Papst feiert Gründonnerstag im Knast

Mit einem Gottesdienst im römischen Gefängnis Rebibbia hat Papst Franziskus die Kar- und Osterfeierlichkeiten eröffnet. Beim Gottesdienst wusch er zwölf Gefangenen die Füße, darunter auch Frauen und ein Kleinkind. Die sechs Männer und sechs Frauen stammen aus Italien, dem Kongo, Nigeria, Ecuador und Brasilien. Der Ritus erinnert an die Fußwaschung, die Jesus der Überlieferung nach bei seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl vorgenommen hat. Am Vormittag hatte Franziskus im Petersdom die Chrisammesse gefeiert. Dabei zeigte der Pontifex Verständnis dafür, dass manche Priester angesichts ihrer Arbeit auch müde seien. Er mahnte aber zugleich, die Kirche brauche „keine jammernden Hirten mit saurem Gesicht und auch nicht – was noch schlimmer ist – gelangweilte Hirten“.

Franziskus hatte nach seiner Wahl, die kurz vor Ostern 2013 stattgefunden hatte, mit der Tradition gebrochen, dass der Gottesdienst zum Gedenken an das Letzte Abendmahl in der Bischofskirche des Papstes, der Lateranbasilika, stattfindet und dabei Priestern die Füße gewaschen werden. Schon als Kardinal war Jorge Mario Bergoglio zu diesem Anlass immer in Gefängnisse, Altenheime oder Krankenhäuser gegangen. In den vergangenen beiden Jahren hatte Franziskus immer wieder Kritik konservativer Kreise hervorgerufen, weil er auch Frauen und Nichtkatholiken die Füße wäscht. Doch der Pontifex ließ sich dadurch nicht beirren und blieb auch in diesem Jahr seinem Kurs treu.

Papst: Keine müden Hirten

Die Predigt am Morgen hatte es in sich. Denn einerseits zeigte Franziskus Verständnis für Müdigkeit bei den Priestern. Doch zugleich machte er deutlich, dass die Priester sich immer ein Beispiel an Christus nehmen sollten. Der habe sich nie von den Bitten der Menschen belästigt gefühlt. Er warnte die Priester vor einer Verweltlichung. Das Bedürfnis, von der pastoralen Arbeit auszuruhen, dürfe nicht zum Bedürfnis nach den raffinierten Arten der Entspannung in der Konsumgesellschaft verleiten. Die Predigt hat den typisch franziskanischen mahnenden Ton. Doch will sie wohl eher eine Ermutigung sein, im Dienst für die Menschen nicht nachzulassen.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.