Ökumenische Audienz beim Papst

Es war durchaus eine ungewöhnliche Audienz, die da heute im Vatikan stattfand. Papst Franziskus empfing leitende Persönlichkeiten der Evangelischen Kirche in Deutschland, und die brachten den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gleich mit. Im Jahr des Reformationsgedenkens eine besondere Geste. Einerseits zeigt das Vorgehen, wie selbstverständlich die Ökumene im Ursprungsland der Reformation mittlerweile ist. Andererseits wurde bei dem Anlass einmal mehr die schmerzliche Trennung ins Bewusstsein gerufen. Sowohl der Papst als auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm erinnerten an das Problem des gemeinsamen Abendmahls für konfessionsverschiede Ehepaare. Franziskus sprach von der Notwendigkeit, den theologischen Dialog zu intensivieren. Konkreter wollte er an dieser Stelle aber nicht werden. Immerhin haben Marx und Bedford-Strohm den Papst noch einmal gemeinsam nach Deutschland eingeladen. Der Pontifex habe „wohlwollend“ geschaut, so der EKD-Ratsvorsitzende anschließend. Allerdings gab es keine offizielle Reaktion aus dem Vatikan. Der päpstliche Reisekalender füllt sich zusehends. Für 2017 noch einen Termin zu finden, wird immer schwieriger. Zumal am 24. September Bundestagswahlen anstehen.

Papst Franziskus bekommt die neue Luther-Bibel geschenkt. (Quelle: dpa)

Papst Franziskus bekommt die neue Luther-Bibel geschenkt. (Quelle: dpa)

Braucht es eine neue Reformation?

Nicht „grollend auf die Vergangenheit schauen“ sondern einen „weiteren Schritt vorwärts tun“. Das sei die Chance des Gedenkjahres, so Papst Franziskus. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit, wenn es um Luther und die Reformation ging, zog Franziskus eine Parallele zur Situation heute. Es gehe darum,  „den Menschen unserer Zeit wieder die radikale Neuheit Jesu und die grenzenlose  Barmherzigkeit Gottes vor Augen zu stellen: genau das, was die Reformatoren in ihrer Zeit anregen wollten“. Was der Papst nicht sagte, aber naheliegt: Damals stellten die Reformatoren mit ihren Anliegen das herrschende System in der Kirche in Frage. Wenn Franziskus diese Parallele zieht, scheint er überzeugt, dass die Kirche heute eine ähnliche Reformation nötig hat. Und hier kommen seine Kritiker ins Spiel, die am Wochenende in Rom Protestplakate haben kleben lassen.

Gegner mit unlauteren Mitteln

Da gibt es die, denen der Papst zu protestantisch ist und zu weit auf die evangelischen Christen zugeht. Da gibt es andere, denen das Vorgehen des Papstes im Streit um den Malteserorden missfällt oder die ein oder andere Personalentscheidung im Vatikan. Auf den Plakaten war zu lesen: „Du hast die Kongregationen unter Aufsicht gestellt, Priester entfernt, den Malteserorden und die Franziskaner der Immakulata enthauptet, Kardinäle ignoriert … Aber wo ist deine Barmherzigkeit?“ Was wollen die Autoren bezwecken? Wenn Papst Franziskus Barmherzigkeit walten lässt, wird kritisiert, dass er sich nicht an Regeln halte. Wenn er durchgreift, wird ihm mangelnde Barmherzigkeit unterstellt. Auch Franziskus ist kein Heiliger. Doch gerade das Beispiel des Malteserordens zeigt, dass Führung notwendig ist, wo Überzeugungsarbeit nicht fruchtet und größerer Schaden von einer kirchlichen Institution abgewendet werden muss.

(Quelle: reuters)

Es ist schon interessant, mit welchen Mitteln die Gegner von Franziskus diesen angreifen und zum Umdenken zwingen wollen. Das gab es unter den Vorgängern und deren Gegnern nicht. Er dürfte daher allen Grund haben, missmutig zu schauen. (Quelle: reuters)

 

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

60 Kommentare

  • Wrightflyer
    06.02.2017, 19:32 Uhr.

    Es ist immer schön wenn es Fortschritte in der Ökumene gibt! 🙂
    An der Basis ist vieles schon selbstverständlich, da wird bereits eine weitreichende Ökumene gelebt, und das ist gut so.

    Man könnte z.B. mal drüber nachdenken, den Grundschulreliunterricht zusammenzulegen. In höheren Klassen muss schon ein bischen Konfessionstrennung sein, um vertieftes Wissen über die eigene Konfession zu erwerben. Gerade evangelische Jugendliche wissen ja nicht mehr genau was es mit „sola fide“ oder „sola scriptura“ auf sich hat. Aber so das Basiswissen über die Bibel und über Jesus, was man mit Grundschülern halt macht, das unterscheidet sich nicht groß.

    „Immerhin haben Marx und Bedford-Strohm den Papst noch einmal gemeinsam nach Deutschland eingeladen.“
    Ich denke daß es für Franziskus wichtigere Ziele gibt als hier Deutschland. Er soll weiter die vernachlässigten Teile der Welt besuchen, dort wo das Leben an schwierigsten ist.

    Was die Plakataktion angeht:
    Es ist nicht verwerflich, gegen den Papst zu sein. Es ist auch nicht verwerflich, ihm Widerstand zu leisten. Unter den letzten beiden Päpsten wäre mehr entschiedener Widerstand bitter nötig gewesen. Und was man sich damals gewünscht hat, kann man nicht heute plötzlich verurteilen.

    Diese Plakataktion wirft Franziskus allerdings vor, unbarmherzig zu sein weil er wohl ein paar in konservativen Kreisen unpopuläre Entscheidungen getroffen hat. Und da muss ich ganz ehrlich sagen: Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen schmeißen…
    Schließlich ist Barmherzigkeit ja eher KEINE hervorstechende Eigenschaft dieses ultrakonservativen Lagers. SEHR vorsichtig ausgedrückt.

    Was aber verwerflich IST, ist, daß die versuchen, Franziskus zu zwingen, seine Kirche im Sinn einer kleinen Minderheit gegen die große Mehrheit zu regieren. Also daß sie Franziskus zwingen wollen, ihre Auffassungen, also die einer kleinen Minderheit, der ganzen rk-Kirche aufzuzwingen.

    Der Deutschlandfunk meldet daß die konservativen Ultras jetzt sogar einen eigenen Index der verbotenen Bücher herausgegeben hätten, also eine Liste mit Autoren die ein „aufrechter Katholik“ nicht lesen dürfte. Keine Ahnung ob Terry Pratchett mit drauf ist, aber laut Deutschlandfunk sind es Umberto Eco, Mahatman Gandhi, Martin Luther King, Hélder Cámara, Karl Rahner…
    Ich spare mir, das noch zu kommentieren….

  • Wrightflyer
    06.02.2017, 19:45 Uhr.

    Ach, noch was:
    Franziskus hat anscheinend eine äußerst interessante Videobotschaft zum Super Bowl geschickt.
    Darf ich eine Bitte an Sie richten? Könnten Sie das näher kommentieren, Herr Erbacher? Also könnten Sie 1-2 Sätze dazu schreiben?
    Oder würden Sie es tun wenn nicht ich sondern jemand von den anderen diese Bitte äußern würde?

    Übrigens: Herzliches Beileid wegen dem 0:4…. Man nähert sich ja schon langsam dem Tabellenkeller!

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      09.02.2017, 8:31 Uhr.

      Ja, Franziskus hat eine kurze Videobotschaft zum Super-Bowl-Finale geschickt. Sie war kurz, hatte aber eine klare politische Botschaft. ES ging darum, Solidarität und eine „Kultur der Begegnung“ zu fördern. Gerade Letzteres schafft man nicht mit Mauern. Interessant ist, dass der Papst den kurzen Text auf Spanisch vorgetragen hat. Er mag nicht gerne Englisch sprechen; aber bei seiner USA-Reise hat er englische Texte vorgetragen. Wenn er also nicht auch mit der Sprache ein Signal hätte senden wollen, hätte er den kurzen Text auch auf Englisch vortragen können. Es war das erste Mal, dass ein Papst zu diesem Anlass eine Botschaft schickte. Hier der Wortlaut:

      „Great sporting events like today’s Super Bowl are highly symbolic, showing that it is possible to build a culture of encounter and a world of peace.
      By participating in sport, we are able to go beyond our own self-interest – and in a healthy way – we learn to sacrifice, to grow in fidelity and respect the rules. May this year’s Super Bowl be a sign of peace, friendship and solidarity for the world. Thank you!“

      • Wrightflyer
        11.02.2017, 20:51 Uhr.

        Vielen Dank, Herr Erbacher! In der Tat eine schöne und wichtige Botschaft!

        Der Trump-Spuk wird bald vorbei sein, ein Amtsenthebungsverfahren ist eigentlich unausweichlich. Aber an die noch immer größte Militärmacht mit der mächtigsten Börse und den mächtigsten Geheimdiensten der Welt gerichtet, ist diese Botschaft zeitlos und wird auch nach Trump dringend sein.

        Die Denkweise des brutalstmöglichen nationalen Egoismusses, die bereits 1914 gewaltig schiefging, ist erst recht kein Konzept in der sich mittlerweile über 7 Millionen Menschen immer knappere Rohstoffe teilen und alle ein sicheres und gutes Leben haben wollen.
        Die Sicherheit von der in letzter Zeit so viel die Rede ist, darf kein Privileg der Ersten Welt bleiben. Jeder afghanische Bauer, jeder irakische Händler, jeder Slumbewohner von Nairobi hat exakt die gleichen Rechte wie wir, das müssen wir begreifen.

        • Wrightflyer
          12.02.2017, 12:00 Uhr.

          7 MILLIARDEN Menschen meinte ich, das war ein Schreibfehler.

          Nein, ich habe nicht plötzlich das Gefühl für Zahlen verloren, bei mir hakt es nur manchmal an der Sprache…

          Für seine Abneigung dem Englischen gegenüber hat Franziskus mein Verständnis. Ich bin ja selbst am Fluchen, da Englisch in der Technik die Standardsprache Nr. 1 für jedes internationale Projekt ist, aber dafür garnicht geeignet, weil viel zu ungenau. Spanisch wäre mir lieber.

        • Wanda
          14.02.2017, 16:48 Uhr.

          Trump hin, Trump her, wir werden uns an ihn gewöhnen müssen. Für wie lange ist wohl die wichtigste Frage.
          – Da fällt mir ein: hat sich der sonst so gesellschaftskritische und für die Freiheit komponierende bzw. singende Nobelpreisträger Bob Dylan eigentlich schon zur Wahl seines Präsidenten geäussert ? Aber vielleicht arbeitet er ja gerade mit Hochdruck an einem diesbzüglichen Text der sich als Song sicher blendend verkaufen lässt…

  • Wanda
    06.02.2017, 21:09 Uhr.

    Scheint tatsächlich und leider seine Hauptaufgabe zu sein: grösseren Schaden von der Kirche abzuwenden.
    Dazu der heutige Bericht in der FAZ: die Rede ist von einem „massiven Scheitern der katholische Kirche in Australien“ und bezieht sich (mal wieder) auf den Missbrauch von Kindern (Jungen und Mädchen)durch katholische Priester in einem schlimmen Ausmass…

  • Silberdistel
    07.02.2017, 7:24 Uhr.

    „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin Ich mitten unter Ihnen“ (Mt. 18,20).
    Mit wieviel Umdrehungen pro Minute würde Jesus Christus eigentlich im Grabe rotieren, – so Er denn sich noch darin befände? Angesichts der vielen Schismen unterschiedlicher christlicher Konfessionen, die sich in Seiner Lehre bis heute entwickelt haben. Auf wikipedia, Stichwort: „Liste christlicher Konfessionen“, lassen sie sich nachzählen. Die sich im offiziellen Verhältnis mal mehr und mal weniger mit den menschlichen Unzulänglichkeiten der Hoffart beharken, die Jesus eigentlich durch Nächstenliebe ersetzt haben wollte. Die Basis der Gläubigen sieht das zum Glück auch anders als jene offizielle Riege der Theo-logen.
    „DIE LEHRE DER GESCHWISTERLICHKEIT“ ist schließlich ein Erfolgsmodell der Menschheitsgeschichte. So wurde mit dem ´Geistigen Impact´ vor nahe 2000 Jahren u.a. der Keim einer jeden praktikablen Zivilisation gesät: die Demokratie. Man sollte diesen ´Geistigen Impact´ feiern und sich glücklich schätzen an ihm teilhaben zu dürfen, – GEMEINSAM.
    Im Kulturkreis des Buddhismus macht man es sich diesbezüglich etwas einfacher: Ein jeder der glaubt, der gilt bereits als ´erleuchtet´ und man könnte auch von deren sprichwörtliche Toleranz ganz gut etwas abkupfern.
    PS: Diese dilettantische „Nacht-und-Nebel“-Plakataktion wirkt eher wie ein heimliches „Lehrer sind doof!“-Gekritzel in einer Grundchule.

  • Alberto Knox
    08.02.2017, 14:38 Uhr.

    hat es eigentlich anonyme plakataktionen gegeben, als b16 barmherzig zu den doch mindestens braun angehauchten, in meinen augen ziemlich antisemitischen piusbruder“bischöfen“ wider besseres wissen um deren antisemitismus war? diese barmherzigkeit ohne vorherige reue (die übrigens von den geschieden wiederverheirateten eheleuten erwartet wird) wäre doch einigermaßen kritikwürdig gewesen. ich kann mich dergleichen nicht erinnern.
    man sieht: die rechten nehmen sich heraus, den linken das katholischsein abzusprechen – was umgekehrt kaum der fall sein dürfte.

    • Silvia
      09.02.2017, 11:00 Uhr.

      Alberto Knox
      08.02.2017, 14:38 Uhr.

      Die Einigung mit den Piusbrüdern macht aber leider unter Franziskus rasche Fprtschritte, es ist von einer Personalprälatur die Rede.

      Offensichtlich ist ausgerechnet Franziskus der Meinung, dass das 2. Vaticanum nicht soooo verbindlich ist, wie wir bisher angenommen haben und jeder auch hier seinem Gewissen folgen kann.

      Da nehme ich mir auch die Freiheit, was Nostra aetate angeht, und sage, dass die Aussagen über den Islam überholt sind, weil sie aktuellen Erkenntnissen und Erfahrungen nicht mehr standhalten.

      Dh., Nostra aetate müsste überarbeitet und neu formuliert werden.

      Bis dahin gilt, was, wenn es nach dem Papst geht, den Piusbrüdern recht sein darf, ist mir billig.

      • Alberto Knox
        10.02.2017, 21:12 Uhr.

        welche aussage in nostra aetate über den islam ist überholt? ich kenne keine – SIE verwechseln schon wieder IHRE interpretation der IHNEN verfüglichen daten zum islam mit DEM islam.
        darf ich dann festhalten, dass sie nicht in einklang mit dem lehramt stehen?

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          11.02.2017, 14:48 Uhr.

          Ich finde, wir sollten uns alle mit einem Urteil über die vermeintliche Katholizität oder „Nicht-Katholizität“ der anderen zurückhalten.

          • Silberdistel
            11.02.2017, 16:24 Uhr.

            Jürgen Erbacher
            11.02., 14:45 h
            Wäre nicht der einzig wirklich wahre Bezugspunkt Jesus Christus, ob „vermeintliche Katholizität oder Nicht-Katholizität“ hin oder her?
            Darüber lässt sich auch nicht wirklich streiten: Die Lehren des Christus wurden erst ab ca. 70 AD in seinen Kernaussagen, von mW über 70 heute bekannten Evangelisten, nieder geschrieben. Nur 4 von Ihnen: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, wurden im ersten Konzil von Nicäa als verbindliche Glaubensgrundlage von den meisten der damaligen bereits vorhandenen Glaubensströmungen anerkannt. Um christlich zu glauben, sollte daher eine ausgeprägte Toleranz zu Andersdenkenden vorhanden sein, aufgrund eben von fehlenden OTon-Aussagen. Ein Jesusvideo eines Zeitreisenden gibt es halt noch nicht.
            Allerdings hat der rk.-Katholizismus im laufe der Jahrhunderte das ´nicänische Glaubensbekenntnis´ wesentlich „“verbessert““, indem so einiges hinzu gefügt wurde. Über das man sich als Christen nicht zwingend streiten muss, jedoch trefflich diskutieren kann, woher die Grundlage dafür wohl kam.

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 1:06 Uhr.

            @silberdistel:

            nur gibt es mit dem bezugspunkt jesus ein problem: er war nie christ, geschweige denn katholik. bis zu seinem letzten atemzug war er gläubiger jude.

          • Silberdistel
            12.02.2017, 13:12 Uhr.

            Alberto Knox
            12.02., 1:06 h
            Richtig. Nur verstieß IHN die Nomenklatur der damaligen Juden und so ergoss sich die geistige Strömung, resultierend aus den Aussagen und Lehren des von Gott Gesalbten (so wohl die wörtl. Übersetzung von Christus), des Friedensfürsten, in alle Welt. Dieser von ihm ausgelöste ´geistig/ seelische´ Impact war derart innovativ, das er nicht nur zahlreiche Schriftkundige in der Folge inspirierte, sondern in der Lage war fast alle bisherigen heidnischen Allerweltsgötter zu verdrängen. – Bemerkenswert, oder?!
            Allerdings wählte Er auch von vorn herein keine Vertreter aus der damaligen Nomenklatur der jüdischen Theologen als seine Nachfolger aus, sondern diesbezügliche Laien. So konnte also etwas ganz Neues, unbelastetes, aus diesem neuen geistigen Impact entstehen. Eben das Christentum, das sich auf den Einen Gesalbten gründet.
            Man könnte jedoch zur Vermutung gelangen, das so manche heutigen Nachfolger den Inhalt dieses mittlerweile doch etwas alt gewordenen ´geistigen Impact´s´ des Friedensfürsten noch nicht so ganz introjiziert haben, wenn man so manche Streiterei um den „richtigen Glauben“, sogar in nur einer einzigen christl. Konfession, verfolgt.

          • Wanda
            12.02.2017, 16:31 Uhr.

            Natürlich haben Sie Recht. Zudem die Katholizität oder nicht-Katholizität als Kriterium für die Christlichkeit einer Person nicht unbedingt taugt, wenn man berücksichtigt, dass Jesus selbst derartige Kategorien fremd waren…

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 19:43 Uhr.

            „Nur verstieß IHN die Nomenklatur der damaligen Juden“

            im grunde kann man HISTORISCH nicht einmal das so sagen. letztlich hat ihn nur eine tempelnahe priestergruppe mit den römern zusammen ausschalten wollen.

      • Alberto Knox
        10.02.2017, 21:15 Uhr.

        piusbrüder: ist ihnen immer noch die strategie aufgegangen? es wird verhandelt, verhandelt, verhandelt – aber noch nie kam ein handfestes ergebnis an den tag, jenseits eines vagen wunsches. solange verhandelt wird, sind die piusse kein auffangbecken für die burkes und co. das ist recht vernünftiger vorgang. – und umgekehrt: sie sehen doch wie bei kath und katholisches schmerz über schmerz um sich greift wegen amoris laetitia. glauben sie im ernst, die piusse kommen, wenn bei uns gilt, dass geschiedene wiederverheirtate zur kommunion dürfen?

        • Silvia
          11.02.2017, 17:09 Uhr.

          Also wenn ich an Stelle der Piusbrüder wäre, würde ich das – mutmaßliche – Angebot des derzeitigen Papstes annehmen, denn so einfach kommen die nie wieder in unsere Kirche rein.

          Und dann würde ich – also wenn ich bei den Piusbrüdern wäre – versuchen, die so genannte „Konzilskirche“ von innen her wieder auf den vorkonziliaren Kurs zu bringen.

          Meinen Sie, Fellay hat noch nicht durchschaut, dass er es hier mit einem äußerst sprunghaften Papst zu tun hat, der wenig auf Theologie gibt?

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 1:11 Uhr.

            @silvia:

            „Und dann würde ich – also wenn ich bei den Piusbrüdern wäre – versuchen, die so genannte „Konzilskirche“ von innen her wieder auf den vorkonziliaren Kurs zu bringen.“

            sie haben durchaus sensibilität für das wünschen und wollen der piusse, doch entspricht deren lautstarker krawall nicht der theologischen valenz ihrer argumente und vor allem nicht ihrem wahren einfluss. nocheinmal anders: dass sind 500 meist mit einer religionspathologie geschlagene antisemiten als priester und knapp 100.000-500.000 fehlgeleitete weltchristen.

            „Meinen Sie, Fellay hat noch nicht durchschaut, dass er es hier mit einem äußerst sprunghaften Papst zu tun hat, der wenig auf Theologie gibt?“

            ehrlich gesagt glaube ich, dass fellay keine geistige größe ist. die wollen in teilen unbedingt zu uns, ohne ihre letzten 40 jahre verleugnen zu müssen. das werden sie aber so einfach nicht bekommen.
            rückfrage an sie: welchen einfluss hat die petrusbruderschaft? keinen. gut so. eine sektiererische splittergruppe neben vielen anderen.

          • Wrightflyer
            12.02.2017, 11:56 Uhr.

            Ich war mal Kommunistin. Und aus dieser Sicht habe ich mich auch intensiv damit auseinandergesetzt, woran der Kommunismus, bzw. woran Revolutionen allgemein letztendlich scheitern.
            Es ist selten der stärker bewaffnete Gegner. Es sind meistens die Ratten im Inneren, diejenigen die mit nichts anderem beschäftigt sind als „Abweichler“ zu verfolgen, und Paranoia zu schüren. Auf Youtube gibt es eine sehr aufschlussreiche Doku über Herbert Wehners unseliges Wirken in der Sowjetunion, bis er selbst im Hotel Lux festsaß und Angst haben musste.
            Und nein, ich meine hier NICHT die Piusbrüder.

            Offen gestanden halte ich es hier für sinnvoller, sich damit zu beschäftigen wie man den Reformkurs den Franziskus in der rk-Kirche und vielleicht auch im ganzen Christentum (so wie das 2. Vatikanum im gesamten westlichen Christentum gewirkt hat, auch wenn es so nicht geplant war) initiiert hat unterstützen kann OHNE sich ständig drum zu drehen ob er jetzt dieses oder jenes glasklar befohlen hätte, und wie man generell dem Christentum hier in Europa wieder Aufschwung verschaffen kann, was sind die gesellschaftlichen Realitäten, was brauchen die Menschen, Familien, Nationen von heute, statt stäääändig nur Paranoia zu schüren welcher Kardinal oder Bischof oder sonstige hohe Funktionär angeblich ganz gefährlich wäre.

            Ich kann die Piusbrüder ebenfalls nicht ausstehen. Ich kann diese Ewiggestrigkeit nicht leiden, ich mag keine lateinischen Messen (außer vereinzelten lateinischen Relikten wie dem Gesang zur Eucharistie „Ubi caritas et amor deus ibi est“), ich halte es für eine Irrlehre, an Zeitgeistern früherer Jahrhunderte zu kleben, denn die sind auch jeweils in einer bestimmten Situation entstanden.
            Allerdings geht es mir GEWALTIG AUF DIE NERVEN, wenn sich hier wieder aaaaalles um die Piusbrüder dreht obwohl andere Themen eigentlich dringender sind.
            Unter Ratzinger hatte die Frage der Piusbrüder eine überragende Bedeutung, weil es ja bekanntlich für Reformgruppen nur kalte Abfuhren oder schlimmeres aus dem Vatikan gab. Unter Franziskus ist es bekanntlich NICHT so. Daher muss man, bin ich der Meinung, nicht alle Diskussionen den Piusbrüdern unterwerfen.

            Ich mag keine Paranoia, denn die wirklich wichtigen Themen bleiben dabei auf der Strecke.

      • Wrightflyer
        11.02.2017, 21:35 Uhr.

        @Silvia

        WELCHE Erkenntnisse und Erfahrungen über WELCHEN Islam?
        Das müssen Sie schon näher definieren, der Islam ist nämlich in sehr viele verschiedene Richtungen zersplittert!

        Es gibt derzeit auch sehr radikale und gewalttätige, auch terroristische Strömungen. (Nebenbei bemerkt: Vergessen haben wir wohl die 1980er als Europa wirklich schwer von Torrorismus betroffen war, teilweise separatistisch (IRA, ETA, Südtirol), teilweise links und teilweise faschistisch (wie das mit dem Münchner Oktoberfest oder die merkwürdige Überfallserie in Brabant), aber nirgends Hysterie zu spüren war. Trotz z.B. dem Bahnhof von Bologna. Waren das noch Zeiten…)
        Fragen wir uns mal: WO genau haben diese Strömungen ihre Basis?
        Hmmmmm…. wie es aussieht nicht unbedingt in Ländern wie z.B. den Emiraten wo es den Einheimischen so gut geht daß sie sogar einen Ausländeranteil von 80% ertragen. Von einer üblen Region abgesehen auch nicht in Indonesien. Sondern in gewissen völlig kaputten Ländern die seit ca. 30 Jahren keinen Frieden mehr erleben durften. Wie z.B. dem Irak oder Afghanistan. Oder in Nigeria, wo die Machthaber darin versagt haben, die Öleinnahmen gerecht zu verteilen. Bzw. kein Rückgrat hatten, die Ölkonzerne dazu zu zwingen, in Umweltstandards, gerechte Löhne für die Einheimischen und Infrastrukturmaßnahmen zu investieren. Auch Nigeria ist heute ein völlig kaputtes Land und leidet auch entsetzlich unter den Umweltschäden. Die meisten Menschen sind bitter arm und ohne Perspektive, dabei ist nigerianisches Öl (Bonnie Light) sehr begehrt, weil schwefelarm. Es muss bald das versiegende Nordseeöl (Brent) ersetzen. Auch Somalia zählt zu den Basen solcher terroristischer Gruppierungen. Somalia ist aber bekanntlich ein Staat der schon lange nicht mehr so wirklich existiert.

        Ich bin der Überzeugung:
        Die „aktuellen Erkenntnisse und Erfahrungen“ beziehen sich garnicht auf den Islam (wie denn auch, wenn der so unterschiedlich und teilweise auch übelst zerstritten ist?), sondern auf Krieg und seine Folgen, auf Hoffnungslosigkeit und ihre Folgen, auf Demütigungen und ihre Folgen.

        • Silvia
          12.02.2017, 1:13 Uhr.

          Wrightflyer
          11.02.2017, 21:35 Uhr.

          Lesen Sie einfach mal den Koran und die Lebensgeschichte von Mohamed. Der Koran ist die gemeinsame Grundlage JEDER islamischen Richtung und alle diese diversen Richtungen berufen sich auf Mohamed.

          Dann vergleichen Sie mal, was von Mohamed überliefert ist mit dem, was von unserem Religionsgründer Jesus Christus überliefert ist.

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            12.02.2017, 11:48 Uhr.

            Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, die Kräfte im Islam zu stützen, die den Koran mit der historsich-kritischen Brille lesen analog zur historisch-kritischen Bibelexegese. Da wird dann Vieles in Bezug auf Mohamed in einen zeitlichen Kontext eingeordnet und taugt nicht mehr für konkrete Handlungsanweisungen im Hier und Jetzt. Ein solcher Vertreter ist der Münsteraner Islamtheologe Mouhanad Khorchide. Vor einigen Monaten habe ich in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom ein Gespräch von ihm mit Kardinal Kasper zur Barmherzigkeit moderiert. Das Ergebnis erscheint in wenigen Wochen als Buchform. Da finden sich interessante Anknüpfungspunkte für einen aufgeklärten Islam, der anschlussfähig zu sein scheint an eine demoratische Ordnung. Andere Beispiele finden sich in der ZDF-Sendung Forum am Freitag.

          • Wrightflyer
            12.02.2017, 12:16 Uhr.

            @Silvia

            Ich habe ebenfalls eine Empfehlung:
            Mit real existierenden Muslimen in Kontakt kommen. Überraschung, überraschung: Die meisten sind keine wahnsinnige hasserfüllte mit dem Gewehr herumfuchtelnden Irren mit verzerrten Gesichtern, so das Hollywoodklischee, sondern recht normale Mitbürger. Keine Engel, keine Teufel, sondern Menschen.

            Zweite Empfehlung:
            Sich mal mit der neueren Geschichte und den ganzen Kriegen befassen und dabei nicht den Blickwinkel der siegreichen Militärmacht einzunehmen sondern den Blickwinkel der sich ohnmächtig, hilflos und ausgeliefert fühlenden Zivilbevölkerung.
            Ohne Empathie für das Leid das in diesen Ländern geschehen ist und noch immer geschieht können wir bestimmte Dinge garnicht korrekt beurteilen! Jeder Muslim ist ein Mensch und funktioniert nach den selben Regeln wie jeder andere Mensch auch!

            Dritte Empfehlung:
            Sich der Tatsache zu stellen daß es auch im Christentum Zeiten gegeben hat, da war es weit rückständiger, brutaler und unbarmherziger als der größte Teil des zeitgleichen Islams. Weil auch in der Bibel, jedenfalls im AT, blutrünstige, kriegslüsterne Passagen stehen die man nicht ohne kritisches Denken übernehmen kann. Passagen die einem in der Diskussion mit Atheisten gern mal in Verlegenheit bringen. Wenn das Christentum dazulernen kann, dann kann es auch der Islam! Tatsächlich hat eine Umfrage ergeben, daß die Mehrheit der Muslime sich religiöse Reformen wünscht.

            Haben Sie denn den GANZEN Koran gelesen? Haben Sie intensive Kenntnis von Diskussionen gut ausgebildeter muslimischer Theologen?

          • Silvia
            12.02.2017, 16:28 Uhr.

            Jürgen Erbacher
            12.02.2017, 11:48 Uhr.

            Lieber Herr Erbacher,

            gegen Prof. Khorchide gibt es aber eine Todes – Fatwa seitens seiner Glaubensbrüder eben weil der Mann vernünftige Ansichten hat.

            Was die historisch – kritische Exegese angeht, die wird ja vielfach sogar von (katholischen) Christen abgelehnt, die Mehrheit, auch unter gebildeten Leuten, weiß sowieso nichts darüber, woher auch.

            Entschärft haben wir glücklicherweise das AT bzgl. der Stellen, die von Kriegen und Gewalt handeln, was aber auch die Wenigsten wissen.

            Im NT gibt es in dieser speziellen Hinsicht nichts zu entschärfen. Bei Verbrechen, die Christen in der Vergangenheit im Namen Gottes verübt haben, haben sie sich zu Unrecht auf Jesus und die Bibel berufen, während sich Muslime damit zu Recht auf den Koran und Mohamed berufen.

            Was Mohameds Vita angeht, so war sein Leben sicher auch zeitbedingt, das ändert aber nichts an seiner Kriegsführung, seinen Grausamkeiten und seiner Lehre.

            Jesus hat rund 600 Jahre früher gelebt, auch damals waren Kriege und Gewalt an der Tagesordnung, aber Jesus hat Liebe gepredigt, hat sich nicht politisch betätigt, jede Form von Gewaltt verurteilt und hat sich für seine Lehre und für uns ans Kreuz schlagen lassen.

            Last not least müssen wir uns heute mit einem real existierenden, sehr gewaltbereiten Islam, für den alle Nichtmuslime zu tötende Ungläubige sind, auseinandersetzen.

            Und genau das geschieht auf unseren Straßen: Gewalttätige Angriffe in kleinem und großem Stil auf westlich aussehende Menschen.

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            12.02.2017, 16:56 Uhr.

            Das sollte niemanden daran hindern, dem es um einen aufgeklärten Islam geht, Professor Khorchide und seine Mitstreiter zu unterstützen. Die große Mehrheit der Muslime lehnt die Gewalt ab und leidet selbst unter der Gewalt der Fundamentalisten. Die Gewaltbereiten, gleich in welcher Religion, sind eine kleine Minderheit, die den großen Rest in Angst und Schrecken versetzen.

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 19:47 Uhr.

            @silvia:

            ich bin ja sehr gerne christ und für mich hat schon auch bedeutung, dass jesus kein heerführer war wie muhammad, sondern ein justizopfer. aber stammen nicht auch diese worte von jesus:

            „Ich bin gekommen,
            um Feuer auf die Erde zu werfen.
            Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!
            … Meint ihr,
            ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch,
            nicht Frieden, sondern Spaltung.
            Denn von nun an wird es so sein:
            Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen“.

            ist die offenbarung des johannes nicht ein ebenso gewalttätiges buch wie der quran?
            und: muss nicht der islamistische terror noch lange daran arbeiten, ebensoviele tote bei den christen hervorzubringen, wie wir christen muslime ermordet haben.

            ich sage es nicht gern, aber ich glaube, sie haben eine gehörige fehlwahrnehmung vom islam.

    • SuNuraxi
      09.02.2017, 15:20 Uhr.

      Nicht so sehr. Dafür aber einen gewaltigen Shitstorm in den Mainstream-Medien. Plakate waren da nicht mehr notwendig.
      PS: Ihnen ist bekannt, dass die Annäherung zwischen der RKK und den Pius-Brüder im Augenblick so eng ist wie schon lange nicht?

      • Alberto Knox
        10.02.2017, 21:16 Uhr.

        „Ihnen ist bekannt, dass die Annäherung zwischen der RKK und den Pius-Brüder im Augenblick so eng ist wie schon lange nicht?“

        das halte ich für eine kluge strategie, nicht jedoch für ein faktum.

        • Silvia
          13.02.2017, 10:49 Uhr.

          Alberto Knox
          12.02.2017, 19:47 Uhr.

          Als Theologe wissen Sie sehr genau, dass dieses von Ihnen aus dem Zusammenhang gerissene Jesuswort KEINE Aufforderung zum Krieg ist sondern dass es hier um eine geistige Auseinandersetzung geht. Sie werfen also bewusst eine Nebelkerze!

          Und was die Offenbarung des Johannes angeht, die als Trost an seine Zeitgenossen in der Verfolgungszeit gedacht war, was Sie ebenfalls wissen, so lese ich darin keine Aufforderung zu Mord – und Totschlag an Andersgläubigen.

          Und was die Verbrechen von Christen an Muslimen angeht, so sind die eben NICHT mit dem NT und der Lehre Jesu zu rechtfertigen sondern sie verstoßen eklatant gegen die Lehre Jesu.

          Beim Islam ist es aber umgekehrt, siehe meine obige Antwort an Herrn Erbacher.

          • Alberto Knox
            14.02.2017, 16:26 Uhr.

            sehr geehrte silvia!

            „Entschärft haben wir glücklicherweise das AT bzgl. der Stellen, die von Kriegen und Gewalt handeln, was aber auch die Wenigsten wissen.“

            das ist unwahr. jesus hat nichts, aber auch gar nichts aus dem at aufgehoben. wenn sie in den letzten sonntagen in der messe waren, müssten sie das auch in den lesungen aus dem mt-evangelium gehört haben. es gibt außerdem genug stellen im nt, neben denen die gewalttätigen passagen im at wie ein laues lüftchen wirkt.

            die besten bibelforscher legen übrigens auch wert darauf, nun endlich auch den markionistischen müll beiseite zu lassen, dass das at den bösen gott, das liebe jesulein den guten gott gebracht hat. das ist keine christliche perspektive. für die ersten christen war die bibel schlicht das alte testament – wie für jesus auch. zwar ist das nt der erste und unerlässliche interpretatorische rahmen des at, aber eben auch nicht mehr. wort gottes ist erst einmal das at. das möchten sie bitte zur kenntnis nehmen – denn es ist nicht nur theologische spinnerei, das entspricht dem stand der diskussion und wurde auch von einem so zweitklassigen theologen wie josef ratzinger in offizieller funktion als präfekt der glaubenskongregation gutgeheißen. alle anderen wege der bibeldeutung (das at sei abgeschafft durch das nt, wie sie das offenbar vertreten) haben pflastersteine auf den weg nach auschwitz gelegt.

            „Im NT gibt es in dieser speziellen Hinsicht nichts zu entschärfen.“

            das zeigt mir, dass sie entweder das nt nicht kennen (haben sie die GANZE bibel gelesen? mehrfach?) oder das sie unter einer fehlwahrnehmung leiden.

            „Als Theologe wissen Sie sehr genau, dass dieses von Ihnen aus dem Zusammenhang gerissene Jesuswort KEINE Aufforderung zum Krieg ist sondern dass es hier um eine geistige Auseinandersetzung geht.“

            das stimmt nicht. schon allein deswegen, weil diese stelle bei lk nicht aus dem kontext gerissen worden ist. sodann, weil die AMTSKIRCHE diese stelle schon auch zur rechtfertigung von glaubenskriegen benutzt hat. und drittens stimmt ihre anschuldigung auch deswegen nicht, weil sie mit demselben maßstab, mit dem sie sich erlauben, die bibel schönzureden, auch den quran schönreden können – dschihad heißt nämlich nur anstrengung. sie schüren hier durch ihre einseitige position schlicht eines: vorurteile.

            „Und was die Offenbarung des Johannes angeht, die als Trost an seine Zeitgenossen in der Verfolgungszeit gedacht war, was Sie ebenfalls wissen, so lese ich darin keine Aufforderung zu Mord – und Totschlag an Andersgläubigen.“ ist die sadistische freude an den qualen der andersgläubigen soviel moralisch erhebender als ein mordaufruf? im übrigen hat man die offenbarung auch schon anders interpretiert. auch amtlich.
            FAZIT: das nt wie das at taugen genauso sehr oder genauso wenig zur rechtfertigung von gewalt im namen gottes wie der quran. es liegt an der deutung, wie man mit solchen stellen, in diesen büchern umgeht. die masse der christ*innen wie die masse der muslime will nichts anderes als friedlich ihren glauben leben. wer muslimen permanent und wider besseres wissen aus resentiment gewaltbereitschaft unterstellt, betreibt rufmord und begeht eine schwere sünde. davon abgesehen befindet man sich damit nicht im einklang mit dem lehramt.

            Und was die Verbrechen von Christen an Muslimen angeht, so sind die eben NICHT mit dem NT und der Lehre Jesu zu rechtfertigen sondern sie verstoßen eklatant gegen die Lehre Jesu.

            Beim Islam ist es aber umgekehrt, siehe meine obige Antwort an Herrn Erbacher.

          • Wanda
            14.02.2017, 17:22 Uhr.

            Wrightflyer 12.02.2017 12:16
            Ohne Kommentar meinerseits hier die von der mutigen jungen saudischen Journalistin Nadine al Budair im Fernsehen gestellten provokanten Fragen an ihre (muslimische) Generation:
            „Was würdet Ihr sagen, wenn…
            – junge Menschen aus dem Westen auf unseren Plätzen Selbstmordanschläge im Namen des Kreuzes verüben ?
            – christliche Priester Moslems als Ungläubige bezeichnen und dann davon singen, dass Gott ihren Tod verlange ?
            – westlichen Migranten in arabische Staaten Grundversorgung und Bildung gewährt würde, um dann im Gegenzug einige Bürger ihres Gastlandes im Namen der christlichen Religion zu töten ?“
            Und zur leider häufig festzustellenden Verfehlung in der arabischen Erziehung sowohl im Elternhause als auch in den Madrassen, wo der Heilige Krieg und Hass gegen die westliche Welt gelehrt wird, fragt sie dann direkt:
            – „Wenn westlichen Studenten in z.B. Amsterdam, London, New York oder Berlin diese Art von Lehrstoff vermittelt würde, würdet Ihr Euren Aufenthalt dort gerne verlängern oder lieber wegbleiben ?“

      • Silvia
        12.02.2017, 20:23 Uhr.

        Wrightflyer, da sich unsere Posts überschnitten haben, hier meine Antwort an Herrn Erbacher, auch bzgl des AT:

        Silvia
        12.02.2017, 16:28 Uhr.
        Jürgen Erbacher
        12.02.2017, 11:48 Uhr.

    • neuhamsterdam
      10.02.2017, 0:53 Uhr.

      Leute im Spiegel?

      Die Rechten wollen den Linken ihren Internationalismus (…holi…) absprechen, während die Linken den Rechten ihren InterNationalismus gerne unerwähnt zugestehen.

      Und damit Benedikt auch gar nix an der gut austarierten Verteilung von zuverlässigen Rollenmustern ändert, gabs al dente das Video zur „Versöhnungsgeste“.

      Nunja, plakative Titel an den Zeitschriftenauslagen gabs schon auch… abhängig davon, was der (Werbe-)Kunde gelesen haben wollte.

    • bernardo
      10.02.2017, 14:05 Uhr.

      „die rechten nehmen sich heraus, den linken das katholischsein abzusprechen – was umgekehrt kaum der fall sein dürfte.“

      @ Knox: Ausgerechnet Sie schreiben das, obwohl Sie und Suarez doch immer diejenigen sind, die Abweichungen vom Lehramt und Häresien ausmachen. 🙂

      Was die Piusbrüder angeht, scheint es doch merkwürdig zu sein, dass der jetzige Papst ihnen viel weiter entgegenkommt als sein Vorgänger, der von ihnen die volle Anerkennung des Zweiten Vaticanums verlangte. Die Aufhebung der Exkommunikation hingegen konnte man eben nicht als Anerkennung ihrer Position verstehen, sondern als Akt der Barmherzigkeit. Gedankt wurde es Benedikt nicht.

      • Jürgen Erbacher
        Jürgen Erbacher
        10.02.2017, 20:47 Uhr.

        Noch kennen wir die Bedingungen nicht, zu der eine Wiedereingliederung vollzogen werden soll. Kardinal Müller betont immer wieder, dass man nicht weiter entgegenkommt als unter Benedikt XVI. Vor einem endgültigen Urteil heißt es also abwarten. Allerdings wäre mehr Transparenz von Seiten des Vatikans in dieser Angelegenheit wünschenswert.

        • Silvia
          11.02.2017, 13:43 Uhr.

          Unter Benedikt gab es tatsächlich weitaus mehr Transparenz bezüglich der Verhandlungen mit der Piusbruderschaft.

          Zur Zeit scheint sich da alles im Geheimen abzuspielen und wenn man sich einig geworden ist, wird das „Kirchenvolk“ vor vollendete Tatsachen gestellt.

          Ob Kardinal Müller, der der Piusbruderschaft schon seit seiner Regensburger Zeit sehr kritisch gegenüber steht, sich gegen den derzeitigen Papst durchsetzen kann, wage ich zu bezweifeln.

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            11.02.2017, 14:45 Uhr.

            Allerdings war das Verfahren unter Benedikt XVI. auch nicht transparenter. Wir wissen bis heute nicht, was in der „berühmten“ Präambel damals ausgehandelt wurde. Meine Kritik an der mangelnde Transparenz gilt also auch schon für das vorherige Pontifikat.

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 1:15 Uhr.

            „Unter Benedikt gab es tatsächlich weitaus mehr Transparenz bezüglich der Verhandlungen mit der Piusbruderschaft.“

            das gehört, pardon, ins reich der phantasie und […]*. nicht einmal die rücknahme der exkommunikation – ausgerechnet am 50. jahrestag der einberufung des von ihnen zurecht gelobten 2. vatikanums (was für eine bodenlose und zynische gemeinheit durch b16) – wurde im konsistorium ventiliert, geschweige denn das b16 die wenigen warnenden stimmen auch nur hinsichtlich ihrer warnenden stimmen erwogen hat. vom inhalt der lehrmäßigen präambel, auf die herr erbacher sich bezieht, ganz zu schweigen.

            *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Alberto Knox
        10.02.2017, 21:18 Uhr.

        „Ausgerechnet Sie schreiben das, obwohl Sie und Suarez doch immer diejenigen sind, die Abweichungen vom Lehramt und Häresien ausmachen.“

        ich kann nur für mich sprechen: nicht ich mache die abweichungen vom lehramt aus, SIE und andere geben diese kund und sprechen SICH SELBST die katholizität ab. ich meinesteils kann das nur feststellen. das ist in gegensatz zu ihrem gebahren etwas ganz anderes.

        • Silvia
          11.02.2017, 17:04 Uhr.

          Dazu verweise ich auf die Antwort von Herrn Erbacher etwas weiter oben:

          Jürgen Erbacher
          10.02.2017, 20:47 Uhr.

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 1:27 Uhr.

            nocheinmal: ich spreche niemandem die katholizität ab. ich stelle nur fest, dass bestimmte sätze nicht im einklang mit dem römischen lehramt sind. davon abgesehen hat nicht einmal ein karl rahner die reichlich absurden vorwürfe eine heinz-jürgen vogels persönlich genommen (jener schrieb diesem sogar, dass es ein normaler vorgang sei, wenn einem theologen häresie vorgeworfen werde – ein solcher theologe habe ja die chance, seine position zu klären). und rahner machte sich dann die mühe sämtliche vorwürfe zu entkräften.
            soll ich etwa, @silvia, ein schwaches, im glauben abgekommenes geschwister auf abschüssiger bahn beim ausrutschen NICHT stützen und NICHT vom falschen weg abbringen? das wäre eine sünde. sie wie ich – auch wenn ich ihre manchmal reichlich undifferenzierten von großer furcht, statt respekt geleiteten aussagen über den islam nicht teile – sind doch hier im papstgeflüster, weil wir beide in unterschiedlichen aspekte die volle katholizität und nicht nur teilausschnitte zum leuchten bringen wollen.

        • bernardo
          12.02.2017, 11:11 Uhr.

          „ich kann nur für mich sprechen: nicht ich mache die abweichungen vom lehramt aus, SIE und andere geben diese kund und sprechen SICH SELBST die katholizität ab. ich meinesteils kann das nur feststellen. das ist in gegensatz zu ihrem gebahren etwas ganz anderes.“

          Quod erat demonstrandum.

          An keiner Stelle hier bin ich vom Lehramt abgewichen, sondern habe POLITISCHE Kritik geübt. Ihre Aussagen bestätigen aber meinen Verdacht, dass es neben dem „konservativen“ Integralismus auch einen „progressiven“ gibt: Beide achten die Trennung zwischen der Sphäre des Numinos-Religiösen und des Politischen nicht. Schön, dass Sie mich bestätigt haben.

          • Alberto Knox
            12.02.2017, 19:49 Uhr.

            doch, natürlich, sie lehnen die konzilserklärung nostra aetate ab.

  • Wrightflyer
    12.02.2017, 11:14 Uhr.

    Zum Thema Katholizität:
    Der ganze Streit darum, wer hier katholischer ist, ist aus meiner Sicht (ich bin altkatholisch, übrigens) schon ein wenig… albern.
    Ich meine dazu: Im Katholischsein hat ein sehr breites Spektrum von Auffassungen Platz. So fasst es jedenfalls „meine“ Abteilung der katholischen Welt auf. Wer allerdings, so wie die Piusbrüder, Zeitgeister vergangener Jahrhunderte vergötzt und nicht mehr an der Evolution der katholischen Welt teilhaben will, der schließt sich selbst vom Katholischsein aus.

    • Alberto Knox
      12.02.2017, 19:50 Uhr.

      „Im Katholischsein hat ein sehr breites Spektrum von Auffassungen Platz. So fasst es jedenfalls „meine“ Abteilung der katholischen Welt auf.“

      nicht nur ihre, auch meine.

      „Wer allerdings, so wie die Piusbrüder, Zeitgeister vergangener Jahrhunderte vergötzt und nicht mehr an der Evolution der katholischen Welt teilhaben will, der schließt sich selbst vom Katholischsein aus.“

      das kann man als katholik nur unterschreiben.

      • bernardo
        13.02.2017, 13:34 Uhr.

        @ Wrightflyer: Ich streite mich nicht darum, wer „katholischer“ ist. Solche Diskussionen überlasse ich anderen. Allerdings wehre ich mich dagegen, wenn meine Katholizität bestritten wird, weil ich die Predigt eines katholischen Bischofs positiv erwähnt habe.

        @ Knox: Zitat Nostra Aetate (Auszug): „3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.“
        Ich lehne diese Aussagen, die wie jeder Text auch und vor allem im historischen Kontext zu verstehen ist, und der darauf verzichtet, die bestehenden Unterschiede zu thematisieren, nicht ab. Ich glaube allerdings, 55 Jahre danach und im Lichte neuer Entwicklungen kann man ruhig auch das Trennende erwähnen. Kann man auch die Frage nach der Integrationsfähigkeit des Islam in die europäische Kultur stellen. Oder die Frage stellen, warum es mit Hindus, Bahais, Buddhisten, Juden, Shintoisten, Taoisten, Konfuzianern in Europa keine nennenswerten Probleme gibt, mit Muslimen allerdings schon.

        Nein, Sie haben keine weite Vorstellung von Katholizität, sondern eine sehr enge.

        • Silvia
          13.02.2017, 20:25 Uhr.

          bernardo
          13.02.2017, 13:34 Uhr.

          Da kann ich Ihnen in allen Punkten nur zustimmen.

        • Wanda
          14.02.2017, 1:14 Uhr.

          Ich empfehle beim Islam genau hinzuschauen: es gibt ganz entscheidende und gravierende Unterschied zum Christentums und der jüdischen Religion, die einfach nicht kompatibel und somit m.E. auch nicht tolerierbar sind:
          1. Der Koran als Grundlage und Gesetz wurde Mohammed von Gott durch den Engel Gabriel direkt in die Feder diktiert und ist somit nicht diskutier- oder auslegbar. Er ist gleichzeitig die wichtigste Quelle des islamischen Gesetzes, der Scharia, welche „ALLE“ Aspekte des Lebens umfasst.
          2. Infolge der Aktivitäten Mohammeds war der Islam gleich von Beginn an mit politischer und militärischer Macht verknüpft. Muslimischer Ansicht nach ist die höchste Staatsgewalt bei Allah hinterlegt: von ihm erhielt der Prophet (siehe oben) seine Autorität und das Gesetz, d.h. Staat und Religion sind für den gläubigen Moslem nicht nicht zu trennen.
          3. Dieses göttliche Recht durchzusetzen und zu verteidigen liess sich als religiöse Aufgabe nur unter Anwendung militärischer Macht (als unumschränkte Staatsgewalt) lösen. Daher das Ideal des Gottesstaates. Es sollte keine anderen Privilegien geben als die natürliche und rechtmässige Überlegenheit derer, die dem Glauben Mohammeds angehören über jene, die ihn ablehnen. DAS versteht der Islam bis heute unter Rechtsstaatlichkeit. Als höchste Autorität für die „ganze“ Menschheit*) ist der Islam der einzige Weg zum Heil sowie Massstab der Wahrheit und Lebensführung.
          *) Man muss sich die Anmassung vor Augen führen: einem überlieferten Spruch Mohammeds zufolge (Hadith) wird jeder Mensch im Zustand der Fitra, d.h. ganz natürlich und grundsätzlich als Moslem geboren. Leider erziehen ihn seine Eltern zum Andersgläubigen, Christen oder Juden usw…
          Genau daraus zieht der Islam sein übersteigertes Sendungsbewusstsein und damit erklärt sich auch dessen Potenzial der Mobilisierung von Gewalt zur Durchsetzung seines Weltbildes und seiner Werteauffassung wo immer das sei.
          – Und genau hier zeigen sich die markante Unterscheidungsmerkmale zum Christentum:
          1. Die Trennung von Staat und Kirche. Jesus hatte gelehrt, dem Kaiser zu geben was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist. Dass die Amtskirche lange Zeit dagegen verstiess, ist eine andere Sache…
          2. es gibt kein christliches Äquivalent zur Scharia, d.h. kein religiös begründetes Gesetz, welches weltlich Strafen regelt bzw. fordert…
          3. Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe als DIE Fundamente der Lehre des Nazareners, die ALLE Menschen einbezieht, ungeachtet ihrer Religion oder Weltanschauung…
          4. Total abweichend: Altes und Neues Testament(die Bibel) sind Berichte und Historie mit Glaubensinhalten und auslegbar. Der Koran hingegen ist von Anfang bis Ende Gebot, Verbot und absolut verbindlich. Ein sehr grosser Unterschied !
          – P.S. Natürlich kommt das Argument, viele Muslime seien heute moderat. Das mag sein. Nur, der Koran ist ganz und gar nicht moderat. Er ist knallhart formuliertes Gebot und Verbot. Jeder findet für seine Taten oder Untaten die entsprechenden Stellen und kann sich auf diese beziehen. Er wird immer fündig…

          • Silvia
            14.02.2017, 9:24 Uhr.

            Wanda
            14.02.2017, 1:14 Uhr.

            Sehr gut und sachlich aufgelistet, dem ist wirklich nichts hinzuzufügen. Möge Ihr Beitrag gelesen und wenigstens überdacht werden.

          • bernardo
            14.02.2017, 19:55 Uhr.

            @ Wanda: Lese Ihre Beiträge immer gerne, so auch diesen.

        • Alberto Knox
          14.02.2017, 16:34 Uhr.

          „Ich lehne diese Aussagen, die wie jeder Text auch und vor allem im historischen Kontext zu verstehen ist, und der darauf verzichtet, die bestehenden Unterschiede zu thematisieren, nicht ab.“

          die erste unwahrheit: nostra aetate verzichtet NICHT darauf unterschiede zu thematisieren.

          „Ich glaube allerdings, 55 Jahre danach und im Lichte neuer Entwicklungen kann man ruhig auch das Trennende erwähnen.“

          genau das steht nicht in einklang mit dem lehramt. es ist für katholische christ*innen schlicht die hochachtung und die sicht auf das einende vorgaben. es heißt nicht, die kirche soll… oder die kirche muss…, sondern die kirche betrachtet die muslim mit hochachtung. wer dies nicht tut, gehört eo ipso nicht zur kirche.

          „Kann man auch die Frage nach der Integrationsfähigkeit des Islam in die europäische Kultur stellen.“

          der islam ist schon lange integriert in die kultur. es sei denn man schließt die augen vor einer geistigen entwicklung von 800 jahren. man könnte auch umgekehrt fragen: war denn das christentum überhaupt integrierbar in eine griechisch-römische kultur?

          „Oder die Frage stellen, warum es mit Hindus, Bahais, Buddhisten, Juden, Shintoisten, Taoisten, Konfuzianern in Europa keine nennenswerten Probleme gibt, mit Muslimen allerdings schon.“ warum betrachtet man immer europa? aber sei’s drumm: gibt etwa nicht gewaltbereite christen in nordirland? gibt es nicht verrückte so genannte lebenschützer, die meinen abort vornehmende ärzte niederschießen zu dürfen? und weltweit: es gibt um keinen deut bessere fundamentalisten in allen religionen – und sogar fundamentalistische atheisten. man kann davor aus resentimentgeladenheit die augen verschließen. und das spiel der braunen treiben.

          • Jürgen Erbacher
            Jürgen Erbacher
            15.02.2017, 1:11 Uhr.

            Nun ist das so eine Sache mit dem „zur Kirche gehören“ und „nicht zur Kirche gehören“. Gerade im aktuellen Pontifikat lernen die Katholiken, dass Positionen hinterfragt werden können. Am Ende entscheidet das Gewissen des Einzelnen.

            Zudem sind es zwei paar Stiefel: Das eine ist die Hochachtung vor dem Islam. Das andere ist die Verurteilung und die Angst vor Fundamentalismus innerhalb einer Religion. Fundamentalismus gibt es in allen Religionen – auch etwa im Hinduismus. Die Christen in Indien leiden zunehmend darunter und kaum jemand nimmt das wahr. Umgekehrt gibt es die Chance auf einen aufgeklärten Islam. Den gilt es zu unterstützen. Und diesem gegenüber zollt die Kirche entsprechend dem II. Vatikanischen Konzil Hochachtung.

          • Alberto Knox
            15.02.2017, 14:40 Uhr.

            mit verlaub, auch unter franziskus entscheidet nicht das individuelle gewissen, sondern das gemeinsame bekenntnis über die kirchenzugehörigkeit. ein getaufter, der die dreifaltigkeit ablehnt, schließt SICH SELBST aus der kirche aus.

  • neuhamsterdam
    12.02.2017, 19:30 Uhr.

    „Kardinäle ignoriert …“

    Das „Dubia“-Dokument trägt das Datum 19. September 2016. Das ist doch wie – zwischen 19 Uhr und 19 Uhr 15 bei Benedikt anzurufen, wenn er sich die heute-Nachrichten anguckt, um sich über die aktuellste Neuigkeiten und über das Weltgeschehen überhaupt am Abend eines beschäftigungsreichen Tages informieren zu lassen.

    (Wobei sieben Uhr abends jedenfalls noch im Jahr 1990 die Sendezeit war. Da wird sich Franziskus auch noch erinnern können, seitdem guckt er kein TV mehr. Wieso kenne ich den aktuellen Sendeplan eigentlich gar nicht…)

    Nunja, der 19. September ist zwar auch nur ein Datum, aber am 20. September war doch die Abschlußveranstaltung vom interreligiösen Assisi-Treffen und die Rede von Franziskus der an diesem Tag auch dort war. Das war… im gleichen Jahr. Dann war es zwar kein Jahrestag, aber immerhin der Tag davor.

    Jedenfalls wars zehn Jahre nach Benedikts Regensburger Rede. Unzweifelhaft.

    • neuhamsterdam
      12.02.2017, 20:08 Uhr.

      Zu der Zeit ruft man doch nur an, wenns wirklich wichtig ist, oder wenn einer keine Ahnung (oder keine Uhr) hat oder naja, … mit Ahnung und Absicht.

  • Wrightflyer
    14.02.2017, 12:48 Uhr.

    Für eventuelle Schreibfehler möchte ich mich entschuldigen. Knappe Mittagspause und ich schreibe mit dem Handy. Zum neuen Thema schreibe ich, wenn ich Zeit habe, jetzt möchte ich nur noch was zum Thema Islam loswerden.

    Erstens:
    Die Paranoia, dass sich alle Muslime verschworen hätten, uns schlimmes anzutun, ist eindeutig Blödsinn! Wie sollen die das machen, wenn sie Hund und Katz sind?

    Zweitens:
    Hier reden manche von „aktuellen Erkenntnissen und Erfahrungen“, definieren die nicht näher, aber ich vermute, dass es sich um deren eigene Ängste vor terroristischen Strömungen, welche es in den letzten Jahren im Islam gibt, handelt. Diejenigen sprechen jedoch nicht von den GESAMTEN Erkenntnissen und Erfahrungen, d.h. sie ignorieren die Erkenntnisse und Erfahrungen die einige muslimische Länder machen mussten.
    D.h. es gibt keinerlei Empathie für das Leid das der Irak durchgemacht hat, das Afghanistan durchmacht, für die Hilflosigkeit der von Drohnenangriffen betroffenen Völker…

    Man kann dem Islam einiges mit Recht vorwerfen. In Sachen Religionsfreiheit gab es schwere Rückschläge, dabei war er da dem zeitgleichen Christentum sogar mal weit voraus, der Status der Frau ist in weiten Teilen maessig bis schlecht, in Afrika hat er nichts gegen die Gen ital Verstümmelung unternommen (auch wenn er sie nicht erfunden hat) und oft bilden schlecht ausgebildete Prediger undurchschaubare und sehr verschlossene Parallelgesellschaften.
    Eine Barvarei hat der Islam jedoch NIE getan: Den Glauben mit Rassismus verknüpft. Es war, muss man leider sagen, das CHRISTENTUM, das mit voller Absicht ganze Völker ausgerottet und versklavt hat. Das den Menschen sogar dann noch die Identität genommen hat, nachdem sie sich haben taufen lassen. Könnte ich das nicht differenziert betrachten: Das waren vergangene Verbrechen, aber die haben mit der eigentlichen Botschaft Jesu nichts zu tun, könnte ich kein Christ mehr sein.

    Was mich in dem Zusammenhang beschäftigt ist allerdings:
    Wenn so völlig die Empathie fehlt für das Leid der muslimischen Länder, wenn man z.B. die 1,5 Millionen Todesopfer der Irakkriege und des Embargos als unwichtige Lappalie betrachtet, wenn man von den Ländern die schon reichlich bombardiert wurden verlangt, nach noch MEHR Bomben zu rufen, nur um uns hier im Westen zu gefallen, dann wurden die alten Irrwege wohl noch nicht zu 100% verlassen.

    • Wanda
      14.02.2017, 22:36 Uhr.

      Ach Wrightflyer, Ihr ständiges „mea culpa“ was den Westen angeht, ermüdet und ist zudem oft Halbwahrheit. Die Sklaverei ist weder eine westliche Erfindung noch eine rein abendländische „Untugend“.
      Beispiel die von Ihnen beklagte Versklavung: bevor es überhaupt die Kolonialmächte gab und deren Bedarf (vor allem in den katholischen Erblanden Lateinamerikas und den Plantagen Nordamerikas), hatten die Araber längst und zwar schon vor der Antike ihre überwiegend ostafrikanischen Stützpunkte, Marktplätze, Agenten und Händler für das schwarze Gold. Die Insel Sansibar war z.B. so ein Zentrum und Umschlagplatz seit Menschengedenken.
      Und dann vergessen Sie ein ganz Wesentliches, welches sogar dokumentiert ist: die Kleinkönige und Stammesfürsten Afrikas verkauften nicht nur allzu willig und gierig ihre Untertanen sondern unterhielten selbst spezielle Greiftrupps. Und wenn es da mal nicht mehr genügend Menschenmaterial gab, ging man beim Nachbarvolk wildern und auf Kriegszug.
      Parallelen zu heutigen afrikanischen Potentaten mit dem Ausplündern der eigenen Resourcen an der Bevölkerung vorbei sind nicht zu übersehen…

      • Wrightflyer
        15.02.2017, 12:55 Uhr.

        JA, es GAB den arabischen Sklavenhandel. Zu einer Zeit als Sklaverei leider ueberall selbstverständlich war, auch die Indioreiche in Mittelamerika kannten sie.
        Es ist aber schon einigermaßen erbärmlich, die arabische Sklaverei damals als Ausrede zu benutzen um weiter den Kopf in den Sand stecken zu können.

        Das Christentum hatte sich nicht mit Sklavenhandel zufrieden gegeben. Es war Ideologie, dass jeder der kein Europäer ist, minderwertig ist. Selbst christianisierte Völker wurden noch unterdrückt, ihrer Kultur beraubt und ausgerottet.

        Das Problem ist, dass diese Ideologie unterschwellig noch fortzubestehen scheint. Und ehrlich gesagt bestätigen Sie meine Vermutung.

        Denn wenn man derart viel Leid das einige muslimische Länder nunmal erlebt haben, so viele Kriegstote, so viel Unsicherheit und das Gefühl, fremdbestimmt zu sein, als unwichtige Lappalie betrachtet, was drückt man damit aus? Doch wohl dass man die Menschen dort insgesamt als unwichtige Lappalie betrachtet.

        Die Sache ist nunmal die, dass die ganzen Kriege für die Menschen dort Realität sind. Sie sind dort real und nicht weit weg als Randnotiz in der Zeitung. Die Menschen dort ERLEBEN diese Dinge. Und manche kommwn dann zur Schlussfolgerung, dass eine pro-westliche Haltung sie nicht vor solchen Dingen schützen kann und wenden sich radikaleren Konzepten zu.

        Wollen Sie wirklich verlangen dass die Menschen in diesen Ländern auf ihr Bedürfnis nach Sicherheit und anständigen Lebensverhältnissen verzichten, nur damit wir ihnen einen erneuten militärischen „Denkzettel“ verpassen können, wollen Sie wirklich verlangen dass diese Menschen ihr eigenes Leben als weniger wichtig als unsere europäischen Ängste und unsere Paranoia betrachten? Dann müssten die schon unter einem dramatischen Mangel an Selbstachtung leiden.

        Wir brauchen eine wirkliche, glaubwürdige und starke Friedensbewegung.

        Und was die Ausbeutung Afrikas angeht:
        Die Komplizenschaft korrupter Stammesführer ist leider Realität. Spricht aber den Westen auch nicht frei. „Frei“ handelsabkommen zum Nachteil afrikanischer Länder sind Realität! Ebenso wie die Tatsache, dass noch kein Ölkonzern der in Nigeria bohrt in Umweltschutz oder Verbesserung der Lebensverhältnisse der Einheimischen investiert hat!
        Ist denn ein Dieb unschuldig nur weil ein Hehler die Ware verkauft hat?

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