Weltjugendtag in Krakau – Tag 3

Papst Franziskus mag rebellische Jugendlicheg und warnt Polen vor einer Abschottung. So die Kurzfassung des zweiten Tags der Polenreise des katholischen Kirchenoberhaupts. Der Tag begann am Morgen mit einer Schrecksekunde beim Gottesdienst im Marienwallfahrtsort Tschenstochau. Franziskus stürzte, als er mit dem Weihrauchfass um den Altar lief. Die beiden Zeremoniare halfen ihm wieder auf, und er konnte den Gottesdienst wie geplant feiern. Nach Angaben des Vatikans hat er sich nicht verletzt. In seiner Predigt machte Franziskus deutlich, dass Gott nicht mit den Mächtigen ist, sondern vor allem mit den kleinen Leuten. „Der Herr, gütig und von Herzen demütig, hat die Kleinen, denen das Reich Gottes offenbart wird, lieber. Sie sind in seinen Augen groß und auf sie schaut er.“ Mit diesen Worten dürfte er die Polen für sich gewonnen haben, trotz mahnender Worte. Die Jugendlichen rief er am Nachmittag auf, „sich allen entgegenzustellen, die behaupten, es könne sich nichts ändern.“ „Es ist schön, so Franziskus zu den Jugendlichen, „euch so rebellisch zu sehen“.

Zum Treffen mit den Jugendlichen kam Franziskus mit der Tram - begleitet von mehreren Jugendlichen mit Behinderung. (Quelle: ap)

Zum Treffen mit den Jugendlichen kam Franziskus mit der Tram – begleitet von mehreren Jugendlichen mit Behinderung. (Quelle: ap)

Papst spricht erneut über Migration

„Endlich treffen wir uns!“ Mit diesen Worten begann Franziskus seine Ansprache beim ersten Treffen mit den Jugendlichen im Rahmen des Weltjugendtags. Die Agenturen sprechen von rund 500.000 Teilnehmern bei der Veranstaltung im Blonia-Park in Krakau. Er rief die Jugendlichen auf, „Bequemlichkeiten aufzubrechen“, mutig zu sein und offen zu sein gegenüber Flüchtlingen und Migranten. „Bei euch von Barmherzigkeit zu sprechen, heißt von Chance zu sprechen, von Zukunft, Engagement, Zuversicht, Offenheit, Gastfreundschaft, Mitgefühl und Träumen.“ Er warnte die Jugendlichen davor, ihr Leben schon in jungen Jahren aufzugeben. „Es stimmt nachdenklich, wenn man junge Menschen sieht, die die schönen Jahre ihres Lebens und ihre Energie verlieren, indem sie Verkäufern falscher Vorspiegelungen nachlaufen.“ Vielmehr sollten die Jugendlichen das Abenteuer wagen „Brücken zu bauen und Mauern, Zäune sowie Gitter niederzureißen“. Er ermutigte sie, „denen zuzuhören, die wir nicht verstehen, denen, die aus anderen Kulturen und anderen Völkern kommen, und sogar denen, die wir fürchten, weil wir glauben, sie könnten uns schaden“.

Franziskus hat eine Mission, er will den Jugendlichen wie den Polen die Angst vor dem Fremden nehmen. Er ermutigt, Neues zu wagen und offen zu sein gegenüber den Anderen. Diese Aspekte ziehen sich durch seine Reden. Gerade bei den Jugendlichen war zu spüren, dass er versucht, gegen Resignation und Bequemlichkeit anzureden. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit lautet die Botschaft von Franziskus an die Jugendlichen: nehmt euer Schicksal in die Hand. Bei der Predigt in Tschenstochau, wo er ganz stark das Kleine und die Demut betonte, dürfte auch eine Prise Kritik an der hiesigen Kirche enthalten gewesen sein, die sich gerne mächtig und auftrumpfend präsentiert. Das ist nicht der Stil von Franziskus.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.