03.2017, 14:40 Uhr.

    Es gibt bei uns in Deutschland viele gute Diakone und Pastoralreferenten und natürlich laiisierte Pfarrer…. Es wird Potenzial verschenkt, man könnte diese sofort weihen lassen. Ich stelle auch fest, dass junge Pfarrer heute oft zu „vergeistigt“, dass wäre bei den Diakonen nicht der Fall, die stehen im Leben.

  • Heilbründl
    09.03.2017, 14:41 Uhr.

    es muss heißen, zu vergeistigt sind

  • Suarez
    09.03.2017, 15:01 Uhr.

    SEHR gutes Interview. Ich hab immer schon große Stücke auf Papa Franz gehalten – er kann’s halt einfach. So soll ein Hirte sein!

  • Silvia
    09.03.2017, 16:48 Uhr.

    Meiner Erinnerung nach denken wir schon seit ungefähr Ende der 1960er Jahre über viri probati nach, und denken nach, und denken nach…..

    Mit Priestern zweiter Klasse, die man in die Pampa schickt, ist uns auch nicht gedient. Zumal verheiratete Männer meistens Kinder haben, die einen Kindergarten und Schulen in erreichbarer Nähe brauchen. Und ob die Ehefrauen ewig lange Fahrten zu ihrem Arbeitsplatz in Kauf nehmen wollen, bezweifle ich auch.

    Vom Zölibat fühle ich mich z.Zt. persönlich betroffen, weil unser Pfarrer vor wenigen Tagen aus diesem Grund sein Priesteramt aufgegeben hat. Ein sehr sympathischer Mann von erst 40 Jahren, der der Kirche noch lange hätte dienen können.

    Und was die Kommission, die über das Diakonat der Frau „nachdenkt“ angeht, habe ich schon vermutet, dass es wahrcheinlich um die Öffnung einer Tür geht.

    • Silvia
      09.03.2017, 16:50 Uhr.

      P.S.: Sollte heißen, dass es wahrscheinlich NICHT um das Öffnen einer Tür geht habe ich vermutet. War wohl eine freudsche Fehlleistung!

    • Alberto Knox
      10.03.2017, 13:56 Uhr.

      ich stelle mit erschrecken fest, dass sie kommunikation für eine eindeutig festlegbare propositionsproduktion halten und nicht für ein geschehen, dass durch sich selbst nicht nur adressent und adressat, sondern auch sich selbst ändert.

      • Wrightflyer
        14.03.2017, 23:10 Uhr.

        Herr Knox, würde es Ihnen viel ausmachen, das für Nichttheologen verständlich zu übersetzen?

        • Alberto Knox
          15.03.2017, 11:56 Uhr.

          das ist nicht theologie, sondern sprechakttheorie!

          propositionen sind die aussagegehalte. also die tatsache, dass eine ampel auf grün geschaltet hat, wenn jemand sagt, dass die ampel auf grün geschaltet hat.
          nun kann die aussage: „die ampel ist grün“, deren aussagegehalt (proposition) ja klar ist, auch einen aufforderungscharakter enthalten. stellen sie sich z.b. die situation vor, ein ehepaar sitzt im auto, das auto steht vor der ampel, die frau sagt: „die ampel ist grün“ – sie will damit den mann am steuer auffordern, loszufahren: „fahr du, depp, die ampel hat umgeschaltet“. das wäre ein perlokutionärer akt.

          was ich sagen wollte mit: „ich stelle mit erschrecken fest, dass sie kommunikation für eine eindeutig festlegbare propositionsproduktion halten und nicht für ein geschehen, dass durch sich selbst nicht nur adressent und adressat, sondern auch sich selbst ändert.“, ist:

          ich habe festgestellt, dass @silvia sowohl glaubensaussagen als auch aussagen des papstes stets nur auf den aussagegehalt, die proposition, reduziert. aber glaubensaussagen hängen immer auch davon ab, dass sie einen bestimmten aussender und empfänger haben – und immer auch (s.o.) perlokutionäre akte sind.
          wenn ein papst wie franziskus, der kommunikation perfekt beherrscht (man merkt den jesuiten – der will die menschen bilden und erziehen), aussagen aussendet, dann sind das auch immer perlokutionen.
          nehmen die piusbruderschaft: b16 wollte die um sich haben, weil er selber faktisch von seiner engstirnigkeit ein piusbruder ist.
          wenn franziskus verhandelt und ihnen noch mehr anbietet, dann schaut das ganz anders aus, weil er im gegensatz zu seinem vorgänger das 2. vatikanum nicht ungeschehen machen wollte, sondern umsetzen will.
          glauben sie ernsthaft, @wrightflyer, dass die piusse in eine kirche aufgenommen werden wollen, in der geschiedene wiederverheiratete zur kommunion gehen dürfen? in der eine sozialdemokratische sozialethik verfochten wird? in der über schwule gesagt wird: wer bin ich, dass ich sie verurteile? in der ökumene wieder gepflegt wird und kein lippenbekenntnis ist? als das gehört zur perlokution von franziskus. und stets durchaus in spannung zur offenheit gegen die piusse. und wenn die piusse sich einlassen würden: was wären die noch in einer großen kirche, die anders ist als sie? eine ideologische, antisemitische, irre – und irrelevante splittergruppe. genau als das würden sie sich entlarven, was sie sind.

          • Silvia
            16.03.2017, 13:23 Uhr.

            Alberto Knox
            15.03.2017, 11:56 Uhr.

            Wo lesen Sie das aus meinem eindeutigen und klaren Statement heraus, um durch eine so verdrehte, an den Haaren herbei gezogene Interpretation mir so einen Quatsch unterstellen zu können? Das müssen Sie mir schon klarer beweisen!

            ICH drücke mich immer so klar aus, dass ich keine Interpretation brauch, im Gegensatz zum Papst!

          • Wrightflyer
            16.03.2017, 21:23 Uhr.

            Mir ist durchaus schon aufgefallen, daß es Franziskus durchaus den Tonfall wechseln kann, je nachdem mit wem er redet! Er kann mit dem Straßburger Europaparlament reden und dann auch mit kleinen Kindern und zwar so daß er jeweils verstanden wird!
            Manche halten das für „intellektuell beschränkt“, aber dann ist auch jeder Schullehrer „intellektuell beschränkt“, bzw. Gott selber!

            Wollte zu dem Thema noch was schreiben, muss aber ins Bett, weil nicht ganz fit heute, bischen angeschlagen, und morgen gehts wieder früh los. Hoffentlich ist das Thema hier noch auf wenn ich wieder Zeit habe.

  • Wrightflyer
    10.03.2017, 0:03 Uhr.

    Ich beantrage hiermit in aller Form, mich zur Abwechslung mal zum Inhalt des Artikels äußern zu dürfen und noch ein weiteres brandaktuelles vatikanrelevantes Thema anschneiden zu dürfen, statt ständig nurnoch über Islam, Islam, Islam, Islam, Islam schreiben zu müssen, wie in ca. 80% der letzten Blogbeiträge!
    Ich habe schon den Eindruck, daß die Qualität hier nachgelassen hat, […]*.
    Es geht eben hier wie überall wo Hass und Krieg herrschen: Die wirklich wichtigen Themen bleiben unerledigt liegen. Dringende Reformen gammeln vor sich hin und alles verfällt.

    Erstmal zum Thema Frauendiakonat:
    Logisch. Wäre ich älter und männlich und noch immer römisch-katholisch und Priester geworden und irgendwie zum Papst gewählt worden (warum auch immer), also wäre in an Franziskus‘ Stelle, würde ich mich auch nicht trauen, Knall auf Fall die Zulassung von Frauen zu Diakonat und Priesteramt zu beschließen.
    Beides, Diakonat und Priesteramt WIRD über kurz oder lang auch für Frauen offen sein. Vielleicht noch 3-4 Generationen wird es dauern. Aber wir müssen berücksichtigen: WIR hier sind diejenigen die es fordern können, nicht Franziskus. Von uns hier hängt es nicht ab ob morgen in der rk-Kirche Mord und Totschlag ausbricht. Von mir erst recht nicht. Aber je mehr Verantwortung man trägt, also je höher ein Amt angesiedelt ist, desto weniger darf man tun und lassen was man will.

    Die Abschaffung des Zölibats wird eindeutig noch lange vor der Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern kommen.
    Ein Umstand den ich persönlich irgendwie nicht gerecht finde. Reduziert das die Frau in der rk-Kirche doch wieder auf… Ehefrau.
    Vielleicht setze ich mich deswegen nicht so vehement für die Abschaffung des Zölibats ein.
    Es mag eine gewisse Sorte Frauen geben die heimlich davon träumt einen Priester zu ehelichen, aber ich gehöre nicht dazu.

    Es gibt manche die behaupten, daß Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen wäre.
    Meiner Meinung nach wäre es das schlimmste was passieren könnte wenn sich rausstellt, daß diejenigen recht hätten. Denn das würde bedeuten daß eine Frau nur dann wichtig ist wenn sie mit dem Chef schläft. Also es wäre schon ein Rückfall in das alte Muster.

    Bitte nicht falsch verstehen: Das soll jetzt nicht heißen daß ich Sexualfeindlich wäre, nein! Ich bin absolut nicht prüde! Sex ist eine der schönsten Sachen der Welt, solange sie unter Gleichrangigen geschieht und nicht als Machtdemonstration, also solange Frauen nicht ausgebeutet werden!
    Aber wenn alles was Frauen in der rk-Kirche noch erkämpfen können das „Privileg“ sein soll, von Priestern geheiratet werden zu dürfen, dann ist wirklich Feierabend. Auch ein verheiratetes Priestertum wird kein wirklich überlebensfähiges, wenn 50% der Berufungen fortgeschmissen werden. Vielleicht mehr, wenn man, wie mir Herr Knox bestätigt hat, Männer dazuzählt die sich in einer völlig frauenlosen Männerecke auch nicht mehr so wohlfühlen.

    Immerhin: Wenn man Franziskus‘ ökumenische Bemühungen sieht, auch die von der Redaktion hier leider nicht gezeigte aber in anderen Berichterstattungen sichtbare herzliche Umarmung mit der lutherischen Bischöfin Jackelén, dann scheint es durchaus Tatsache zu sein daß Franziskus‘ persönlich nichts gegen weibliche Priester hätte. Schon als er 2014 die Bischöfe der altkatholischen Kirche empfangen hat, muss er gewusst haben, daß die altkatholische Kirche das Priesteramt für Frauen geöffnet hat.

    „Angesprochen auf die Querelen um den Malteser-Orden scheint er nicht Kardinal Burke als die entscheidende treibende Kraft zu sehen.“
    Weil ich mich traditionell für alles mögliche interessiere, außer für Kunstgeschichte und Mode, also auch für Dinge die mich nicht wirklich betreffen, haben ich mal bischen gefischt was man über diesen Zores in Erfahrung bringen kann.
    Also, es soll schon Jahre her sein, da hat eine Partnerorganisation der Malteser Kondome an Prostituierte im Grenzgebiet von Myanmar verteilt. Und ein Obermufti der Malteser hat einem anderen Großmufti der Malteser vorgeworfen, das nicht energisch unterbunden zu haben.
    Und hier bekommt man wirklich die blanke Wut.
    Für die Vergötzung des Verhütungsverbotes werden hier die Leben dieser armen Frauen und gelegentlich beim Vorgang der Prostitution auch entstehender Kinder geopfert und das ist wirklich unbeschreiblich!!

    „Zum Schluss erklärt Franziskus, warum es wohl 2017 nichts mit einem Deutschlandbesuch wird.“
    Warum wollen ihn alle hier in Deutschland sehen?? Streichelung nationaler Eitelkeit?? Ey, wir sind wieder Exportweltmeister, wir sind Fußballweltmeister, und wenn ein Land es zum Dreh- und Angelpunkt Europas gebracht hat, dann wir! Reicht das nicht??
    Was soll Franziskus hier bewirken? Südsudan oder Kongo oder Indien wären auf jeden Fall wichtiger! Franziskus‘ Zeit ist auch begrenzt, er soll sie nicht verschwenden nur um die deutsche Eitelkeit von wegen wir-waren-mal-Papst zu streicheln!

    „„Man gesteht mir nicht zu, ein fehlbarer Sünder zu sein.“ Das scheint Franziskus doch sehr zu beschäftigen.“
    Hallo?? Hinter welchem Mond hat er in der Hinsicht die Jahrzehnte vor seiner Papstwahl gelebt??
    Wir „Fußvolk“, d.h. auch ich als ich noch rk war, waren es doch alle gewohnt, und da hilft auch keine Schönfärberei und kein Ausweichen der anwesenden Theologen einschließlich Redaktion, daß JEDE Äußerung des Papstes gefälligst als unfehlbar zu gelten hätte und basta! Es mag schon stimmen daß das Dogma zu dem Papst Mastai damals die Bischöfe erpresst hatte die Unfehlbarkeit auf ex-cathedra-Anordnungen beschränkt und daß es davon nur eine einzige gab, aber es wurde viele viele Jahre lang anderes suggeriert!

    So ist auch Franziskus‘ erster Versuch eines synodalen Prozesses an eben diesem Erbe gescheitert. Schließlich geht es, sieht man jedenfalls hier im Blog, in der ganzen Diskussion nurnoch darum, was Franziskus jetzt in einer bestimmten dringenden Frage angeordnet hätte. Und wie man dieser Anordnung am besten gehorcht. Es ist nicht Franziskus‘ Schuld, er hat getan was er konnte. Aber das alte Schema sitzt eben noch zu tief.

    „Wie schon zuvor spricht er offen über Glaubenszweifel und „leere Momente“. Er betont, „ein Glaube, der nicht in die Krise gerät, um an ihr zu wachsen, bleibt infantil“.“
    Vollkommen richtig.
    Ohne Glaubenszweifel kommt man nicht vom Altersangemessenen Kinderglauben zu einem erwachsenen Glauben und wird entweder Atheist oder ewiggestriger Erzreaktionär oder sogar gewaltbereiter Fanatiker. Kommt alles aus der selben Wurzel.

    „Bei seinem Vorgänger, den Franziskus in dem Interview ausdrücklich lobt,“
    Persönlich glaube ich ja keine Sekunde dran, daß sich Franziskus‘ und sein Vorgänger, bzw. Franziskus und Burke, so einig sind. Aber ich sehe das differenziert und heiße es ausdrücklich gut wenn er beide lobt und sich hinter sie stellt statt sie in die Pfanne zu hauen.
    Das schlimmste was der „Franziskanischen Wende“ passieren kann ist, daß sie so endet wie leider die meisten Revolutionen, nämlich in einem Sumpf aus Verfolgung Anderstdenkender und Linientreue und Hexenjagd auf interne Abweichler. Und am Ende hat man die Balschewiki oder die Jakobiner an der Macht, und dem Volk geht es kein Stück besser, vielleicht noch schlechter.

    „An diesem Thema kann man sehen, wie doch oft mit zweierlei Maß gemessen wird.“
    A propos mit zweierlei Maß messen:
    Davon sind Sie, sehr geehrte Redaktion, allerdings auch nicht ganz frei!

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Alberto Knox
    10.03.2017, 14:03 Uhr.

    @Wrightflyer

    das peinliche an der malteseraffaire ist doch, dass boeselager NICHT kondome hat verteilen lassen. man muss es mal ganz krass sagen: die ganze kondomverbotkacke hat doch nichts mit gott oder moral zu tun (n.b. sogar der greise b16 hat […]* strichern die kondombenutzung widerwillig zugestanden), sondern es geht um macht.

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

    • Wrightflyer
      14.03.2017, 23:08 Uhr.

      Und daß er das nur Strichern zugestanden hat, ist auch ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen. Das drückt doch aus daß das Leben einer Frau weniger wert ist als das eines Mannes.
      Hier im Blog wurde mehrfach betont, daß Kondome nunmal vom Mann benutzt werden. Ja schon, aber mit Glück hat eine Prostituierte einen gewissen „Marktwert“ und kann auf einem Gummi bestehen, das sollte man schon unterstützen. Ich hatte, da war ich sogar noch unter 18, glaube ich, mal in einer Hamburger Kneipe, St. Pauli, Atona, weiß nicht mehr genau, Interna aus dem „Milieu“ gehört. Jetzt wo Deutschland mit der Legalisierung der Prostitution zur Drehscheibe von Zwangsprostitution und Menschenhandel geworden ist, sind die Infos von damals natürlich veraltet.

      • SuNuraxi
        15.03.2017, 14:05 Uhr.

        Ja, er hat davon gesprochen, dass DER Prostituierte (und nicht DIE Prostituierte), wenn schon seitens der RKK unerwünschter Geschlechtsverkehr stattfinden sollte, dann wenigstens ein Kondom verwenden sollte, um gesundheitliche Schäden zu verhindern. (Die eigentliche Sünde ist ja der GV, dagegen ist das Kondom eine Kleinigkeit, auf die es dann auch nicht mehr ankommt, oder, wie man bei uns sagt: „Wånn die Kuah hin is, sois Keibl aa hin sein.“)
        Allerdings: Ein Blick in Biologiebuch macht schlau. Wenn man sich dann über die anatomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau informiert hat, kommt man womöglich zu folgendem Schluss: Es ist der Mann, der sich den Gummi überzieht, nicht die Frau, folglich auch DER Prostituierte und nicht DIE Prostituierte. Frauen können auf Grund ihres Körperbaus prinzipiell kein Kondom benutzen, weshalb ihnen eine Erlaubnis zur Kondombenutzung nichts bringen würde.
        Zusammenfassend: Egal, ob der Geschlechtspartner jetzt weiblich oder männlich ist, ist IMMER ein Mann, der das Kondom benutzt, niemals eine Frau.

        • Wrightflyer
          16.03.2017, 21:16 Uhr.

          ????Schreibe ich chinesisch???
          „Ja schon, aber mit Glück hat eine Prostituierte einen gewissen „Marktwert“ und kann auf einem Gummi bestehen, das sollte man schon unterstützen.“
          Das habe ich groß und breit geschrieben! Mit Glück KANN eine Prostituierte darauf bestehen, daß der Mann ein Kondom überzieht, das sollte man ihr nicht fahrlässig verwehren, d.h. man sollte, wenn es ihr möglich ist diese Bedingung zu stellen, dieses Recht auch zugestehen! Das allein dem Mann zuzugestehen heißt, unnötig mit ihrem Leben zu spielen!

        • Alberto Knox
          17.03.2017, 1:57 Uhr.

          als ob es keine femidome gäbe…

  • Silvia
    10.03.2017, 14:57 Uhr.

    Ich würde hier gerne zu den Hoffnungen, dass der Zölibat bald fällt (was ich begrüßen würde), einiges sagen:

    Diese Hoffnungen gab es schon vor über 50 Jahren während des Konzils und verstärkt, als der ständige Diakonat verheirateter Männer wieder eingeführt wurde, da kamen auch die viri probati ins Spiel.

    Zum ständigen Diakon werden bereits vor der Weihe verheiratete Männer geweiht, NACH der Diakonenweihe ist keine Eheschließung mehr möglich.

    Genauso würde es sich bei den viri probati verhalten.

    Dh., für Fälle wie den meines seitherigen Pfarrers, der kein Einzelfall ist, der knapp 13 Jahre NACH seiner Priesterweihe und nach knapp 9 Jahren als leitender Pfarrer einer Seelsorgeeinheit zu der Erkenntnis gekommen ist, dass er sein Zölibatsversprechen nicht mehr halten kann, würde das rein gar nichts bringen.

    Der Entscheidung „meines“Pfarrers ging ein zweimonatiger Aufenthalt im Recollectiohaus in Münsterschwarzach voraus, dh., er hat es sich wirklich nicht leicht gemacht.

    Unsere Kirche verliert mit ihm einen erst vierzigjährigen, guten und beliebten Pfarrer! Und daran würden auch viri probati nichts ändern!

    Eine wirkliche Hilfe wäre nur, wenn jeder Priester sich jederzeit auch noch Jahre nach seiner Priesterweihe für eine Heirat entscheiden könnte, ohne deswegen sein Amt zu verlieren. Und da ist leider keine Änderung in Sicht.

    • Wrightflyer
      14.03.2017, 22:58 Uhr.

      Es ist natürlich sehr schade für Sie, einen geschätzten Pfarrer zu verlieren.

      Allerdings stelle ich bei mir selber fest, daß ich, obwohl wir in der ak-Kirche sehr gute Erfahrungen mit verheirateten Priestern machen, nicht bereit bin, und immer weniger werde, mich hier für die Abschaffung des Zölibats einzusetzen, wenn damit nicht gleichzeitig eine real spürbare Aufwertung der Frauen verbunden ist. D.h. Zugang zu den Weiheämtern oder wenigstens sonstwie echte Entscheidungskompetenzen bis in den Vatikan hinein, nicht nur Beraterinnenposten in unwichtigen Gremien.

      Die Frauen sollen also Priesterehefrauen werden dürfen… und das wars dann auch? Den Kuchenstand auf dem Kirchenbasar organisieren, als Kommittee für die Blumendeko vor dem Marienaltar leiten? Schön und gut, aber nicht für jede akzeptabel…

      Es hat sich schon sehr viel verbessert. Als meine Großmütter Kinder waren gab es noch gar keine Theologinnen. Aber es reicht einfach noch nicht.
      Ich jedenfalls möchte mich nicht dafür einsetzen daß Frauen halt… Priesterehefrauen werden dürfen wenn das das Ende der Fahnenstange sein soll.

      Ich war schon hammermäßig enttäuscht als das mit Wojtywas Freundin aufgeflogen ist.
      Ich meine: Da HATTE er schon eine enge Freundin/platonische Liebe/was auch immer und dennoch hat er Frauen nicht wirklich für voll genommen.
      Gut, jahrhundertelang lebten die Männer als Ehemänner sogar mit Frauen zusammen und hatten keine Ahnung von Frauen und vielfach ist das heute noch so, aber das macht es auch nicht viel besser.

      • Silvia
        15.03.2017, 11:44 Uhr.

        Wrightflyer
        14.03.2017, 22:58 Uhr.

        Verstehe ich Sie richtig, dass Sie meinen, dass die Frauen durch die Beibehaltung des Pflichtzölibats in der rk Kirche eher Chancen auf eine Zulassung zu den Weiheämtern bekommen können als wenn wir verheiratete Priester hätten (deren Töchter möglicherweise beruflich in die Fußstapfen des Vaters treten wollen)?

        Die Erfahrungen Ihrer eigenen Konfession sowie der evangelischen und anglikanischen Kirche beweisen das Gegenteil.

        In meinem Beitrag ging es auch nicht darum, „dass Frauen in der rk Kirche Priesterehefrauen werden dürfen“ sondern darum, dass ein Priester nicht mehr sein Amt verlieren sollte, wenn er nicht mehr zölibatär leben kann und sich nicht auf ein Doppelleben einlassen will.

        Und es geht mir um das Recht unserer Gemeinden auf die sonntägliche Eucharistiefeier, dieses Recht hat einen höheren Stellenwert als der Pflichtzölibat.

        Sollte Ihre These stimmen, dass die Beibehaltung des Pflichtzölibats den Frauen den Zugang zu den Weiheämtern erleichtern würde, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass auch Priesterinnen zölibatär leben müssten.

        Verstehe ich Sie richtig, dass Sie somit auch für zölibatäre Priesterinnen plädieren?

        Wobei Zölibat nicht nur Ehelosigkeit sondern vollkommene sexuelle Enthaltsamkeit bedeutet!

        • Wrightflyer
          16.03.2017, 21:13 Uhr.

          Nein, sie haben mich falsch verstanden!

          Es geht mir darum daß ich mich nicht einfach nur dafür einsetzen möchte daß Frauen in der rk-Kirche von Priestern geheiratet werden dürfen, wenn man sich nicht gleichzeitig mindestens ebenso vehement dafür einsetzt, daß Frauen Zugang zu den Weiheämtern oder wenigstens sonstwie Entscheidungskompetenzen auf höchster Kirchenebene bekommen.

          Frauen sollen also Priesterehefrauen werden dürfen… und das solls gewesen sein?? Das soll schon alles sein?? Damit fühle ich mich unwohl.

          Ich möchte ja auch in meinem Beruf, auch wenn es keinen einzigen Grund gibt weswegen Ingenieure zölibatär leben sollten, jungen Mädchen nicht erzählen daß sie später mal einen Ingenieur heiraten können und das war dann alles was sie erreichen können, sondern ich möchte Mädchen ermutigen, selbst Ingenieur zu werden. Auch deswegen weil dem Ingenieurwesen ein höherer Frauenanteil und damit höherer Einfluss der weiblichen Sichtweise der Dinge ganz gut täte. Wir sehen die Dinge oft sachlicher, Männer polieren gern ihr Ego.

          „Die Erfahrungen Ihrer eigenen Konfession sowie der evangelischen und anglikanischen Kirche beweisen das Gegenteil.“
          Ja, die ak-Kirche hat gleich nach ihrer Gründung das Zölibat gekippt, also die ersten altkatholischen Priester durften praktisch umgehend heiraten.
          Das Frauenstimmrecht auf der Synode kam dann 1920. Da war die ak-Kirche bereits 49 Jahre alt.
          Die ersten weiblichen Teilnehmer am theologischen Fernkurs kamen dann 1977, da war die ak-Kirche 106 Jahre alt.
          Zu den Weiheämtern wurden Frauen dann 1994 zugelassen (und die ersten beiden Priesterinnen 1996 geweiht), da war die ak-Kirche 123 Jahre alt.
          Daß Frauen geheiratet werden dürfen heißt noch lange nicht, daß sie auch für voll genommen werden und ihre Sichtweise in wichtige Entscheidungen einfließt.

          „Sollte Ihre These stimmen, dass die Beibehaltung des Pflichtzölibats den Frauen den Zugang zu den Weiheämtern erleichtern würde, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass auch Priesterinnen zölibatär leben müssten.

          Verstehe ich Sie richtig, dass Sie somit auch für zölibatäre Priesterinnen plädieren?“
          ????Wie kommen Sie jetzt dadrauf???
          Sobald es rk-Priesterinnen gibt, hat sich doch mein Einwand erledigt!

          • Silvia
            17.03.2017, 10:43 Uhr.

            Wrightflyer
            16.03.2017, 21:13 Uhr.

            Seit wann ist Ehefrau/Priesterehefrau ein Beruf?

            Auf meine anderen Argumente sind Sie nicht eingegangen, nämlich u.a. auf das Recht der Gemeinden auf die sonntähliche Eucharistiefeier und welches Unglück der Zölibat im Leben eines MANNES/PRIESTERS anrichten kann, wenn er sein Amt aufgeben muss, nur weil er den Zölibat nicht mehr halten KANN.

  • Student
    10.03.2017, 23:39 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Erbacher!

    Ich danke Ihnen für diesen sehr guten Artikel!

    Meiner Meinung nach ist es doch gerade richtig, dass Papsr Franziskus endlich mal über den Glauben spricht, und zwar so, dass es ein größeres Publikum mitbekommt. Klar, er macht das ja ständig, aber wer schaut sich denn schon die Zusammenfassungen auf radio vaticana an? Es werden wohl tatsächlich mehr Menschen Zeitung lesen.
    Dafür kann ich diesen Papst nur loben, ansonsten hat er von mir ja eher Kritik abbekommen.

    Das mit den Viri probati gefällt mir nicht so…
    Es ist mir bewusst, dass in Einzelfällen so gehandelt werden kann (bei konvertierten evangelischen Pfarrern zum Beispiel), aber das wäre sicherlich keine generelle Lösung. Daher bin ich dankbar, dass sich das deutsche Episkopat mehrheitlich gegen eine Lockerung des Zölibats ausgesprochen hat.
    Besonders Bischof Felix Genn hat sich skeptisch gegenüber der Weihezulassung für Viri probati geäußert.
    Vermutlich ist der einziges Weg mehr Gebet um Berufungen und dabei auch eine direktere Ansprache von jungen Männern. Vorallem ist die seelsorgerliche Begleitung während des Studiums zu intensivieren.

    • Alberto Knox
      13.03.2017, 14:41 Uhr.

      @student

      haben sie auch gründe, warum man die gemeinden auf eucharistische nulldiät setzt, obwohl sie ein RECHT auf die sonntagsmesse haben? das ist der eindeutig höhere wert im vergleich zum zölibat. im übrigen sei auch angemerkt, dass nicht die ehelosigkeit der priester das fundamentale problem ist, sondern die tatsache, dass der zölibat flächendeckend nicht gehalten wird, weil die meisten priester entweder mit freundin oder freund sex haben oder masturbieren und damit der zölibatsbruch und nicht der verzicht auf die sexualität die regel ist.

      erschreckend ist auch die unkenntnis über die tatsache, dass nicht die entscheidung für eine partnerschaft legitimationspflichtig, sondern der zölibat begründungspflichtig ist. wie sonst könnte die überwältigende mehrzahl der katholischen kirchen und der nichtkatholischen kirchen den zölibat als pflichtvoraussetzung für das amt ablehnen? unter mehr als 20 katholischen kirchen kennt nur eine einzige diese unsinnige regelung.

    • Wrightflyer
      14.03.2017, 22:40 Uhr.

      Für das Zölibat gibt es keine sinnvolle Begründung. Es entstand lediglich aus Angst vor der Sexualität, über einige Jahrhunderte DAS bestimmende Thema im Katholizismus!

      Gott hat aber entschieden, daß neues Leben durch Sexualität entsteht. Schon aus dem Grund kann sie an sich nichts „schmutziges“ sein, sie ist es nur im Fall von Prostitution und sexuellem Missbrauch, also wenn jemand dafür ausgebeutet wird.
      Sexualität ist etwas sehr schönes, sie besiegelt eine besondere Beziehung zwischen Menschen, die noch etwas tiefer ist als eine Freundschaft, und dabei sind wahre Freundschaften schon etwas sehr schönes! Ohne Sexualität, also ohne daß Menschen sich auf besondere Weise zueinander hingezogen fühlen, wäre unser Leben sehr viel ärmer. Auch wenn man Single ist und bleiben will, kann man eine gewisse Erotik zu schätzen wissen. Wieviel Musik z.B. würde fehlen oder Sexualität, Erotik, jemanden vermissen, Liebeskummer ect.?

      • Alberto Knox
        15.03.2017, 11:44 Uhr.

        nana, so einfach sollte man es sich machen. die meisten menschen wollen ihre sexualität auch genital ausleben und können und wollen nicht darauf verzichten. es gibt aber auch menschen, die können und wollen das. und das ist gut so. man kann das als charisma sehen.

        aber es sollte eben ein freiwilliges sein. keine amtsträgerin, kein amtsträger sollte darauf verpflichtet werden, vor allem wenn die not an amtsträgern so groß ist. und da pflichte ich ihnen wieder voll bei, @wrightflyer!

        • Wrightflyer
          16.03.2017, 20:54 Uhr.

          „nana, so einfach sollte man es sich machen. die meisten menschen wollen ihre sexualität auch genital ausleben und können und wollen nicht darauf verzichten.“
          Habe ich ja auch nie behauptet! Sexualität ist schon beides: Seelisch UND körperlich! Da haben Sie mich falsch verstanden!

          Allerdings hatte ich mich auch verschrieben:
          „Wieviel Musik z.B. würde fehlen oder Sexualität, Erotik, jemanden vermissen, Liebeskummer ect.?“
          es sollte
          „Wieviel Musik z.B. würde fehlen OHNE Sexualität, Erotik, jemanden vermissen, Liebeskummer ect.?
          heißen.

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