Vatikan will mehr Kontrolle von Bewegungen

Es waren heute etwas ungewöhnliche Töne im vatikanischen Presseamt. Das gilt zumindest für diejenigen, die dachten, unter Papst Franziskus herrscht allgemeine Laissez-Faire-Stimmung im Vatikan. Das ist nicht der Fall. Charismatischen Bewegungen hat die Glaubenskongregation unter Leitung von Kardinal Gerhard Müller heute die Grenzen aufgezeigt. Im Vatikan wurde ein Papier vorgestellt, das die „Beziehung zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben“ in der Kirche regeln soll. Und kurz gesagt gilt: Hierarchische und charismatische Gaben widersprechen sich nach Ansicht Müllers nicht; aber am Ende sitzt die Hierarchie am längeren Hebel. Charismatische Bewegungen müssten sich Priestern und Bischöfen unterordnen. Sie müssten die „Autorität der Hirten der Kirche als wesentlichen Bestandteil des christlichen Lebens anerkennen“ und dürften sich nicht „jenseits des Lehramts und der kirchlichen Gemeinschaft bewegen“. In dieser Positionierung beruft sich das Papier immer wieder auf Papst Johannes Paul II., der als großer Unterstützer neuer geistlicher Bewegungen galt. Es zeigt damit aber auch, das Ringen um die Integration der neuen Aufbrüche in die kirchliche Gemeinschaft ist nicht neu.

Papst Franziskus spricht hier nicht über die Bewegungen, sondern kritisiert beim Besuch der Welternährungsprogramms PAM gestern die Kommerzialisierung von Lebensmitteln. (Quelle: ap)

Papst Franziskus spricht hier nicht über die Bewegungen, sondern kritisiert beim Besuch des Welternährungsprogramms WFP gestern die Kommerzialisierung von Lebensmitteln. (Quelle: ap)

Warum jetzt dieses Papier?

Die Frage ist allerdings, warum der Vatikan gerade jetzt eine neue Instruktion, so der Fachterminus für das heutige 20-Seiten umfassende Papier, veröffentlicht. Es gibt keinen aktuellen Anlass; zumindest ist nichts bekannt. Was es gibt, ist das beständige Ringen zwischen geistlichen Bewegungen und Bischöfen oder Priestern vor Ort um die Zusammenarbeit. Immer wieder gibt es Klagen, einzelne neue geistliche Bewegungen sprengten Pfarreien und bauten Parallelgemeinschaften auf. Ob das neue Papier allerdings bei konkreten Schwierigkeiten in einer Pfarrei oder Diözese hilft, ist fraglich. Immerhin stellt Kardinal Müller mit Billigung des Papstes fest: Die Bewegungen müssen sich der Hierarchie unterordnen. Ansonsten bleibt es in den Formulierungen doch eher allgemein. Auch lässt es viel von der sehr konkreten und gut verständlichen Sprache von papst Franziskus vermissen. Es erinnert eher an ein Behördenpapier – was es natürlich streng genommen als Instruktion auch ist.

Interessant ist ein kleiner Hinweis auf Ordensgemeinschaften. Deren „Exemtion“, also die Eigenständigkeit als Orden gegenüber der Ortsbischöfe o.ä., bedeute „nicht eine abstrakte Überörtlichkeit oder eine falsch verstandene Autonomie“. Damit ist klar, dass es nicht nur um die neuen geistlichen Bewegungen geht, die vor allem seit dem II. Vatikanischen Konzil in großer Zahl entstanden sind, sondern auch um die traditionellen Orden. Warum dann aber der Chef der vatikanischen Ordenskongregation, Kardinal Joao Braz de Avis, nicht an der Vorstellung des Papiers beteiligt war, sondern neben Kardinal Müller der Chef der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, bleibt ein Geheimnis. Immerhin setzte sich Braz de Avis demonstrativ ins Publikum bei der Vorstellung heute im vatikanischen Pressesaal. Erinnerungen an die Verfahren gegen die US-Frauenorden werden wieder wach. Damals gab es durchaus Unstimmigkeiten zwischen der Glaubenskongregation und der Ordenskongregation.

Das neue Papier setzt kein neues Recht. Es versucht Zuständigkeiten zu klären und erinnert die bisweilen sehr selbstbewusst auftretenden neuen Bewegungen daran, dass sie sich in das Gesamt der Kirche einzufügen haben.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

26 Kommentare

  • Silvia
    14.06.2016, 21:59 Uhr.

    „Auch lässt es viel von der sehr konkreten und gut verständlichen Sprache von papst Franziskus vermissen.“

    Das ist ja wohl ein Witz! Noch kein Papst (ich bin unter Pius XII. geboren) hat sich weniger konkret und damit letztlich unverständlicher ausgefrückt als Papst Franziskus.

    JPII hat ja einige neue, recht obskure Orden und jede Menge neue Geistliche Bewegungen/ Gemeinschaften gefördert.

    Früher gab es in der rk Kirche keine sich abkapselnden, sektiererischen Grüppchen und deshalb ist es gut, dass diesem Wildwuchs mal „von Rom“ aus entgegen getreten wird.

    Eine Kirche, ein Glaube und keine Sonderwege!

    • Silvia
      14.06.2016, 22:00 Uhr.

      P.S.: Hoffentlich kümmert sich der Glaubenspräfekt auch um eventuelle Einigungsbemühungen mit der Piusbruderschaft.

  • Wrightflyer
    14.06.2016, 22:07 Uhr.

    Zunächst mal die Frage, Herr Erbacher:
    Warum wurde mein einer Kommentar gelöscht? Das war absolut nichts gegen Wanda, sondern sogar eine Unterstützung seiner Position! Ich habe nur desillusioniert geschrieben wie die gesellschaftlichen Verhältnisse noch immer sind: Die Erkenntnis daß JEDES Menschenleben wertvoll ist hat sich LEIDER noch nicht durchgesetzt!

    „Immer wieder gibt es Klagen, einzelne neue geistliche Bewegungen sprengten Pfarreien und bauten Parallelgemeinschaften auf.“
    Vielfalt gehört zu Kirche unbedingt dazu! Eine Kirche sollte nicht totalitär und uniform sein, sonst stirbt sie! Andererseits, wenn die Dinge wirklich so sind, also wenn oft das Gemeindeleben schwer leidet, ist das auch nicht gut, dann muss da schon etwas korregiert werden.

    Aber mal etwas anderes, 2 Nachrichten, eine super und eine beschissen:
    -Die super Nachricht: Der Vatikan hat den Apostelrang von Maria Magdalena endlich anerkannt und ehrt die Frau die so lange fälschlicherweise als Prostituierte verleumdet wurde mit einem eigenen Fest. In der ak-Kirche gilt sie schon lange als Apostola Apostolorum, übrigens.
    -Die beschissene Nachricht: Nix mit panorthodoxem Konzil! Ganze 5 orthodoxe Kirchen, darunter die russische, haben die Teilnahme abgesagt! Ist jetzt nurnoch ein TEILorthodoxes Konzil! Ehrlich gesagt ist das Verhalten dieser orthodoxen Kleriker (Bartholomaios hat sich immerhin durchgerungen 5 Theologinnen einzuladen, der Rest sind alles Bischöfe) hochgradig unangebracht und affig. Die Orthodoxie ist Meisterin darin sich in Dibbelschissereien um Nichtigkeiten zu verlieren, aber die Menschen in den orthodoxen Ländern leben auch schon im 21. Jahrhundert mit seinen eigenen Chancen und Problemen, Aufbrüchen und Krisen!
    Das 2. Vatikanum hat in der Form nicht einfach nur deswegen stattgefunden weil der gute Roncalli dazu eingeladen hatte, sondern vor allem deswegen weil die ganze westliche Christenheit, jedenfalls der größte Teil davon, gespürt hat daß man auf dem falschen Weg war und es so auf keinen Fall weitergehen konnte! Deswegen hat es auch überkonfessionell gewirkt! Davon kann sich verdammt nochmal auch die Orthodoxie eine Scheibe abschneiden statt sich hinter ihrer Ikonostasis zu verkrümeln und auf Altkirchenslawisch vor sich hin zu brummeln!

    • Novalis
      15.06.2016, 21:37 Uhr.

      Dass Maria von Magdala Apostola Apostolorum ist, stammt von Thomas von Aquin, ist als nicht nur altkatholisch, sondern auch römisch-katholisch. Übrigens kennen die Orthodoxen sogar noch eine von ihnen verehrte Apostolin: Thekla.

    • SuNuraxi
      15.06.2016, 22:04 Uhr.

      Wrightflyer, 14.06.2016, 22:07

      Ich hab es schon einmal genau erklärt, aber es gibt hier anscheinend Leute, die immun sind gegen Argumente, wenn sie einmal eine vorgefasste Meinung haben.
      In der byzantinischen Liturgie brummelt niemand auf Altkirchenslawisch vor sich hin. Es ist nicht ALTkirchenslawisch, sondern je nach Nation NEUKirchenslawisch (bei den Slawen, die diese Sprache recht gut verstehen, besonders die Südslawen), oder Griechisch, oder Rumänisch, oder Georgisch, oder Arabisch, … ja sogar teilweise Deutsch in den deutschsprachigen Ländern. Und in England und den USA teilweise Englisch, und in Frankreich oder Spanien werden wohl ähnliche Verhältnisse herrschen.
      Und vor sich hingebrummelt wird auch nicht, sonders es wird GESUNGEN, verdammt noch mal!!!

      • Alberto Knox
        17.06.2016, 16:29 Uhr.

        fluchen hilft nicht, wenn informationen gestreut werden, die einfach nicht richtig sind.

        • SuNuraxi
          20.06.2016, 20:59 Uhr.

          Alberto Knox, 17.06.2016, 16:29

          Ich nehme an, dass Sie die Informationen meinen, die Wrightflyer streut. Ansonsten muss ich annehmen, dass Sie (ebenso wie offensichtlich Wrightflyer) noch nie in einer orthodoxen Liturgie waren und folglich von Dingen reden, bei denen Sie sich nicht auskennen.

  • Novalis
    15.06.2016, 0:40 Uhr.

    Die Zusammenfassung von Herrn Erbacher triffts: Ein Behördenpapier mit Grenzen. Davon abgesehen aber eben mit einem wichtigen Inhalt: Charisma gibt es in der Kirche nicht gegen Papst und Bischöfe. Das ist gut so. Wenn man bedenkt, welches Unwesen einige (nicht alle!) „neuen geistlichen Bewegungen“ getrieben haben, ist eine solche Instruktion mehr als gut.
    Ich denke hier an das unheilvolle Wirken des Engelwerkes. Oder an das Neukatechumenat, das ganze Pfarreien gespalten hat.
    Dass der Ordensmann Franziskus nicht in dem Umfang wie Paul VI. oder Johannes Paul II. auf die movimenti setzt ist verständlich. Und ich finde das gut!

    • Wanda
      15.06.2016, 17:41 Uhr.

      Novalis 0:40
      – Pardon, dass ich nochmal nachfrage: Sie hatten im vorherigen Blog behauptet, das Neue Testament legitimierte die Sklaverei. Würden Sie uns bitte aufklären wo das steht ?

      • Alberto Knox
        17.06.2016, 16:36 Uhr.

        ohne @novalis vorgreifen zu wollen:
        „Diese Anweisungen aus der zweiten oder dritten urchristlichen Generation spiegeln die Interessen der Freien und legitimieren sie mit dem Glauben an Jesus Christus. ‚Das Ideal der Aufhebung aller Unterschiede zwischen Sklaven und Freien, Juden und Griechen sowie Mann und Frau, das sich in der von Paulus zitierten Taufformel findet, scheint einfach ignoriert worden zu sein‘ (Martin, 2007, 268). Einheit im Glauben brachte also letztlich keine egalitären urchristlichen Sozialgemeinschaften hervor (vgl. aber das Idealbild in Apg 4,32-37). Im Gegenteil: Die positive Konnotierung des Metaphernfeldes ‚Sklaverei‘ im Blick auf Jesus Christus (s.u. 3.) konnten freie Christen und Christinnen dahingehend funktionalisieren, dass die Untergebenheit der (christlichen) Sklavinnen und Sklaven auch christologisch festgeschrieben wurde“ (bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/sklaverei-nt/ch/a186339bebe51f350e6907a55d2653c1/).

    • Wrightflyer
      15.06.2016, 23:40 Uhr.

      Ja, dieses komische Engelswerk ist wirklich ein SEHR suspekter Verein. Vorsichtig ausgedrückt.

      Ich halte Wojtywa für insgesamt einen sehr merkwürdigen Menschen. Und diese Vorliebe für kleine ultrakonservative Gruppen während er den Rest seiner Kirche häufig ignoriert hat, ist etwas sehr sehr seltsames…

  • Silberdistel
    15.06.2016, 8:28 Uhr.

    Franziskus Rede über die Kommerzialisierung von Lebensmitteln ist jedenfalls um einiges wichtiger als dieses bedruckte Papier aus dem Offizium, das wahrscheinlich morgen schon wieder in den Annalen verschwunden sein wird. Fällt wohl unter „vatikanisches Sommerloch“.
    Der Rede vor dem WFP hätte jedenfalls eine bessere Aufmachung verdient als nur ein link. Vielleicht erfahren wir ja noch etwas mehr darüber, hier in der sonst gewohnten 1. Reihe?

    • Wrightflyer
      16.06.2016, 9:58 Uhr.

      „Franziskus Rede über die Kommerzialisierung von Lebensmitteln ist jedenfalls um einiges wichtiger als dieses bedruckte Papier aus dem Offizium,“
      DAS stimmt! Ich stimme Ihnen da vollständig zu!
      Und soweit ich sie überflogen habe, ist es eine sehr klare, eindeutige und kräftige Rede.
      Ich bin nicht diejenige die ständig nach Zensur schreit wenn mir freigeschaltete Meinungen anderer nicht passen oder sonstwie ständig die Redaktion anjammert, aber eines muss ich bei unserer Redaktion leider kritisieren: Oft lassen die die wichtigen und interessanten Themen aus und schreiben lieber über Nebensächliches.

  • bernardo
    15.06.2016, 10:45 Uhr.

    @ Wrightflyer: Hmm, Sie beklagen (meiner Ansicht nach zu recht) den Hass im Blog. Aber wie würden Sie Ihre Haltung gegenüber den Orthodoxen beschreiben? Hass, Verachtung, mangelnde Wertschätzung?

    @ Novalis: Warum waren denn Paul VI. und JP II. für die geistlichen Bewegungen? Weil sie von den Orden enttäuscht waren, vor allem von dem Orden, dem Franziskus angehört.

    @ Silvia: Das mit der Sprache von Franziskus sehe ich wie sie, liebe Silvia. Man nannte einst Brandt wegen seiner wolkigen Ausdrucksweise – die er mit Kohl teilte, aber nicht mit Schmidt und Strauß – „Willie Wolke“. Vielleicht könnte man heute von „Frankie Wolke“ sprechen . 🙂

    • Wrightflyer
      15.06.2016, 22:28 Uhr.

      […]*
      Wenn ich die Orthodoxie hassen würde, würde ich mich freuen daß das Konzil gescheitert ist!
      Wenn man einigen hochrangigen Klerikern die sich sehr dumm und borniert verhalten, gerade auf Kosten der eigenen Gläubigen, kräftig die Ohren langziehen will ist es noch lange kein Hass auf die ganze Konfession/Religion! Hass ist dann wenn man derart fixiert ist daß zum einen kein menschliches Leid mehr wichtig ist wenn nicht ein Vertreter dieser Religion/Kofession der Auslöser ist, also z.B. anderweitige Genozide, Hungetote, Sklaven ect. völlig egal sind wenn nicht ein Vertreter dieser Konfession/Religion der Auslöser ist, und wenn man unterschwellig Massenmord an Vertretern dieser Konfession/Religion billigt. Oder deren bewusstes Sterbenlassen, z.B. im Mittelmeer.
      Wenn man den Eindruck hat daß einigen hochrangigen Klerikern ganz gewaltig der Kopf gewaschen […] *gehört, hat man einfach nur eine berechtigte Wut.
      * editiert wegen des Verstoßes gegen die Netiquette

      • bernardo
        17.06.2016, 13:27 Uhr.

        Ich glaube nicht, dass hier jemand den Massenmord an wem auch immer, aus welchen Gründen auch immer billigt. Oder das Sterbenlassen. Kein Mensch kann auf seine Ethnie, seine Rasse, seine Kultur, seine Religion reduziert werden, das ist auch richtig. Davon zu trennen ist die „Bereicherungs-“ und „Buntheits“propaganda, die dummes Zeug ist und zu recht auch hier im Blog kritisiert wird. Dazu gehört auch das Gewäsch einiger unserer führenden Geistlichen – Bedford-Strohm, Woelki, Marx, usw. So viele Dummheiten habe ich von orthodoxen Bischöfen noch nicht gehört, was nicht heißt, dass sie keine Dummheiten von sich geben.

      • Silvia
        20.06.2016, 0:20 Uhr.

        Wrightflyer
        15.06.2016, 22:28 Uhr.

        Die üblichen pauschalen Rundumschläge und Unterstellungen. Allmählich wird es langweilig!

  • Silvia
    15.06.2016, 16:15 Uhr.

    Wrightflyer
    14.06.2016, 22:07 Uhr.

    Das mit Maria – Magdalena ist mir bekannt, wird aber wohl unter den Katholiken genauso wenig zur Kenntnis genommen werden wie ihre Rehabilitierung durch Paul VI, weil zu wenig bekannt.

    Deshalb sagte unser Vikar – leider völlig zu Recht – dass Maria Magdalena ihren Ruf als Sünderin (hier gleichbedeutend mit Prostituierte oder Ehebrecherin) nicht mehr los werden wird.

    Dieses Bild, von der Kirche eifrig verbreitet, hat sich in den Köpfen der Menschen gar zu fest gesetzt.

    Das ist wie mit einer verleumderischen Schlagzeile und deren Widerruf irgendwo auf der vorletzten Seite der Zeitung in einem klein gedruckten Sätzchen. Letzteres liest kaum jemand.

    Und wie heißt es so schön: Etwas bleibt immer hängen.

    Übrigens interessieren sich die meisten Frauen in der Kirche, wie ich festgestellt habe, auch gar nicht für eine Rehabilitierung von Maria Magdalena.

    • Wanda
      15.06.2016, 18:27 Uhr.

      Silvia 16:15
      – Sie haben Recht: merkwürdigerweise sind sich die Frauen selbst ihre schwächste Lobby….
      Ist das nun ein Erbe oder Langzeiteffekt ihrer seit Beginn zweitrangigen bzw. minderwertigen Rolle (die Frau ist ein missglückter Mann), die ihnen besonders von Kirchenlehrern wie Hieronimus, Augustinus und Thomas von Aquin zugewiesen und dabei z.T. ganz abenteuerlich begründet wurde ?
      Diesen weisen Kirchenvätern zufolge hätte Gott also bei der Erschaffung der Frau geschlampt, oder ?

      • Wrightflyer
        15.06.2016, 23:29 Uhr.

        Nein, das ist weder eine Spezialität des Christentums noch des Islams.
        Das Patriarchat mit seinen schlimmen Folgen ist LEIDER ein weltweites Phänomen. Am schlimmsten ist es wohl noch nicht einmal bei den Wahabiten sondern in Indien. Dort werden massenhaft kleine Mädchen umgebracht, kaum daß sie geboren sind, und weibliche Föten abgetrieben. Weil die Erzeuger mit ihnen nichts anzufangen wissen als sie zu verheiraten und dafür noch Geld bezahlen müssen das sie oft nicht haben.
        Ich bin Ingenieur und ich bin eine Frau. Es gibt noch Projektleiter, zum Glück nicht mehr alle aber einige schon, für die ich z.B. erst infrage komme wenn keine Männer mehr auf dem Markt zu haben sind.
        Und dann die Massenvergewaltigungen von denen man nicht nur aus Indien sondern auch aus Brasilien hört.
        Ich weiß nicht ob Sie Ghostbusters kennen. Guter alter 1980er-Trash, sehr witzig, aber jetzt kein tiefschürfendes philosophisches Werk, keines der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte. Man müsste eigentlich kein Drama draus machen daß das Team in der Neuverfilmung jetzt aus Frauen besteht, aber es gab im Netz regelrechte Hasstiraden. Wussten Sie übrigens daß es an US-Hochschulen gerade eine Vergewaltigungswelle gibt?

        Der Sklavenstatus der Frau existierte flächendeckend seit der Antike und ist bis heute noch nicht vollständig abgeschafft. Man braucht erst nicht bei Augustinus zu fragen, das alles war schon vor ihm da. Schon bei den alten Griechen war die Frau ein Nichts! Mit Ausnahme von Sparta, interessanterweise. Bei den Römern, den Chinesen, den Juden zur Zeit Jesu: Wo man hinsieht sieht man ein Desaster. Und das ist erst die Antike! Später wurde es über Jahrhunderte kaum besser und heute haben wir den Salat z.B. mit sehr konservativen Teilen des Islams oder mit Indien! Es gibt sogar noch christliche Richtungen die… ich schweige lieber.

        Irgendetwas lief ganz gewaltig schief und zwar nicht erst mit Augustinus oder Thomas von Aquin sondern schon am Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit. Die Archäologen wissen es nicht genau, aber es könnte damit zu tun haben daß Besitz, vor allem Grundbesitz zunehmend wichtig wurde. Machtausübrung wurde plötzlich enorm wichtig und die ist ja bekanntlich eine Vorliebe von Männern.

        • Wanda
          16.06.2016, 21:01 Uhr.

          Wrightflyer 23:29
          – Nun, wir diskutieren hier eigentlich die Rolle der Frau in der Kirche der Nächstenliebe und die nimmt ja nun für sich in Anspruch eine besonders moralische und ethische Institution zu sein, wobei sie ua. für die Gleichheit aller Menschen vor Gott plädiert, oder irre ich mich da ?

          • Silvia
            17.06.2016, 14:21 Uhr.

            Wanda
            16.06.2016, 21:01 Uhr.

            Vor Gott sind alle Menschen gleich, vor der Kirche sind aber einige gleicher.

            Ich habe den Eindruck, dass viele Frauen in rk Kirche ihre Nichtgleichberechtigung so verinnerlicht haben, dass sie dies für eine Art göttliches Gebot halten.

            Es sind ja nun mal mehrheitlich Frauen, die sich vehement gegen die Frauenordination stemmen. Vielleicht spielt da auch Neid eine Rolle, nachfolgenden Frauengenerationen nicht zu gönnen, was einem selbst verwehrt war.

            Vielleicht lassen sich katholische Frauen auch lieber von einem Mann / Priester was sagen.

            Aber das sind nur Vermutungen. Mich würde brennend interessieren, was ein Psychologe dazu sagen würde.

            Mit meinem Versuch, die historische Rolle von Maria Magdalena unter heutigen Gesichtspunkten zu erklären, habe ich jedenfalls nur amüsiertes Gelächter geerntet.

            Aber immerhin hat sich eine Frau hinterher die Mühe gemacht, auf einschlägigen Internetseiten (bibelwer.de und perikopen.de und einer weiteren Seite) meine Behauptungen nachzuprüfen, wie sie mir erzählt hat.

            Aber die scheint sich eh intensiver für die Bibel zu interessieren, weil sie diese Internetseiten schon kannte.

            Also ganz ist nicht Hopfen und Malz verloren.

          • Wrightflyer
            17.06.2016, 21:37 Uhr.

            Nur ist die Kirchengeschichte auch nicht von den jeweils herrschenden Zeitgeistern diverser Jahrhunderte frei.
            Augustinus und Thomas von Aquin bezogen ihr Frauenbild aus dem damals herrschenden Zeitgeist. Es hatte nichts mit Jesus zu tun.

      • Silvia
        15.06.2016, 23:30 Uhr.

        Wanda
        15.06.2016, 18:27 Uhr.

        Das erlebt man aber nicht nur in der rk Kirche, obwohl dort vor allem Frauen gegen Diakoninnen und Priesterinnen sind.

        Frauen geben immer wieder Frauen die Schuld, wenn sie sexuell belästigt oder vergewaltigt werden und das schon lange, bevor wir dieses Problem mit Migranten hatten. Oft sind es sogar Frauen, die sich ausgesprochen modern geben (nein, ich meine niemanden hier im Blog!).

        Frauen scheinen sich gegenseitig mehrheitlich als Konkurrentinnen zu erleben, um die Gunst der Männer und generell.

        Sogar Frauen in therapeutischen Berufen fallen ihren Patientinnen, wenn es um sexuelle Belästigung oder Schlimmeres geht, manchmal in den Rücken.

        Nicht alle Frauen ticken so, aber viele solidarisieren sich mit denjenigen, die sie für die Starken halten, und das sind nicht die Opfer sondern die Täter.

        Frauen sind auch manchmal Komplizinnen von Sexualstraftätern, sowohl, wenn es um Straftaten an anderen Frauen als auch an Kindern geht.

        Manche Mütter schauen sogar bewusst weg, wenn ihre eigenen Kinder missbraucht werden.

        Der Grund für dieses Verhalten würde mich allerdings auch sehr interessieren.

  • Silvia
    20.06.2016, 0:18 Uhr.

    Wrightflyer
    17.06.2016, 21:37 Uhr.

    Wir sprechen hier aber nicht über die Kirchengeschichte sondern über das Heute.

    • Wrightflyer
      21.06.2016, 13:26 Uhr.

      Und was das heute angeht, da sind die kirchenrechtlichen Sachen noch lange nicht das schlimmste.

      Wir „durften“ gerade erleben wie über die ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann ein riesiger sexistischer Shitstorm hereinbrach: Sie hat einfach nur ein Spiel der Fußball-EM kommentiert.
      Da waren untergürtellinige Pöbeleien, da waren Bemerkungen von wegen sie soll sich in die Küche scheren und Abendessen machen, da hieß es daß sie Frauenfußball kommentieren soll aber keine „richtigen Spiele“…. Kurz: Es erinnerte an Wim Thoelkes inkompetente, abwertende, beleidigende Kommentare zum ersten übertragenen Frauenfußballspiel. (Bei dem die Frauen auch noch mit einem nach tagelangem Regen eigentlich unbespielbaren Platz zu kämpfen hatten)

      Und wenn man dann noch hinzuzählt wieviele Kunden Prostituierte, auch Zwangsprostituierte haben müssen, und daß viele Mädchen sogar aus heilen Familien dazu gebracht werden ihren Körper zu hassen (Stichwort Esstörung), anderen nichts mit sich einfällt außer Modelkarriere, also Kleiderpüppchen aber keine richtigen Leistungen, kann mir keiner erzählen daß wir nicht mehr in einem sexistischen Zeitgeist leben würden!

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