Zurück aus Sarajevo

Die fliegende Pressekonferenz auf dem Rückweg von Sarajevo nach Rom gestern Abend war kurz und knapp. Die Journalisten waren gebeten, nur Fragen in Verbindung mit der aktuellen Reise zu stellen. Franziskus war trotz des anstrengenden Programms gut gelaunt. Große Neuigkeiten hatte er nicht zu verkünden. Zurück im Vatikan absolvierte er heute gleich auch wieder offizielle Termine. Neben dem sonntäglichen Angelus stand eine Audienz für die argentinische Präsidentin Cristina Fernández Kirchner. Eigentlich sollte am Nachmittag auch der venezolanische Präsident Nicolás Maduro den Papst treffen. Doch der hatte seinen Besuch kurzfristig abgesagt – offiziell wegen einer schweren Grippe. Viele Venezolaner hatten große Hoffnungen in die Begegnung Maduros mit dem Papst gesetzt, wird das Land doch seit langer Zeit von einer schweren innenpolitischen Krise erschüttert. Opposition und Regierung ringen seit der letzten Präsidentenwahl 2013 um die Macht im Land.

Europa vom Rand her

Das erste Thema der Pressekonferenz war das „Phänomen“ Medjugorje. Franziskus erklärte, dass die von Papst Benedikt XVI. eingesetzte Kommission unter Leitung von Kardinal Camillo Ruini ihre Arbeit abgeschlossen habe. Ruini habe ihm die Ergebnisse übergeben. Diese lägen jetzt bei der Glaubenskongregation zur weiteren Bewertung. Franziskus war sich nicht sicher, ob die Kongregation bei ihrer letzten „Feria quarta“, der Vollversammlung, bereits darüber beraten hat. Vatikansprecher Federico Lombardi präzisierte später, dass dies noch nicht der Fall gewesen sei. Es gehe, so Franziskus weiter, zunächst um „einige Orientierungen für die Bischöfe“. Details nannte er aber nicht.

Auf die Frage, ob und wann er Kroatien besuchen werde, erklärte Franziskus: „Ich weiß nicht, wann das sein wird. Jetzt erinnere ich mich an die Frage, die ihr mir gestellt habt, als ich nach Albanien gefahren bin: ‚Sie beginnen ihre Europareisen in einem Land, das nicht zur EU gehört‘. Und ich habe geantwortet: ‚Das ist ein Zeichen. Ich möchte meine Europareisen ausgehend von den kleinsten Ländern machen. Und auf dem Balkan gibt es gefolterte Länder, die sehr gelitten haben!‘ Sie haben viel gelitten. Und daher liegt meine Präferenz hier!“

Gegen die „Friedens-Heuchler“

In Ergänzung zu seinen Worten bei mehreren Reden in Sarajevo über eine latente Kriegsstimmung in der Welt und seine Kritik an den Mächtigen, die über Frieden sprächen und unter der Hand Waffen verkauften, sagte er: „Ja, es gibt Heuchelei, immer! Deshalb habe ich gesagt, dass es nicht ausreicht, vom Frieden zu sprechen. Man muss den Frieden machen! Und wer nur vom Frieden spricht, ihn aber nicht macht, steht in einem Widerspruch. Und wer von Frieden spricht und den Krieg bevorzugt, etwa durch den Verlauf von Waffen, ist ein Heuchler. Das ist ganz einfach.“

Schließlich gab es eine Frage zu den freien Worten von Papst Franziskus beim Jugendtreffen in Sarajevo.  Da hatte der Pontifex angemahnt, dass die Jugendlichen genau hinschauen müssten, was sie lesen und sich anschauen. „Es gibt zwei Dinge, die man unterscheiden muss: die Modalität und der Inhalt. Zur Modalität. Es gibt eine Sache, die der Seele schadet, und das ist, wenn man zu sehr mit dem Computer verbunden ist. Zu sehr mit dem Computer verbunden zu sein, schadet der Seele und beschneidet die Freiheit. Es macht dich zum Sklaven des Computers. Es ist interessant: In vielen Familien sagen mir die Väter und Mütter:  Wir sitzen zu Tisch und die Kinder sind mit ihren Telefonen in einer anderen Welt. Es ist wahr, dass die virtuelle Sprache eine Realität ist, die wir nicht negieren können. Wir müssen sie auf einen guten Weg bringen, damit sie zu einem Fortschritt der Menschheit werden. Aber wenn sie uns wegführen vom gemeinsamen Leben, vom Leben der Familie, vom sozialen Leben, auch vom Sport, von der Kunst und wir nur mit dem Computer verbunden bleiben, ist das eine psychologische Krankheit. Sicher! Ja, es gibt da schmutzige Dinge, die zur Pornografie oder Semipornografie führen, zu nutzlosen/leeren Programmen, ohne Werte: zum Beispiel relativistische, hedonistische, konsumistische Programme, die alle diese Dinge schüren. Wir wissen, dass der Konsumismus ein Krebs der Gesellschaft ist, der Relativismus ein Krebs unserer Gesellschaft ist. Darüber werde ich in meiner nächsten Enzyklika sprechen, die noch in diesem Monat erscheinen wird. Ich habe das Wort Schmutz benutzt, um etwas Generelles zu sagen. Aber das wissen wir alle. Es gibt Eltern, die sehr besorgt sind und die nicht erlauben, dass die Computer in den Kinderzimmern stehen. Die Computer sollten an einem gemeinsamen Ort des Hauses stehen. Das sind kleine Hilfen für die Eltern, um das zu vermeiden.

Kein Problem mit Frankreich?

Eine Journalistin hatte dann noch nachgefragt, wann Franziskus nach Frankreich kommen werde. Und ob es da nicht gerade ein „kleines Problem“ mit Frankreich gebe – in Anspielung auf die noch Ausstehende Akkreditierung eines neuen Botschafters Frankreichs beim Heiligen Stuhl. Was die Reise anbetrifft, so wolle er nach Frankreich kommen. „Das habe ich den französischen Bischöfen versprochen!“  Ein Datum nannte er aber nicht. Zum zweiten Teil der Frage stellte er lediglich fest: „Die kleinen Probleme sind keine Probleme!“ Franziskus wäre sicherlich noch bereit gewesen, weitere Fragen zu beantworten. Doch die Organisatoren der Reise drängten auf ein schnelles Ende; da noch ein Abendessen serviert werden sollte und die restliche Flugzeit zu diesem Zeitpunkt noch rund 30 Minuten betrug. Vor der kurzen PK war der Papst durch die Reihen gegangen, um jeden Journalisten einzeln zu begrüßen – ohne große Worte, meist mit einem kurzen Handschlag.

P.S. Die Audienzen für die lateinamerikanischen Politiker heute und der Beginn der K9-Beratungen des Kardinalsrats morgen waren unter anderem ein Grund, warum Wladimir Putin erst am Mittwoch einen Termin beim Papst bekommen hat. Eigentlich wäre der russische Präsident gerne während des G7-Treffens in den Vatikan gekommen, um der Welt zu signalisieren, dass er nicht isoliert ist. Doch der Papst vertröstete ihn mit Blick auf seinen Terminkalender auf Mittwoch – auch mit Rücksicht auf das G7-Treffen. Denn Konfrontation ist in diesem Fall aus seiner Sicht nicht der richtige Weg.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.