Der Vatikan und seine Bank

Täglich gibt es in diesen Tagen neue Meldungen über das Schicksal des deutschen Chefs der Vatikanbank IOR, Ernst von Freyberg. Klar ist, er wird die Leitung der Bank abgeben. Wilde Spekulationen gibt es über die Gründe. Dabei ist die Lösung einfach: Im Vatikan fallen in dieser Woche Entscheidungen über eine neue vatikanische Finanzarchitektur. Wenn diese Reformen greifen, muss die Vatikanbank von einem Vollzeit-Chef geführt werden. Das IOR wird nach der Reform anders aussehen als zuvor. Da braucht es dann auch ein Führungspersonal mit einem anderen Profil als bisher. Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Von Freyberg und einige andere haben in den letzten eineinhalb Jahren als Aufräumer gewirkt, die sich natürlich nicht nur Freunde gemacht haben. Wenn der neue Business-Plan Ende der Woche steht, sollen ihn „unbelastete“ neue Chefs umsetzen.

Reform der komplizierten Strukturen

Bisher ist die Situation undurchsichtig, sowohl was die Fülle an Gremien anbetrifft, als auch was die Zuständigkeit der verschiedenen Vatikanbehörden angeht. Das soll künftig anders werden. Ausgearbeitet hat den neuen Business-Plan federführend der neue Finanzminister und Chef des Sekretariats für Wirtschaft, Kardinal George Pell. Mitgewirkt haben Mitglieder des neu gegründeten Wirtschaftsrats unter der Leitung von Kardinal Reinhard Marx sowie die Spitze des IOR. Allein für die Vatikanbank gibt es bisher eine fünfköpfige Kardinalskommission, einen fünfköpfigen Aufsichtsrat bestehend aus Laien, einem Direktor sowie dem so genannten „Prälaten der Vatikanbank“, der als Bindeglied zwischen Kardinalskommission und Aufsichtsrat fungiert sowie im aktuellen Fall auch als enger Vertrauter des Papstes eine direkte Verbindung zu Franziskus schafft. Künftig könnte es nur noch ein Board geben, in demjeweils fünf Kardinäle und fünf Laien sitzen unter der Leitung eines Präsidenten, der ein Laie ist.

Daneben werden aber auch die Zuständigkeiten innerhalb des Vatikans neu verteilt. Auf dem Tisch liegen eine Reihe verschiedener Wirtschafts- und Finanzdienstleistungen, die bisher von verschiedenen Institutionen nebeneinander und gleichzeitig wahrgenommen werden. Dazu gehören die Verwaltung von Immobilien, von Vermögen des Vatikans, von Vermögen Dritter, die Abwicklung von Zahlungsverkehr und die Funktionen einer Zentralbank. Letzteres liegt bei der APSA, der vatikanischen Güterverwaltung. Die anderen Bereiche werden teilweise von der Vatikanbank IOR, teilweise von der APSA wahrgenommen. Auf Zukunft hin könnte es sein, dass die APSA sich um die Zentralbankfunktion sowie die Immobilienverwaltung kümmert, es ein neues Institut für Vermögensverwaltung gibt und für das IOR am Ende vor allem der Zahlungsverkehr bleibt. Das IOR hätte damit am Ende des Prozesses sein Gesicht grundlegend verändert. Damit braucht es an der Spitze des Instituts einen Mann, der Erfahrung mit Bankgeschäften hat und weniger einen Investmentspezialisten.

Papst will Klarheit

Für die Vermögensverwaltung könnte ein externes Unternehmen ins Spiel kommen. Hier haben in der vergangenen Woche italienische Medien bereits spekuliert, dass der maltesische Ökonom und frühere Zentralbankchef des Inselstaats, Joseph F.X. Zahra, versuchen könnte, Kapital aus den vatikanischen Umstrukturierungen zu schlagen. Zahra ist stellvertretender Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats, also des Marx-Gremiums, und zugleich Chef einer Wirtschaftsberatungsfirma, Misco Advisory Ltd., die er zusammen mit einem anderen Mitglied des Wirtschaftsrats, dem Italiener Francesco Vermiglio, gegründet hat. Zahra selbst wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern. Aus seinem Umfeld hieß es, diese seien ohne Fundament. Misco sei lediglich ein Management-Bildungs- und Marktforschungsunternehmen.

In der kommenden Woche wird es mehr Klarheit geben – auch zur Personalie von Freyberg. Dann wird auch der Jahresbericht 2013 der Vatikanbank IOR präsentiert werden. Damit wird es dann auch die konkreten Zahlen geben über die notwendigen Abschreibungen aufgrund früherer „unsauberer Geschäfte“, die Zahl der aufgrund der Säuberungsaktion geschlossenen Konten und vieles mehr. Vatikansprecher Federico Lombardi hat gestern noch einmal eigens betont, dass Ernst von Freybergs Arbeit „weiter sehr geschätzt und sehr positiv bewertet“ wird. Hinter diesem Statement steht auch der oberste Finanzmann des Vatikans, Kardinal George Pell, dem man bisweilen eine Distanz zu dem deutschen Banker nachsagt. Im Alltagsgeschäft hat sich davon in den letzten Monaten aber nichts gezeigt. Von Freyberg ist mit seiner Säuberungsaktion, mit der ihn noch Benedikt XVI. beauftragte hatte, vielen im Vatikan und außerhalb auf die Füße getreten. Doch er hatte die Rückendeckung von Papst Franziskus. Denn der möchte, wie schon sein Vorgänger, dass die Finanzgeschichten des Vatikans endlich aus den Schlagzeilen kommen. Das geht nur mit Konsequenz, Transparenz und Effizienz sowie einem ethisch sauberen Handeln. Das weiß auch Franziskus.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.