Keine Neuwagen mehr für Priester!?

Mit einem eher unauffälligen Termin, der es aber in sich hatte, ist heute Abend eine ereignisreiche Woche im Vatikan zu Ende gegangen. Nach neuen negativen Schlagzeilen zum Thema Finanzen, der ersten Enzyklika und der Ankündigung der Heiligsprechung von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. traf sich Papst Franziskus im Vatikan mit rund 6.000 Seminaristen sowie Novizinnen und Novizen – sprich dem Priester- und Ordensnachwuchs. Eine herzliche Begegnung mit viel Applaus – Franziskus fühlte sich sichtlich wohl – die ihm die Gelegenheit bot, in seiner gewohnt einfachen und direkten Art seine klare Botschaft rüberzubringen. Er forderte den Nachwuchs auf zu einem authentischen, evangeliumsgemäßen, glaubwürdigen Leben, einer Mischung aus Kontemplation und selbstbewusster Aktion/Mission. Er wünsche sich eine missionarische Kirche, so Franziskus.

Es ging heiter zu beim Treffen des Papstes mit dem Nachwuchs. (ap)

Der Berufung liege eine Freude zugrunde, die ihren Grund nicht im Besitz des neuesten Smartphones habe, des schnellsten Scooters oder des neuesten Autos. Franziskus wörtlich: „Ich sage Euch, ehrlich, es tut mir weh, wenn ich einen Priester oder eine Ordensfrau im neusten Automodell sehe. Das geht so nicht! Ich glaube, dass das Auto notwendig ist, weil man viel arbeitet und von da nach dort kommen muss. Aber nehmt ein bescheideneres, ja!? Und wenn Euch dieses tolle Modell gefällt, denkt an die vielen Kinder, die an Hunger sterben. Nur das!“

Das passt zu den Worten des südafrikanischen Kardinals Wilfried Fox Napier. Der Erzbischof von Durban gehört zum Kardinalsrat, der sich um die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls kümmert. Die Kardinäle hatten sich ja diese Woche im Vatikan getroffen, um die Bilanzen für 2012 abzusegnen. Nach einer der Sitzungen twitterte Napier: „Was für ein Kontrast. Am Sonntag habe ich noch 27 neue Katholiken gefirmt im tiefsten, ländlichen KwaZulu Natal. Am Dienstag sitze ich mit den anderen Kardinälen im Apostolischen Palast.  Wenn ich diese beiden Gesichter der Kirche vergleiche: ein einfacher, freudiger Glaube gegen „high-powered“ Finanzen, die mit Zahlen diskutiert werden, die für einfache Zulus unvorstellbar sind.“

Über die Begegnung mit Papst Franziskus schreibt Napier übrigens, dass es sehr interessant gewesen sei. Wie immer habe der Papst etwas Neues gebracht: „Dieses Mal sein fester Wille zu realen Reformen.“ Vieles müsse verändert werden, um wieder Glaubwürdigkeit zu gewinnen, in erster Linie Transparenz und eine ehrliche Buchführung. Napier zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Kardinäle – zumindest aus dem Wirtschaftsrat – bei den Veränderungen mit Franziskus an einem Strang ziehen werden.

Zurück zum Papsttreffen mit dem Kirchennachwuchs. Franziskus mahnte, nicht schlecht über andere zu reden. Er habe das früher auch gerne gemacht, was ihn heute beschäme. „Wenn ich mit einem Bruder oder einer Schwester ein Problem habe, bespreche ich es direkt mit ihm oder ihr oder mit jemandem, der helfen kann; aber ich spreche nicht darüber mit anderen, um ihn oder sie schlecht zu machen. Geschwätz ist übel!“ Franziskus ermahnte die jungen Seminaristen und angehenden Ordensleute, nicht vom besonderen Sport der Alten zu lernen: dem Sport des Lamentierens. Vielmehr sollten sie positiv denken. Das war ein authentischer Franziskus, den die 6.000 heute Abend in der Audienzhalle erlebt haben.  Auch wenn seine Botschaft mit großem Jubel aufgenommen wurde, leichte Kost ist es nicht.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.