Papst für kreative Lösungen bei Flüchtlingsfragen in Europa

Es ist immer der große politische Auftakt zum Jahresbeginn: der Empfang für das Diplomatische Korps. Papst Franziskus nutzte die Gelegenheit, um noch einmal jegliche Gewalt im Namen der Religion scharf zu verurteilen. Er stellte „den großen Migrations-Notstand“ in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Er richtete dabei, ohne die Situation in Asien sowie Nord- und Mittelamerika aus dem Blick zu verlieren, ein besonderes Augenmerk auf Europa. Seine Grundbotschaft lautete: ich traue es dem Alten Kontinent zu, dass er die Herausforderung meistern werde. Er warnte vor nationalen Alleingängen und rief dazu auf, „mit größerem kreativen Wagemut nach neuen und nachhaltigen Lösungen zu suchen“. Er würdigte die Arbeit, die bereits für Flüchtlinge gemacht werde und stellte an die Adresse der Flüchtlinge fest, dass diese die Pflicht hätten, „die Werte, Traditionen und Gesetze der gastgebenden Gemeinschaft zu respektieren“.

Der Heilige Stuhl unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 180 Staaten. Viele der Botschafter waren heute Morgen beim Neujahrsempfang des Papstes im Vatikan. (Quelle: ap)

Der Heilige Stuhl unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 180 Staaten. Viele der Botschafter waren heute Morgen beim Neujahrsempfang des Papstes im Vatikan. (Quelle: ap)

Der Papst sieht, dass Europa derzeit in einer kritischen Phase steckt. Die Diskussionen um die „realen Möglichkeiten des Empfangs und der Anpassung der Menschen, nach der Veränderung des kulturellen und sozialen Gefüges in den Aufnahmeländer“ sowie „die Befürchtungen um die Sicherheit“ auch angesichts der zunehmenden Terrorgefahr nimmt er wahr. „Die augenblickliche Migrationswelle scheint die Fundamente jenes ‚humanistischen Geistes‘ zu untergraben, den Europa von jeher liebt und verteidigt. Dennoch darf man sich nicht erlauben, die Werte und die Prinzipien der Menschlichkeit, der Achtung der Würde eines jeden Menschen, der Subsidiarität und der gegenseitigen Solidarität aufzugeben, auch wenn sie in einigen Momenten der Geschichte eine schwer zu tragende Bürde sein können.“

Franziskus zeigte sich überzeugt, „dass Europa, unterstützt durch sein großes kulturelles und religiöses Erbe, die Mittel besitzt, um die Zentralität der Person zu verteidigen und um das rechte Gleichgewicht zu finden in seiner zweifachen moralischen Pflicht, einerseits die Rechte der eigenen Bürger zu schützen und andererseits die Betreuung und die Aufnahme der Migranten zu garantieren“. Der Papst mahnt, die Ursachen von Migration zu bekämpfen. Dabei müssten auch „eingefahrene Gewohnheiten und Gepflogenheiten“ auf den Prüfstand. Er nennt als Beispiele den Waffenhandel, den Bereich der Rohstoff- und Energieversorgung. Und er lenkt den Blick auf die Entwicklung in den Herkunftsländern, die frei von Eigeninteressen unterstützt werden müsse.

In Bezug auf die Migrationsfrage dürften die kulturellen Hintergründe nicht vernachlässigt werden. Interessant ist, dass Franziskus „in der Leere der fehlenden Identität und im Verlust der – auch religiösen – Identität, die den sogenannten Westen kennzeichnet,“ auch einen fruchtbaren Boden für Extremismus und Fundamentalismus sieht. Aus der Leere erwachse die Angst, die dazu führe, den anderen als Gefahr oder Feind anzusehen. Gleich zu Beginn seiner Ansprache hatte er bereits jegliche Gewalt im Namen der Religion scharf verurteilt. „Wer behauptet, an Gott zu glauben, muss auch ein Mensch des Friedens sein und folglich ein Mensch der Barmherzigkeit, denn niemals kann man im Namen Gottes töten. Nur eine ideologische und irregeleitete Form von Religion kann daran denken, durch vorsätzlichen Mord an wehrlosen Menschen im Namen Gottes Gerechtigkeit zu erweisen, wie es in den blutigen Terroranschlägen der vergangenen Monate in Afrika, Europa und im Nahen Osten geschehen ist.“

Franziskus nimmt die Sorgen wahr, die mit der Migrationsfrage verbunden sind. Doch er lässt nicht von seiner Position ab, dass die reichen Länder in der Pflicht stehen, denen zu helfen, die vor Krieg, Unterdrückung, Armut und Ungerechtigkeit fliehen. Er lässt erkennen, wer die Ursachen der Migration bekämpfen will, kommt nicht umhin, seine Politik und seinen Lebensstil zu ändern. Papst Franziskus vermeidet es, einzelne Länder und ihren Umgang mit der Flüchtlingsfrage zu loben oder zu kritisieren, von seinem Dank an die „Grenzländer“ Italien, Griechenland, Türkei, Libanon und Jordanien abgesehen. Dennoch wird deutlich, eine Politik der Abschottung kann nicht mit dem Segen des Papstes rechnen, mögen die Länder sich noch so christlich oder gar katholisch geben. Wenn Franziskus selbst Ross und Reiter benennen will, müsste er zumindest die Episkopate vor Ort zur klaren Positionierung bewegen. Da ist aber bisher aus den Ländern, die sich bei der Lösung der Flüchtlingsfrage verweigern, wenig zu hören.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

23 Kommentare

  • Silberdistel
    11.01.2016, 21:50 Uhr.

    „Barmherzigkeit kennt keine Miete“ klagte neulich der bayrische Finanzminister in Richtung der Kirchen, die ihre an Flüchtlinge zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten dem staatlichen Leistungsträger offensichtlich ganz ungeniert in Rechnung stellen.
    Ob Papst Franziskus um diese Abrechnungspraxis dieser, seiner Kirche in Deutschland weiß, dessen (bayr.) Vorsitzender Bischof Reinhard Marx sich doch schon zu Beginn des Pontefikats recht breitspurig im „Franziskusmodus“ wähnte? Oder ob hier nicht auch in den ganz eigenen Reihen: „..mit grösserem kreativen Wagemut nach neuen nachhaltigen Lösungen“, das heisst dann wohl auch im immens grossen Portfolio der Immobilien und finanziellen Potential der Kirche in Deu, zu suchen wäre?! – Der Glaubwürdigkeit jedenfalls würde das sehr gut tun.

  • Wrightflyer
    11.01.2016, 23:49 Uhr.

    „Die augenblickliche Migrationswelle scheint die Fundamente jenes ‚humanistischen Geistes‘ zu untergraben, den Europa von jeher liebt und verteidigt.“
    Aua, das ist aber SEHR idealisiert.
    Ich will nicht sagen daß es komplett falsch ist, aber es ist ein bischen sehr mit der rosa Brille betrachtet.
    Nun, Franziskus ist weiß. Seine Großeltern stammen alle aus Italien. Die Perspektive eines Indios wäre da schon interessanter.
    Europa ist, würde ich sagen, Licht und Schatten. Aus Europa kamen große Gedanken, Humanismus, Aufklärung, technischer Fortschritt, aber auch Kapitalismus, Kommunismus, Kolonialismus, Weltkriege und Völkermord. Man kann Europa weder verdammen noch heiligsprechen. Es ist ein Mosaik aus viel gutem und viel bösem. Wir haben das CERN und wir haben Heckler&Koch.

    „Der Papst mahnt, die Ursachen von Migration zu bekämpfen. Dabei müssten auch „eingefahrene Gewohnheiten und Gepflogenheiten“ auf den Prüfstand. Er nennt als Beispiele den Waffenhandel, den Bereich der Rohstoff- und Energieversorgung. Und er lenkt den Blick auf die Entwicklung in den Herkunftsländern, die frei von Eigeninteressen unterstützt werden müsse.“
    RECHT hat er.
    Dem kann ich nur von Herzen zustimmen.
    Ich habe allerdings schon gemerkt, daß hier im Blog solche klaren und deutlichen Worte von Franziskus sehr unerwünscht sind, und wenn ich das richtig gelesen habe, ist auch Herrn Knox das inzwischen aufgefallen.
    Da heißt es „Selbsthass“ und „Schuldkomplex“.
    Nein, Fähigkeit zur Selbstkritik ist eben NICHT automatisch „Selbsthass“ und „Schuldkomplex“. Nur mit Fähigkeit zur Selbstkritik auf allen Seiten kommt man gemeinsam weiter. Und da wir nunmal nur einen Planeten haben und alle darauf irgendwie miteinander auskommen müssen, müssen wir sehen wie wir gemeinsam weiterkommen. Wir erwarten vom Islam und von Afrika mit Recht Selbstkritik, umgekehrt müssen wir dazu auch fähig sein. Und z.B. mal die Frage stellen, was Fisch aus afrikanischen Gewässern auf unseren Tellern zu suchen hat, wenn er garnicht von Afrikanern verkauft wurde.
    Das derzeit herrschende System ist bereits ZU teuer erkauft. Es kann so nicht weitergehen.

    Je älter ich werde, desto allergischer werde ich gegen Doppelmoral und Heuchelei. Seltsam, normalerweise ist es umgekehrt. Die äh… moralische Biegefähigkeit steigt üblicherweise mit dem Alter. Und die Nahostpolitik unserer Regierung ist an Heuchelei nicht mehr zu überbieten.
    Und auch hier im Blog, naja, gibt es so manches man-macht-es-sich-einfach.

    „Papst Franziskus vermeidet es, einzelne Länder und ihren Umgang mit der Flüchtlingsfrage zu loben oder zu kritisieren, von seinem Dank an die „Grenzländer“ Italien, Griechenland, Türkei, Libanon und Jordanien abgesehen.“
    Und gerade Griechenland hat ein großes Lob verdient, da es ja selbst große Probleme und wenig Anlass zur Hoffnung hat.

  • Alberto Knox
    12.01.2016, 0:36 Uhr.

    „Die augenblickliche Migrationswelle scheint die Fundamente jenes ‚humanistischen Geistes‘ zu untergraben, den Europa von jeher liebt und verteidigt. Dennoch darf man sich nicht erlauben, die Werte und die Prinzipien der Menschlichkeit, der Achtung der Würde eines jeden Menschen, der Subsidiarität und der gegenseitigen Solidarität aufzugeben, auch wenn sie in einigen Momenten der Geschichte eine schwer zu tragende Bürde sein können.“

    sehr gut gesagt. letztlich ist dies das gemeinsame christlich-humanistische fundament, auf dem unsere rechtskultur aufruht. daher heißt es auch im grundgesetz: „die würde des menschen ist unantastbar“. sie gilt für jede und jeden. deswegen ist das obergrenzengeschwafel auch sinnfrei. elementare grundrechte gelten universell oder gar nicht. und wir sind noch lange nicht an die grenzen des aufnahmeVERMÖGENS, sondern an die grenzen des aufnahmeWILLENS gestoßen. das sollte man ehrlicherweise sagen. das weiß sogar bk merkel. im grunde macht sie da alles richtig.

    „Dennoch wird deutlich, eine Politik der Abschottung kann nicht mit dem Segen des Papstes rechnen, mögen die Länder sich noch so christlich oder gar katholisch geben. Wenn Franziskus selbst Ross und Reiter benennen will, müsste er zumindest die Episkopate vor Ort zur klaren Positionierung bewegen. Da ist aber bisher aus den Ländern, die sich bei der Lösung der Flüchtlingsfrage verweigern, wenig zu hören“.

    die ach so katholischen polen, slowaken und ungarn geben sich unchristlich, das muss man so sagen – und just aus diesen ländern kommen die entschiedensten gegner der reform von franziskus. auch bemerkenswert. freilich wissen wir nicht, welche innere druckmöglichkeiten der papst bereits benutzt – ross und reiter zu nennen, ist sozusagen die ultima ratio. die würde ich mir auch aufsparen. denn wenn er das tut und sich ein episkopat weigert, bleibt nur noch die amtsenthebung. das wäre doch erheblich – wenngleich richtig.

    • Wanda
      13.01.2016, 18:30 Uhr.

      Und was ist mit jenen, die gegen die Würde und Werte der Bürger ihrer gastgebenden Länder verstossen ? Denen fehlt doch wohl die Mindestachtung und zwar grundlegend, wie die ekelhaften Übergriffe in Köln, Hamburg, Stuttgart, usw. beweisen.
      Darf man sich gegen diese, die sich z.T. unter falschen Angaben zum Nachteil der wirklich Asylbedürftigen ihren Aufenthalt erschwindelt haben, schützen und zwar derart, dass sie kontrolliert und unachsichtig ausgewiesen werden oder plädieren sie generell für den Persilschein ?
      – Wie wär’s wenn die Verteidiger dieser Kriminellen einen neuen Tatbestand vorschlagen ? „Testosterongesteuerter Sexualübergriff mit milderndem Migrationshintergrund“…
      Wenn man sich dann noch die Versteher solcher Taten wie Frau Künast und Frau Roth von den Grünen anhören muss, für die das Ganze ein Patriarchatsproblem ist, dann kommt Einem die Galle hoch. Ausgerechnet von der Partei, die ganz offiziell eine Debatte über die Straffreiheit von sexuellen Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern führte und ua. durch Volker Beck die Entkriminalisierung der Pädosexualität forderte…

      • bernardo
        14.01.2016, 16:24 Uhr.

        @ Wanda: Abgesehen von der Gottesfrage stimmen wir in sehr vielen Punkten überein.

    • Wrightflyer
      16.01.2016, 18:56 Uhr.

      @Herr Knox:
      „und wir sind noch lange nicht an die grenzen des aufnahmeVERMÖGENS, sondern an die grenzen des aufnahmeWILLENS gestoßen.“
      Irgendwann, und ich sage das mit großem Bedauern, schon. Offiziell soll es weltweit 60 Millionen Flüchtlinge geben, wahrscheinlich sind es mehr.
      Es gibt nur eine Möglichkeit: Wir müssen aus dem Wolkenkuckucksheim raus und den Blick auf die Fluchtursachen richten.

      Ungeachtet dessen empfinde ich eine gewisse Abscheu bei Wands und bernardos Rhetorik.

      • Alberto Knox
        18.01.2016, 14:34 Uhr.

        liebe wrightflyer,

        da haben wir heute mal einen kleinen dissens, aber den halten wir aus, oder? solange ein land wie jordanien mit 6 mio. einwohnerInnen 1,5 mio. flüchtlinge aushält und das gut meistert, sehe ich deutschland noch lange nicht am ende der kapazitätsgrenzen. denken sie an 1945: ein total zerbombtes land, gehasst von der welt, hat 5 mio. flüchtlinge ertragen.
        ich dispensiere keinen politiker, keine politikerin davon, friedenslösungen zu finden, die aus flüchtlingen wieder das werden lassen, was sie waren: einheimische. ich will – z.b. um syriens selbst willen – auch gar nicht, dass junge, gut ausgebildete syrerInnen UNSER demographisches problem lösen, sondern ich will, dass diese leute – um die erfahrung UNSERER wertschätzung und bildung reicher – in ihr land zurückkehren und dort für ihre kinder eine bessere zukunft aufbauen helfen. ich will auch nicht, dass deutschland allein die probleme der welt löst (dieses begehren hat schon öfter ins unglück gestürzt). aber die tatsache, dass sich europa und andere länder weigern, die menschenwürde zu achten, indem sie flüchtlinge aufnehmen, erlässt uns nicht, dass wir sie achten. und wenn wir das einzige moralische land auf der ganzen welt wären, das flüchtlinge aufnimmt (sind wir nicht, auch wenn ich bei mancher äußerung von seiten unserer politikerInnen meine, dass sie das selbst glauben), dann wären wir sowohl moralisch als auch gesetzlich genau dazu verpflichtet. und wenn unser staatswesen darob zusammenbräche. menschenwürde kennt keine staatsgrenzen, keine finanziellen grenzen und auch keine flüchtlingszahlenobergrenzen.

        • bernardo
          18.01.2016, 19:59 Uhr.

          Zitat Knox: „da haben wir heute mal einen kleinen dissens, aber den halten wir aus, oder? solange ein land wie jordanien mit 6 mio. einwohnerInnen 1,5 mio. flüchtlinge aushält und das gut meistert, sehe ich deutschland noch lange nicht am ende der kapazitätsgrenzen. denken sie an 1945: ein total zerbombtes land, gehasst von der welt, hat 5 mio. flüchtlinge ertragen.“

          Kompliment: Übertragen auf Deutschland heißt das, wir könnten rund 20 Millionen Flüchtlinge aufnehmen. Dass die Flüchtlinge in Jordanien in Lagern untergebracht sind, auf Dauer keine Arbeitserlaubnis haben, dass die Zustände dort von deutschen Gerichten kaum als menschenwürdig eingestuft werden, was nicht Schuld der Jordanier ist, davon kein Wort. Die 12 Mio. Flüchtlinge, die Deutschland aufgenommen hat, waren Landsleute, aber das spielt wahrscheinlich keine Rolle für Sie. Und sogar bei diesen Landsleuten gab es genug Probleme. Noch ein Punkt: Nicht Ressentiment lässt mich mehr Abschottung fordern, sondern ganz einfach politische Vernunft.

      • Wanda
        19.01.2016, 2:40 Uhr.

        Wäre interessant was Sie denn den Opfern der sexuellen Übergriffe (und auch Vergewaltigungen)der Sylvesternacht Angesicht zu Angesicht sagen und erklären würden:
        – etwa, dass die Opfer sich bedauerlicherweise als Kollateralschaden der an sich korrekten merkelschen Migrationspolitik gegenüber islamischen Flüchtlingen begreifen müssten ?
        – dass die jungen, testosterongesteuerten Täter unter einem Kulturschock und Lagerkoller leiden, was mildernde Umstände verdient ?
        – dass aber die Politik nun verspricht künftig stärker durchzugreifen obwohl Juristen dieses problematisch sehen ?
        – dass Jakob Augstein grundsätzlich richtig argumentiert wenn er in Facebook verbreitet „ein paar grabschende Ausländer und schon reisst in Deutschland der Firnis der Zivilisation“ ?
        – dass Frau Roth, Frau Künast und Herrn Beck Recht haben, wonach das Ganze kein islamisches sondern ein allgemeines Patriarchatsproblem ist ? Jene Politiker, deren Partei über die Straffreiheit sexueller Beziehungen mit Minderjährigen debattierte und Volker Beck sogar die Entkriminalisierung der Pädosexualität forderte ?
        – dass Übergriffe auf Frauen in islamischen Ländern bei Massenversammlungen (z.B. in Ägypten auf dem Tahrirplatz) Gang und Gäbe sind, also nichts Besonderes ?
        – dass nun aber zumindest in den Flüchtlingsunterkünften Schutzräume für Kinder und Frauen eingerichtet werden ? Gleiche Forderungen von Sozial- und Frauenschutzverbänden wurden vorher als übertrieben abgelehnt…
        – dass Deutschland leider versäumt hat die muslimische Welt dahingehend zu informieren, ein NEIN unserer Mädchen und Frauen ist tatsächlich ein NEIN ?
        – und letztendlich künftig den Armlängenabstand als Schutz empfehlen ?

  • bernardo
    12.01.2016, 16:33 Uhr.

    Zitat: „Dennoch wird deutlich, eine Politik der Abschottung kann nicht mit dem Segen des Papstes rechnen, mögen die Länder sich noch so christlich oder gar katholisch geben.“

    Dann eben ohne den Segen des Papstes.

    • Suarez
      13.01.2016, 13:26 Uhr.

      Sie sind für Abschottung? Das ist mal eine besonders christliche Position. Das lässt sich auch prima vor Mt 25 rechtfertigen. Aufs ewige Heil sollte man dann aber nicht hoffen.

      • bernardo
        14.01.2016, 16:23 Uhr.

        Kann man politisch argumentieren ohne dem Andersdenkenden mit der Hölle zu drohen?

      • Alberto Knox
        15.01.2016, 11:25 Uhr.

        gut getroffen, @ suarez. eine drohung kann ich beim besten willen nicht erkennen – das ist einfach die konsequenz in mt 25 aus völlig amoralischem denken und verhalten. um politische argumentation geht es ja gar nicht, sondern um dumpfes resentiment (abschottung. ohne den segen des papstes) – ich bin sehr dankbar, dass unser lieber papst sich niemals für abschottung aussprechen wird.

    • Wrightflyer
      16.01.2016, 18:50 Uhr.

      @Suárez:
      Die abschottung wird zwangsweise kommen, leider!
      Was wir hier aufnehmen und integrieren können ist nur die Spitze des eisbergs. Ich will nicht kleinreden was die Flüchtlingshelfer leisten, das ist ganz großartig. Selber habe ich nach den THW-Einsätzen zum Aufbau der Unterkunft freiwillig (d.h. nicht THW) im Weihnachtsurlaub 2 schichten Kleiderkammer geschoben, das alles ist eine Winzigkeit. Es gibt Menschen die geben sich derzeit unglaublich viel Mühe, begleiten Flüchtlinge auf Behörden (was ich z.B. nicht kann, ich brauche selber einen Blindenhund für Formulare und Behörden) usw. Aber weltweit sind 60 Millionen auf der Flucht, wahrscheinlich noch weit mehr. Das ist dann doch bei weitem zuviel um sie alle in einem Land aufzunehmen.

      Es gibt jetzt nurnoch die Flucht nach vorn, d.h. den Blick auf die Fluchtursachen.
      Für manche Sachen, wie z.B. Genitalverstümmelung in Afrika, kann der Westen nichts. Für andere schon, und gerade die arabischen Länder haben uns da einiges zu erzählen. Wenn wir Demokratie sein wollen, dann sind wir auch für unsere Regierung verantwortlich, d.h. wir haben nicht nur das Recht sondern auch die Pflicht, kritisch nachzuhaken und Druck auf die Regierung zu machen, was ihr Benehmen außerhalb Europas angeht. Warum z.B. bekommen kriegführende Länder deutsche Waffen??

      Und was das ewige Heil angeht:
      Ich halte so manche von bernardos Aussagen für wenig christlich und er geht mir mit seiner Arroganz auf die Nerven, aber die Hölle hat er nicht verdient. SO ein böser Mensch ist er nicht.
      Wenn Gott jemanden so schnell aufgeben würde, hätten wir alle ein problem. Also mit Verlust des ewigen Heils sollte man vorsichtig sein.

      @bernardo:
      Wo bitte haben Sie argumentiert?? Ich sehe kein Argument!

  • Wanda
    12.01.2016, 19:38 Uhr.

    – Hört, hört: dass Flüchtlinge die Pflicht haben, die Werte, Tradition und Gesetze der gastgebenden Gesellschaft bzw. Nationen zu respektieren ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit, oder ?
    Dem steht jedoch ganz klar entgegen, wie der muslimische Pakistani Shamil Shams von der Deutschen Welle Urdu-Redaktion heute schreibt:
    „Islamische (impliziert religiös bedingte) Kultur und die Normen mit ihren europäischen (primär) säkularen Fundamenten sind nicht miteinander vereinbar“.
    Alles Andere ist Wunschdenken…

  • JasJu
    13.01.2016, 10:53 Uhr.

    Gedenkt man der aus katholischem Geist vollbrachten Heldentaten Don Juan de Austrias, der gräflichen Brüder Starhembergs oder Jan Sobieskis, wird man wehmütig. Was früher von ihnen mit Schild und Schwert und von den Gläubigen mit einem Gebetssturm an Rosenkranz-Andachten verhindert wurde, holt Europa sich nun frei Haus herein. Christliche Nächstenliebe vermag ich dabei als Movens nicht zu erkennen, eher dekadenten Selbstzerstörungswahn.

    • Wanda
      14.01.2016, 17:08 Uhr.

      Stimme Ihnen insofern zu, dass zwar selten aber dann doch die ansonsten verfeindeten christlichen Konfessionen sich gegen die Bedrohung ihrer gemeinsamen Werte zur Wehr setzten.
      Dass Europa bis auf wenige Staaten nun dem damals vor Wien gescheiterten Islam freiwillig die Tore öffnet, ist eine Ironie der Geschichte und (wie Sie schreiben) Zeichen dekadenter Aufgabe der Idee einer wehrhaften Demokratie durch die Gutmenschen.
      Dieser Begriff ist übrigens nicht neu: bereits 1994 wurde er anders und äusserst zutreffend als „Kritik an der politisch korrekten Schaumsprache“ definiert.
      Europa hat erreicht, die gemeinsamen Werten Verpflichtung werden zu lassen und sie gesetzmässig verankert, unabhängig von Weltanschauung oder Religion.
      Dahin müssen es der Islam und die muslimischen Staaten erst einmal bringen.

      • Silberdistel
        15.01.2016, 16:42 Uhr.

        Aber der Islam ist ja schon angekommen mit Verlaub korrigiert und mutmasslich wird einer der nächsten BP nicht nur verkünden „das der Islam zu Deutschland gehört“, sondern selbst einen orientalisch klingenden Namen führen, sowie in einer deutschen Moschee zu Allah beten…
        Was mich persönlich bei der Diskussion um die Flüchtlinge stört ist, das wir zwar alle gerne die Segnungen des Globalismus verkonsumieren: Obst und Gemüse aus Südafrika, Gas aus Russland, Nippes aus China oder Vietnam, Pengasiusfilet aus dem Viktoriasee, Steaks aus Argentinien, Erdöl aus dem Irak und Palmöl für den Biosprit aus Indonesien. – Wir von den Menschen die diese Produkte erzeugen aber nichts weiter von wissen wollen, insbesondere wenn es zu Schwierigkeiten kommt.
        Vor was haben wir Angst, auch wenn es zu einem „clash of cultures“ kommt? Nicht umsonst haben sich unsere christlichen Werte – und dazu gehört auch unzweifelhaft die Demokratie ansich (auch wenn das die Kirche bis heute nicht zu begreifen scheint), historisch durchgesetzt. Die Menschen flüchten scharenweise in unseren Kulturkreis weil da etwas besser zu funktionieren scheint und nicht umgekehrt.
        Nein, solange wir wirkliche Werte unser eigen nennen können und nicht nur Egoismus und Geldschneiderei, sollten wir nichts zu befürchten haben! Und letztlich sollte man auch nicht so tun, als ob man hier in Deu West wie Ost oder dem restlichen s.g. ‚christlichen Abendland‘, oder auch dem Vatikan/Kirche selbst, seit jeher Sieger über die Unmenschlichkeit gewesen wäre.

        • JasJu
          18.01.2016, 16:46 Uhr.

          Wieso sollte die Demokratie ein „christlicher Wert“ sein? Sie ist überhaupt kein Wert, sondern eine Herrschaftsform, die im besten Fall Mehrheitsvoten politisch durchsetzt. Würde durch eine Mehrheitsentscheidung die Todesstrafe wieder eingesetzt oder das Frauenwahlrecht abgeschaff, wäre das demokratisch. Aber „wert“-voll? Und „christlich“? Jesus hat seine Kirche hierarchisch begründet. Demokratie ist in der glorreichen Geschichte unseres Glaubens allenfalls Cura posterior.

      • Wrightflyer
        16.01.2016, 18:24 Uhr.

        „Europa hat erreicht, die gemeinsamen Werten Verpflichtung werden zu lassen und sie gesetzmässig verankert, unabhängig von Weltanschauung oder Religion.“
        WELCHE gemeinsamen Werte?? Den Krisenstaaten Griechenland und Portugel geht es durch das Spardiktat der Eurobürokraten katastrophal, Ungarn wird immer faschistischer, Polen schafft die Demokratie ab…
        Weder darf man den Islam glorifizieren, noch sollte man die rosa Brille aufsetzen was die „europäischen Werte“ angeht.
        Auch hier in Deutschland stellt sich immer stärker die Frage, inwiefern wir eigentlich eine Demokratie sind, wenn unsere Regierung z.B. mal eben unsere staatliche Souveränität gegen den Willen der Mehrheit der Bürger per TTIP zum Spottpreis verschleudern darf. Es gibt eine Umfrage laut der mittlerweile mehr als die Hälfte der Bürger nicht mehr das Gefühl hat, in einer echten Demokratie zu leben.
        Und leider gehören zu den „europäischen Werten“ auch immernoch Waffenhandel und Rassismus. Man mag sich hier um Toleranz gegenüber anderstfarbigen Mitbürgern bemühen, aber schon ein Facebook-Account zeigt einem, daß es eine gewisse… Hierarchie gibt, was Menschenleben angeht. Um europäische Anschlagsopfer wird getrauert, da wird auch der Facebook-Avatar als äußeres Zeichen der Trauer geändert. Als nächsten kommen Nachkommen von Europäern, also US-Amerikaner, Australier usw. Nichteuropäer wie z.B. die Kurden die gerade von ihrer eigenen Regierung bombardiert werden, spielen keine Rolle.

        Man darf, wie gesagt, den Islam nicht glorifizieren, aber auch bei uns ist noch lange nicht alles Gold was glänzt. Und daß Europa eine Tendenz hat, sich außerhalb Europas entsetzlich zu benehmen, ist leider eine Tatsache, und hat viele heutige Misstände in der Welt verursacht.

        Fähigkeit zur Selbstkritik brauchen derzeit BEIDE Seiten. Sowohl der Islam als auch wir.

    • Wrightflyer
      16.01.2016, 18:35 Uhr.

      JasJu, die Zeit in der jedes größere europäische Land nichts geringeres als die Weltherrschaft wollte, auch die Holländer hatten übrigens ihre sehr brutale Kolonialherrschaft in Indonesien (der sind allerdings auch genug Europäer und deutsche Wälder zum Opfer gefallen, Stichwort VOC), sollte man als Christ eher NICHT glorifizieren.
      Ja, die Türken wollten damals Europa erobern. Da waren sie nicht die einzigen. Europa hat fast die ganze Welt erobert, und nicht gerade zartbesaitet.

  • theobald 27
    15.01.2016, 11:17 Uhr.

    Im „weltanschaulichen“ Bereich gibt es kein Vakuum. Deshalb hat der Islam nur dort Chancen, wo es keinen echten Glauben gibt – oder nur Aberglaube.

  • Silvia
    18.01.2016, 12:25 Uhr.

    @Alberto Knox und Suarez,

    ich setze es hier mal ans Ende, damit es übersichtlicher wird:

    Ich habe Sie „Beide“ mal für ernst zu nehmende Theologen gehalten. Aber Ihre immer wieder wiederholten Drohungen mit der Hölle an Menschen/ (katholische) Christen lassen da bei mir doch starke Zweifel aufkommen.

    Wann und wo haben Sie denn Theologie studiert, wenn überhaupt?

    […]*

    @Wrightflyer, und SIE wollen darüber befinden, wer hier ein „böser Mensch“ ist oder nicht und somit in die Hölle kommt oder nicht?

    Leute, die genau wie die Fundamentalisten, andere in die Hölle schicken wollen, kann ich nicht ernst nehmen.

    Ich hatte Sie für gebildeter gehalten!

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

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