Synode: Keine Tür zugeschlagen

Im Vatikan ist heute das Arbeitspapier für die Familiensynode im Oktober vorgestellt worden. Das 77-seitige Papier wurde mit heißer Nadel gestrickt. Das merkt man ihm an vielen Stellen an. Dem Umstand ist es wohl auch geschuldet, dass es bisher nur auf Italienisch vorliegt. Um es gleich vorweg zu nehmen: das Papier schließt keine Türen – auch nicht bei den umstrittenen Themen. Es fällt auf, dass beim Thema wiederverheiratete Geschiedene im Hintergrund wohl viel gearbeitet wird und man da bei der Synode zu einer Lösung kommen will, während das Thema Homosexualität eher klein gehalten wird. Erste Andeutungen gab es heute auch, was die Arbeitsweise der Synode anbetrifft. Hier soll es Modifizierungen gegenüber früheren Synoden geben, um stärker themenorientiert arbeiten zu können.

Ehe und Familie stärken

Es ist schwierig, die 147 Punkte kurz zusammen zu fassen. Das Instrumentum Laboris ermöglicht bei der Synode im Oktober eine breite Diskussion über Ehe und Familie. Dies fängt bei den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen an und geht bis zu theologischen Detailfragen wie etwa die „geistliche Kommunion“. Zentrales Ziel ist es, und das wird deutlich, eine bessere Vorbereitung auf die Ehe und Begleitung in der Ehe- und Familienphase zu erreichen sowie herauszuarbeiten, wie auf gesellschaftspolitische Bedingungen eingewirkt werden kann.

Strittige Themen bleiben offen

Dabei zeichnet sich im Papier ab: Es wird an vielen Stellen global einheitliche Lösungen nicht geben können. Die große Frage wird sein, in welchen Bereichen Vielfalt möglich sein wird. Beim umstrittenen Thema wiederverheiratete Geschiedene zählt das Papier die verschiedenen bestehenden Positionen auf, ohne zu werten und abschließende Antworten zu geben. Interessant ist aber, dass es ausdrücklich heißt, dass es neben den von Johannes Paul II. in Familiaris Consortio vorgeschlagenen Wegen, Ehenichtigkeitsverfahren, Enthaltsamkeit oder Empfang der „geistlichen Kommunion“ es noch einen weiteren Weg geben könnte.

Hier ist von einem Weg der Buße die Rede, der zu einer Klärung und Neuorientierung in Begleitung eines Priesters führen soll. Dieser solle sich ein Urteil darüber bilden, ob er von seiner Vollmacht Gebrauch mache, „in einer der Situation angemessenen Weise zu binden oder zu lösen“. Zugleich verweist das Papier dann an die entsprechenden Aussagen der Glaubenskongregation von 1994 sowie des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte von 2000. Die Diskussion bei diesem Thema geht also weiter.

Zum Thema Homosexualität bleibt das Papier knapp und verweist auf die Würde jedes Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Es kommt der Wunsch zum Ausdruck, dass es in den Bistümern spezielle pastorale Angebote für Homosexuelle sowie für deren Herkunftsfamilien gibt. Das Papier betont die traditionelle Lehre, dass für die katholische Kirche eine Ehe nur für eine Beziehung von Mann und Frau möglich ist. Zugleich wird der Versuch, den Unterschied der Geschlechter zu nivellieren, zurückgewiesen. Allerdings vermeidet das Papier an dieser Stelle den Begriff „Gender“. Das dürfte ganz gut sein, denn er ist so emotions- und ideologiebeladen, dass eine sachliche Diskussion meist schwierig ist.

Das Arbeitspapier geht auch kurz auf die orthodoxe Praxis ein, auf die ja gelegentlich bei der Frage der möglichen Segnung einer zweiten ehelichen Verbindung verwiesen wird. Dabei wird aber betont, dass es doch grundlegende Unterschiede in der Ehetheologie zwischen Ost und West gibt. Daher dürfte dieser Weg für die „Reformer“ in Bezug auf eine irgendwie geartete Anerkennung einer zweiten Ehe nicht zielführend sein. Darauf hatte in der Vergangenheit übrigens auch Kardinal Walter Kasper immer wieder hingewiesen. Übrigens findet sich auch der Begriff der Gradualität wieder in den Papier. Dieser war während der Außerordentlichen Synode im vergangenen Oktober zwar diskutiert worden, dann aber nicht in die Relatio Synodi eingegangen.

P.S. Es ist schon interessant, dass das Arbeitspapier für eine derart wichtige Synode zunächst nur auf Italienisch präsentiert wird; und auch die Pressekonferenztexte nur auf Italienisch vorliegen. Einem weltkirchlichen Ereignis dieser Bedeutung wird das nicht gerecht.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.