Mehr Katholiken, weniger Priester

Der Vatikan hat heute die neuesten Statistik-Zahlen veröffentlicht. Dabei geht es im Schwerpunkt um die Zahlen 2014. Weil die sich zum Teil über einen Zehnjahreszeitraum besser lesen als im Jahresvergleich 2013/2014 blickt der Vatikan in seiner Analyse auf den Zeitraum 2005 bis 2014. Was sich schon seit Jahren abzeichnet, bestätigt sich auch für 2014: Asien und Afrika sind die dynamischen Kontinente, auf denen die katholische Kirche stark wächst. Nordamerika und Europa sind die Sorgenkinder. Das gilt auch für die Priesterzahlen und den Priesternachwuchs. Einzig beim ständigen Diakonat kann Europa im Zehnjahreszeitraum mit einem Plus von 36 Prozent auf 15.000 aufwarten.. Insgesamt wächst die katholische Kirche nach den vatikanischen Statistikern schneller als die Weltbevölkerung. Während die Zahl der Katholiken seit 2005 um 14,1 Prozent gewachsen sei, sei die Weltbevölkerung nur um 10,8 Prozent gewachsen. Ende 2014 gab es demnach 1,272 Milliarden Katholiken. Das entsprach 17,8 Prozent der Weltbevölkerung im Vergleich zu 1,115 Milliarden und 17,3 Prozent im Jahr 2005.

Europa schwächelt

Der Alte Kontinent ist mit zwei Prozent der Kontinent mit dem geringsten Wachstum an Katholiken. In Ozeanien ist die Zahl der Katholiken zwischen 2004 und 2015 um 15,9 Prozent gewachsen, in Amerika um 11,7 Prozent. Asien verzeichnet ein Wachstum von 20 Prozent, Afrika von 41 Prozent. In Amerika (Nord und Süd) leben knapp die Hälfte aller Katholiken, in Asien rund 11 Prozent, in Ozeanien knapp ein Prozent und in Afrika rund 17 Prozent. 23 Prozent aller Katholiken lebten 2014 in Europa.

Die Zahl der Bischöfe ist weltweit von 2005 bis 2014 von 4.841 auf 5.237 (+8,2%) gestiegen. Das größte Plus gab es in Asien (14,3%) und Afrika (12,9%), während in den übrigen Kontinenten der Zuwachs unter dem Mittel lag. Damit ist der Episkopat weniger stark gewachsen als die Zahl der Katholiken. Während 2004 auf einen Bischof 230.000 Gläubige kamen, waren es 2014 laut Vatikanstatistik 242.000 Katholiken.

Rückgang bei Priestern

Bei der Zahl der Priester wird es interessant. Auf den Gesamtzeitraum von 2005 bis 2014 gesehen ist die Zahl weltweit um knapp 10.000 von 406.411 auf 415.792 gestiegen. Allerdings wuchs die Zahl der Priester nur bis 2011, seitdem ist sie weltweit rückläufig. Gleiches gilt für die Zahl der Priesteramtskandidaten. Blickt man auf den Gesamtzeitraum ist die Zahl der Priester in Afrika um 32,6 Prozent gestiegen, in Asien um 27,1 Prozent. In Europa nahm er um acht Prozent ab, in Ozeanien um 1,7 Prozent. Die Zahl der ständigen Diakone ist in dem Vergleichszeitraum um 33,5 Prozent gestiegen von 33.000 auf 45.000. Fast 65 Prozent der ständigen Diakone wirken in Amerika und hier vor allem in Nordamerika, knapp 33 Prozent in Europa.

Die Zahl der Ordensleute nahm in den vergangenen neun Jahren ab. Bei den Ordensfrauen waren es rund 10 Prozent auf 682.729 im Jahr 2014. Dies ging vor allem auf das Konto von Europa, Amerika und Ozeanien, wo der Rückgang jeweils zwischen 18 und 20 Prozent betrug, während in Afrika die Zahl um rund 20 Prozent, in Asien um 11 Prozent anstieg. Daher bekommt auch im Bereich der Orden die katholische Kirche immer mehr ein afrikanisches und ein asiatisches Gesicht. Der Anteil der beiden Kontinente in Bezug auf die gesamten Ordensleute ist von 2004 bis 2014 von 27,8 Prozent auf 35,3 Prozent gestiegen.

Europa verliert weiter seine Stellung als Referenzmodell für die katholische Weltkirche. So bilanziert der Vatikan die Entwicklungen der vergangenen neun Jahre. Das entspreche den allgemeinen globalen Entwicklungen, heißt es in der Erklärung von heute. Europa sei der statischste Kontinent, der durch seine zunehmende demografische Alterung und die niedrige Geburtenrate gebremst werde. Würde man Amerika nach Süd und Nord teilen, würde der Norden wohl ein ähnliches Bild abgeben wie Europa, so der Vatikan, während der Süden eher den dynamischen Kontinenten Afrika und Asien zuzurechnen wäre. Ob diese Annahme so stimmt, müsste ein genauerer Blick in die Statistikbücher zeigen. Denn längst ist auch der katholische Kontinent nicht mehr so katholisch, wie das gemeinhin angenommen wird. Sorgenkinder sind und bleiben Europa und Nordamerika. Papst Benedikt XVI. hatte versucht, mit Neuevangelisierungsprojekten darauf zu reagieren. Er wollte zudem eine Debatte über die christlichen Wurzeln des Alten Kontinents anstoßen, um dadurch eine Rückbesinnung auf eben diese zu erreichen, damit der Kontinent nicht nur auf wirtschaftlichen Beinen steht. Dass eine solche Debatte über Europa als Wertegemeinschaft notwendiger ist denn je, zeigen die aktuellen Entwicklungen, wo es zu einer scheinbar nicht zu bremsenden Entsolidarisierung kommt.

Papst Franziskus sprach sich daher vor wenigen Tagen für eine Neugründung der Europäischen Union aus. Benedikt XVI. hatte wenigstens noch versucht, dafür Impulse beizusteuern. Von Franziskus gab es dazu bisher wenig zu hören. Europa ist kirchlich wie politisch eine große Baustelle.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

37 Kommentare

  • heilbründl
    05.03.2016, 19:58 Uhr.

    Man sieht, dass es in westlich geprägten Gesellschaften durchaus religiös geprägte Menschen gibt, die aber den Zölibat, verständlicherweise,nicht auf sich nehmen wollen. Vielleicht wäre es doch sehr gut gewesen, hätte Franziskus in Mexiko Diakone -verheiratete – zu Priestern geweiht.

    • Silvia
      06.03.2016, 14:29 Uhr.

      heilbründl
      05.03.2016, 19:58 Uhr.

      Ich hatte auch gehofft, dass er in Mexico einige verheiratete Diakone zu Priestern weiht. Aber ob er das überlebt hätte – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne?

      Das mit dem Zölibat ist vielleicht gar nicht so sehr eine Frage des Willens sondern des könnens.

      Manch Einer hat sich in bester Absicht zum Priester weihen lassen und ist dann irgendwann doch am Zölibat gescheitert, trotz guten Willens.

      Und die, die ihren Zölibat nur verkrampft und verklemmt und frauenfeindlich halten können, sind keine Freude für eine Gemeinde.

      „Wer es fassen kann, der fasse es“.

      Dieses Wort Jesu verstehe ich so, dass nicht nur ausschließlich zölibatär lebende Männer zum Priesteramt berufen sind, sondern die, denen es gegeben ist, sollen zölibatär leben, die anderen sollen als verheiratete Priester wirken, jeder nach seiner persönlichen Gabe.

  • Wrightflyer
    06.03.2016, 12:22 Uhr.

    Die Frage ist eher: Was ist das europäische Christentum noch wert? Die Bilanz ist leider ernüchternd.

    Ich muss gleich los, ich schreibe heute abend noch mehr, nur so viel:
    Meine Meinung von Franziskus ist noch die selbe wie Anfang 2013, aber ansonsten hätte ich, wäre ich nicht aus Überzeugung und aus PERSÖNLICHER Glaubenserfahrung und Gotteserfahrung Christ, auch schon längst das Interesse verloren.

    Ich habe die Kommentare hier im Blog die letzten Monate ,mit Enttäuschung verfolgt, inzwischen macht sich bei mir zunehmend Desinteresse breit.
    Es geht einfach so wenig um christliche Substanz. Und daß so manche erwarten, von Franziskus gefälligst alle Annehmlichkeiten fürs sonntägliche Kirchencafe auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, aber nicht daran teilhaben möchten, ihre Kirche auch selbst zu gestalten, langweilt mich zunehmend. Es ist eigentlich immer das gleiche.

    Meine heutige Kirche ist ein bischen aus anderem Holz geschnitzt, auch wenn es hier und da auch klemmt, ich habe im Januar eine Eingabe für die nächste Synode gemacht.

    Ich bin sehr froh drum daß man sich von aus früheren Zeitgeistern geerbten Sexualneurosen langsam verabschiedet, aber je älter ich werde, desto mehr wehre ich mich innerlich gegen eine Tendenz, aus dem Christentum ein werte- und damit wertloses Wellnessblabla für sonntägliche Rituale eines Wohlstandbürgertums 50+ zu machen.

    Ohne Sehnsucht nach einer besseren Welt, ohne das Hinterfragen der Macht, ohne echte Solidarität mit den Ausgebeuteten und Vergessenen, kann es langfristig kein Christentum geben.
    Und das, die Sehnsucht nach einer besseren Menschheit, einer besseren Welt, dem Reich Gottes auf Erden, ist das was mir persönlich hier im Blog fehlt.

    • bernardo
      11.03.2016, 15:16 Uhr.

      Bei mir macht sich auch Desinteresse breit: Ein Papst, der sich zu allem und jedem äußert, von Donald Trump bis zur EU, dessen politische Kenntnisse allerdings zu wünschen übrig lassen. Deutsche Bischöfe, die ganz in der Flüchtlingsfrage und in der Bekämpfung der AfD aufgehen, die aber zur Christenverfolgung (auch in deutschen Heimen) fast nichts zu sagen haben. Fernsehpfarrer, die über Chancengleichheit reden und der Politisierung des Christentums Vorschub leisten und die meinen, alles müsse auf den Prüfstand der Theologie. Pardon für die deutlichen Worte, aber eine solche Kirche kann ich nur noch als Dummschwatz-Kirche ansehen. Und so hat das, was die Kirche in Form ihrer aktuellen Amtsträger zu sagen hat, für mich vielfach an Bedeutung verloren.

      • Silvia
        13.03.2016, 14:30 Uhr.

        bernardo
        11.03.2016, 15:16 Uhr.

        Ganz so weit ist es bei mir – noch – nicht, was daran liegt, dass ich einen ganz hervorragenden, jüngeren Priester kenne, einen, der sich selbst als konservativ bezeichnet, der mir geholfen hat, wieder zu MIR SELBST als Katholikin zu finden, wieder Freude am Glauben zu haben.

        Papst und Bischöfe interessieren mich zur Zeit auch eher weniger.

        Ich bin jetzt mit 65 Jahren und gesundheitlich deutlich angeschlagen auch aus der Lebensphase heraus, in der auch ich mal meinte, die ganze Welt im Alleingang retten und jedem Belehrungen erteilen zu müssen.

        Ich versuche meinen Glauben jenseits der bekannten Schubladen und des Kirchengezänks quer durch alle Fraktionen zu leben und darüber hinaus mein Leben so zu gestalten, dass ich es vor Christus rechtfertigen kann, und dafür sind Blogs nun mal nicht besonders hilfreich, es sei denn, als Negativbeispiel.

  • Wrightflyer
    06.03.2016, 19:00 Uhr.

    So, jetzt nochmal von vorn.
    Von GANZ von vorn.

    Das Christentum war im Römischen Reich weder staatstragend noch gesellschaftlich bequem. Es beruhte auf der Offenbarung von Jesus von Nazareth, der, wie wir Christen glauben, Gott selbst in menschlicher Gestalt war.
    Und Gott kam in der Gestalt von Jesus von Nazareth nicht für irgendein seichtes Wellnessblabla fürs sonntägliche Kirchencafe, er kam nicht um die Reichen und die Mächtigen bauchzupinseln, er kam auch nicht zum intelletuellen Zeitvertreib für Wohlstandsbürger die sich für ein „zupackendes“ Hobby zu fein sind.
    Er kam um die Menschheit zu retten und aus dem Teufelskreis aus Egoismus, Gewalt und Rache zu erlösen. Er kam um den Menschen zu zeigen wie sie wirklich zum Abbild Gottes werden können, voller Liebe und Geduld, nicht zu verwöhnten egoistischen Wohlstandsbälgern.

    Ja, Neuevangelisierung ist in Europa bitter nötig, da hat Ratzinger absolut recht. Im Moment haben wir ein Europa der Egoisten in dem sich jeder die Rosinen rauspickt aber von Verantwortung nichts wissen will.
    Zu dieser Neuevangelisierung braucht es aber nicht einfach ein paar liberalere Kirchengesetze, damit es das sonntägliche Kaffeekränzchen ein bischen bequemer hat. Es braucht eine Neuentdeckung des Glaubens an sich. Die Leute müssen wieder mitbekommen, daß der christliche Glaube etwas zu sagen hat. Es muss wieder Feuer, Leidenschaft und Liebe geben, nicht Bürokratie, bürgerliche Doppelmoral, Wohlstandsegoismus und Behäbigkeit.

    Von Franziskus wurden, denke ich, in weiten Teilen die falschen Dinge erwartet. Er kann sich, denke ich, in Rom für die Reform abrackern soviel er will, aber wenn der Rest seiner Kirche hauptsächlich aus behäbigen bequemen Egoisten besteht, die damit zufrieden sind ein paar liberalere Kirchengesetze serviert zu bekommen um es auf dem Kaffeekränzchen angenehmer zu haben, aber von einer dem Evangelium entsprechenden solidarischen, wirklich gerechten, fairen und nachhaltigen Welt nichts wissen wollen, wird es keine Reform der rk-Kirche geben. Sondern nur ihr endgültiger Untergang in Europa.

    Es gibt durchaus Menschen, die sich nach einem echten Glauben der sich selbst ernst nimmt, sehnen. Hier in Europa gehen diejenigen äh, meistens woanderst hin.

    • Wanda
      08.03.2016, 18:27 Uhr.

      Irrtum, das Christentum wurde im spätrömischen Reich zur Staatsreligion. […]* Und damit wurde es übrigens korrumpiert und verlor seine Unschuld. Mit der ihm gestatteten weltlichen Macht ging es sofort und gewaltsam gegen jeden und alle Andersgläubigen sowie alles Antike vor…
      – Und was die Neuevangelisierung angeht, ist Europa einfach weiter als die übrigen Erdteile: es lässt sich von den Religions-Oberen und dem Klerus nichts mehr vormachen. Was ist eine Religion wert, deren massgebliche Vertreter die Grundsätze ihres Gründers missachten, also jenes Mannes auf den sie sich eigentlich beziehen ?
      Die 2000-jährige Existenz des Christentums mit ihrer oft unrühmlichen Geschichte der Amtskirche inklusive der ihrer obersten Repräsentanten hat die Welt nachweislich auch nicht besser gemacht. Im Gegenteil: viel zu oft waren religiöse Zwistigkeiten der Auslöser gewaltsamer Auseinandersetzungen und Kriege.
      Man nehme nur die Konflikte zwischen den Konfessionen: exakt das Gleiche passiert heute mit 600 Jahren Verzögerung in der ebenfalls abrahamitischen (Schwester-)Religion des Islam.
      Und wie sich die andere abrahamitische, jüdische Ur-Religion in Palästina gegen die in Israel (noch) ansässigen Muslime verhält, muss wohl nicht weiter kommentiert werden…
      * editiert wegen Verstoßes gegen die Netiquette

      • Wrightflyer
        09.03.2016, 22:58 Uhr.

        Zum einen wurde das christentum mit Konstantin in Rom staatsreligion, als es praktisch schon unvermeidlich war. In Rekordzeit gewachsen ist es aber in Zeiten der Verfolgung, als es für die Mächtigen Roms sehr unbequem war.

        Zum anderen würde einem, wenn man mal richtig lesen würde was ich so schreibe, vielleicht auffallen, daß ich eben NICHT dafür plädiere, „sich von den oberen alles sagen zu lassen“. WIE oft habe ich mich dafür ausgesprochen, zu lernen den synodalen Wegen zu vertrauen? Ich kann es nicht mehr zählen!

        Mir geht es darum, den Glauben an sich wiederzuentdecken, und der ist eine persönliche Begegnung mit Gott selbst. Gute Priester können einem dabei wirklich sehr helfen, aber auch ein Priester oder Bischof ist nicht Gott selbst. Auch der Papst nicht. Mir geht es NICHT darum, irgendein Kirchenrecht auswendig zu lernen. Mir geht es um das Evangelium an sich.

        Und was Israel und das besetzte Palästina angeht:
        Auch wenn manche die Werte ihrer Religion vergessen haben und einem Zerrbild anhängen, ist es niemals die ganze Religion.

    • Brigitta
      09.03.2016, 4:00 Uhr.

      Aber danach sehnen?
      Glauben heißt erstmal bei mir selber anfangen. Was heißt glauben: Für mich das Glaubensbekenntnis: Ich glaube an Gott, den Vater, an Jesus, seinen eingeborenen Sohn, an den heiligen Geist und an die heilige katholische (christliche) Kirche.
      Und aus diesem Glaubensbekenntnis heraus folgen dann meine Taten, die sich am Evangelium und Auslegungen durch den Papst und/oder Bischöfen/Priestern und/oder guten TheologInnen messen lassen müssen.
      Und erst dann habe ich das Recht Kritik zu üben.

  • Silberdistel
    07.03.2016, 10:24 Uhr.

    „Papst Franziskus sprach sich daher vor wenigen Tagen für eine Neugründung der Europäischen Union aus“ Zitatende.
    Mit dem Brustton der Überzeugung bei gleichzeitiger völliger Ahnungslosigkeit geäußert, Franziskus.

  • Silvia
    08.03.2016, 17:03 Uhr.

    Silberdistel
    07.03.2016, 10:24 Uhr.

    Er hat nun mal wenig Ahnung von Europa aber den Drang, überall mitzureden.

    • Silberdistel
      09.03.2016, 10:35 Uhr.

      Silvia
      08.03. 17:03 h
      …und wenn das so weiter geht, dann werden die Hoffnungen auf den Reformpapst, die sogar der Klerus hegte (sonst wäre Franziskus als ein außerhalb der europäisch-vatikanischen Skandalkäseglocke Stehender nicht gewählt worden), bitter aufstoßen. Man erinnere sich an das Graffiti das Franziskus kurz nach dem Konklave als Supermann zeigt. Was nach 3 Jahren geblieben ist, sind 1000 angerissene Themen ohne wirkliche Lösungsansätze. Ein wichtiger Prüfstein für das Reformpontifikat wird sicher das nachsynodale Schreiben sein. Beim Stand der Dinge darf vermutet werden, das es aber auch wieder nur „lau“ ausfallen wird und sich die Diskussionen der letzten Jahre, sowie unsere postings hier, diesbezüglich nur im Vollkreis gedreht haben.
      Was als historische Spur von diesem franziskanischen Pontifikat bleiben wird, werden wohl nur die Duschgelegenheiten für Obdachlose auf dem Petersplatz sein und der nächste Reformer wird wieder 500 Jahre brauchen bis er sich was traut.

      • Silvia
        09.03.2016, 15:11 Uhr.

        Silberdistel
        09.03.2016, 10:35 Uhr.

        Das Alles sind leider auch meine Befürchtungen. Auf dem Petersplatz soll demnächst auch eine medizinische Ambulanz für Obdachlose eingerichtet werden, und für ein paar Übernachtungsplätze hat der Papst auch gesorgt.

        bei uns in Deutschland würden sich Caritasverband und Diakonisches Werk darum kümmern …

        Franziskus ist ein Papst, der starke Zeichen setzt, dadurch große Hoffnungen erweckt, die er bisher nicht eingelöst hat.

        Fast die ganze katholische Kirche hatte die Hoffnung auf eine Art Papst wie es Johannes XXIII war, aber diese Hoffnungen scheinen sich nicht zu erfüllen.

        • Silberdistel
          10.03.2016, 22:18 Uhr.

          Silvia, 09.03. 15.11 h
          Ja nun, ein wenig konkretisierte Barmherzigkeit darf man vom milliardenschweren Dienstleistungskonzern Kirche auch erwarten, franziskanisches Pontifikat hin oder her. – Zumal man sich, wie in Deu, die Ausgaben dafür auch gern wieder durch Rücken und Auge wieder vom Staat herein holt 😈

  • Silvia
    08.03.2016, 17:12 Uhr.

    Wrightflyer
    06.03.2016, 19:00 Uhr.

    Wenn dem so sein sollte, haben die Kardinäle im Konklave den falschen Mann gewählt. Franziskus hat ein zweifellos beeindruckendes Auftreten und das hat wahrscheinlich zu seiner Wahl geführt.

    Bei der Vatikanbank und den sonstigen Finanzen hat er ja auch schon was erreicht.

    Die Katholiken erwarten aber zu Recht, dass die nötigen Strukturreformen vom Papst in Angriff genommen werden.

    Oder sollen die Seelsorgeeinheiten immer größer und noch größer werden?

    Wenn es nun mal ein Plus bei den verheirateten ständigen Diakonen und ein Minus bei den zum Zölibat verpflichteten Priestern gibt, so ist das ein „Zeichen der Zeit“ über das sich der Papst Gedanken machen sollte.

    Denn nur er kann hier etwas ändern. Und dazu braucht es keine Fragebogenaktionen, zwei Synoden usw. sondern einfach nur Mut und Tatkraft.

    Ein Priester sagte mir einmal, ein Federstrich des Papstes würde genügen ……

    • heilbründl
      09.03.2016, 17:06 Uhr.

      Das seh‘ ich auch so und man muss ja keinen Priester zur Ehe verpflichten, es gilt “ wer es fassen kann, der fasse es!“

      • Wrightflyer
        09.03.2016, 21:52 Uhr.

        Wenn sich die rk-Kirche insgesamt dazu entscheidet, das Zölibat abzuschaffen, soll es abgeschafft werden! Wenn sie sich insgesamt dafür entscheidet!
        Wenn die rk-Kirche schon die schönen Dokumente aus dem 2. Vatikanum hat, von wegen Entscheidungsfindung in der Gesamtkirche, soll sie endlich mal lernen, diese umzusetzen.

        • Wanda
          13.03.2016, 16:40 Uhr.

          Wrightflyer 21:52
          – die Frage ist nur: wer ist denn nun die rk-Kirche ? Die Gläubigen in ihrer Mehrheit, die einfachen Pfarrer, die Bischöfe, die Kardinäle und der Papst, oder die verschiedenen Institutionen wie die Glaubenskongregation ?
          Unbestritten ist wohl: jene die den „Leib der Kirche“ bilden, bleiben in der Mitwirkung bei allen wichtigen Entscheidungsvorgängen aussen vor…
          Und wenn man dann den Papst in seinen Ansprachen hören muss, wie er von der profanen Welt einfordert, die demokratischen Tugenden zu verwirklichen, dann ist das unglaubwürdig, denn dazu gehört auch das aktive Mitentscheiden des (in diesem Fall Kirchen-)Volkes. Also, erst einmal bei sich selbst diese Grundforderungen verwirklichen, ansonsten bleibt es Heuchelei…

    • Wrightflyer
      09.03.2016, 22:34 Uhr.

      Ach wissen Sie, manche strukturellen Probleme könnte die deutsche Ortskirche auch lösen OHNE nur auf anweisungen einer Zentrale zu warten die übrigens für Katholiken in über 100 Ländern mit sehr verschiedenen ernstzunehmenden Sorgen zuständig ist. Z.B. Palästina, der Tschad, Venezuela, Vietnam… Wozu hat man eine eigene Bischofskonferenz?

      Andere Dinge sind von solch einer Tragweite, wie z.B. die Frauenordination, welche ich ausdrücklich befürworte, daß sie nur die rk-Kirche insgesamt entscheiden kann, kein einzelner Papst. Schließlich müssen solche Dinge die Gemeinden akzeptieren können!
      Die grundlegende Entscheidung, in Zukunft synodale Wege beschreiten zu wollen, fiel immerhin auf dem 2. Vatikanum, wurde nur bis jetzt nicht wirklich umgesetzt!

      Wissen Sie, dem durchschnittlichen kirchenfernen Deutschen ist es sowas von egal, wie groß die Seelsorgeeinheiten sind. Oder was der Pfarrgemeinderat zu entscheiden hat. Viele heiraten noch kirchlich und erwarten daß der Pfarrer dann Zeit hat, aber das ist kaum mehr als Folklore.
      Eine Kirche die sich nur um ihre eigenen strukturellen Problemchen dreht wie eine Fastnachtsgarde, wird am Ende genauso bedeutend sein wie eine Fastnachtsgarde: Sie wird einmal im Jahr an Weihnachten für ein bischen Brauchtum aus dem Schrank geholt und das wars.

      Nur mal zur Info:
      In manchen Ländern ist der Priestermangel so krass daß manche Gemeinden alle paar Jahre mal einen Priester sehen, trotzdem gibt es ein lebendiges Gemeindeleben.
      Andererseits ist bei der EKD, unseren lutheranischen Geschwistern, von Pfarrermangel keine Rede und dafür wurden sehr viele liberale Strukturreformen eingeführt. Und die EKD blutet in noch weit erschreckenderem Maß aus als die rk-Kirche. Es gibt fast doppelt so viele Kirchenaustritte und von denen die noch in der Kirche sind, hat kaum noch einer Ahnung von den Grundlagen des protestantischen Glaubens. Was „sola fide“ oder „Sola gratia“ heißen soll.

      Franziskus hat von Anfang an betont, daß das wichtigste Reformprojekt ein Mentalitätswandel ist. Und ich erkenne immer stärker, wie recht er hat.

      • Wrightflyer
        09.03.2016, 22:44 Uhr.

        Also schön, spielen wir ein Spiel:
        Nehmen wir an, daß ich jetzt kein ak-Christ bin, bzw. garkein Christ, bzw. etwa seit der frühen Jugend nicht mehr viel mit dem Christentum in berührung gekommen, den Reliunterricht so als Pflichtveranstaltung abgehakt, dann in Ethik gewechselt, weil es so viel cooler war, gegen die Kirche zu sein und weil man damit in der Clique akzeptierter war. Wenn schon Religion, neige ich eher zum Heidentum.
        Und jetzt versuchen Sie mich davon zu überzeugen, daß das Evangelium vielleicht doch interessant sein könnte! Und zwar ohne „Sind sie doof, Sie kapieren ja garnix!“, sondern einfühlsam und überzeugend! Versuchen Sie nicht, mir die ideale Pfarreigröße nahezubringen, oder sonst einen kirchenbürokratischen Kram, denn das interessiert mich einen Dreck! Auch irgendeine Kurienreform und vatikanische Seifenoper gehen mir am Arsch vorbei! Versuchen Sie mich zum Heidentum neigende Agnostikerin vom Kern, also vom Evangelium zu überzeugen!

  • Wrightflyer
    09.03.2016, 22:34 Uhr.

    Bislang ist mir das als Totschlagargument der reaktionärten Seite immer sauer aufgestoßen wenn deutschen Reformern eine gewisse Egozentrik angesichts der brennenden Not in der Welt vorgeworfen wird, aber mittlerweile bin ich älter und weiser geworden und stelle fest daß da doch ein bischen was dran ist.

    Übrigens, wie ich weiter oben geschrieben habe:
    Die grundlegende Entscheidung, in Zukunft synodale Wege beschreiten zu wollen, fiel immerhin auf dem 2. Vatikanum, wurde nur bis jetzt nicht wirklich umgesetzt! Man könnte endlich mal anfangen, diese Dokumente ernst zu nehmen, statt genau das wofür man Wojtywa (zurecht) kritisiert, selbst zu tun, nämlich hinter das 2. Vatikanum zurückzufallen.

  • papessa
    09.03.2016, 23:30 Uhr.

    Wollte mich ja nicht mehr beteiligen, gebe aber nun doch einen kurzen Kommentar dazu ab: Glauben fängt bei einem selbst an. Indem man Jesus Christus in sein Herz, seine Seele hineinlässt und FREI wird von allem Äußeren. Allen Must haves und must does, allen Listen und Moden, allem Schnick und Schnack. Die Schätze im Himmelreich zu sammeln ist was anderes, als hier irdischem Blödsinn hinterherzurennen, das gilt übrigens auch für politische Ideen, die auch Blödsinn sind. Jesus war nie Politiker und jeder, der ihn politisch vereinnahmen will, hat ihn schlicht und einfach nicht verstanden!
    Jesus allein trägt und ist immer für einen da.
    Habe gerade 3 Monate Krankenhaus hinter mir, bin knapp am Tode vorbeigeschrammt, da sieht man vieles anders.
    Jesus will, dass wir in Menschen investieren. In die Menschen, die wir erreichen können. Egal, welche das sind. Egal, ob wir enttäuscht werden oder nicht.
    Ich erinnere an Spe Salvi von Papst Benedikt, an die Stelle ganz am Anfang mit der Sklavin – NACHLESEN lohnt sich! – da erklärt Benedikt wirklich deutlich an diesem Beispiel, was es heißt, sein Herz zur Wohnung Christi zu machen. Ebenso gibt es ein Wort von Bischof Oster, muss ich nochmals nachlesen, das Koma vor zwei Monaten hat leider ein paar Erinnerungen gelöscht – das ebenfalls sehr gut beschreibt, was es heißt, in Christus zu leben. Dann spielt diese Frage des Zölibats wirklich keine Rolle mehr, weil man dann einfach im Zölibat lebt. Punkt. Fasse es, wer es fassen kann. Für diese Welt von heute mit ihrem überbordenden Sexualtrieb eben nicht mehr fassbar. Nicht mehr akzeptabel. Was sind das für Aliens, die sich freiwillig für den Zölibat entscheiden und ihn sogar noch durchhalten?
    Noch einen Vorschlag Richtung Franziskus: Angesichts der geschlossenen Balkanroute, den verzweifelnden 14 000 Flüchtlingen an der griechisch-mazedonischen Grenze: Was hindert ihn daran, nach bestem deutschen historischen Vorbild verplompte Züge hinzuschicken, die vatikanisches Terrain sind und die Leute da einzusammeln und endlich mal in menschenwürdigere Unterkünfte in europäische Länder zu bringen? Da könnte mal ein Zeichen gesetzt werden … Wer jetzt rätselt: Lenin reiste im verplompten Zug durch Kaiser-Deutschland nach Russland, und kam dort wohlbehalten an. Die Folgen sind bekannt …
    Ansonsten werde ich mich hier nicht weiter beteiligen, habe einige Einträge hier gelesen in anderen Meldungen. Was da teilweise abgelassen wurde, geht gegen jede MEnschenwürde, nicht nur eines Menschen, sondern sehr vieler. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

  • SuNuraxi
    10.03.2016, 12:29 Uhr.

    Irgendwie lustig, zu lesen, wie Leute, die mich früher noch gesteinigt haben, weil ich es gewagt habe, zu sagen, dass vom Franziskus eh nichts Neues kommt, jetzt plötzlich der selben Meinung sind wie ich.

    • Silvia
      13.03.2016, 14:34 Uhr.

      SuNuraxi
      10.03.2016, 12:29 Uhr.

      Besagte Leute mussten sich eben selbst ein Bild machen und haben dem Papst dazu lange genug Zeit gelassen.

      Und was mich betrifft, so warte ich schon mit Spannung noch auf das nachsynodale Schreiben zur Familiensynode, und sei es auch nur, weil ich wissen möchte, ob sich der Aufwand wenigstens gelohnt hat, wenn nicht, ist es auch interessant.

  • Wrightflyer
    11.03.2016, 20:26 Uhr.

    Möchte mal wissen, was das arme 2. Vatikanum verbrochen hat, daß es ständig so verleumdet wird.

    Auf der einen Seite gibt es da das ewige konservative Märchen vom „wahren Konzil“ das in Wirklichkeit „gaaanz anderst war“.
    Auf der anderen Seite wird das noch übertrumpft von manchen die meinen, reformorientiert zu sein. Von denen kommt das Märchen, daß es im Prinzip kein Konzil mit seinen 4 Sitzungsperioden, Diskussionsrunden und verschiedenen Lagern gab, sondern alle Konzilsdokumente schon fertig in den Schubladen von Johannes dem XXIII. und Paul dem VI. lagen und nurnoch per Dekret durchgedrückt wurden. Einschließlich der Liturgiereform. Letztere soll auch plötzlich aus Paul VI. Schublade gefallen sein, ohne die 7 Jahre Ausarbeitung die sie gebraucht hat.

    Aber was hat Johannes der XXIII. getan? Im Prinzip genau das was Franziskus auch tut! Er hat seine Kirche geöffnet, daß sie sich bewegen kann. Johannes der XXIII. hat weder den Weg den seine Kirche nehmen soll exakt vorgeschrieben, noch hat er wie sein unseliger Vorgänger Mastai irgendwelche Dokumente fertig in der Schublade gehabt und die Bischöfe erpresst, sie zu unterzeichnen. Er hat dem Heiligen Geist und der Mündigkeit der Konzilsteilnehmer vertraut.
    Genau das macht Franziskus. Aber er wird dafür in einer so langsam wirklich ekelerregenden Art und Weise verleumdet.

    Der synodale Weg scheint allerdings von manchen zuviel abzuverlangen.
    Zum einen verlangt er, auch der anderen Seite zuhören zu können. Manchmal habe ich selbst was das anbelangt, gebe ich zu, Luft nach oben. Aber wenigstens bin ich von dem Trip runter, automatisch jeden konservativen Vertreter wie Müller oder Oster für einen schlimmen Reaktionär zu halten der nur böse Sachen sagt.
    Zum anderen verlangt er, das ist die größte und schwierigste Herausforderung, erwachsen und verantwortungsvoll im Glauben zu sein. Nicht egoistisch, kleinkariert und kindisch. Kleinkinder erwarten, daß für sie alles irgendwie von oben geregelt wird. Erwachsene müssen selbst Verantwortung tragen. Der synodale Weg verlangt von jedem, auf den Heiligen Geist zu hören und das zu tun was für die Kirche am besten ist, nicht das was für einen selbst gerade bequem ist. Er verlangt, nicht an den eigenen Egoismus, sondern an die Kirche zu denken.
    Und was das anbelangt, gerade der zweite Punkt, wundert es mich jetzt nicht groß, daß sich manche von Franziskus abgewandt haben. Die Egoisten, die Kaltherzigen, die Doppelmoralisten, diejenigen die gleichgültig sind wenn es um nichteuropäische Menschenleben geht, die werden weder das Evangelium noch Franziskus jemals verstehen.

    Das Zölibat soll abgeschafft werden?
    Kein Problem, wenn sich die rk-Kirche insgesamt dafür entscheidet und weiß wie sie Familien von Priestern auch in Entwicklungsländern tragen kann! Ich wüsste nicht, was dann gegen eine Abschaffung sprechen soll!
    Wichtig ist, daß die rk-Kirche jetzt endlich mal lernt, das Konzilsdokument Lumen Gentium umzusetzen, genau da steht das mit der Synodalität nämlich drin! Und nicht auf den St. Nimmerleinstag schieben wenn irgendein Papst mal genug Dekrete rausgehauen hat, damit man überhaupt nicht mehr erwachsen zu werden braucht!

    • Wrightflyer
      11.03.2016, 21:08 Uhr.

      Ich habe hier im Blog schon einen desolaten Eindruck bekommen, aber keinen christlichen. irgendwie scheint kaum einer in der Lage, auch nur ein gutes Wort über jemanden zu verlieren, es sei denn er kann sich mit demjenigen im Hass auf andere, z.B. Flüchtlinge, verbünden.
      Aber ich habe Vertrauen in meine Exkonfession. Ich war 31 Jahre rk und weiß daß diese Kirche größer ist als dieser Blog und mehr zu bieten hat.

      Was jetzt keine Beleidigung gegen die Redaktion sein soll, die tut ihr möglichstes. Aber die TSG Hoffenheim z.B. hatte ja 4 Monate lang immerhin Huub Stevens und kam trotzdem nicht vom Abstiegsplatz weg!

  • chrisma
    13.03.2016, 9:00 Uhr.

    „Ohne Sehnsucht nach einer besseren Welt, ohne das Hinterfragen der Macht, ohne echte Solidarität mit den Ausgebeuteten und Vergessenen, kann es langfristig kein Christentum geben.Und das, die Sehnsucht nach einer besseren Menschheit, einer besseren Welt, dem Reich Gottes auf Erden, ist das was mir persönlich hier im Blog fehlt.“
    Diese Gedanken eines Bloggers möchte für meinen Post herausnehmen. Dahinter stehen die Worte Jesu aus der Bergpredigt. Die scheint für viele der im Wohlstand lebenden deutschen Katholiken einen frommen Märchen Charakter zu haben, für den die Caritas zuständig ist aber doch nicht die Gemeinden, die katholischen Menschen. Fünf Begriffe dürfen wir dem Pontifikat Franziskus eng in Verbindung bringen: „Barmherzigkeit“ in der deutschen Theologie ist dieser Begriff im letzten Jahrhundert so gut wie nicht mehr vorgekommen. Erst Kardinal Kaspers rückt ihn wieder in den Mittelpunkt. Aus dem Mittelpunkt der meisten katholischen Menschen ist er in der täglichen Praxis verschwunden.
    „Peripherie und hinausgehen“. Wir (meine Familie) haben zwölf Jahre in Lateinamerika gelebt, ich habe brasilianische Wurzeln. Ich habe die großen Elendsviertel auf diesem Kontinent gesehen. Durch meinen Mann, der oft Einsätze für Ärzte ohne Grenzen leistet und den ich öfter begleitet habe, kenne ich die Not und Armut auf dem afrikanischen Kontinent. Dazu der Papst „„Die Wohlstandkultur, die uns dazu bringt, an uns selbst zu denken, macht uns unempfindlich gegen die Schreie der anderen; sie lässt uns in Seifenblasen leben, die schön, aber nichts sind, die eine Illusion des Nichtigen, des Flüchtigen sind, die zur Gleichgültigkeit gegenüber den anderen führen, ja zur Globalisierung der Gleichgültigkeit. Wenn Papa Franziskus den deutschen Katholiken – Ad-Lima – den Spiegel vorhält, kommt das Argument „Wir spenden ja doch sehr reichlich.“
    „Zärtlichkeit“ die Menschen hier in Deutschland haben diesen Grundsatz des christlichen Lebens schlicht vergessen. Die Zärtlichkeit Jesu aus seiner Botschaft, aus dem neuen Testament wird nicht mehr gespürt und nicht mehr an die Menschen weitergegeben.
    „Schutz der Schöpfung“ ist der Respekt den wir Gott in Demut vor seinem Werk schuldig sind.
    Christoph Teobald SJ, er lehrt Fundamentaltheologie und Dogmatik am Centre Sèvres in Paris sagt: „Franziskus stehe für eine Haltung, bei der die kirchliche Lehre „pastoral ausbuchstabiert“ werden müsse. „Denn eine Lehre, die nicht pastoral ausgerichtet ist, ist Ideologie“ und „Jesus ist ja kein Schriftgelehrter“. Er orte „zwischen Kirche und Gesellschaft bereits eine „klimatische Veränderung“, so der Jesuit. Er sehe das deutlich im traditionell laizistischen Frankreich, wie es sich auswirke, wenn die Kirche „keine Selbstverteidigungspolitik“ treibe und der Wahrheitsdiskurs nicht so im Vordergrund stehe wie noch bei Papst Benedikt XVI. Theobald sieht die Kirche unter Franziskus wie eine „Rutengängerin“ agieren, die hilft, Ressourcen zur Bewältigung gegenwärtiger Krisen auch außerhalb des Christentums aufzuspüren und zusammenzuführen.
    Schließen möchte ich mit einem dem Buddhismus entlehntem Satz „Der Weg ist das Ziel“ Papst Franzskus hat uns mit auf den Weg der Erneuerung und Veränderung genommen. Ich mag diesen Weg und gehe gern mit unserem Papst.

    • papessa
      13.03.2016, 14:19 Uhr.

      Möchte Chrisma ausdrücklich für den letzten Post loben. Auch wenn das scheinbar nicht erwünscht ist, was zum Teufel ist dann überhaupt noch erwünscht?? Wo zum Teufel sind wir inzwischen gelandet? Hat hier die Gleichschaltung stattgefunden, während ich 3 Monate im Krankenhaus lag und offline war??? Merkt hier noch jemand was??
      Also, sie oder er spricht mir in großen Teilen sehr aus dem Herzen. Wer Christus in sich trägt, wird nie aufhören, sich um die Menschen zu sorgen, sich nach einer besseren Welt zu sehnen und doch zu wissen, dass er selbst damit anfangen muss. MEIN REICH IST NICHT VON DIESER WELT bedeutet schlicht und einfach, dass man Christus im Herzen und in der Seele tragen muss, ihm ganz zugehören muss, damit man wirklich SEIN REICH AUF DIESER WELT LEBEN KANN. Jeder mit seinen Mitteln, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Und deswegen nochmals mein Appell: Holt die Unglücklichen Leute an der griechisch-mazedonischen Grenze mit Vatikan-exterritorialen-Terrain-Zügen raus! Am besten wäre, Franziskus wäre persönlich dabei und hülfe mit!!! Auf weitere 14.000 kommt es bei den bisher hier angekommenen 1 Mio plus doch wirklich nicht mehr an.
      Die reichen Diözesen Deutschlands sollen das Geld locker machen, allein die Summen, die der Staat jedes JAhr als Entschädigung für 1806 (!) zahlt, würden dicke ausreichen, um diese Leute zu versorgen und ihnen Wohnungen und Häuser zuzuweisen.
      Zärtlichkeit Christi würde ich gerne um das Liebevolle erweitern, das beinhaltet m.E. nämlich noch mehr, als Zärtlichkeit alleine.
      Christus ist voller Liebe für die Menschen, nicht nur voller Zärtlichkeit. Liebe ist umfassender, führte ihn bis ans Kreuz, ist notwendig, um überhaupt echte Zärtlichkeit entfalten zu können. Außerdem ist er neutraler für Menschen, die Zärtlichkeit in ihrem Leben vermissen müssen und eher Probleme mit diesem Begriff haben.
      Als Kämpferin gegen Umweltsünden und Massentierhaltung vermisse ich allerdings hier in Deutschland die engagierte Haltung der kath. Kirche – Bischöfe etc. – zu diesen Fragen, täte den Aktivisten sehr gut, wenn sie auch von dieser Seite unterstützt würden. Schließlich geht es um die Schöpfung Gottes. Und mir tut es verdammt weh, zu sehen, was mit dieser herrlichen Schöpfung veranstaltet wird. Schon im kleinsten wie im Großen. Jetzt ist wieder die Zeit, wo die Großagrarier wieder hunderttausende von Hektolitern Gülle auf die sowieso geplagten Böden ausbringen, mit wer weiß was sonst noch für Dreck dazwischengemischt. Die Massentierhaltungställe der Hühnermast und Schweinemast werden ausgemistet und der ganze Dreck mit 10 000enden von Tonnen auf die Felder ausgebracht, wen interessierts???

      Übrigtens seltsam, dass alles, was Benedikt je in diesen ganzen Fragen, die hier und im neuestes Artikel zu Franziskus Wahl vor 3 Jahren angesprochen wurden, je getan und geleistet hat, heute so komplett vergessen oder nicht mehr gewürdigt wird. … Drei Jahre Franziskus löschen weiß Gott nicht acht Jahre Benedikt aus …
      Und nun – bin gespannt, ob ich freigeschaltet werde …

    • papessa
      13.03.2016, 14:25 Uhr.

      Noch was: Stichwort Wahrheitsdiskurs: Benedikt hat hier einiges zu gesagt, aber eines muss für einen Christen klar sein und klar bleiben: Das Wort Christi: Ich bin der Weg, die WAHRHEIT und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.
      Damit erübrigt sich für mich alles andere.

    • Wrightflyer
      13.03.2016, 17:34 Uhr.

      Ich stimme Ihrem sehr guten und sehr tiefgreifenden Beitrag vollinhaltlich zu.

      Ich habe lange nicht durchschaut, was für eine Unbarmherzigkeit, Kaltherzigkeit und Grausamkeit nicht nur bei den extrem konservativen herrscht, sondern auch bei manchen, die sich zum Reformerlager zählen und habe mich davon hier im Blog mitziehen lassen. Eine große Dummheit, die ganz sicher nicht in Franziskus‘ Sinn ist, den ich noch immer sehr verehre, und für die ich mich heute schäme.
      Naja, ich war auch mal Atomkraftbewürworterin und bin es nach heutigem technischen Wissensstand nicht mehr.

      Ich bin ja auch für viele Reformen, ich bin definitiv für die Frauenordination, für die Sakramentenzulassung von WvG, da ein lebenslanger pauschaler Ausschluss ungeachtet der ereignisse die zu der Situation geführt haben schlicht unmenschlich ist, für mehr Transparenz bei den Kirchenfinanzen, und das einzige was noch für die Beibehaltung des Zölibats spricht ist die Finanzfrage, d.h. wie werden Familien von Priestern in Entwicklungsländern und in der Untergrundkirche Chinas getragen. Wenn das geklärt ist, kann das meiner Ansicht nach auch auf den Müll, außer natürlich für Ordensleute. Viele Dinge sind meiner Ansicht nach bitter notwendig.
      Aber wenn diese Forderungen von Leuten kommen, die gleichzeitig extrem Gleichgültig und Kaltherzig sind, was die Not der Menschen außerhalb des eigenen gut finanzierten Bistums angeht, denen die so viel Leid und Tod verursachenden deutschen Rüstungsexporte egal sind, die nichts vom Klima- und Naturschutzschutz halten, obwohl manche wegen dem Klimawandel schon ihre Heimat aufgeben müssen, die Flüchtlinge „Feiglinge“ nennen usw., dann frage ich mich doch, was für eine „Reform“ das eigentlich sein soll.
      Wenn das das ist, was Joseph Ratzinger damals in Tübingen um die Ohren geschlagen ist, wundert es mich auch nicht mehr, daß sich dieser empfindliche Mann von einem Reformer zu einem sehr Konservativen gewandelt hat.

      Ich kann außerdem diese Lust an Verfolgung und Lynchjustiz nicht mehr mittragen. Ich denke z.B. daß Müller absolut unrecht hat was seine Position zu den WvG angeht, aber gehört er deswegen vor ein stalinistisches Erschießungskommando? Zu anderen Themen habe ich sehr kluge Sachen von ihm gelesen!

      Wenn jetzt Leute an Franziskus auch noch deswegen herumnörgeln weil er konkrete Einrichtungen bauen lässt um das Leben der Obdachlosen in seiner unmittelbaren Reichweite etwas erträglicher zu machen: „Bei uns macht das die Caritas!“: a) Ja ganz toll, die deutsche Caritas nützt den Obdachlosen in Rom ja „viel“!! b) diejenigen sind wirklich weit davon entfernt, das Evangelium zu verstehen.
      Und von Franziskus zu verlangen, daß er hauptsächlich die deutsche Bischofskonferenz ersetzt und sich vordringlich um deutsche Pfarreigrößen und Zuständigkeiten von Gemeinderäten kümmert, aber römische Katholiken in über 100 anderen Ländern vernachlässigt, darunter China, Nigeria, Palästina und sein Heimatland Argentinien, ist wirklich hochgradig egozentrisch.

      Ich war wegen der Krise im Anlagenbau länger arbeitslos und habe sehr gelitten. Jetzt habe ich einen Job und habe auch noch gute aussichten, in der zweiten Jahreshälfte zum Ingenieurbüro meiner Träume zu wechseln, die haben so langsam wieder Projekte, auch Auslandsprojekte. Habe mit dem Geschäftsführer gesprochen. Insgesamt wäre ich damit fachlich am Ziel, das was mir spaß macht. Aber im Moment sehe ich meinen Beruf und seine heutige Rolle doch etwas kritisch. Wir haben, nun ja, Projekte, wenn Aktionäre die eh schon Geld wie Heu haben sich noch mehr Geld versprechen, nicht wenn diese Projekte sinnvoll sind. Kann ein christ mit diesem Gang der Dinge zufrieden sein? Die Antwort ist eindeutig!

      „Wir (meine Familie) haben zwölf Jahre in Lateinamerika gelebt, ich habe brasilianische Wurzeln.“
      Ich habe mehrere Monate in Argentinien gelebt und mich sehr in dieses Land verliebt. Ich habe sogar noch einen argentinischen Fußballclub zu dem ich halte: Instituto Atlético Central Córdoba! Ich war auch bei mehreren Heimspielen. Aber ich war nicht blind gegenüber den Misständen im Land. Manche haben Swimmingpools, manche leben in etwas das man nicht Häuser nennen kann und verkaufen billige Nähnadeln aus China weil sie keine andere Wahl haben. Manche Autos sind in einem Zustand, da glaubt man nicht daß die noch fahren und manche Kinder sind sehr dünn und sehr hungrig.
      Die Nachrichten aus argentinien, was der neue Präsident so alles macht, sind allerdings mehr als beunruhigend.
      Aus familiären Gründen weiß ich auch einiges über Russland, war auch selbst schon dort, und habe große sympathien für das russische Volk. Allerdings ausdrücklich KEINE für Putin. Wenn jedoch manche hier Putin in den Himmel loben für seine „christlichen Werte“, während es in Russland keine freie Presse und keine unabhängige Justiz mehr gibt, es so schwer ist wie zu Sowjetzeiten, Russen privat in den Westen einzuladen, Homosexuelle systhematisch verfolgt und häufig auch getötet werden, es in Russland fast so viele Abtreibungen wie Geburten gibt und große Teile vor allem der männlichen Bevölkerung sich systhematisch ins Grab saufen, weil sie das Leben nüchtern nicht ertragen, dann stesllt sich wirklich die Frage, was „christliche Werte“ eigentlich sein sollen.

      • Silvia
        14.03.2016, 10:41 Uhr.

        Wrightflyer
        13.03.2016, 17:34 Uhr.

        Es lebe das Feindbild nach dem Motto:

        „Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein“.

        Was ist so unglaublich kaltherzig und grausam daran, wenn man immer wieder auf die Not der verfolgten Christen nicht nur in ihren Herkunftsländern sondern auch bei uns, in den Flüchtlingsunterkünften, hinweist nachdem dieses Thema in den Medien und auch hier im Blog so gut wie gar nicht vorkommt?

        Was ist falsch daran, sich primär für die Schwächsten einzusetzen, das sind außer den verfolgten Christen Frauen und Kinder unabhängig von ihrer Religion?

        Was ist herzlos daran, darauf hinzuweisen, dass auch in den Flüchtlingsunterkünften Frauen und Kinder sexuell missbraucht werden und für diese Menschen geschützte Unterkünfte zu fordern?

        All das habe ich immer wieder getan, weil all diese Themen in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommen?

        Was ist verwerflich daran, selbst zu denken und nicht dem Mainstream zu folgen?

        • Silvia
          14.03.2016, 11:54 Uhr.

          P.S.: Und was ist christlich und edel daran, wenn man im Sommer 2014 auf den Straßen gebrüllt hat „Juden ins Gas“?

          Damals habe ICH eine Gänsehaut bekommen.

          Und was ist so „böse“ daran, hier in Deutschland und in ganz Europa die Daseinsberechtigung und Religionsfreiheit jüdischer Mitbürger zu verteidigen?

          Kann mir das mal jemand erklären?

  • Silberdistel
    13.03.2016, 10:03 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Erbacher,
    in Ihrem bemerkenswerten heutigen @ZDF-Artikel „Der gebremste Reformer“ ist die freud´sche Fehlleistung passiert die ´Karnickel´ zu vergessen. MfG (Braucht nicht veröffentlicht zu werden).

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      13.03.2016, 19:42 Uhr.

      Die Kollegen hatten mit dem Wort „Kaninchen“ einen Link zum damaligen Artikel verknüpft. Da der Artikel aber nicht mehr extern online ist, hatte das System einfach das Wort gelöscht. Jetzt müssten die Kaninchen aber wieder online sein.

  • Silvia
    13.03.2016, 16:42 Uhr.

    chrisma
    13.03.2016, 9:00 Uhr.

    Bei uns wohnen inzwischen in jedem Pfarrhaus Flüchtlinge, sowie im hiesigen Kloster und in einer anderen kircheneigenen Wohnung.

    Großprojekte wie die Einrichtungen für Obdachlose auf dem Petersplatz, die ich im Übrigen sehr begrüße, wären in Deutschland eben Sache der beiden großen KIRCHLICHEN Wohlfahrtsverbände, die eben auch Kirche sind.

    Von daher wäre es aus meiner Sicht in Rom nicht Sache des Papstes gewesen, aber so gut kenne ich die Verhältnisse in Rom nicht.

    Spekulationen über den „Wohlstand“ hier schreibender User halte ich für anmaßend, weil niemand hier die persönlichen Verhältnisse der anderen Blogger kennt.

  • chrisma
    13.03.2016, 20:52 Uhr.

    Noch eines: Ich meine „Wohlstand“ im allgemeinen, nicht den einzelnen Blogger. Zumal ich die Lösung, die Herr Erbacher vorgeschlagen hatte, auf niemanden mehr „persönlich“ zu reagieren heilsam für diesen Blog finde.
    Ich habe in meinem Leben inzwischen sieben Pontifikate erlebt. Sie allen waren für mich Petrus der Fels, alle haben das Schiff der Kirche durch die Zeit gesteuert. Mag es den einen oder anderen Mosaikstein in den Pontifikaten gegeben haben der mir persönlich missfallen hat, (ich bin im Glauben und Leben geprägt durch die Theologie der Armut)so begegne ich dem Papst als das was er ist: das geistige Oberhaupt von rund 1 Millarde katholischer Christen, also mit Respekt.

  • Jürgen Erbacher
    Jürgen Erbacher
    14.03.2016, 14:31 Uhr.

    Die Diskussion wird hier beendet, da sie in den letzten Einträgen wieder ins Persönliche abgleitet. Kommentare an anderer Stelle, die an die hier neu aufkommende und bereits mehrfach geführte Debatte anknüpfen, können wir nicht freischalten. Das Pontifikat von Franziskus bietet viel Stoff für inhaltiche Debatten.

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.