Diskussion um Homo-Ehe

Scharfe Worte kommen aus dem Vatikan als Reaktion auf die Volksabstimmung in Irland zur Homo-Ehe. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erklärte, dass dies „nicht nur eine Niederlage der christlichen Prinzipien war, sondern auch ein wenig eine Niederlage der Menschheit“. Eine Mehrheit von knapp 62 Prozent der Iren hatte sich am Wochenende für die Legalisierung der „Homo-Ehe“ ausgesprochen. Vertreter der katholischen Kirche aus unterschiedlichen Ländern haben in den vergangenen Tagen bereits die Einführung einer „Homo-Ehe“ scharf kritisiert. Zugleich gab es aber auch Stimmen, die einen „realistischen“ Umgang der Kirche mit dem Thema forderten. „Man kann nicht den Kopf in den Sand stecken und eine verbreitete gesellschaftliche Realität nicht juristisch anerkennen“, erklärte etwa der italienische Bischof Domenico Mogavero. Das Ergebnis der Volksabstimmung in einem der katholischsten Länder Europas sei ein Weckruf für Italien, so der Bischof von Mazara del Vallo auf Sizilien. Die Deutsche Bischofskonferenz stellte unterdessen klar, dass sie eine Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe ablehne.

Keine Ehe, aber zivilrechtliche Regelungen

Nicht nur politisch wird das Thema Homo-Ehe nach der irischen Volksabstimmung in Europa wieder einmal kontrovers diskutiert. Auch innerhalb der katholischen Kirche steht das Thema einmal mehr hoch oben auf der Tagesordnung. Dabei scheint eines klar: eine Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe kommt für katholische Kirchenobere nicht in Frage. Anders sieht es aus, wenn es um zivil-rechtliche Regelungen für gleichgeschlechtliche Paare geht bzw. auch um eine neue moralische Bewertung solcher Beziehungen. Hier gibt es innerkatholisch Diskussionen und unterschiedliche Positionen. Das hat nicht zuletzt die Außerordentliche Synode im vergangenen Oktober gezeigt.

Dazu kommt noch ein weiteres Thema: die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Die wird seit einigen Wochen in Deutschland wieder verstärkt diskutiert, seit das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich bei seiner letzten Vollversammlung Anfang Mai für eine solche Segnung ausgesprochen hat. Scharfe Reaktionen gab es darauf von zahlreichen deutschen Bischöfen. Und auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete die Forderung als „mit Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar“. „Die Forderung nach einer ‚vorbehaltlosen Akzeptanz‘ des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften widerspricht ebenfalls der Lehre und Tradition der Kirche“, so Marx in seiner Erklärung.

Homosexualität auch Thema bei nächster Synode

Noch während der Außerordentlichen Synode hatte Marx eine Öffnung in Richtung einer Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die auf Dauer und Treue angelegt sind, gezeigt. Ob der Münchner Erzbischof von seiner damaligen Position mittlerweile abgerückt ist oder schlicht nicht den anstehenden Diskussionen bei der Ordentlichen Synode im Oktober 2015 vorgreifen möchte, ist aktuell schwer zu beurteilen. Nachdem das Thema derzeit politisch heftig diskutiert wird, wird es sicherlich auch auf der Synode eine Rolle spielen. Obwohl der Vatikan es eigentlich aus der Debatte eher heraushalten wollte, da es ja im Ehe und Familie gehen sollte – und diese aus offizieller katholischer Sicht ja nichts mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu tun haben. Kardinal Walter Kasper zeigte sich heute im Interview mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera überzeugt, dass die Synode über den Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren werde sprechen müssen. Bei der letzten Synode sei das Thema eher marginal gewesen, doch jetzt werde es zentral. „Man hat zu lange geschwiegen zu diesen Themen. Jetzt ist der Moment, um sie zu diskutieren“, so Kasper in Bezug auf die Partnerschaften und die Kirche. Eine Gleichstellung mit der Ehe lehnt Kasper klar ab. „Wenn es aber eine dauerhafte Beziehung gibt, die Elemente des Guten enthält, müssen wir das würdigen. Aber wir können sie nicht gleichstellen. Das geht nicht.“

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin äußerte sich übrigens auch kurz zur Diskussion um den französischen Botschafter Stefanini. Hier sei der Dialog mit Paris noch offen. Der Vatikan hat bisher die Akkreditierung des neuen französischen Botschafters nicht akzeptiert. In den Medien wurde darüber spekuliert, dass dies mit der sexuellen Orientierung Stefaninis zusammenhänge. Der Diplomat ist schwul. Allerdings wurde dies durch gezielte Indiskretionen öffentlich gemacht. Durch die Instrumentalisierung und Politisierung der sexuellen Orientierung legte der Vatikan das Verfahren erst einmal auf Eis. Papst Franziskus traf sich im April zu einem 40-minütigen Gespräch mit Stefanini. Darin versicherte er dem Franzosen, dass die Hängepartie nichts mit seiner Person zu tun habe und die Sache, entgegen anderslautender Medienberichte – noch nicht entschieden sei. Es ist davon auszugehen, dass der Vatikan erst einmal Ruhe in das Verfahren bringen will.

Vorbereitungen auf Synode laufen auf Hochtouren

Am Montag hatte die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit den Bischofskonferenzen Frankreichs und der Schweiz an der Päpstlichen Universität Gregoriana einen Studientag zum Thema „Ehe und Familie“ durchgeführt – hinter verschlossenen Türen, um eine möglichst offene Diskussion zu ermöglichen; allerdings waren einige Medienvertreter als Beobachter geladen. Aus Sicht von Teilnehmern kam es zu einem guten und offenen Dialog zwischen Theologen und Bischöfen unterschiedlicher Sprache und Denktradition.

Zeitgleich zum Symposion an der Gregoriana tagte am Montag und auch am Dienstag der Synodenrat. Er legte letzte Hand an das Arbeitspapier für die Bischofssynode im Herbst. Kardinal Odilo Scherer, Mitglied im Synodenrat, kündigte heute an, dass das Instrumentum Laboris Mitte Juli veröffentlicht werden soll. Papst Franziskus nahm übrigens an beiden tagen an den Beratungen des Synodenrats teil. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig ihm Inhalt und auch Form der Synode sind. Nach einer Mitteilung des Vatikans diskutierte der Synodenrat sowohl über die Eingaben der Bischofskonferenzen auf den neuerlichen Fragebogen, als auch über Vorschläge des Synodensekretariats für eine „Überarbeitung der Methodologie der Arbeitsweise der nächsten Synode“.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.